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E-Book-Markt Das iPad kommt, die E-Books werden teurer

Amazon-Chef Jeff Bezos: Setzte bisher auf dem E-Book-Markt die Standards, die durch die Veröffentlichung des iPads nun in Frage gestellt werdenZur Großansicht
AFP

Amazon-Chef Jeff Bezos: Setzte bisher auf dem E-Book-Markt die Standards, die durch die Veröffentlichung des iPads nun in Frage gestellt werden

Apples iPad wird Bewegung in den Markt der E-Books bringen - aber anders, als Kunden sich das erhoffen: Die Preise steigen. Auch Amazon, bisher Verfechter eines Pauschalpreises, muss mitziehen: Drei der sechs US-Großverlage dürfen jetzt frei ihre Preise festsetzen.

Seattle - Das Gespenst, das den US-Verlagen im Nacken sitzt, heißt Apple: Schon einmal ist es dem Hightech-Unternehmen gelungen, einer ganzen Branche durchaus gegen ihren Willen einen pauschalen Einheitspreis für ihre Produkte zu verordnen. Der von Apple einst definierte Preis für einen Einzel-Song im MP3-Format (99 Cent), respektive für ein Album (9,90 Euro/Dollar) setzt bis heute den Standard bei Musikverkäufen im Web. Widerstand der Musikbranche erwies sich als weitgehend wirkungslos. Diesen Fehler, durch Abhängigkeit von einem oder wenigen Playern die Hoheit über die Preisgestaltung zu verlieren, will die Buchbranche vermeiden.

Sie verhandelte in den vergangenen Monaten entsprechend hartnäckig mit Amazon, dem bisher weltweit führenden Anbieter elektronisch vertriebener Buchinhalte. Der kommt nun immer stärker unter Druck. Zwei weitere Verlage konnten gegenüber Amazon höhere Preise für ihre E-Books durchsetzen, wie das "Wall Street Journal" berichtete.

Die Verlage wollen mehr Geld - und Apple macht mit

Dass auf Seiten der Kunden da große Freude aufkommt, ist derweil höchst unwahrscheinlich: Ziel der Aktion ist es, Preise stärker diversifizieren zu können. In der Praxis wird das darauf hinauslaufen, dass sich Preise zum einen stärker an denen ihrer Print-Pendants orientieren werden, zum anderen aber stärker gestreut werden. Neben günstigen Sonderangeboten werden begehrte und auch Nischenbücher wohl deutlich teurer. Unter dem Strich läuft es auf eine generelle Preiserhöhung hinaus. Das ist schlecht für Amazon, weil günstige Buchdateipreise ein wichtiges Verkaufsargument für den Kindle sind, mit über drei Millionen Exemplaren bisher der weltweit meistverkaufte E-Reader.

So soll die Mehrzahl der Bestseller bei Simon & Schuster sowie HarperCollins statt 9,99 Dollar künftig 12,99 bis 14,99 Dollar kosten. Bislang konnte Amazon als unangefochtener Marktführer allen Verlagen einen Preis von etwa 10 Dollar diktieren. Nun bekommt Amazon jedoch harte Konkurrenz durch den Tablet-Computer iPad von Apple. Der Technologiekonzern hatte sich von Anfang an wesentlich offener für die Wünsche der Branche gezeigt und konnte so fünf der sechs großen US-Verlage für sich gewinnen.

Amazon bietet für sein elektronisches Lesegerät Kindle mehr als 420.000 zumeist englischsprachige Bücher an. Bereits vor anderthalb Monaten konnte die Holtzbrinck-Tochterfirma Macmillan gegenüber Amazon höhere Preise durchdrücken.

