DVD-Filmbeileger: Kleine Teufel auf großem Fang

Von Johannes Sträter

Verzweifelte Nordseefischer auf Abwegen, ein greisenhafter Rockmusiker als Rache-Engel und ein Actionstar im Gefühlskino: Das Beilegerprogramm zum Monatsende bietet neben gepflegter Unterhaltung wieder interessante Entdeckungen abseits des Mainstreams.

Computer-Bild

"Hardball", USA 2001. Regie: Brian Robbins. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 101 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

Kleinganove Connor O'Neal (Keanu Reeves) hat wieder einmal eine Wette verloren und seine Gläubiger verprellt. Als er einen Freund um Kredit bittet, stellt der ihm eine unerwartete Bedingung: Er soll gegen Lohn ein Baseball-Team benachteiligter Ghettokinder trainieren. Lustlos willigt Connor ein, doch der Mut der Kinder und das Engagement der Lehrerin Elizabeth (Diane Lane) wecken bald seinen Ehrgeiz.

Der hochbezahlte Actionstar Keanu Reeves ("Matrix") pflegt neben seinen Auftritten in Blockbustern regelmäßig in kleineren Filmproduktionen wie "Der dunkle Schirm" (2006) das Image des Charakterdarstellers. Für Brian Robbins ("Versity Blues") Sozialdrama, das auf dem gleichnamigen Bericht Daniel Coyles über ein Projekt in den Armenvierteln Chicagos fußt, ist er das Werbezugpferd. Die eigentlichen Stars sind die als Baseballmannschaft auftretenden Kinder. Charmant und authentisch hätten sie den größten Anteil an dem Gewinn von 12 Millionen Dollar verdient, den die ansonsten wenig überraschende 32-Millionen-Dollar-Produktion einspielte. Ein Rührendes Gesellschafts-Märchen für die ganze Familie.

Bis 23. September im Handel

Screen DVD Magazin

"True North - Der letzte Fang", D/GB/IRL 2006. Regie: Steve Hudson. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 92 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,99 Euro.

Das Meer bietet den Fischern auf dem Trawler "Providence" kaum noch genügend Beute, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Vom Konkurs bedroht entschließt sich Sean (Martin Compston), der Sohn des Kapitäns, heimlich illegale Einwanderer über die schottische Grenze zu schleusen. Doch das Boot ist länger auf See, als Sean dachte, und der vermeintlich schnelle Job wird zu einem tödlichen Drama.

Der gebürtige Brite Steve Hudson, hierzulande in der Rolle des Philipp Brandner aus der TV-Serie "Verbotene Liebe" bekannt, erfüllte sich den lange gehegten Wunsch, einen Film auf dem Meer zu drehen. Seine Geschichte wirkt am Ende überzeichnet, ist jedoch näher an der Realität, als man denkt, wie ein ähnlicher Fall aus dem Jahr 2000 belegt. Die großartigen Schauspieler, allen voran Peter Mullan ("Mein Name ist Joe") als raubeiniger Matrose, eine dichte Atmosphäre und die authentischen Aufnahmen machen die begrenzten dramaturgischen Fähigkeiten des Gelegenheitsregisseurs Hudson jedoch vergessen. Ein interessantes, bedrückendes Kammerspiel für Filmfreunde, die abseits des Mainstreams fischen.

Bis 26. Oktober im Handel

TV Direkt

"The Sentinel", USA 2006. Regie: Clark Johnson. Format: 2,40:1 (16:9). Länge: 103 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 2,20 Euro,

Zum Auftakt ihrer Filmbeileger-Reihe für den Herbst macht die "TV Direkt" keine Experimente und präsentiert einen Thriller, in dem gestandene Hollywood-Stars routiniert zeigen, was sie in ihrer Karriere gelernt haben. Pete Garrison (Michael Douglas), ein altgedienter Agent des Secret Service, ist für die Sicherheit des Präsidenten verantwortlich. Als Pläne über ein Attentat auf den Staatschef bekannt werden, gerät der Personenschützer plötzlich selbst in Verdacht, darin verwickelt zu sein. Um seine Unschuld zu beweisen, taucht er unter, und wird nun ausgerechnet von seinem alten Partner David Breckingridge (Kiefer Sutherland) gejagt.

