DVD-Filmbeileger: Logikwölkchen am Gaunerhimmel

Von Johannes Sträter

Philosophen auf Mörderjagd, Schriftsteller im Lügengewirr und rachsüchtige Ehemänner: Mit frischen DVD-Beilagen bringt die Publikumspresse Abwechslung in schlaflose Sommernächte.

Computer Bild

"Der große Bluff", USA 2006. Regie: Lasse Hallström. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 111 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

New York, Anfang der siebziger Jahre: Dem erfolglosen Buchautor Clifford Irving (Richard Gere) steht das Wasser bis zum Hals. Kurzerhand behauptet er, die Exklusivrechte für eine Biografie des zurückgezogen lebenden Milliardärs Howard Hughes erhalten zu haben. Mit 500.000 Dollar Vorschuss in den Taschen verstricken er und sein Ko-Autor Richard Suskind (Alfred Molina) sich immer tiefer in ein Lügengewirr, das bald bis in höchste Regierungskreise reicht.

Der ebenso reiche wie exzentrische Filmemacher und Flugpionier Howard Hughes (1905-1976) ist in den USA eine Legende, sein Leben bietet reichlich Stoff fürs Kino. Lasse Hallström ("Gilbert Grape") nahm sich für seine unterhaltsame Hochstapler-Satire die Affäre um den Autor Clifford Irving vor. Fast ein Jahr lang konnte er seine Auftraggeber und die US-Medien an der Nase herumführen, bis Hughes schließlich selbst den Betrug aufdeckte. Da Irving und seine Komplizen sich stellten und den Großteil des ergaunerten Geldes zurückgeben konnten, kamen sie mit nur wenigen Monaten Haft davon. Doch bereits kurz vor Haftantritt dreht Irving den Spieß wieder um. Nach Abschluss hoch dotierter Autorenverträge ging er mit einem Buch über den Betrug an den Start: Erstauflage 750.000 Exemplare.

Bis 24. August im Handel

Screen Magazin

"Chaos", USA 2006. Regie: Tony Giglio. Länge: 101 Min. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis 3,99 Euro

Als der suspendierte Cop Quentin Conners (Jason Statham) während einer Geiselnahme des Bankräubers Lorenz (Wesley Snipes) unerwartet wieder seinen Dienst antreten muss, steht er vor einem Rätsel: Die Räuberbande hat sich mit großem Radau verabschiedet, aber in der Bank fehlt nichts. Seine Fahndung nach dem Dieb bringen Conners und seinen frisch gebackenen Kollegen Dekker (Ryan Phillipe) bald auf die Spur einer viel größeren Sache, in die auch die eigenen Kollegen tief verstrickt sind.

Nachdem Tony Giglio 2004 mit dem Low-Budget-Kriegsdrama "U-Boat" punkten konnte, durfte er es zwei Jahre später richtig krachen lassen: Für den Actionthriller "Chaos" verprasste er immerhin 12 Millionen Dollar. Besonders die zum Ende hin überkonstruierte Story wertet das ansonsten sauber produzierte Gesamtbild unnötig ab. Routinierter Hochglanz-Actioner, der das Potential seiner hochkarätigen Crew verschenkt. Kann man sich ansehen, muss man aber nicht.

Vom 23. August bis 26. September im Handel

SFT Magazin

"44 Inch Chest", GB 2009. Regie: Malcolm Venville. Format: 1,85:1 (16:9). Länge: 91 Min. FSK: 16 Jahre

und

"Renaissance", F 2006. Regie: Christian Volckmann. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 101 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 4,99 Euro.

Die Handlung des britischen Dramas "44 Inch Chest" ist schlicht: Der Gangster Colin Diamond (Ray Winstone) wird nach jahrelanger Ehe von seiner Frau Liz (Joanne Whalley) betrogen. Aus Wut verprügelt er sie und versinkt danach in Depressionen. Für seine Freunde ist klar: Liz neuer Lover muss bluten, damit es Colin wieder gut geht. Doch als sie ihn entführen, ist die Sache plötzlich gar nicht mehr so einfach.

Vor diesem simplen Rahmen entwickelt Malcolm Venville in seinem Spielfilmdebüt ein tiefgründiges Kammerspiel. Gestandene Darsteller wie Ray Winstone ("Sexy Beast") oder Ian McShane ("Death Race") geben erstklassige Einzelvorstellungen, verzetteln sich jedoch in ihren vielen kleinen Geschichten. Souverän gespieltes, aber etwas langatmiges Psycho-Drama, das eigentlich auf eine Theaterbühne gehört.

Das stylische Science-Fiction-Märchen "Renaissance" führt uns in das Jahr 2045. In Paris wird die führende Wissenschaftlerin des Pharma-Großkonzerns Avalon entführt, als sie gerade einem Geheimnis auf der Spur war, das die Welt verändern sollte. Bei der Suche nach ihr entdeckt Polizist Karas zusammen mit der Schwester der Entführten eine gefährliche Verschwörung.

Für seinen komplett animierten Film bediente sich der Franzose Christian Volkmann des "Performance-Capture"-Verfahrens. Dabei werden die Bewegungen und die Mimik realer Schauspieler digitalisiert, um mit den Daten im Computer lebensechte Figuren zu generieren. Volkmann konstruierte durch das Vermeiden von Grautönen seinen Film als eine Art bewegten Scherenschnitt, dessen Stil deutlich an "Sin City" (2005) erinnert. Durch eine spannend inszenierte Krimi-Geschichte wird daraus ein ausgefallener Film-Noir.

Vom 29. August bis 25. September im Handel

TV Movie

"Oxford Murders", F/GB/E 2007. Regie: Álex de la Iglesia. Länge: 104 Min. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Der talentierte Student Martin (Eliah Wood) versucht in Oxford, den Mathematiker Arthur Seldon (John Hurt) als Doktorvater zu gewinnen. Doch der Professor entpuppt sich als Zyniker, der an nichts mehr Interesse hat. Die beiden finden erst zueinander, als Martins Vermieterin ermordet wird; denn Seldon hat einen Hinweis erhalten, der auf eine Reihe weiterer Morde hindeutet. Gemeinsam versuchen die Logiker, das Rätsel zu lösen, um den Mörder zu finden.

Guillermo Martinez, selbst promovierter Mathematiker, schrieb 2003 den Bestseller "Die Pythagoras-Morde", auf dem das Drehbuch zum Film von Álex de la Iglesia ("Perdita Durango") beruht. Der spanische Regisseur überraschte sein Publikum mit einem sehr untypischen Film. An Originalschauplätzen gedreht, entstand ein philosophisch aufgeladener Mystery-Thriller, der so gar nichts mit den am Horrorfilm angelehnten Komödien gemein hat, mit denen Iglesia bekannt geworden ist. John Hurt ("Der Elefantenmensch") und Eliah Wood ("Herr der Ringe") zeigen sich als gut eingespieltes Gelehrten-Paar, dessen männliche Eintracht nur kurz von Leonor Waltings Verführungskünsten bedroht wird. Vielseitig unterhaltsamer, streckenweise aber zu harmloser Mainstream-Thriller.

Bis 30. August im Handel

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1. Also wenn schon, dann richtig
omega99 21.08.2012
Wenn hier schon die DVDs unter Netzwelt besprochen werden, dann sollte man überlegen, ob man das noch unter DVD laufen lässt oder gleich unter Tauschbörsen. Ansonsten hat DVD soviel mit Netzwelt zu tun wie Kochrezepte mit Möbelhaus.
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