DVD-Filmbeileger: Kannibalen im Wartezimmer

Von Johannes Sträter

Vier Rucksacktouristen auf Abenteuerkurs, drei Gauner auf Schatzsuche und eine Mutter auf Geisterjagd. Die Publikumsmagazine bieten zum Monatsende eine breite Filmauswahl zwischen Actionabenteuer, Komödie und Mystery-Drama. Wir stellen die Highlights vor.

Computer Bild

"Double Team"
, USA 1997. Regie: Tsui Hark. Länge: 89 Min. Format: 2,40:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,90.

Seit Jahren kämpft Spezial-Agent Jack Quinn (Jean-Claude Van Damme) gegen das Verbrechen, nun will er ein ruhiges Familienleben in Südfrankreich genießen. In einem letzten Auftrag soll er seinen Erzfeind Stavros (Mickey Rourke) schnappen. Doch der entführt Jacks schwangere Frau. Zusammen mit dem Waffenhändler Yaz (Dennis Rodman) stellt Jack sich Stavros zum Duell.

Dennis Rodman gewann für seine erste Spielfilmrolle 1998 gleich in drei Kategorien die "Goldene Himbeere": schlechtester Newcomer, schlechtester Nebendarsteller und - zusammen mit dem muskulösen Belgier Van Damme ("Universal Soldier") - schlechtestes Leinwandpaar. Beide prügeln und schießen sich durch diesen typischen Vertreter des Action-Trash-Kinos, den man nicht zu ernst nehmen sollte.

Bis 1. Juni im Handel

Screen DVD Magazin

"Cannibals" , USA 2007. Regie: Jonathan Hensleigh. Länge: 74 Min. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre (gekürzt). Heftpreis: 3,99 Euro.

Zwei junge Paare machen sich auf den Weg in den Dschungel von Papua Neuguinea, um einen vor 50 Jahren verschollenen Sprössling der wohlhabenden Rockefeller-Dynastie zu suchen. Es lockt eine hohe Belohnung, vor allem aber ein aufregendes Abenteuer in der Wildnis. Die von Banden regierte Gegend ist unsicher, doch viel gefährlicher sind die Eingeborenen, deren Rache die Rucksacktouristen provozieren, als sie ihre Gräber schänden.

Die Produktionsfirma Valhalla Motion Pictures war auch schon an deutlich spektakuläreren Filmen wie "Armageddon" (1998) oder "Hulk" (2003) beteiligt. Mit "Cannibals" stellte sie ein interessantes, kleines Filmchen im sogennannten "Found Footage"- Format auf die Beine. Dabei handelt es sich scheinbar um gefundenes Material von Amateurfilmern, das der Regisseur nur noch entsprechend montiert hat. Die Zuschauer wissen von Anfang an, dass die Protagonisten bereits tot sind und erhalten den Eindruck, reale Ereignisse zu sehen.

Berühmt wurde dieses Horrorfilm-Format 1999 mit dem Überraschungserfolg "The Blair Witch Project", hatte aber bereits frühe Vorbilder, darunter den 1980 produzierten Schocker "Cannibal Holocaust". An ihn knüpft auch die Originalfassung von "Cannibals" an. Das "Screen DVD Magazin" hat sie speziell für die Beileger-Ausgabe um vier Minuten kürzen lassen, um die Jugendfreigabe zu erhalten. Ein entschärftes Beispiel des "Found Footage"-Konzepts, bei dem sich der Grusel vor allem durch die Naivität der jungen Abenteurer einstellt.

Bis 27. Juni im Handel

SFT Magazin

"The Good, the Bad, the Weird", Südkorea 2008. Regie: Kim Ji-woon. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 124 Min. FSK: 16 Jahre.

und

"Dr. T & the Women", D/USA 2000. Regie: Robert Altman. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 116 Min. FSK: 12. Heftpreis: 4,99 Euro.

