DVD-Filmbeileger: Senioren auf Selbstfindungstrip

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Während Michael Douglas und Sylvester Stallone zeigen, was ältere Semester in Hollywood noch bewegen können, machen ungarische und britische Filmemacher Appetit auf europäisches Kino. Die DVD-Beileger am Zeitschriften-Kiosk bieten wieder reichlich Filme, die man sonst selten zu sehen bekommt.

Computerbild

"Solitary Man", USA 2009. Regie: Brian Koppelman & David Levien. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 86 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

Ben Kalman (Michael Douglas) war einst erfolgreicher Unternehmer, doch nun ist er bankrott, von seiner Frau geschieden und versucht, das Älterwerden mit zahlreichen Affären zu bekämpfen. Von seinem Charme überzeugt, macht er sich an die einflussreiche Jordan (Mary-Louise Parker) ran, um seine Karriere wieder in Schwung zu bringen. Als er jedoch deren Tochter Allyson (Imogen Poots) zu einem Vorstellungsgespräch an seine alte Universität begleitet, lässt er sich zu einem folgenschweren Fehler hinreißen. Seit er 1987 an der Seite von Glenn Close eine "Verhängnisvolle Affäre" erlebte, fügte Michael Douglas seiner Paraderolle als unverbesserlicher Schwerenöter immer neue Facetten hinzu. Im Seniorenalter von 63 Jahren erreicht er darin eine Perfektion, wie man sie nur selten zu sehen bekommt. Authentisch, lebensnah und herzergreifend präsentiert er seinen Zuschauern einen Menschen, der einfach nicht vernünftig werden will. Erstklassig inszenierte, packende One-Man-Show eines Hollywood-Profis.

Bis 2. Dezember im Handel

Screen DVD Magazin

"The Investigator", H 2008. Regie: Attila Galambos. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 107 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,99 Euro.

Das ambitionierte Film-Magazin versorgt seine Leser im November wieder mit europäischem Überraschungskino. Die ungarische Krimikomödie erzählt die Geschichte des Pathologen Tibor Malkáv (Zsolt Anger), der einen Auftragsmord begeht, um seiner todkranken Mutter eine Operation zu finanzieren. Kurze Zeit später erhält er einen Brief, in dem der unbekannte Tote ihm ein Familiengeheimnis enthüllt. Tibor ist verblüfft und beginnt eine Ermittlung in eigener Sache. Für nur 500.000 Euro drehte Attila Galambos kein Meisterwerk, aber einen seltsamen Thriller, der Lust auf mehr aus diesem unbekannten Kinoland Ungarn macht: einsilbige Figuren, surreale Traumsequenzen und ein Drehbuch, das seine Tücken hat, aber stringent auf ein schlüssiges Ende hinarbeitet. In seinem Filmdebüt zitiert Galambos fleißig aus Klassikern von John Cassavetes ("Mord an einem chinesischen Buchmacher") oder Martin Scorsese ("Taxi Driver"), lässt seinem Kameramann Máté Herbai aber genug Freiheiten, um immer wieder zu überraschen. Ein schräge Hommage an den Film Noir, die das Publikum beim Fantasy-Filmfest 2008 begeisterte.

Bis 2. Februar im Handel

SFT Magazin

"Control - Du darfst nicht töten", D/USA 2004. Regie: Tim Hunter. Darsteller: Ray Liotta, Willem Dafoe. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre

und

"Cherrybomb", GB 2009. Regie: Lisa Barros D'Sa und Glenn Leyburn. Format: 2,35 (16:9). Länge: 83 Min. FSK: 12 Jahre Preis 4,50 Euro.

Der zum Tode verurteilte Massenmörder Lee Ray Oliver (Ray Liotta) erhält eine zweite Chance, als ihm angeboten wird, die experimentelle Psychodroge des Wissenschaftlers Copeland (Willem Dafoe) zu testen. Das Mittelchen soll gewalttätige Kriminalität unterdrücken. Kaum hat der Test begonnen, sieht der Killer sich einer Schar rachsüchtiger Verfolger gegenüber, die mit seiner Amnestie überhaupt nicht einverstanden sind. Zu dumm, dass er nun keiner Fliege mehr ein Haar krümmen kann. Oder ist er einfach nur ein begnadeter Schauspieler? TV-Regisseur Tim Hunter ("Twin Peaks", "Law & Order", "Crossing Jordan" etc.) wagte 2004 diesen abseitigen Ausflug ins große Kinoformat. Besonders mit seinem Hauptdarsteller Ray Liotta ("Goodfellas") gelang ihm dabei ein echter Glücksgriff. Souverän dominiert er die in Bulgarien gedrehte, aber überraschend amerikanisch wirkende Independent-Produktion. Eine streckenweise billig inszeniertes, aber actionreiches Verwirrspiel um Schuld und Sühne.

