DVD-Filmbeileger Verschwörungen im Windkanal

Die Palette der aktuellen Filmbeileger der Publikumsmagazine reicht vom soliden Blockbuster bis zum trashigen Billigheimer. Futuristische Actionfilme, mysteriöse Gruselfilme, aber auch beunruhigende Polit-Thriller runden das vielfältige Programm zum Monatswechsel ab.


Computer Bild
"Æon Flux", D 2005. Regie: Karyn Kusama. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 89 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

400 Jahre nach einer verheerenden Seuche leben nur noch ein paar Millionen Menschen im abgeschotteten Stadtstaat Bregna. Ihr Überleben verdanken sie dem Wissenschaftler Trevor Goodchild (Martin Csokas), dessen Nachkommen seit dem Zusammenbruch über die Rest-Welt herrschen. Als die Untergrund-Agentin Æon Flux (Charlize Theron) mit dem Regentenmord beauftragt wird, gerät sie nicht nur in einen bedrohlichen Machtkampf der Herrscherclique, sondern entdeckt auch das Geheimnis ihrer Existenz.

Die als prominent besetzter Blockbuster geplante Realverfilmung der gleichnamigen MTV-Comicserie war für ihre Fans eine herbe Enttäuschung, wich sie doch in vielen Punkten von der Vorlage ab. Das kommerzielle Echo war dementsprechend schlecht, aber bei einem Verlust von knapp 10 Millionen Dollar auch nicht wirklich katastrophal.

Karyn Kusama kreierte fünf Jahre nach ihrem Erfolgsdebüt "Girlfight" mit begrenzten Mitteln eine kühle, stylische und fremde Welt, die in originellen Details überrascht, inhaltlich jedoch oberflächlich bleibt. Wer genau hinsieht, erkennt viele der Berliner Drehorte wie den Aerodynamischen Park Adlershof, das Tierheim Falkenberg oder den Garten von Schloss Sanssouci in Potsdam. Ein futuristisches Actionspiel - kein großer Wurf, aber - vor allem dank seiner Hautdarstellerin - ein kurzweiliger Eyecatcher.

Bis 3. Dezember im Handel

Screen DVD Magazin

"Blei, Bullen und Benzin", USA 1998. Regie: Joe Carnahan. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 86 Min. FSK: 16 Jahre
und
"Evil Twin", USA 2007. Regie: Mary Lambert. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 78 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,99 Euro.

Die Gebrauchtwagenhändler Bob (Dan Leis) und Sid (Joe Carnahan) stehen kurz vor dem Bankrott, als sie ein seltsames Angebot erhalten: Für 250.000 Dollar sollen sie zwei Tage lang auf einen Pontiac Cabrio aufpassen. Die Sache stinkt zum Himmel, doch ihnen bleibt keine Wahl, und bald lernen sie alle kennen, die ebenfalls hinter der Karre her sind.

Für nur 7.300 Dollar drehte Joe Carnahan ("Das A-Team") in Personalunion als Produzent, Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller auf der Tarantino-Welle Ende der neunziger Jahre diese kleine Actionkomödie. Sie spielte ihr schmales Budget immerhin doppelt wieder ein, was verwundert, denn außer ein paar billigen Filmzitaten ist dabei nicht viel herausgekommen. Ein langweiliger, unsympathischer Film, den man sich ersparen sollte.

Leider reißt auch der zweite Film den DVD-Beileger nicht raus. Der Horror-Thriller über ein junges Mädchen, das auf dem Dachboden einer alten Villa das Geheimnis um ihre mysteriöse Zwillingsschwester lösen will, verbreitet nur mäßigen Grusel. Trotz passender Kulissen und einer guten Grundidee schafft es Regisseurin Mary Lambert nicht, an ihren Erfolg mit der Verfilmung von Stephen Kings "Friedhof der Kuscheltiere" aus dem Jahr 1989 anzuschließen. Immerhin sind Fernseh-Sternchen Elisabeth Moss ("Mad Man"), die Newcomerin Alexandra Daddario ("Diebe im Olymp") und der altgediente John Savage ("Hair") zu sehen - mehr ist aber leider nicht drin.