pat/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
semper fi 01.04.2010
Puh, das wird ein ziemliches Rummaulen auf dem amerikanischen Markt auslösen. Dort (bei Amazon) werden gute Bücher einfach verrissen, weil der Preis über den üblichen 9.99$ liegt. (Das ist eine ziemliche Unart, weil der Preis [...]
Zitat von sysopApples iPad wird Bewegung in den Markt der E-Books bringen - aber anders, als Kunden sich das erhoffen: Die Preise steigen. Auch Amazon, bisher Verfechter eines Pauschalpreises, muss mitziehen: Drei der sechs US-Großverlage dürfen jetzt frei ihre Preise festsetzen.
Puh, das wird ein ziemliches Rummaulen auf dem amerikanischen Markt auslösen. Dort (bei Amazon) werden gute Bücher einfach verrissen, weil der Preis über den üblichen 9.99$ liegt. (Das ist eine ziemliche Unart, weil der Preis nichts mit dem Inhalt des Buches - darum geht es bei der jeweiligen Rezension - zu tun hat.) Persönlich würde ich auch mit 12.99$ oder 13.99$ glücklich sein, weil das Lichtjahre unter den Wahnsinnsvorstellungen der deutsche Verlage liegt; von den Mondpreisen für deutsche Printausgaben ganz zu schweigen. Für mich ist und bleibt es eine Hauptsache, dass ich der deutschen Buchpreisbindung, diesem verrückten Instrument, eine lange Nase machen kann. Und dass Exotenliteratur teuerer wird, ist auch in Ordnung. Warum sollte ich die subventionieren wollen?
Syrus 01.04.2010
Wenn nicht alle Verlage die Preise erhöhen, könnte es auch zu Verschiebungen kommen. Wenn ein potentieller Käufer vor der Entscheidung steht, ob er Buch A oder Buch B kauft, spielt der Preis eben doch eine Rolle. Preiserhöhungen [...]
Wenn nicht alle Verlage die Preise erhöhen, könnte es auch zu Verschiebungen kommen. Wenn ein potentieller Käufer vor der Entscheidung steht, ob er Buch A oder Buch B kauft, spielt der Preis eben doch eine Rolle. Preiserhöhungen funktionieren nur, wenn der Kunde ein bestimmtes Buch unbedingt haben möchte. Es gibt nicht viele Bücher, bei denen mir der Preis egal ist und die ich unbedingt sofort lesen will oder muss.
ADie 01.04.2010
Nicht die Exotenliteratur wird teurer, sondern die vermeintlichen Bestseller. Zur Erinnerung: Das Geschäftsmodell eines Verlages besteht i.W. darin, ein Monopol für die von ihm verlegten Inhalte aufzubauen! Und Monopolpreise [...]
Zitat von semper fi... Und dass Exotenliteratur teuerer wird, ist auch in Ordnung. Warum sollte ich die subventionieren wollen?
Nicht die Exotenliteratur wird teurer, sondern die vermeintlichen Bestseller. Zur Erinnerung: Das Geschäftsmodell eines Verlages besteht i.W. darin, ein Monopol für die von ihm verlegten Inhalte aufzubauen! Und Monopolpreise können vom Monopolisten beliebig variiert werden; natürlich werden sie immer zum Gewinnmaximum hin variiert. Die "Exotenliteratur" wird dagegen eher billiger werden, weil die hohen Anfangskosten für die Publikation tendenziell eher sinken und es dann nur noch darum geht, einen Deckungsbeitrag mitzunehmen.
Dynander 01.04.2010
Irgendwie würde man ja hoffen, dass E-Books deutlich günstiger wären als die gedruckten Bücher, einfach weil keine Druckkosten sondern nur digitale Infrastruktur anfällt. Und ich würde es sehr begrüßen, wenn ich anstelle von 80€ [...]
Irgendwie würde man ja hoffen, dass E-Books deutlich günstiger wären als die gedruckten Bücher, einfach weil keine Druckkosten sondern nur digitale Infrastruktur anfällt. Und ich würde es sehr begrüßen, wenn ich anstelle von 80€ für ein Buch für die Uni nur noch 50€ bezahlen würde. Aber bis das alles klappt, kaufe ich einfach Papierbücher, die kann man an den Strand mitnehmen, verleihen, verschenken oder wieder verkaufen. Das geht so mit E-Books nicht …
peterbruells 01.04.2010
Absolut. Nur... wenn man nicht an den Strand geht und Bücher nicht verleiht, verschenkt oder wieder verkauft, dann entfällt dieser Vorteil. Was ich lese, behalte ich entweder für Jahrzehnte, weil es mir wichtig ist, oder [...]
Zitat von DynanderAber bis das alles klappt, kaufe ich einfach Papierbücher, die kann man an den Strand mitnehmen, verleihen, verschenken oder wieder verkaufen. Das geht so mit E-Books nicht …
Absolut. Nur... wenn man nicht an den Strand geht und Bücher nicht verleiht, verschenkt oder wieder verkauft, dann entfällt dieser Vorteil. Was ich lese, behalte ich entweder für Jahrzehnte, weil es mir wichtig ist, oder ich entsorge es. Gerade Bellestristik hat doch einen Wiederverkaufswert nahe Null und wenn man nicht jemanden kennt, der just auch den Autor/das Genre liest, lohnt sich meiner Erfahrung der Aufwand nicht. Papiertonne auf, Buch rein, Tonne zu. Natürlich gibt es Bücher, die es wert sind, ein Leben oder gar Jahrhunderte aufbewahrt zu werden, und wenn es nur aus Sentimentalität ist. Aber wie wir beim Essen allmählich von diesem "Iß Deinen Teller leer" wegkommen und ohne schlechtes Gewissen überzählige Nahrung wegwerfen, wir endlich allmählich auch vom Papierfetisch weg.
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