DVD-Filmbeileger: Killer und korrupte Journalisten

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Journalisten auf Abwegen, ein gemeines Gespenst, melancholische Teenager - und ein zu Unrecht gefloppter Fantasyspaß mit Bill Murray. Das November-Filmprogramm der Publikumspresse hat einiges zu bieten. Wir helfen Ihnen, die richtige Auswahl zu treffen.

Screen DVD Magazin

"Shattered Glass", USA 2003. Regie: Billy Ray. Format: 1,66:1 (16:9). Länge: 89 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,99 Euro.

Im Mai 1998 endete die steile Karriere des talentierten Journalisten Stephen Glass mit einem lauten Knall. Der gefeierte Nachwuchs-Star des US-Magazins "The New Republic" hatte eine Reportage über den angeblichen Computer-Hacker Jukt Micronics komplett frei erfunden. Als sich herausstellte, dass er sowas nicht zum ersten Mal getan hatte, war der Skandal perfekt. Während das traditionsreiche, seit 1914 existierende Politik-Magazin hart um seinen Ruf kämpfen musste, wurde aus Glass im Jahr 2003 doch noch ein kleiner Star. Zuerst publizierte er den Roman "The Fabulist", in dem er seine abenteuerliche Fälscher-Karriere abfeierte. Kurz darauf lief der Film zu seiner Geschichte in den Kinos an, der jedoch auf einem Artikel des Journalisten Buzz Bissinger von 1998 beruht und ohne Stephen Glass' Mitarbeit entstand. Drehbuchautor Billy Ray ("Flightplan") zeigt in seinem Regiedebut, wie aus dem charmanten Glass (Hayden Christensen) ein erfolgreicher, bei seinen Kollegen beliebter Journalist wird. Als sein Chefredakteur Charles Lane (Peter Sarsgaard) auf Recherchelücken in einer von Glass' Reportagen hingewiesen wird, stößt das auf den Widerstand der gesamten Redaktion. Doch Lane gräbt vorsichtig weiter, denn wenn er Recht hätte, stände sein Magazin vor dem Abgrund. Spannendes Enthüllungsdrama, das hierzulande leider nie in den Kinos lief.

Bis 30. November im Handel

SFT Magazin

"City of Ember", USA 2008. Regie: Gil Kenan. Format: 2,35 (16:9). Länge: 90 Min. FSK: 12 Jahre

und

"Halloween H20", USA 1998. Regie: Steve Miner. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 82 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 4,50 Euro.

Zwischen märchenhafter Familienunterhaltung und schaurigem Horror versucht die "SFT" diesmal einen breiten Spagat. Tief unter der lebensfeindlichen Erdoberfläche haben Wissenschaftler die Stadt Ember als letzte Zuflucht der Menschheit errichtet. Eigentlich sollten deren Bewohner nach 200 Jahren den Planeten neu besiedeln. Doch der Plan wird einfach vergessen. Erst als die Stadt kurz vor dem Kollaps steht, entdecken die junge Lina (Saoirse Ronan) und ihr Freund Doon (Harry Treadaway) einen Ausweg. Doch die Zeit wird knapp und der korrupte Bürgermeister Cole (Bill Murray) versucht alles, um sie an ihrem Vorhaben zu hindern. Nach ihrem Erfolg mit den "Chroniken von Narnia" (2005) erwarb die Produktionsfirma Walden Media die Filmrechte an einer ähnlich fantastischen Romanserie der Autorin Jeanne DuPrau. Im nordirischen Belfast entstand ein gigantischer Set, namhafte Darsteller und erfahrene Filmschaffende wurden engagiert, doch die Geschichte war zu groß für einen einzigen Film. Mit nur 18 Millionen Dollar Einnahmen floppte das 55 Millionen teure Experiment an der Kinokasse. Übrig blieb ein ausbaufähiges, optisch reizvolles Abenteuer, das für den Fernsehschirm eigentlich viel zu schade ist.

Aus einer ganz anderen Ecke kommt der siebte Teil des Horror-Klassikers "Halloween". Zwanzig Jahre, nachdem ihr Bruder Michael Myers ein Massaker unter ihren Freunden angerichtet hat, leidet Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) noch immer unter den grausamen Erlebnissen jener Halloweennacht von 1978. Ihr Sohn John (Josh Hartnett) kann die Geschichte schon nicht mehr hören, doch Lauries Ängste sind nicht unbegründet, denn Michael ist nicht tot und kehrt nun zurück, um erneut zu versuchen, sein Werk zu vollenden. John Carpenter setzte sich 1978 eine Denkmal mit dem ersten Teil einer Geschichte, die immer nach dem gleichen Muster funktioniert: Ein gnadenloser Mörder metzelt in dunkler Nacht nieder, was ihm vors Messer kommt. Wieder einmal zeigt Jamie Lee Curtis ("True Lies") in ihrer Stammrolle als Scream Queen, wie man so etwas überlebt - viel Neues passiert dabei nicht, aber das ist auch nicht nötig.

