DVD-Filmbeileger: Rokoko-Teufel im Großstadtdschungel

Von Johannes Sträter

Prominent besetzte Thriller, Märchen mit Tiefgang und ein intelligent gemachtes Krimi-Drama: Zum Jahresbeginn sind unter den DVD-Beilegern der Publikumsmagazine Filme, die hierzulande kaum bekannt sind - auch als Blu-ray.

Computer Bild

"The Son of No One", USA 2011. Regie: Dito Montiel. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 89 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,90 Euro.

New York 2002: In der nervösen Atmosphäre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wird der Polizist Jonathan White (Channing Tatum) von dem Tod zweier Junkies eingeholt, den er einst verursachte. Damals deckte ihn Detective Stanford (Al Pacino), ein Freund der Familie, doch nun gerät die Geschichte durch die Reporterin Loren Bridges (Juliette Binoche) wieder ans Licht. Bald muss Jonathan sich entscheiden, ob er zu seiner Schuld steht - und damit seine eigenen Kollegen mit in den Abgrund zieht. Dito Montiel, der 2006 mit seinen Regiedebüt "Kids" die Filmszene beeindruckte, inszenierte hier ein unspektakuläres Drama über Korruption, Schuld und falsch verstandene Ehre in einer zutiefst verunsicherten Metropole. Die Liste seiner Darsteller glänzt mit Stars wie Al Pacino ("Der Pate"), Ray Liotta ("Good Fellas"), Juliette Binoche ("Der englische Patient") oder Katie Holmes ("Batman Begins"). Leider verzettelt sich Montiel hektisch in vielen kleinen Nebenschauplätzen und schafft es trotz all dieser großen Namen nicht, seinen Charakteren Leben einzuhauchen. So bleibt von einem ambitionierten, ideenreichen Projekt nur ein düsterer Cop-Thriller übrig, der sein Publikum nicht sonderlich berührt.

Bis 11. Januar 2013 im Handel

Super Illu

"Mit dem Teufel ist nicht gut spaßen", CSSR 1984. Regie: Hynek Bocan. Format: 1,33:1 (4:3). Länge: 88 Min. FSK: 6 Jahre. Heftpreis: 2,99 Euro.

Nach zehn Jahren Krieg ist das Königreich am Ende, nur der Müller verdient noch etwas Geld. Genau das Richtige für Dorota (Jaroslava Kretschmerová), die Geliebte des Ministers. Sie treibt den alten Mann in den Tod und lässt seinen Sohn Petr (Vladimír Dlouhý) verhaften, um das Erbe einzustreichen. Beeindruckt von so viel Sünde schickt der Teufel seinen Helfer Janek (Ondrje Vetchy), um Dorota in die Hölle zu holen. Doch der Helfer stellt sich reichlich dumm an, und erst gemeinsam mit Petr gelingt es ihm, seinen Auftrag zu erfüllen. Hynek Bocan ("Niemand wird lachen") hatte mehr als zwanzig Jahre Regieerfahrung, als er den Auftrag zu der Verfilmung des tschechischen Märchens "Des Teufels Schwager" aus der Sammlung Božena Nemcovás (1820-1962) übernahm. Zwischenzeitlich aus politischen Gründen mit Drehverbot belegt, beschäftigte er sich immer wieder mit gesellschaftspolitischen Themen. Sie scheinen auch in diesem phantasievollen Märchenfilm um Gier, Liebe und Moral durch, so zum Beispiel bei der Darstellung des kriegslüsternen Adels. Neben der Ausstattung im Rokokostil und lustigen Masken machen es vor allem die natürlich agierenden Darsteller zu einem Vergnügen, dieses humorvoll inszenierte Märchen mit Tiefe anzuschauen.

Bis 10. Januar 2013 im Handel

TV Movie

"Mr. Brooks - Der Mörder in dir", USA 2007. Regie: Bruce A. Evans. Format: 1,78:1 (16:9/1080p). Länge: 112 Min. FSK: 16 Jahre (gekürzt). Heftpreis: 3,50 Euro (DVD), 5,99 (Blu-Ray).

Der Geschäftsmann Earl Brooks (Kevin Costner) leidet unter einer Persönlichkeitsspaltung: Angetrieben von Marshall (William Hurt), seinem imaginären zweiten Ich, mordet er immer wieder. Eines Nachts unterläuft ihm ein Fehler - und er wird beobachtet. Doch der Zeuge (Dane Cook) verrät ihn nicht, sondern will beim nächsten Mal dabei sein. Earl willigt ein, ohne zu ahnen, dass die Polizistin Tracy Atwood (Demi Moore) bereits die Fährte des lange gesuchten Killers aufgenommen hat. Kevin Costner ("Der mit dem Wolf tanzt") hat in seiner Karriere bereits viele Charaktere verkörpert, doch der fiese Bösewicht blieb dabei die Ausnahme ("Crime is King"). An der Seite eines klasse aufspielenden William Hurt ("Dark City") holt er dies nun ausgiebig nach. Regisseur Bruce A. Evans baut geschickt Costners Markenzeichen, den gutherzigen Familienmenschen, mit in das Drehbuch ein. Das wirkt besonders am Ende überzeugend, als sich die eigentliche Tragödie des Serienkillers Brooks überraschend offenbart. Leider wurde die jugendfreie Version um drei Minuten gekürzt, wodurch zwar viele Gewaltspitzen, aber auch zwei für die Filmwirkung wichtige Szenen entfallen. Trotzdem bietet dieses technisch sauber produzierte, intelligent gemachte Krimi-Drama noch vieles von seiner ursprünglichen Wirkung.

Bis 17. Januar im Handel

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Wann nur?
zuagroaster 10.01.2013
Wann nur steigen die Zeitschriften endlich auf BluRay um? Ist nun mal der aktuelle Standard.
2.
dergenervte 13.01.2013
Zitat von zuagroasterWann nur steigen die Zeitschriften endlich auf BluRay um? Ist nun mal der aktuelle Standard.
Solange die meisten Leute einen DVD-Player benutzen, wird es auch DVDs in den Zeitschriften geben. Denn der Standard ist noch DVD und nicht Blu-Ray.
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