Mode und Technik: Auf dem Catwalk mit der rosaroten Google-Brille

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Die Modeschöpferin Diane von Fürstenberg hat ihren Models bei der Fashion Week Prototypen der Google-Brille auf die Nase gesetzt, damit sie mitfilmen. Jetzt ist das Werbevideo fertig - ein erster Schritt zu einer Kampagne für ein Produkt, das frühestens 2014 auf den Markt kommt.

Fashion Week: Models mit der Google-Brille Fotos
REUTERS

Die Zukunft, wie sie sich Google vorstellt, beginnt mit einem Lippenstift und der Designerin Diane von Fürstenberg, die damit ein Herz auf einen Spiegel malt. "Jedes Mädchen auf der Welt", sagt sie, "soll genau die Frau sein können, die es gern wäre." Ihre "Lebensaufgabe" sei es, diesen Gedanken allen Mädchen und Frauen mit auf den Weg zu geben.

Die Mädchen und Frauen, die gern ein Supermodel wären, bekommen von ihr jetzt zumindest schon mal einen Einblick in das, was sie da erwartet. Denn auf der Fashion Week in New York hat Diane von Fürstenberg ihren Models Prototypen der Google-Brille "Glass" aufgesetzt, damit sie viele kleine Filme drehen können, aus der Ich-Perspektive. Als Zuschauer wandert man fast selbst über den Laufsteg und hinter die Bühne.

Künftig sollen nicht nur ein paar Models zu Werbezwecken mit der Google-Brille herumlaufen - und sie soll künftig sehr viel mehr können als nur Aufnehmen, sie könnte Lebensassistent werden, Gesichter und Situationen analysieren und passende Informationen von Google-Servern vor die Augen projezieren. Die Aktion ist eine sehr früh angelegte Werbekampagne für ein Produkt, das es noch gar nicht gibt: ein Smartphone für die Nase, ein Computer zum Aufsetzen. Durch die Präsentation auf dem Laufsteg soll die Google-Brille als hip gelten, nicht als seltsam.

Wenn alle Kameras in die eigene Richtung zeigen

Wer das Video ansieht, bekommt immerhin eine Idee davon, wie wacklig es sich auf Zwölf-Zentimeter-Absätzen läuft, wie es sich anfühlen muss, erst gepudert und danach von Tausenden Menschen angestarrt zu werden und wie es aussieht, wenn alle Kameras und Scheinwerfer in die eigene Richtung zeigen. Viel mehr aber zeigt das Video nicht, schließlich ist das Ganze ein sorgsam produzierter Werbeclip für Google und Fürstenbergs Mode-Label DVF.

Zu sehen ist eine Glitzerwelt, jetzt eben auch vom Laufsteg aus. Zwar hat man ähnliche Kameraperspektiven längst gesehen, aber tatsächlich beeindruckt der Blickwinkel der Models, aufgenommen sprichwörtlich auf Augenhöhe, noch einmal ganz anders. Es wirkt beinahe selbstverständlich.

So lässt sich erahnen, was allein die Kamerafunktion so einer Brille möglich macht: Man kommt noch näher heran an das Geschehen, so nah, dass man glauben könnte, selbst dabei gewesen zu sein. Bei einer Modenschau mag der Erkenntnisgewinn gering sein, aber vorstellbar wäre genauso, dass ein Forscher sich bei einer Expedition eine solche Brille aufsetzt und sein Publikum mitnimmt, in Echtzeit.

Ein Bildschirm vor dem Auge, viel Technik hinterm Ohr

Vielleicht gibt das Video einem breiten Publikum tatsächlich eine Vorstellung davon, wie wir womöglich aussehen und uns verhalten werden, wenn wir erst alle mit einem kleinen Bildschirm vor dem Auge und einer Menge Technik hinter dem Ohr herumlaufen. Noch wird herumexperimentiert mit Technik und Funktionen; was die erste fertige Google-Brille tatsächlich können wird, bleibt abzuwarten. Entwickler sollen kommendes Jahr erste Prototypen kaufen können, Kunden müssen bis mindestens 2014 warten.

"Wir leben in einer unglaublichen Welt. Dinge, die wir für Science-Fiction hielten, existieren jetzt wirklich", sagt die Modeschöpferin Diane von Fürstenberg im Film. "Alles ist erreichbar, jederzeit und an jedem Ort - und es geht so schnell." Was zunächst platt klingt, ist durchaus ein Gedanke, den selbst diese Werbeschau schon wecken kann: Wie wird das sein, wenn wirklich alles zu jeder Zeit teilbar und einsehbar ist oder zumindest sein kann?

Schon das Modeexperiment zeigt nämlich, was die permanente Erreichbarkeit und Vorzeigbarkeit mit sich bringt: Jetzt muss es auch hinter der Bühne glitzern. Von Stress, Tränen und Ärger, die sicher mit so einer Modenschau einhergehen, ist jedenfalls nichts zu sehen. Dafür umso mehr Paillettenpumps und lachende Gesichter, Vorfreude und Lippenstift. Wer sich schon heute über die exzessive Nutzung von Smartphones und ihren Kameras, von Postings, Tweets und geteilten Fotos beschwert, der wird sich an die Idee einer Computerbrille erst langsam gewöhnen müssen. Denn irgend so ein Gerät werden eines Tages vermutlich viele auf der Nase haben - immer und überall.

In den 3 Minuten und 50 Sekunden Modefilm wird allerdings nicht gegrübelt, so ist er auch nicht gedacht. Hier soll der Fortschritt gefeiert und gezeigt werden - wenn auch eher durch die rosarote Google-Brille. So beendet Diane von Fürstenberg das Filmchen mit ihren ganz eigenen Gedanken zum technischen Fortschritt: "Ob nun Mode oder Technologie - es geht um das Leben und darum, die Frau zu sein, die du gern wärst."

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1. wie wird das sein...
whocaresbutyou 17.09.2012
Zitat von sysopWas zunächst platt klingt, ist durchaus ein Gedanke, den selbst diese Werbeschau schon wecken kann: Wie wird das sein, wenn wirklich alles zu jeder Zeit teilbar und einsehbar ist oder zumindest sein kann?
Gruselig, vermute ich zumindest... Die logische Erweiterung von Facebook und Co., bei der jede Banalität des eigenen Lebens 24/7 live ins Netz gestreamt werden kann. ... sieh, was CrazyMandy247 gerade sieht ... Live unterwegs mit Daniela Katzenberger ... DSDS aus der Sicht von Dieter Bohlen!!! Für nur 99 Cent/Minute Prinzipiell finde ich Augmented Reality (http://de.wikipedia.org/wiki/Erweiterte_Realit%C3%A4t) spannend und sehr zukunftsträchtig, habe aber die Befürchtung, dass diese Technik anfangs durch schielende und lethargisch durch die Einkaufszonen torkelnde "Early Adopters" geprägt sein wird...
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