DVDs in Zeitschriften: High Noon am Ostseestrand

Von Johannes Sträter

Intensive Sozialdramen, verzwickte Thriller und subtile Charakterstudien: Einigen Zeitschriften am Kiosk liegen regelmäßig abendfüllende Spielfilme auf DVD bei, die hierzulande oft nie im Kino zu sehen waren. Unser Überblick zeigt, wo sich derzeit Filmperlen entdecken lassen.

"Screen Magazin"

"Ten 'til Noon", USA 2006. Regie: Scott Storm. Format: 2,00:1 (16:9). Länge: 87 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,99 Euro.

Genau um 11.50 Uhr beginnen die letzten zehn Minuten im Leben des Millionärs Larry Taylor (Rick D. Wasserman), wie der Killer Mr. Jay (Alfonso Freeman) ihm erklärt, während er seine Waffe auf ihn richtet. Ebenfalls um 11.50 Uhr geht Larrys Frau fremd, und ein Kleinganove erhält einen seltsamen Auftrag von seinem Boss. Zehn Minuten im Leben von zehn Personen, deren Schicksal sich um 12 Uhr mittags erfüllt - doch wer steckt hinter dem Plan? Aus sechs Perspektiven erzählt Scott Storm, der sein Handwerk mit Brian Singer lernte, eine unterhaltsame, kleine Geschichte mit verzwickten Wendungen, coolen Figuren und absurden Dialogen. Optisch sieht man dem Film zwar sein Budget von nur 750.000 Dollar an, das holt der Filmschnitt und die Crew aber weitgehend wieder raus. Neben Alfonso Freeman, dem Sohn des großen Morgan Freeman, vor allem Jenya Lano hervor, hierzulande als Polizistin aus zehn Folgen von "Charmed" bekannt. Ein überraschend kohärenter Low-Budget-Thriller im Stil von "Pulp Fiction" (1994), der sich trotz einiger technischer Schwächen nicht verstecken muss.

Bis 14. August im Handel

"SFT Magazin"

"Rosario - Die Scherenfrau", BR/CO/E/MEX 2005. Regie: Emilio Maillé. Format: 1,85:1 (16:9). Länge: 112 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 4,99 Euro.

Eigentlich wechselt Emilio (Manolo Cordona) Frauen wie seine Hemden, doch als er die schöne Rosario (Flora Martínez) kennenlernt, ist es um ihn geschehen. Auch sein Kumpel Antonio (Unax Ugalde) ist fasziniert und freundet sich mit ihr an. Doch Rosario hat auch eine dunkle Seite, denn sie steht als Auftragsmörderin in Diensten des kolumbianischen Drogenkartells.

Die Verfilmung der preisgekrönten Buchvorlage von Jorge Franco über den verkorksten Lebensweg eines Kindes aus den Slums Medellíns war mit einer Million Zuschauern der erfolgreichste Film Kolumbiens des Jahres 2005. Er wird beherrscht von der hervorragend aufspielenden Flora Martínez, die es schafft, glaubwürdig zwischen der eiskalten Killerin und der fragilen Verzweifelten zu wechseln. Gedreht wurde trotz der überraschend internationalen Koproduktion ausschließlich am Ort der Handlung, der kolumbianischen Metropole Medellín. Ein unbequemes, intensives und emotionales Drama, das nachhaltig beeindruckt.

"The Walker", GB/USA 2007. Regie: Paul Schrader. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 103 Min. FSK: 12 Jahre.

Der Immobilienmakler Carter Page III (Woody Harrelson) führt im Washingtoner Gesellschaftsleben eine fein austarierte Doppel-Existenz: Tagsüber unterhaltsamer Begleiter älterer Damen, verbringt er die Nächte lieber mit seinem Lebensgefährten Emek (Moritz Bleibtreu). Das geht so lange gut, bis er seine langjährige Freundin Lynn (Kristin Scott Thomas) in einem Mordfall schützt. Plötzlich wird Carter selbst verdächtigt und erlebt, wie zerbrechlich sein Ruf und seine Freundschaften sind. Interessant besetztes, manchmal etwas zäh inszeniertes Krimi-Drama für Freunde subtiler Charakterstudien.

Bis 30. Juli im Handel

"TV Movie"

"Deliver Us from Evil", DK/S 2010. Regie: Ole Bornedal. Format: 2,40:1 (16:9). Länge: 93 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Nach Jahren der Abwesenheit zieht Johannes (Lasse Rimmer), ein erfolgreicher Anwalt, mit Frau und Kindern wieder in sein Heimatdorf auf Jütland zurück. Dort trifft er seinen Bruder Lars (Jens Andersen), dessen Leben von Frust und Gewalt bestimmt wird. Als dieser im Suff eine alte Frau überfährt, lenkt er die Schuld auf Alain (Bojan Navojec), den einzigen im Ort lebenden Ausländer. Bald ist die Jagd eröffnet - nur Johannes stellt sich dem Lynchmob in den Weg. Im Rückgriff auf große Vorbilder wie Sam Peckinpahs "Wer Gewalt sät" fügt Ole Bornedal fast lehrbuchartig einen Thriller zusammen, der in einem ausufernden Gewaltexzess mündet. Doch nicht die Gewalt, sondern ihre Wurzeln im Fremdenhass stehen im Mittelpunkt seiner Arbeit, mit der er auf aktuelle Probleme der dänischen Gesellschaft hinweisen will. Dass seine Figuren dabei konsequent im Bereich des Denkbaren bleiben, macht den Film besonders schwer erträglich. Durch verwaschene, im Kontrast gefilterte Farben gibt er ihm zwar wieder ein Stück Künstlichkeit zurück, doch am Ende bleibt trotzdem ein zutiefst beunruhigender Gesellschaftsthriller.

Bis 4. Juli im Handel

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