E-Sport Game-Wettkämpfe boomen, Spieler-Liga leidet

Volle Hallen, Live-Übertragung in 142 Länder - der E-Sport bricht Rekorde. Doch die Veranstalter haben ein Problem: Weil die Computerspiel-Meisterschaften so populär sind, wollen nun auch Spielehersteller und Konsolenfirmen richtig mitverdienen.

Von Mathias Hamann

esl.eu

700 Plätze sind nicht genug, die Cebit-Halle 23 ist überfüllt, meist männlichen Jugendlichen drängen hinein und finden keinen Sitzplatz, obwohl die Veranstalter noch einmal drei Stuhlreihen zusätzlich aufstellen ließen. Die Besucher wollen anderen männlichen Jugendlichen beim Computerspielen zusehen. Sie fasziniert der elektronische Sport, kurz E-Sport. Die internationale Computerspiel-Elite kämpft um einen Weltmeistertitel, außerdem treten Spieler beim ersten Bundesligaturnier des Jahres an.

Früher stöpselten Computerspieler ihre PCs auf Lan-Partys zusammen und zockten ein ganzes Wochenende durch. Schnelles und erschwingliches Internet ließ die Zahl der Daddelfeten schrumpfen. Statt in einer dunklen Halle treffen sich die Zocker lieber online, vermittelt durch Anbieter wie die Electronic Sports League. Die ESL funktioniert wie eine Dating-Webseite; hier wie dort suchen Nutzer nach einer guten Partie.

Bei beidem gilt: Gleich und gleich gesellt sich gern. Denn wenn der Gegner beim Counter-Strike-Date zu gut oder zu schlecht ist, wird aus Spiellust Frust. Also erstellen Firmen wie die ESL aus Siegen oder Niederlagen Ranglisten, so findet jeder einen Gegner seines Niveaus.

Spielefirmen machen den Veranstaltern Konkurrenz

Trotz des enormen Andrangs auf der Cebit haben die Veranstalter im E-Sport ein Problem: Genau solche Rankings bieten immer mehr Spielentwickler. Microsoft bringt mit seiner Xbox-Live-Gemeinde Spieler zusammen, Starcraft-II-Strategen kämpfen in Blizzards Battle-Net gegeneinander und sammeln Punkte: "Spieler sind also folgerichtig nicht mehr so stark auf externe Hilfen angewiesen, wie noch vor einigen Jahren", sagt Philipp Senkbeil von Online-Welten. Die Firma betreut LGZ, ausgesprochen Leagues, ebenfalls ein E-Sport-Portal. Philipp Senkbeil bemerkt seit Jahren Stagnation bei Matches und bei den Mitgliedern sowie einen Rückgang beim Sponsoring: "Viele Spielefirmen betreiben eigene Portale." Wozu sollten sie dann andere finanzieren?

Sony macht E-Sport-Anbietern mit einer eigenen Playstation-Liga direkte Konkurrenz. In Deutschland wächst die Liga nach Firmenangaben von 8200 Mitgliedern Ende 2004 auf 91.000 Ende 2010. Wenig, verglichen mit den 1,3 Millionen, die sich zwischen Flensburg und Freiburg bei der ESL angemeldet haben.

Doch sinkt die Zahl der Seitenaufrufe der Kölner Firma, ein Hinweis auf ebenfalls stagnierendes Wachstum: Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern, kurz IVW, vermeldet für den Januar dieses Jahres nur 3,5 Millionen Besuche auf der ESL-Webseite - im Januar 2010 waren es noch 4,5 Millionen. Die ESL baut nun die Liga um, ein Neu-Design soll die Homepage benutzerfreundlicher machen und nicht nur Hardcore-Zocker anlocken.

Für einen Boom sorgt derzeit das Strategiespiel Starcraft II, "Fast täglich gibt es Cups und Wettbewerbe, diesbezüglich hat es Counter-Strike längst abgehängt", weiß Matthias von Lachner, Chefredakteur von Fragster.de, die Webseite bringt täglich Nachrichten aus der E-Sport-Szene.

