DVD-Filmbeileger: Bombenleger im Klassenzimmer

Von Johannes Sträter

Rentner im Muskelshirt, undurchschaubare Agenten und geläuterte Kleinganoven: Pünktlich zum Herbstanfang präsentiert nicht nur die Publikumspresse frische DVD-Beilagen. Diesmal bietet auch der Online-Vertrieb ein interessantes Testangebot.

Computer Bild

"Boston Streets", USA 2008. Regie: Brian Goodman. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 96 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

Seit ihrer Kindheit waren die Freunde Brian (Mark Ruffalo) und Paulie (Ethan Hawke) Handlanger des Ganoven Pat Kelly (Brian Goodman). Mittlerweile muss Brian für Frau und Kinder sorgen, gerät jedoch durch seine Drogenabhängigkeiten in immer größere Schwierigkeiten. Als beide im Gefängnis landen, will Paulie nach seiner Entlassung mit einem letzten großen Raub für immer aussorgen. Doch diesmal zieht sein Kumpel Brian nicht mit. Für sein Regiedebüt verarbeitete Brian Goodman eigene Erfahrungen, die er als obdachloses Kind und langjähriger Gefängnisinsasse machte. Nach der Haft gelang es ihm, als Nebendarsteller in der Filmwirtschaft Fuß zu fassen, das war Anfang der neunziger Jahre. In seinem Regiedebüt verfilmt Goodman also auch autobiografische Elemente, verzettelt sich aber in zu vielen kleinen Episoden. Die beiden Hauptdarsteller machen ihre Sache gut, doch mangelt es beiden Figuren an Tiefe. Ein technisch gut gemachtes Sozialdrama, dessen hohe Ambitionen in platter Moral münden.

Bis 7. September im Handel

GEE MOVIE

"Exit", S 2006. Regie: Peter Lindmark. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 100 Min. FSK: 16 Jahre. Preis: 2,39 Euro.

Apple-User können sich freuen, denn zusammen mit dem Online-Magazin GEE MOVIE erhalten sie nun über den Kiosk einen rein digitalen Filmbeileger. In dem gut gemachten Krimi geht es um den erfolgreichen Geschäftsmann Thomas Skepphult (Mads Mikkelsen), der nach dem Mord an seinem Firmenpartner nicht nur als Verdächtiger hinter Gittern landet, sondern seine Familie auch von einem geheimnisvollen Fremden bedroht sieht. Skepphult flieht, taucht unter und versucht auf eigene Faust, reinen Tisch zu machen. Fazit: Harte, schwedische Krimi-Kost mit ganz eigener Duftnote.

Seit dem 30. August online

Super Illu

"Die dicke Tilla", DDR 1982. Regie: Werner Bergmann. Format: 1,33:1 (4:3). Länge: 74 Min. FSK: 6 Jahre. Heftpreis: 2,99.

Zum Auftakt ihrer mittlerweile achten DVD-Staffel legt die Super Illu am ersten Donnerstag im September wieder einen Kinderfilm aus DDR-Zeiten auf DVD bei. Darin geht es um die Konkurrenz zwischen Tilla (Carmen Sarge), der Klassenstärksten, und Anne (Jana Mattukat), der Klassenbesten. Die beiden geraten aneinander, doch aus einer Notsituation heraus entwickelt sich eine Freundschaft. Die Verfilmung des gleichnamigen Kinderbuchs von Rosel Klein über Konkurrenz und Versöhnung in der Schule war Anfang der achtziger Jahre in Ost- und Westdeutschland ein großer Erfolg. Im Rahmen eines Ferienworkshops für Kinder entstand 2011 eine neue Verfilmung mit Laiendarstellern - "Die dicke Tilla - Reloaded". Sie gewann 2012 in Gera beim größten deutschen Kinder-Medien-Festival "Goldener Spatz" in der Kategorie Spielfilm einen SPiXEL-Award, den Preis der Thüringer Landesmedienanstalt und der Deutschen Kindermedienstiftung für Fernsehproduktionen von Kindern.