Eher an ein jüngeres Publikum richtet sich "Cherrybomb", der zweite Film auf der DVD. Die Teenager Mal (Rupert Grint) und Luke (Robert Sheenan) verstehen sich prächtig und versuchen, trotz familiärer Probleme ihr Leben zu genießen. Das ändert sich jedoch, als sie Michelle (Kimberly Nixon) kennenlernen. Beide sind fasziniert von dem Mädchen, das bald mit ihnen um die Häuser zieht und eine Rivalität zwischen den Freunden entfacht, die nur tragisch enden kann. Kühl gefilmtes Coming-of Age-Drama vor der Kulisse eines im Umbau begriffenen, nordirischen Belfast. Während die Erwachsenen nur Geschäfte im Sinn haben, treibt ihr Nachwuchs durch eine Parallelwelt aus Drogenerfahrungen und verwirrten Gefühlen. Außer einem ausgesuchten Soundtrack und einigen optischen Gimmicks ziehen vor allem die guten Schauspieler ihre Zuschauer zunehmend in den Bann. Das Regieduo erfindet das Genre dabei nicht neu, überrascht aber positiv durch eine ruhige Kameraführung und den Verzicht auf peinliche Klischees. Sehenswert.

Vom 30. November bis 27. Dezember im Handel

Super Illu

"Jorinde und Joringel", DDR 1986. Regie: Wolfgang Hübner. Format: 1,33:1 (4:3). Länge: 75 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 2,90 Euro.

Die Bauerntochter Jorinde (Susanne Lüning) und das Findelkind Joringel (Thomas Stecher) geraten während des Dreißigjährigen Krieges in den Bann einer Zauberin. Sie hält Jorinde, die sie in eine Nachtigall verwandelt, gefangen, um das Mädchen vor marodierenden Landsknechten zu schützen. Joringel kann ihr nur noch im Traum begegnen und versucht erfolglos, sie zu befreien - erst der Frieden löst schließlich den Bann der Zauberin. Geschickt verwandelt Wolfgang Hübner zusammen mit der Drehbuchautorin Wera Küchenmeister das gleichnamige grimmsche Zaubermärchen in eine Parabel über Krieg, Frieden und die Liebe. Dabei verknüpft er die grausame, historische Realität mit dem symbolhaften Märchen zu einem nachdenklichen Film, der das Friedensthema der achtziger Jahre widerspiegelt. Eine spannende Ergänzung zu der frivolen Adaption von 1969 ("Grimms Märchen von lüsternen Pärchen") und der aktuellen Neuverfassung, die von der ARD in diesem Jahr werkgetreu umgesetzt worden ist und am 25. Dezember um 14 Uhr im Ersten TV-Premiere feiert.

Vom 1. bis 7. Dezember im Handel

TV Movie

"Rocky Balboa", USA 2006. Regie: Sylvester Stallone. Format: 1,85:1 (16:9). Länge: 97 Min . FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Den Blockbuster unter den Filmbeilegern steuert in diesem Wochen wieder einmal die "TV Movie" bei. Hollywood-Schwergewicht Sylvester Stallone ("Cliffhanger") wollte es im Jahr 2006 noch einmal wissen: Im Alter von 60 Jahren stieg er zum sechsten Mal in der Rolle des Boxers Rocky Balboa in den Ring. 30 Jahre waren vergangen, seit Stallone 1976 mit dem ersten Teil seinen überraschenden, dreifach Oscar-gekrönten Durchbruch feierte. Mittlerweile hatte er außer der "Rocky"-Reihe im Action-Fach mit "Rambo" ein ähnlich erfolgreiches, zweites Sequel aufgebaut, das er 2008 ebenfalls mit einem letzten, vierten Teil abschloss. Handelten die ersten beiden Rocky-Filme noch vom Kampf des unbekannten Hinterhof-Boxers gegen einen übermächtigen Gegner, zeigen die übrigen drei Episoden seinen Weg vom letztlich unbesiegten Star bis hin zum Wechsel auf die Trainerbank. Im sechsten, laut Stallone nun unwiderruflich letzten Teil, gewinnt Rocky in einem virtuellen Schaukampf gegen den amtierenden Weltmeister Mason Dixon (Antonio Tarver). Nur zum Spaß beginnt der lethargische Senior wieder zu boxen - und lässt sich trotz seines Alters von dem jungen Champion zu einem echten Kampf herausfordern. Emotionaler Abschluss einer Filmlegende und Pflichtprogramm für alle Rocky-Fans.

Bis 8. Dezember im Handel

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