Starcraft II sähen auch die World Cyber Games gern in ihrem Programm. Die WCG verstehen sich als die Olympische Spiele der Computerspiele. Im Jahr 2008 feierten sie ihr Weltfinale auf dem Kölner Messegelände, in diesem Jahr hüllt sich die koreanische Firma in Schweigen. Es steht weder fest, wo sie 2011 ihre Endspiele austragen werden, noch genau welche. Lediglich die Fußballsimulation FIFA 11 und der Ego-Shooter Counter-Strike sind sicher dabei.

Koreas E-Sport-Verband streitet mit Spielehersteller um TV-Millionen

Doch wie steht es um Starcraft II? Der Vorgänger löste einst den E-Sport-Boom in Korea aus, Spieler im Süden des geteilten Landes wurden zu Stars, verdienten Hunderttausende Dollar, Fernsehsender Millionen. Das stört aber die Entwickler von Blizzard. Die möchten mitreden und mitverdienen, wenn andere mit ihrer Software Geld machen. Die WCG könnte einen Vertrag mit Blizzard abschließen, damit aber verstieße sie gegen die Interessen ihres Hauptsponsors Samsung. Der ist Mitglied in der Koreanischen E-Sport Association, der Dachverband vereint Teams, Sponsoren und Ligen. Die Kespa weigert sich, Blizzards Bedingungen zu akzeptieren, beide liegen im Clinch. Eine Erklärung von Blizzard, der WCG oder von Hauptsponsor Samsung erfolgte trotz mehrerer Nachfragen von SPIEGEL-ONLINE bisher nicht.

"Eine WCG ohne Blizzard-Titel wäre nur eine halbe WCG", findet Matthias von Lachner. Doch es gibt doch noch Handy- oder Konsolenspiele. "Da kaufen sich die Herstellen den Platz", sagt der Szenekenner. Um die Interessen der Fans ginge es gar nicht - kaum einer will anderen dabei zusehen, wie sie Autorennen auf ihrem Handy spielen - "hier werden einfach nur Herstellerwünsche erfüllt."

Die ESL hingegen hat Verträge mit Blizzard geschlossen, möchte sich aber zu den Details wie Lizenzgebühren nicht äußern. Sie wollen lieber angeben: "Wir brechen alle Rekorde", sagt Ibrahim Mazari, der ESL-Pressesprecher steht in Halle 23 beim Finale seiner Gamer-WM.

Die Halle ist voll, außerdem verfolgen viele Zuschauer die Wettbewerbe per Live-Übertragung im Web: "Wir haben Zuschauer aus 142 Ländern und bereits am ersten Tag doppelt so viele wie beim Auftakt 2010", freut sich der ESL-Sprecher Mazari. Im vergangenen Jahr zählte sein Unternehmen bei ihrem WM-Finale insgesamt 900.000 Zuschauer, Rekord.

Vielleicht eine Alternative für all jene, welche die Spiele nicht live sehen können, trotz drei zusätzlicher Stuhlreihen.