Die erste Hälfte der vier Stunden füllenden DVD des SFT Magazins bestreitet ein rasanter Western aus Südkorea. Drei Männer jagen in den dreißiger Jahren quer durch die Mandschurei einer geheimnisvollen Schatzkarte hinterher: Ein aufrechter Kopfgeldjäger, ein eiskalter Killer und ein schräger Kleinganove. Das irrwitzige, zunehmend blutige Wettrennen zieht bald immer mehr Parteien in den Bann. Doch was wartet eigentlich am Zielpunkt auf den Gewinner?

Kim Ji-woon ("A Tale of Two Sisters") hatte den Spaghetti-Western der sechziger Jahre vor Augen, als er seine detailverliebte Tour de Force drehte. Besonders Sergio Leones "The Good, the Bad an the Ugly" aus 1966, hierzulande unter dem Titel "Zwei glorreiche Halunken" bekannt, diente ihm als Vorlage. Das Holzschnittartige dieser Filme ergänzt der Regisseur mit detailverliebt choreografierten Kämpfen und nicht enden wollenden, bizarren Verfolgungsjagden. Ein wildes, streckenweise zu episches Aufeinandertreffen von asiatischer Kampfkunst und westlichem Abenteuerkino.

Der Gynäkologe Dr. T (Richard Gere) ist ein Star in Dallas: reich, charmant, von den Frauen vergöttert und mit der attraktiven Kate (Farrah Fawcett) verheiratet. Alles scheint perfekt, bis Kate eines Tages psychisch erkrankt und für ihn unerreichbar wird. Immer weniger fühlt er sich all den wunderschönen, aber neurotischen Frauen in seiner Umgebung gewachsen. Da lernt er die bodenständige Bree (Helen Hunt) kennen, und schöpft neue Hoffnung - zumindest für einen kurzen Augenblick.

Robert Altman ("The Player") versucht sich an einer bösen Satire über die weibliche Seite des texanischen Geldadels. Eine Schar hervorragender Hollywood-Darstellerinnen karikiert eine überzeichnete Frauenwelt voller tratschender, neurotischer und versnobter Wesen. Die Hauptrolle besetzt Altman ausgerechnet mit Richard Gere ("Pretty Women"). Wie kaum ein anderer hat er die Rolle des Frauenverstehers zu seinem Markenzeichen gemacht. Hier muss selbst er am Ende fliehen, um in einer vermeintlich intakten, weil patriarchalischen Parallelwelt neu anzufangen. Trotz einiger guter Einfälle hinterlässt dieser untergründig frauenfeindliche Film seine Zuschauer etwas ratlos.

Bis 26. Juni im Handel

TV Movie

"Das Waisenhaus", E/MEX 2007. Regie: Juan Antonio Bayona. Länge: 101 Min. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Die erwachsen gewordene Laura (Belén Rueda) möchte das Waisenhaus, in dem sie selbst ihre Kindheit verbrachte, wieder in Betrieb nehmen. Doch die Eröffnungsfeier wird zu einem Fiasko. Lauras Adoptivsohn Simón (Roger Príncep), der seit Wochen von unsichtbaren Freunden phantasiert, verschwindet plötzlich unauffindbar. Bei ihren Versuchen, ihn wiederzufinden, kommt sie einem düsteren Geheimnis auf die Spur, das sie in ihre eigene Vergangenheit zurückführt.

Produziert von Guillermo del Toro ("Pans Labyrinth") drehte Juan Antonio Bayona sein beeindruckendes Regiedebüt. Dabei gelang ihm ein schauriges Mystery-Drama, das klassische Stilmittel des Gruselfilms einsetzt, um eine bittere Tragödie zu erzählen. Besonders die Spanierin Belén Rueda ("Das Meer in mir") überzeugt durch ihre Darstellung der Mutter, die die Hoffnung nicht aufgeben will, auch wenn sie dabei selbst fast dem Wahnsinn verfällt. In Spanien hielt der Film sechs Wochen lang Platz eins der Kinocharts, spielte allein dort 37 Millionen Euro ein und gewann zahlreiche Preise. Eine echte Filmperle, die nicht nur Gruselfans gefallen wird.

Bis 7. Juni im Handel

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  • Donnerstag, 31.05.2012 – 12:20 Uhr
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