DVD-Filmbeileger: Kleine Weltverbesserer, große Geschichtenerzähler

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Zum Ende der Ferienzeit warten die DVD-Filmbeileger der Publikumsmagazine mit großem Programm auf: Eine legendäre Gräfin, ein unglaubliches Monster und ein gelähmter Stuntman entführen Zuschauer in ein cineastisches Phantasiereich, das manchmal sogar ganz ohne Computereffekte auskommt.

Computer-Bild

"Way of War", USA 2008. Regie: Jon Carter. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 86 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

US-Elitesoldat David Wolfe (Cuba Gooding Jr.) überlebt als einziger einen Sondereinsatz in Pakistan, wird aber trotzdem in seiner Heimat für tot erklärt. David ahnt, dass er als lästiger Zeuge eines Geheimnisses ausgeschaltet werden soll. Mit allen Mitteln versucht er, seine Haut zu retten und bekommt dabei Hilfe von unvermuteter Seite.

Als Sohn eines erfolgreichen Soul-Sängers gleichen Namens machte Cuba Gooding Junior ("Boyz 'n the Hood") früh im Filmbusiness Karriere. Mit 29 erhielt er einen Oscar, fünf Jahre später durfte er sich mit einem Stern auf dem Hollywood Boulevard verewigen, aber in Solo-Hauptrollen wie in "Way of War" sieht man ihn trotzdem selten. Dass er sich dafür ausgerechnet diesen Film ausgesucht hat, spricht nicht gerade für seinen Manager, ist für den Zuschauer aber ein Glücksgriff. Denn ohne Cuba Goodings überzeugende Darstellung und der Spielfreude seiner Kollegen wäre dieser schwach inszenierte Pseudo-Polit-Thriller vollends gescheitert.

Bis 26. August im Handel

Screen DVD Magazin

"Báthory - Die Blutgräfin", GB/CZ/H/SK 2008. Regie: Juraj Jakubisko. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 134 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,99 Euro.

Ungarn im 16. Jahrhundert: Die schöne Adelige Elisabeth Báthory (Anna Friel) versucht in dem von Unruhen erschütterten Land ihre Machtposition zu halten, während ihr Mann Ferenc (Vincent Regan) weit weg in Schlachten kämpft. Das Leben ist einsam und voller Sehnsucht, bis sie den Maler Merisi (Hans Matheson) kennen und lieben lernt. Doch Ferenc kommt dahinter und lässt sich zu einer Tat hinreißen, die seine Frau für immer verändern wird.

Hintergrund dieses Films: Im Jahr 1611 wurde die ungarische Gräfin Erzsébet Báthory (1560-1614), möglicherweise aus politischen Gründen, als Serienmörderin verurteilt und eingemauert, was in den nachfolgenden Jahrhunderten genug Stoff für schaurige Legenden bot. So soll die "Blutgräfin" hunderte junge Frauen zu Tode gefoltert haben, um mit einem Bad in ihrem Blut ewige Jugend zu erlangen.

Juraj Jakubisko ("Frankensteins Tante") fügt diesen Geschichten nun eine weitere Interpretation hinzu. Opulent ausgestattet und geschickt besetzt bietet er eine Mischung aus Liebestragödie, Fantasymärchen und Historiendrama, das viele mögliche Wahrheiten über das Schicksal der historischen Gräfin durchspielt.

Bis 21. September im Handel

SFT Magazin

"Dead Heat - Tödliches Rennen", D/CDN 2001. Regie: Mark Malone. Format: 1,78 (16:9). Länge: 94 Min. FSK: 12 Jahre

und

"The Fall - Im Reich der Fantasie", GB/IND/USA 2006. Regie: Tarsem Singh. Format: 1,85:1 (16:9). Länge: 112 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 4,50 Euro.

Zum Ende der Sommerferien packt die SFT ein familientaugliches Unterhaltungspäckchen (FSK 12 Jahre) auf ihre DVD, an dem auch Erwachsene ihren Spaß haben werden. Im ersten Film liefern sich die ungleichen Brüder Pally (Kiefer Sutherland) und Ray LaMarr (Anthony LaPaglia) ein "Tödliches Rennen" mit der Mafia, nachdem bei dem Versuch, ihr Rennpferd zurück zu stehlen, ein Gangster erschossen wurde. Das Pferd hatte sich die Mafia als Pfand für Spielschulden des Jockeys unter den Nagel gerissen. Nun haben die Brüder zwar ihr Eigentum zurück, aber einen wütenden Unterwelt-Boss an den Hacken.

