DVD-Filmbeileger: Undercover auf der Rollschuhbahn

Illegaler Organhandel, Gefängnisausbrüche, brüderliche Banküberfälle und Gladiatorenkämpfe auf Rollerblades: Einen wilden Mix bieten die Filmbeilagen der Publikumspresse in diesem Herbst.

Computer Bild

"Run for Her Life", USA 2010. Regie: Baltasar Kormákur. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 89 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

Die kleine Tochter des Anwalts Paul Chaney (Dermot Mulroney) ist schwer erkrankt und kann nur durch eine Transplantation gerettet werden. Doch die Chancen dafür sind in den USA gering und die Zeit wird immer knapper. Verzweifelt versucht Paul deshalb im angrenzenden Mexiko einen Organhändler aufzuspüren. Dabei wird dem Anwalt bald klar, dass er alle Skrupel hinter sich lassen muss, um sein Ziel zu erreichen.

Illegaler Organhandel ist spätestens seit den jüngsten Skandalen um Organspenden an deutschen Kliniken ein brisantes Thema. Der Spielfilm beleuchtet das moralische Dilemma, vor dem ein Vater steht, als er begreift, dass er für die Rettung seines Kindes das Leben anderer gefährdet. Regisseur Baltasar Kormákur ("Der Tote aus Nordermoor") knüpft an seine Erfahrungen mit skandinavischen Krimis an und stellt eine raue, authentische Atmosphäre her. Sie passt zu dem Wettrennen gegen die fortschreitende Krankheit der Tochter. Hochspannendes Thrillerdrama, dessen tragische Hintergründe seine Zuschauer berühren.

Bis 21. September im Handel

TV direkt "Rollerball", D/J/USA 2002. Regie: John McTiernan. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 94 Min. FSK: 16 Jahre.

Und

"The Australian Job", AUS 2002. Regie: Scott Roberts. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 99 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 2,50 Euro.

Als Extremsportler Jonathan Cross (Chris Klein) nach illegalen Straßenrennen untertauchen muss, lässt er sich von seinem Kumpel Marcus (LL Cool J) überreden, beim Rollerball einzusteigen. Schnell werden die beiden zu Stars dieses Gladiatorenkampfes, bei dem es darum geht, auf Rollerblades und Motorrädern dem Gegner eine Stahlkugel abzujagen. Das Spiel ist hart und dem Veranstalter Petrovich (Jean Reno) scheint jedes Mittel recht, um die Einschaltquoten in die Höhe zu treiben - auch wenn dabei Blut fließt.

Actionfilmregisseur John McTiernan ("Stirb langsam") versucht an den gleichnamigen Science-Fiction-Klassiker anzuknüpfen, der 1975 mit James Caan in der Hauptrolle eine düstere Welt beschrieb, in die das Rollerball-Spiel eingebettet war. McTiernans Version verzichtet auf die krude Gesellschaftskritik und konzentriert sich ganz auf das Spektakel in der Arena. Vergebens. Optisch ist der Film dürftig, bei einem Budget von 80 Millionen Dollar hätte man mehr Hingucker erwartet. Actionware von der Stange, ein unrühmliches Remake eines berühmten Regisseurs.

Daneben befindet sich die gut gemachte Krimikomödie "The Australian Job" auf der DVD. Sie hinterlässt eine recht blutige Spur, die man so nicht erwartet hätte. Denn die drei Brüder Date (Guy Pearce), Shane (Joel Edgerton) und Mal (Damien Richardson) sind eigentlich Bankräuber, die nur mit Hilfe korrupter Wärter und ihres geldgierigen Anwalts (Robert Taylor), der im Gefängnis sitzt, losziehen und Geld stehlen. Doch als sie reingelegt werden, nehmen sie ihr Schicksal selbst in die Hand.

Mit schöner Optik, passender Filmmusik und interessanter Besetzung gelang Scott Roberts ein sehenswertes Regiedebut. Hollywoodgröße Guy Pearce ("Memento") ist eindeutig das Zugpferd der schrägen Geschichte, doch Roberts vergaß nicht, die Charaktere seiner Mitspieler ebenfalls akkurat auszuarbeiten. Das tut dem Film insgesamt gut und macht ihn zu einem feinen Vergnügen.

Bis 27. September im Handel

TV Movie

"Off Limits", F 2010. Regie: Nicolas Boukhrief. Format: 1,85:1 (16:9). . Länge: 101 Min. FSK: 16 Jahre.

und

"Ohne Schuld", F 2008. Regie Fred Cavayé. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 92 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Mit gleich zwei französischen Filmen widmet die TV Movie sich in ihrer aktuellen Ausgabe ganz dem europäischen Kino.

"Off Limits" führt uns nach Paris, wo die Streifenpolizistin Julie (Cécile de France) bei einem Routineeinsatz ihren Partner verliert. Der mit Designerdrogen vollgepumpte Todesschütze ist ausgerechnet Sohn eines prominenten Politikers und es gelingt ihm, sich mit dem Vorwurf von Polizeibrutalität aus der Affäre zu ziehen. Julie und ihr Kollege Simon (Fred Testot) werden suspendiert, ermitteln aber auf eigene Faust weiter, um ihre Unschuld zu beweisen. Dabei erreichen sie bald die Grenzen der Legalität.

Zwei gut aufeinander abgestimmte Hauptdarsteller zeigen, dass man auch mit einem altbackenen Plot attraktives Kino produzieren kann. Der Abstieg der Ermittler in den Untergrund wird sorgfältig entwickelt, mit allen damit verbundenen, moralischen Problemen, um am Ende rasant Fahrt aufzunehmen. Ein fesselndes Thriller-Drama.

Der zweite beigelegte Film ist von ähnlichem Kaliber. Hier bricht eine Katastrophe in die glückliche Familien-Welt des Lehrers Julien (Vincent Lindon) ein, als seiner Frau Lisa (Diane Kruger) vorgeworfen wird, ihre Chefin ermordet zu haben. Da sämtliche Indizien scheinbar passen, wird sie zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt. Nachdem alle Versuche scheitern, sie freizubekommen, beginnt Julien, einen Ausbruch vorzubereiten, um seine Familie zu retten. Doch dabei wird er selbst zum Schuldigen.

Wieder ist die Geschichte nicht neu, doch der Modefotograf Fred Cavayé stellt in seinem Regiedebut die Wandlung eines unbescholtenen Vaters zu einem entschlossenen Verbrecher in den Mittelpunkt. Die souveräne Performance Vincent Lindons ("Welcome") macht daraus ein psychologisches Charakter-Drama. Cavayé erfindet damit das Genre nicht neu, bietet aber einen runden, sauber inszenierten Thriller, der mit seiner ungewöhnlichen Perspektive überzeugt.

Bis 27. September im Handel

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