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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
diefans 05.03.2011
1. Echte Talente?
Wir brauchen mehr von diesen Jungs - dann klappts auch mit der Wirtschaft! Mal ehrlich: Wenn man diesen Typen den Computer wegnimmt, fallen die tot um oder haben ernste Entzugserscheinungen... Daß aus einer sozialen Krankheit ein turnierfähiger "Sport" mit größten Talenten wird, stört anscheinend anscheinend keinen mehr - lange kanns nicht mehr gehen oder? ---Zitat--- ...und gilt als eines der größten Talente in Deutschland... http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-65363-4.html ---Zitatende---
Gani, 05.03.2011
2. Unfug
Zitat von diefansWir brauchen mehr von diesen Jungs - dann klappts auch mit der Wirtschaft! Mal ehrlich: Wenn man diesen Typen den Computer wegnimmt, fallen die tot um oder haben ernste Entzugserscheinungen... Daß aus einer sozialen Krankheit ein turnierfähiger "Sport" mit größten Talenten wird, stört anscheinend anscheinend keinen mehr - lange kanns nicht mehr gehen oder?
Das sind überholte, uninformierte und hysterische Klischees. (Geld) Neid spielt womöglich auch eine Rolle. Und bevor jemand ganz schlau sein möchte, nein, ich habe weder eines der erwähnten Spiele, noch jemals in irgendeiner Liga gespielt, noch verfolge ich die Ligen - ich spiele noch nicht mal mehr unregelmässig Computerspiele. Das war einmal. Und deshalb weiss ich es besser, aus eigener Erfahrung.
claudilein 05.03.2011
3. Ganz großer Experte
Zitat von diefansWir brauchen mehr von diesen Jungs - dann klappts auch mit der Wirtschaft! Mal ehrlich: Wenn man diesen Typen den Computer wegnimmt, fallen die tot um oder haben ernste Entzugserscheinungen... Daß aus einer sozialen Krankheit ein turnierfähiger "Sport" mit größten Talenten wird, stört anscheinend anscheinend keinen mehr - lange kanns nicht mehr gehen oder?
Da meldet sich ja mal ein echter Experte zu Wort. Ich wette, Sie haben sich noch nie mit irgendeinem dieser Spiele beschäftigt, sind aber der Meinung, hier Ihren Senf dazugeben zu müssen. Argumentativ stehen Sie da ja den Guttenbergfans nichts nach... Was an Computerspielen macht sie denn zu einer „soziale Krankheit“ und wie zeichnet sich eine solche generell aus?
Tuti79 05.03.2011
4. Wenn man keine ahnung hat einfach mal ...
Zitat von diefansWir brauchen mehr von diesen Jungs - dann klappts auch mit der Wirtschaft! Mal ehrlich: Wenn man diesen Typen den Computer wegnimmt, fallen die tot um oder haben ernste Entzugserscheinungen... Daß aus einer sozialen Krankheit ein turnierfähiger "Sport" mit größten Talenten wird, stört anscheinend anscheinend keinen mehr - lange kanns nicht mehr gehen oder?
Ich denke mal 95% dieser Jungs haben deutlich mehr aufm Kasten als Sie - und daher bin ich mal gnädig mit Ihnen und sehe Ihren unwissenden Kommentar als puren Neid. Ich habe auch aktiv Counter Strike, Starcraft und ähnliche Teamspiele gespielt - und soll ich Ihnen was sagen 100% der Jungs die "damals" (so alt bin ich zum Glück ja auch noch nicht) Teil des Teams waren stehen heute mit beiden Beiden voll im Leben und sind Stützen unserer Gesellschaft. Keiner auf Entzug gewesen, keiner tot umgefallen und sogar eine Ehe (jaaaaa es gibt auch weibliche Spieler) entstanden. Klar mag es auch Gegenbeispiele geben, aber bei welcher Sportart gibt es die net?
testthewest 05.03.2011
5. Titel
Zitat von diefansWir brauchen mehr von diesen Jungs - dann klappts auch mit der Wirtschaft! Mal ehrlich: Wenn man diesen Typen den Computer wegnimmt, fallen die tot um oder haben ernste Entzugserscheinungen... Daß aus einer sozialen Krankheit ein turnierfähiger "Sport" mit größten Talenten wird, stört anscheinend anscheinend keinen mehr - lange kanns nicht mehr gehen oder?
Ähnliches könnte man über Lukas Podolski und einen Fussball sagen. Doch wärend die "E-Sportler" danach wenigstens noch multitaskingfähig sind und eine extrem gute Hand-Auge Koordination haben, müssen unsere Ex-Fußballprofis (und möchtegern-Profis) auf den Bau sich verdingen. Naja, ich zocke auch SC2, arbeiten sonst als Arzt und kümmer mich um meine 2 Kinder und die Frau. Bin also ein typisch "sozial" vereinsamter und kranker Mensch.
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