Bis 29. November im Handel

Super Illu

"Das Schulgespenst", DDR 1986. Regie: Rolf Losansky. Format: 1,33:1 (4:3). Länge: 81 Min. FSK: 6 Jahre. Heftpreis: 2,90 Euro.

Wie schon in "Moritz in der Litfaßsäule", der vor einigen Wochen Teil der Kinderfilmreihe der Super Illu war, gelang es Regisseur Rolf Losansky auch in seinem Film "Das Schulgespenst", kindliche Fantasiewelten in einer Symbiose aus Trick und Realfilm zum Leben zu erwecken. Heldin ist diesmal die kleine Carola Huflattich (Nicole Lichtenheldt), deren Widerspenstigkeit ihre Umwelt in den Wahnsinn treibt. Als sie in der Schule das brave Gespenst "Buh" kennenlernt, beschließen beide, für kurze Zeit die Rollen zu tauschen. Carola, nun unsichtbar, ist begeistert, vermisst jedoch bald ihre Freunde. Außerdem will Buh seine neue Rolle überhaupt nicht mehr aufgeben - da kann nur noch Carols Freund Willi (Ricardo Roth) helfen. Ein Film, der, ebenso wie die Buchvorlage von Peter Abraham, Kinder und Jugendliche bis heute unterhalten kann.

Vom 3. bis 9. November in Handel.

TV Direkt

"Tenderness", USA 2009. Regie: John Polson. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 96 Min. FSK: 16 Jahre

und

"Whitechapel", TV-Serie. GB 2009. Regie: S. J. Clarkson. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 45 Min (Teil 2). FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 2,20 Euro.

Detective Cristofuoro (Russell Crowe) steht kurz vor seiner Pensionierung, als Eric Poole (Jon Foster), ein jugendlicher Mörder, den er einst festnahm, entlassen wird. Der Polizist ist überzeugt, dass der Junge wieder morden wird, und lässt ihn nicht aus den Augen. Eric versucht, Abstand zu gewinnen, doch auf dem Weg in eine andere Stadt taucht plötzlich Lori (Sophie Traub), ein einsames Nachbarmädchen, neben ihm im Auto auf. Neugierig geworden nimmt er sie mit, ohne zu ahnen, dass sie mit seiner Hilfe einen lang gehegten Plan verwirklichen will. John Polsons bislang letzter Kinofilm gleicht über lange Strecken einem Rätsel. Nur häppchenweise verrät der Regisseur seinen Zuschauern, warum seine Protagonisten so abgrundtief traurig sind - manches erfährt man auch gar nicht. Dazwischen entsteht viel Raum für eigene Interpretationen. Doch im entscheidenden Moment gibt Polson wieder eine Deutung vor, die dann allerding düsterer ausfällt, als man sich das gewünscht hätte. Ein zutiefst melancholisches Roadmovie ohne Hoffnung auf ein gutes Ende.

Zur Entspannung bietet sich anschließend die zweite Episode der britischen TV-Serie "Whitechapel" an. Der frischgebackene Inspector Joseph Chandler (Rupert Penry-Jones) sucht weiter nach einem grausamen Imitator des legendären Serienmörders Jack the Ripper. Auch diesmal wieder ein schaurig-skurriler Krimispaß.

Bis 10. November im Handel

TV Movie

"Hitman", F/USA 2007. Regie: Xavier Gens. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 85 Min. FSK: 16 Jahre (gekürzt). Heftpreis: 3,50 Euro.

Niemand weiß etwas Näheres über Agent 47 (Timothy Olyphant), einen genetisch aufgemöbelten Killer, gezüchtet von einer geheimnisvollen Sekte. Diesmal soll er den russischen Präsidenten Belicoff (Ulrich Thomsen) töten, doch obwohl der Auftrag erfüllt scheint, taucht das Opfer wieder auf. Mit der Hilfe von Nika (Olga Kurylenko), der ehemaligen Sexsklavin Belicoffs, begreift Agent 47, dass er als Marionette in einem politischen Machtspiel dient. Die Verfilmung des gleichnamigen Computerspiels verschlang etwa 24 Millionen Dollar und überzeugt durch seine gradlinige, kühle Atmosphäre, die der digitalen Vorlage recht nahe kommt. Das wäre wohl noch klarer geworden, wenn nicht Streitigkeiten mit Regisseur Xavier Gens dazu geführt hätten, dass die Produktionsfirma 20th Century Fox den Film veränderte, um eine Fortsetzung im Sinne des Spiels zu verhindern. Trotzdem fielen gerade die Kritiken aus dem Gamer-Lager eher positiv aus, während das Kinomagazin Cinema den Film als "wüste, wirre Ballerorgie" abqualifizierte. Das trifft wohl besonders auf die ungekürzte Version zu. Der vorliegenden, jugendfreien Fassung fehlen ganze Blöcke dieser Szenen. Sie ist zu einem harmlosen Action-Filmchen zurechtgestutzt worden - mit dem Gewaltlevel eines "James Bond" aus den achtziger Jahren.

Bis 10. November im Handel

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