Zwischen den zahlreichen Höhepunkten seiner Filmkarriere spielte Kiefer Sutherland ("24") sich immer wieder tapfer durch allerlei Low-Budget-Produktionen, von denen "Dead Heat" eine der besseren ist. Sympathische Figuren und eine stimmige Krimigeschichte mit großem Showdown lassen über manche Dialog-Schwächen hinwegsehen: Überraschend authentisches Genre-Kino.

In ein "Reich der Fantasie" entführt der nach einem Unfall gelähmte Stuntman Roy (Lee Pace) seine kleine Mitpatientin Alexandria (Catinca Untaru). Von seiner Freundin betrogen will er sich das Leben nehmen und erfindet eine verrückte Geschichte über fünf mythische Helden, um an eine tödliche Dosis Morphium zu gelangen. Doch Alexandria, die ihm die Drogen besorgen soll, ist schwerer zu täuschen als er denkt.

Das indische Regietalent Tarsem Singh knüpft hier direkt an seinen Erfolg "The Cell" aus dem Jahr 2000 an, in dem sich ebenfalls alles um die schicksalhafte Verbindung zwischen Traum und Wirklichkeit dreht. Erneut schafft er es, surreale Welten beeindruckend zu inszenieren, diesmal sogar, ohne dabei auf digitale Effekte zu vertrauen. Alle Traumszenen sind über Jahre hinweg an 26 völlig realen Schauplätzen rund um den Globus entstanden, während Singh als Werbefilmer unterwegs war. Ein überbordendes Kinoabenteuer mit einer bezaubernden, damals erst neunjährigen Hauptdarstellerin.

Vom 31. August bis 27. September im Handel

Super Illu

"Ottokar, der Weltverbesserer", DDR 1977. Regie: Hans Kratzer. Format: 1,66:1 (4:3). Länge: 81 Min. FSK: o. A. Heftpreis: 2,99 Euro.

Der erste von zwölf Kinderfilmen aus den siebziger und achtziger Jahren, die in den kommenden Monaten mit der Super Illu als Filmbeileger erscheinen, macht uns mit dem elfjährigen Ottokar Domma (Lars Hermann) bekannt, der einfach keine Ungerechtigkeit ertragen kann. Dabei gerät er mit Erwachsenen ebenso aneinander wie mit Gleichaltrigen, bis er in dem neuen Klassenlehrer Burschelmann (Kurt Böwe) endlich einen Unterstützer findet.

Die Fantasiefigur Ottokar Domma ist eine autobiographisch inspirierte Erfindung des Lehrers und Schriftstellers Ottokar Häuser, der selbst Mitte der dreißiger Jahre wegen Aufsässigkeit der Schule verwiesen wurde. Zwischen 1967 und 2003 erschien ein Dutzend Erzählungen, in denen er den Alltag der DDR satirisch verarbeitete. Neben der Produktion von zwei Hörbüchern schaffte es zwar nur die Geschichte vom Weltverbesserer auf die Leinwand, doch der Erfolg Ottokars war über die Jahr hinweg so groß, dass sein Autor 2006 dafür mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde.

Vom 1. bis 7. September im Handel

TV Movie

"Der unglaubliche Hulk", USA 2008. Regie: Louis Leterrier. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 107 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro

Der Wissenschaftler Bruce Banner (Edward Norton) ist auf der Flucht, seit er während eines misslungenen Experiments zu viel Gammastrahlung abbekam. Verzweifelt versucht er, seine Krankheit in den Griff zu bekommen. Jedes Mal, wenn sein Puls zu schnell wird, verwandelt er sich in ein zerstörerisches, monströses Wesen. Die Lösung scheint nah, doch das US-Militär will ihn als Waffe nutzen und hetzt einen Gegner auf ihn, der bald selbst zum Problem wird.

Action-Spezialist Louis Leterrier ("The Transporter") versuchte nicht als erster, den berühmten Comic-Helden "Hulk" mit toller Optik auf die große Leinwand zu heben. Anders als sein Vorgänger Ang Lee im Jahr 2003 weckt seine prominente Crew mit Charakter-Schauspielern wie Edward Norton ("Fight Club"), Tim Roth ("Reservoir Dogs") oder William Hurt ("Kuss der Spinnenfrau") große Erwartungen. Doch genau daran scheitert er. Die Figuren bleiben blass, die ebenso tragische wie schräge Story hinter den rasanten Actionbildern wird nur angedeutet. Das enttäuscht besonders, da der Film von jenem Marvel Comicverlag selbst produziert worden ist, der 1962 das erste "Hulk"-Heft auf den Markt brachte. Fazit: Gut fotografiertes Fast-Food-Kino für "Hulk"-Kenner - alle anderen werden kaum verstehen, worum es hier eigentlich geht.

Bis 1. September im Handel

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