DVD-Filmbeileger: Wassergymnastik für Monsterjäger

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Gangsterfamilien und Mafiaclans, hungrige Haie und mörderische Bauleiter: Pünktlich zum Wintereinbruch sorgen die DVD-Beileger der Magazinpresse für packende Unterhaltung im Wohnzimmerkino.

Super Illu

"Wie man Prinzessinnen weckt", CSSR 1977. Regie: Václav Vorlícek. Format: 1,33:1 (4:3). Länge: 83 Min. FSK: 0 Jahre. Heftpreis: 2,99 Euro.

Weil König Dalimil (Jirí Sovák) einst die jüngere von zwei Schwestern heiratete, belegte die Verschmähte ihn mit einem bösen Fluch: Seine Tochter Ruzenka (Marie Horakova) soll an ihrem siebzehnten Geburtstag in ewigen Schlaf fallen - nur die Liebe könne sie davor bewahren. Rechtzeitig bereiten die Eltern eine Hochzeit vor, doch die Prinzessin verliebt sich in den jüngeren Bruder des auserwählten Prinzen.

Die tschechischen Filmstudios Barrandov ("Pan Tau", "Der fliegende Ferdinand") präsentierten Ende der siebziger Jahre eine geschickt veränderte Interpretation des bekannten Grimm'schen Märchens "Dornröschen". Drehbuchautorin Bohumila Zelenková strich die Episode mit den dreizehn weisen Frauen und konzentrierte sich stärker auf das Motiv der Liebe. Der schön gestaltete Film wird seit den achtziger Jahren regelmäßig im Fernsehen gezeigt, allerdings meist in der Synchronfassung der Bavaria Ateliers München. Der "Super Illu" liegt nun eine von der DEFA 1980 für das DDR-Kino synchronisierte, seltener gezeigte Fassung bei, in der etwa die Namen der Protagonisten anders eingedeutscht worden sind.

Vom 31. Oktober bis 8. November im Handel

TV direkt

"Königreich des Verbrechens", AUS 2010. Regie: David Michôd. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 108 Min. FSK: 16 Jahre

und

"Inside Ring - Im Netz der Mafia", F/I 2009. Regie: Laurent Tuel. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 91 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 2,50 Euro.

Der Doppelbeileger der "TV direkt" widmet sich diesmal kriminellen Familienclans. Den Einstieg macht der Gangsterfilm "Königreich des Verbrechens" über das Schicksal eines stillen australischen Teenagers. Nach dem Drogentod seiner Mutter zieht Josh Cody (James Frecheville) zu seiner Großmutter Janine (Jacki Weaver) und deren drei Söhnen, die er seit seiner Kindheit nicht mehr gesehen hat. Schnell begreift er, dass die Familie ihren Lebensunterhalt mit skrupellosen Verbrechen bestreitet. Während Polizist Leckie (Guy Pearce) hofft, den unbescholtenen Jugendlichen als Kronzeugen zu gewinnen, nimmt eine brutale Polizeieinheit den Verbrecherclan ins Visier.

Mit seinem Regiedebüt begeisterte der Australier David Michôd 2010 Filmkritik und Publikum. Hierzulande nur auf DVD veröffentlicht, erreichte der Film weltweit vielfach hohe Auszeichnungen - bis hin zu Oscar- und Golden Globe-Nominierungen. Die beklemmende, durch einen subtilen Score verstärkte Atmosphäre der Angst und Gewalt lässt den Zuschauer von Beginn an nicht mehr los. Schwere Kost, die bis zum düsteren Ende überzeugt und dank großartiger Darsteller auch in den ruhigen Momenten glaubhaft bleibt.

Das Hochglanz-Drama "Inside Ring" bewegt sich stärker im Fahrwasser klassischer Mafia-Filme. Milo Malakian (Jean Reno) ist eine große Nummer in der Verbrecherwelt Südfrankreichs. Schon lange bereitet er seinen Sohn Anton (Gaspard Ulliel) darauf vor, ihn als Anführer des Familien-Clans abzulösen. Doch Anton träumt von einem bürgerlichen Leben mit der Krankenschwester Elodie (Vahina Giocante). Als sein Vater dahinterkommt, greift der zum Äußersten.

Komödien-Regisseur Laurent Tuel ("Jean-Philippe") lässt kein Klischee aus, um ein altbekanntes Vater-Sohn-Drama auszuwalzen. Mit technisch sauberer, ansonsten aber einfallsloser Inszenierung unterfordert er sein Publikum ebenso wie seine Crew, allen voran den erfahrenen Jean Reno ("Leon - Der Profi"). Ein vorhersehbares, blasses Familiendrama im Mafia-Milieu, das auch eine gewisse optische Eleganz nicht retten kann.