Clark Johnson ("S.W.A.T") bedient sich ungeniert bei erfolgreichen Vorgängern wie "In the Line of Fire" (1993) oder "Auf der Flucht" (1993) und formt daraus einen sauber inszenierten Verschwörungs-Krimi von der Stange. Merkwürdig wirkt bei manchen Zuschauern vielleicht die Besetzung des Präsidenten mit David Rasche, der in den achtziger Jahren als "Sledge Hammer", dem pistolenverliebten Polizisten der gleichnamigen TV-Serie bekannt wurde. Ansonsten bietet der Film wenig Originalität, aber gepflegte Spannung auf gehobenem Niveau.

Bis 30. September im Handel

TV Movie

"Vengeance", F/HK 2009. Regie: Johnnie To. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 98 Min (gekürzt). FSK: 16 Jahre. und "Daredevil", USA 2003. Regie: Mark Steven Johnson. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 127 Min (Directors Cut). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Gegen die Herbst-Konkurrenz im TV-Programmheft-Segment versucht die "TV Movie" mit einem actionreichen Film-Doppelpack zu punkten. Im ersten Film wird der ehemalige, französische Auftragskiller Castello (Johnny Hallyday) jäh aus seinem Ruhestand gerissen, als Unbekannte im fernen Hongkong seine Tochter schwer verletzen und ihre Familie töten. Zusammen mit drei ortskundigen Berufskollegen macht er sich in de asiatischen Metropole daran, die Täter zu finden.

Actionregisseur Johnnie To ("Heroic Trio") drehte eine stilsichere Hommage an Jean-Pierre Melville, den Meister des französischen Film Noir, der die Figur des Killers Castello bereits 1967 in "Der eiskalte Engel" mit Alain Delon erschuf. Da Delon ein Engagement ablehnte, nahm Johnnie To den französischenRock-Musiker Johnny Hallyday für die Hauptrolle unter Vertrag. Leider schafft der mittlerweile 68-jährige es nicht, die Figur Castellos mit Leben zu füllen, doch das nimmt Johnnie Tos ansonsten klasse gemachtem Rachethriller nur die Spitze.

Rache ist auch im zweiten Film das beherrschende Thema. Bereits als Kind verlor Anwalt Matt Murdock (Ben Affleck) durch einen Unfall mit radioaktivem Abfall sein Augenlicht, entwickelte aber seine verbliebenen Sinne zu übermenschlicher Schärfe. Geprägt vom Mord an seinem Vater nutzt Matt seine Fähigkeiten nun, um als "Daredevil" verkleidet freigesprochene Kriminelle zu richten. Gut geht es ihm dabei nicht, bis er die schöne Elektra (Jenniffer Garner) kennen lernt. Doch das Glück dauert nicht lange an.

Die Verfilmung der 1964 erfundenen und in den achtziger Jahren erweiterten Comicvorlage gehört - trotz der eingeflochtenen Romanze - zu den düsteren, aber auch brutaleren Exemplaren dieses Genres. Ursprünglich sorgte der geringe Actionanteil der ab 13 Jahren freigegebenen Kinofassung für Kritik. 2005 erschien deshalb ein 30 Minuten längerer, um Kampfszenen und einem neuen Handlungsstrang erweiterter Directors Cut auf DVD, den jetzt auch die "TV Movie" beilegt. Vermutlich wäre Ben Affleck ("Armageddon") damit die Verleihung einer Goldenen Himbeere für den schlechtesten Schauspieler im Jahr 2004 erspart geblieben.

Bis 30. September im Handel

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