DVD-Filmbeileger: Blutsauger im Gletschereis

Von Johannes Sträter

Zeitschriften bieten für kleines Geld abendfüllende Filme auf DVD und Blu-ray als Beilagen an. Wir zeigen Ihnen, wo sich zwischen B-Movies, Gruselthrillern, Psycho-Dramen und Bergabenteuern die Filmperlen verstecken. Diesmal: Sehenswertes über Vampire und eine fiese kleine Monsterkomödie.

PC Go

"Shadow of the Vampire", GB/L/USA 2000. Regie: E. Elias Merhige. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 91 Min. FSK: 12 Jahre. Preis: 7 Euro.

Berlin 1921: Unter dem Titel "Nosferatu" verfilmt Friedrich Wilhelm Murnau (John Malkovich) den berühmten Vampirroman "Dracula" von Bram Stoker. Für die Dreharbeiten zieht die Crew sich an einen abgelegenen Ort zurück, nicht ahnend, dass Hauptdarsteller Max Schreck (Willem Dafoe) ein echter Vampir ist. Nur Murnau selbst weiß Bescheid und versprach dem Blutsauger sogar die Hauptdarstellerin als Gage. Als der Vampir seinen Hunger nicht unter Kontrolle bringt, scheint dem Regisseur das gar nicht ungelegen zu kommen.

1990 verarbeitete Elias Merhige seine eigene Nahtoderfahrung in dem experimentellen Horrorfilm "Begotten" und machte damit auf sich aufmerksam. Fast zehn Jahre später nimmt er mit "Nosferatu" (1922) den Faden eines der einflussreichsten Klassiker dieses Genres auf und konstruiert einen bösen Plot in dessen Entstehungsgeschichte hinein. Die Burgen Vianden und Johannisburg in Luxemburg boten ihm vielleicht nicht die optische Vielfalt, auf die Murnau in den Städten Norddeutschlands, den Karpaten und der Hohen Tatra zurückgreifen konnte. Für eine Oscar-Nominierung Willem Dafoes ("Spider-Man") reichte es dann aber doch. Ein großartig gespieltes, skurriles "Making of" eines Filmklassikers, den man danach ganz neu betrachtet.

Bis 6. Dezember im Handel

Screen Magazin

"Jack Brooks: Monster Slayer", CDN 2007. Regie: Jon Knautz. Länge: 81 Min. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis 3,99 Euro.

Eigentlich ist Jack Brooks (Trevor Matthews) ein netter Kerl, doch weil er in seiner Kindheit hilflos zusehen musste, wie ein Monster seine Eltern auffraß, kann er seine Aggressionen nur schwer kontrollieren. Als sich sein Lehrer Gordon (Robert Englund) eines Tages ebenfalls in ein gefräßiges Ungeheuer verwandelt, greift er beherzt zur Axt und entdeckt seine Bestimmung als gnadenloser Monsterjäger.

Ein sympathischer Hauptdarsteller, schlabbernde Latex-Masken und ein kaum vorhandenes Drehbuch - fertig ist das abendfüllende Trash-Vergnügen. Besonderen Spaß bietet das Widersehen mit Genre-Veteran Robert Englund, dem Darsteller des Messermörders Freddy Krueger aus dem Klassiker "Nightmare on Elm Street". Hier verwandelt er sich sehr überzeugend von einem liebenswerten, zerstreuten Professor in ein sabberndes Riesenmonster. Eine fiese, kleine Monsterkomödie aus der B-Movie-Schublade.

Bis 5. Dezember im Handel

TV direkt

"Nanga Parbat", D 2010. Regie: Joseph Vilsmaier. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 99 Min. FSK: 12 Jahre

und

"Mount Everest - Todeszone", GB 1978. Regie: Leo Dickinson. Format: 1,33:1 (4:3). Länge: 51 Min. FSK: 6 Jahre. Heftpreis: 2,50 Euro.

Die Brüder Günther (Andreas Tobias) und Reinhold Messner (Florian Stetter) sind begeisterte und in der Szene bekannte Kletterer und Bergsteiger. Ihr großer Traum sind die Riesenberge des Himalaja, und dort besonders der Nanga Parbat. Als der Arzt Karl Herrligkoffer (Karl Markovics) 1970 eine Expedition dorthin plant, lädt er die beiden ein, ihn zu begleiten. Doch das Abenteuer geht nicht gut aus und Karl, dessen Halbbruder bereits in den dreißiger Jahren am Nanga Parbat starb, schiebt alle Schuld auf den Einzelgänger Reinhold.

Joseph Vilsmaier ("Stalingrad", "Marlene", "Die Gustloff") hatte bereits einige Erfahrung mit deutschen Geschichtsdramen, als er sich an die Verfilmung des persönlichen Dramas von Extrembergsteiger Reinhold Messner machte. Während des Gipfelabstiegs starb dessen Bruder Günther unter Umständen, deren Klärung bis heute zu zahlreichen, auch juristischen Auseinandersetzungen führte. Der Fund seiner Leiche im Jahr 2005 hat daran nur wenig geändert. Vilsmaier folgt den Erinnerungen seines Beraters Messner, der nach eigener Aussage mit diesem Film selbstkritisch hinterfragen wollte, was damals passiert ist. Ein optisch beeindruckendes Bergdrama und ein weiterer Baustein zur Legendenbildung des tragischen Ereignisses.

Eine gute Ergänzung zur umstrittenen Spielfilm-Version der Messner-Tragödie am Nanga Parbat bietet die zeitgenössische Dokumentation der Besteigung des Mount Everest vom 8. Mai 1978. Peter Habeler und Reinhold Messner erreichten damals den höchsten Gipfel der Erde ohne Sauerstoffunterstützung, was zu dieser Zeit gemeinhin als unmöglich galt. Das seit Kindesbeinen miteinander bergsteigende "Dreamteam" wurde schlagartig weltberühmt, Messner legte zwei Jahre später mit einer Solo-Besteigung des Everest noch einen drauf. Zudem vergaßen die Extremsportler in den entscheidenden Situationen nie, die Kamera laufen zu lassen, weshalb wir heute die Gipfelaussicht und den harten Weg dorthin von der Wohnzimmercouch aus genießen können.

Bis 21. November im Handel

TV Movie

"Spiel mit der Angst", CDN/GB 2007. Regie: Mike Barker. Format: 2,35:1 (16:9/1080p). Länge: 91 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro (DVD, 5,99 Euro (Blu-ray).

Das Leben von Abby (Maria Bello), Neil (Gerard Butler) und ihrer kleinen Tochter scheint perfekt: Neils Karriere läuft gut, sie wohnen in einem schönen Haus und auch mit der Liebe stimmt noch alles. Umso größer ist der Schock, als auf dem Rücksitz ihres Vans ein zu allem entschlossener Fremder (Pierce Brosnan) auftaucht. Er gibt vor, ihre Tochter entführt zu haben und zwingt die beiden zu immer gemeineren Taten.

Die schönste Überraschung an diesem Thriller ist die Rolle Pierce Brosnans als gänzlich unsympathischer Sadist. So fies hat man den smarten James-Bond-Darsteller wohl noch nie gesehen, und er scheint das richtig zu genießen. Ansonsten bietet der Film wenig Spektakuläres, dafür aber eine gute Grundidee, die bis zur - leider etwas schnöden - Auflösung durchaus fesselt. Ein waschechter Lückenfüller für den geruhsamen Feierabend.

Bis 21. November im Handel

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1. optional
mczeljk 14.11.2012
Einmal Stevan Seagal und einmal Steven Seagal?
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