Erscheint am 2. Dezember im Handel

SFT-Magazin

"No Good Deed", D/USA 2002. Regie: Bob Rafelson. Format: 1,85:1 (16:9). Länge: 94 Min. FSK: 16 Jahre. Preis: 4,50 Euro

Eigentlich hatte Polizist Jack Friar (Samuel L. Jackson) ganz andere Pläne, doch ein kleiner Gefallen für seine Nachbarin treibt ihn zufällig in die Fänge einer Truppe bizarrer Gangster, die gerade mitten in einem Raubzug stecken. Als Geisel beobachtet er fortan das intrigante Spiel der Bandenmitglieder untereinander, nicht ohne dabei selbst auch mal ein Tässchen Benzin ins Feuer zu kippen.

Neben der als Femme Fatale auftretenden Milla Jovovich ("Das fünfte Element") zeigen sich im Verlauf des etwas zähen Spiels noch eine ganze Reihe bekannter Filmgesichter, die unter Anleitung von Bob Rafelson ("Wenn der Postmann zweimal klingelt") versuchen, Dashiell Hammetts Kurzgeschichte "The House on Turk Street" von 1924 in modernem Gewand auf die Leinwand zu bringen.

Doch vom vielleicht geplanten Film Noir ist nur wenig zu spüren, und die beiden Zugpferde Jackson und Jovovich wollen trotz aller Mühe einfach nicht zueinander passen. Alleine durch ihre professionelle Präsenz stellen sie einen ganz passablen Unterhaltungsstreifen auf die Beine, der im letzten Drittel sogar noch recht spannend wird: Der Beileger ist damit genau das Richtige für Nebenbei, mehr aber auch nicht.

Bis 28. Dezember im Handel

Super Illu

"Maxe Baumann: Ferien ohne Ende", DDR 1976. Regie: Peter Hill. Länge: 85 Min. - und "Maxe Baumann aus Berlin" DDR 1987. Regie: Günter Stahnke. Länge: 77 Min. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: o. A. Heftpreis: 4,50 Euro.

Im Dezember erinnert die Super Illu an den 2001 verstorbenen DDR-Schauspieler Gerd E. Schäfer. Seit 1955 spielte er bei der DEFA in verschiedenen Filmproduktionen Nebenrollen und gehörte Anfang der sechziger Jahre zum festen Ensemble des Fernsehens der DDR.

Seine größte Bekanntheit erlangte er in den siebziger Jahren durch die TV-Lustspiel-Reihe über den rüstigen Rentner "Maxe Baumann", aus deren Fundus die Super Illu die erste Episode von 1976 und ein Revue-Special von 1987 auf ihrer Beileger-DVD präsentiert. Heitere Familienunterhaltung mit teils musikalischer Note.

Vom 2. bis 8. Dezember im Handel

TV Movie

"Der Manchurian-Kandidat", UDA 2004. Regie: Jonathan Demme. Format: 1,78 (16:9). Länge: 124 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Jahre nach einem verhängnisvollen Einsatz im Golfkrieg wartet Major Marco (Denzel Washington) von Albträumen gequält nur noch auf die Rente, während sein hoch dekorierter Retter Sergeant Shaw (Liev Schreiber) kurz vor der Wahl zum Vizepräsidenten steht. Doch die Begegnung mit einem alten Kameraden rüttelt Marco auf, und als er dann noch einen Mikrochip in seinem Körper entdeckt, versucht er mit allen Mitteln dahinter zu kommen, was ihm und seiner Truppe in Kuwait wirklich wiederfahren ist.

Bereits 1962 drehte John Frankenheimer, damals mit Frank Sinatra in der Hauptrolle, die Vorlage zu diesem packenden Verschwörungs-Thriller. In seiner Version versuchten zeitgemäß Kommunisten die USA mit perfiden Tricks zu unterwandern, im Remake treten internationale Großkonzerne an ihre Stelle.

Trotz einer gewissen Portion Science-Fiction erschuf Jonathan Demme ("Das Schweigen der Lämmer") eine beunruhigend realitätsnahe Szenerie, deren Figuren bis in die Nebenrollen hinein mit Meryl Streep ("Der Teufel trägt Prada") oder Bruno Ganz ("Der Untergang") überzeugend agieren. Für einen lockeren Chipstüten-Abend ist dieser vielschichtige, actionarme Stoff zu kompliziert, wer aber gerne mitdenkt, kommt dabei voll auf seine Kosten: Unser Tipp der Woche.

Bis 9. Dezember im Handel



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