Vom 6. bis 12. September im Handel

TV Digital XXL

"The Expendables", USA 2010. Regie: Sylvester Stallone. Länge: 94 Min. Format: 2,40:1 (16:9). Ton: Deutsch/Englisch mit Untertiteln. FSK: 16 (gekürzt). Heftpreis: 3,90 Euro.

Der Söldner Barney Ross (Sylvester Stallone) ist Anführer der "Expendables", einer Truppe kampferprobter Spezialisten, die für Geld jeden Job annehmen. Diesmal sollen sie einen Diktator in Südamerika stürzen, doch die vermeintlich einfache Aufgabe scheitert bereits während der Vorbereitung. Gegen alle Erfahrung lässt Ross sich überzeugen, es noch einmal zu versuchen, zumal ihn Sandra (Giselle Itié), die Tochter des Generals, schwer beeindruckt hat. Im Seniorenalter von 64 Jahren initiierte Sylvester Stallone ("Rambo") ein kompromissloses Actionfeuerwerk im Stil der achtziger Jahre und sammelte damit 275 Millionen Dollar ein. Sein Erfolg hat dabei ein simples Rezept: Er castet einfach eine ganze Schar an teils legendären Darstellern. Dolph Lundgren, Jet Li, Mickey Rourke, Jason Statham und selbst Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis sind zu sehen. The Expendables ist Männerkino, das auf dieser DVD-Version für die jugendfreie Fassung stark zurechtgeschnitten ist. Mehr als fünf Minuten für das Filmerlebnis wichtige Szenen wurden entfernt. Übrig bleibt eine weich gespülte Version, die mit dem Original nur noch wenig zu tun hat, auch wenn ausnahmsweise einmal der Originalton mitgeliefert wird.

Bis 20. September im Handel

TV Movie

"Traitor", USA 2008. Regie: Jeffrey Nachmanoff. Länge: 109 Min. Format: 2,40:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Ehemals Sergeant der US-Army, dealt Samir Horn (Don Cheadle) nun im Jemen mit Sprengstoff. Als er dabei auffliegt, versucht das FBI ihn als Informanten zu rekrutieren, doch Samir flieht stattdessen mit Omar (Said Taghmaoui), dem Mitglied einer internationalen Terrororganisation, die Samirs Kenntnisse gut gebrauchen kann. Wenig später taucht Samir bei einem Bombenanschlag in Frankreich auf. Als ein ähnlicher Anschlag in den USA droht, beginnt für FBI-Agent Roy Clayton (Guy Pearce) ein Wettlauf gegen die Zeit. Welche Rolle spielt dabei die CIA, für die Samir anscheinend ebenfalls arbeitet? Nach einer Idee von Komödienstar Steve Martin ("Roxanne") drehte TV-Regisseur Jeffrey Nachmanoff ("Homeland") einen spannenden Agenten-Thriller über die heikle Frage, wie weit Geheimdienste gehen dürfen, um die Ideale ihres Landes zu verteidigen. Perfekt besetzt mit dem vielseitigen Hollywood-Routiniers Don Cheadle ("Hotel Ruanda") und Guy Pearce ("L.A. Confidential"), führt die Geschichte ihre Zuschauer durch ein verworrenes Netz aus Verschwörungen, deren Auflösung bis zum Schluss im Unklaren bleibt. Ein echtes Krimi-Highlight, das hierzulande leider nie in den Kinos zu sehen war: Unser Tipp der Woche.

Bis 13. September im Handel

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1. Gut gemacht.
LudwigN 08.09.2012
Schön dass SPON dazugelernt hat, und in dieser Rubrik Filmkürzungen nicht mehr herunterspielt und relativiert. The Expendables interessiert mich zwar nicht, aber diese doch sehr deutsche Unart der Filmkürzungen (in diesem Ausmass) ist mehr als ärgerlich.
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