Bis 7. November im Handel

TV Movie

"The Reef - Schwimm um dein Leben", AUS 2005. Regie: Andrew Traucki. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 84 Min. FSK: 16 Jahre

und

"The Square - Ein tödlicher Plan", AUS 2008. Regie: Nash Edgerton. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 101 Min. FSK: 16 Jahre Heftpreis: 3,50 Euro.

Mit zwei recht unterschiedlichen Beispielen des australischen Films verspricht die aktuelle "TV Movie" ihren Lesern doppelten Nervenkitzel. Ein typischer Vertreter des Tierhorror-Genres ist "The Reef": Während einer Segeltour mit Freunden läuft das Boot des Skippers Luke (Kieran Darcy-Smith) auf ein Riff, kentert leckgeschlagen und treibt auf die offene See hinaus. Luke beschließt, zu einer nahegelegen Insel zu schwimmen, obwohl er weiß, dass in der Gegend Weiße Haie leben.

Drei Jahre vor "The Reef" drehte Regisseur Andrew Traucki in den Sümpfen südlich von Sydney mit echten Krokodilen und dem gleichen Plot sein Horrorfilm-Debüt "Black Water". Die gleiche naturnahe Perspektive setzte er nun im Meer vor der australischen Küste erneut ein. Mit minimalem Einsatz expliziter Gewalt entwickelt Traucki eine Bedrohungsstimmung, die bis zum Ende nicht ahnen lässt, wer überleben wird. Da Traucki dabei jedoch vergisst, die Charaktere seiner Figuren zu entwickeln, ist das dem Publikum auch weitgehend egal.

In dem zweiten australischen Film spielt zwar auch wieder ein Hai eine winzige Rolle, im Mittelpunkt steht aber der frustrierte Baustellenleiter Raymond Yale (David Roberts). Seiner Ehe überdrüssig führt er eine Affäre mit der Friseurin Carla (Claire van der Boom), die ihrerseits ihren kriminellen Mann satt hat. Als sie bei ihm die Beute aus einem Raubzug entdeckt, sehen die beiden Liebenden ihre Chance gekommen. Doch der riskante Fluchtplan geht schief und führt in eine Spirale der Gewalt.

Das gefeierte Regiedebüt Nash Edgertons beruht auf einer Idee seines Bruders Joel, der selbst in einer tragenden Rolle auftaucht. Das filmbegeisterte Brüderpaar drehte bereits im Jugendalter kurze Videos. Stuntman Nash erreichte als Double von Ewan McGregor in den "Star Wars"-Filmen einen Höhepunkt seiner Karriere, während Joel dort als Nebendarsteller auftrat. Seine Schauspielkarriere erhielt 2011 mit einer Hauptrolle in der Neuverfilmung des Horrorklassikers "The Thing" neuen Schub. Mit "The Square" schufen die beiden ein bewegendes Beziehungsdrama, das von der "Australian Film Critics Association" zum besten Film des Jahres 2008 gewählt wurde. Ein spannendes Lehrstück über Geldgier, Liebe und den Tod, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Bis 7. November im Handel

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insgesamt 2 Beiträge
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1. OF Originalfassung
spon-facebook-700267607 30.10.2012
Bei TV MOVIE DVD sind alle Beileger leider nur in der synchronfassung zu sehen . Es wäre schön,wenn auf die Sprachfassungen (falls vohanden , bzw keine) der jeweiligen Titel hingewiesen wird .
2.
mangeder 31.10.2012
Kein echter Filmfreund kauft solche schrottigen Zeitschriften-DVDs. Kastrierte Versionen denen der Originalton fehlt, die kein Bonusmaterial haben und die oft sogar nur die gekürzte Version des Films enthalten. Zeitschriften-DVDs sind bestenfalls für die Unterschicht, die in der Schule kein Englisch gelernt haben und die so ignorant sind, dass sie Filmkunst als Wegwerf- und Ramschartikel verstehen. Zudem lohnt es sich oft nicht einmal finanziell Geld für Zeitschriften-DVDs auszugeben, denn da bekommt man fürs Geld keinen Gegenwert. Kauf-DVDs lassen sich im Gegensatzu dazu problemlos weiterverkaufen (oder auch verschenken), wer es geschickt macht und den richtigen Zeitpukt erwischt, kann dadurch sogar einen Gewinn machen. Aber um für eine Zeitschriften-DVD noch einen Euro wiederzubekommen braucht man viel Zeit und viel Glück (sie zu verschenken sagt dem Beschenkten auch eher "du bist mir nichts Wert", statt ihm eine Freude zu machen). Faktisch sind Zeitschriften-DVDs nichts als wertloser Sondermüll.
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