Sicherheitslücke Dell lieferte Computer mit gefährlicher Software aus

Der PC-Hersteller Dell hat ein potenziell gefährliches Problem mit vielen aktuellen Rechnern eingeräumt. Eine vorinstallierte Software kann missbraucht werden, um beispielsweise das Onlinebanking zu belauschen. Abhilfe ist angekündigt.

Dell-Notebook (Symbolbild): Sicherheitslücke in vielen Rechnern
Matthias Kremp

Dell-Notebook (Symbolbild): Sicherheitslücke in vielen Rechnern


Zahlreiche Dell-Computer sind von einer Sicherheitslücke betroffen. Wie das Unternehmen in der Nacht zum Dienstag mitteilte, wurden viele Rechner mit einer Schwachstelle ausgeliefert, die es Fremden ermöglicht, den Datenverkehr des Betroffenen auszuspähen oder Schadsoftware zu installieren. So könnten beispielsweise E-Mails und Onlinebanking-Transaktionen mitgelesen werden.

Einem Bericht des US-Sicherheitsexperten Brian Krebs zufolge sind alle seit August 2015 ausgelieferten PC und Notebooks von der Schwachstelle betroffen. Das Problem ist ein sogenanntes Root-Zertifikat mit der Bezeichnung eDellRoot. Zertifikate dieser Art werden genutzt, um die Echtheit anderer Zertifikate zu bestätigen, mit denen sich beispielsweise Webseiten als echte ausweisen.

Normalerweise wird diese Art der Validierung mit einem geheimen Schlüssel gesichert, erklärt "Heise Security". Im Fall des eDellRoot-Zertifikats allerdings ist dieser Schlüssel auf dem Notebook abgelegt und kann leicht ausgelesen werden.

Die Experten von "Heise Security" konnten in einem Test die Gefahren nachvollziehen, die dadurch entstehen. So gelang es ihnen mit einem sogenannten Man-in-the-Middle-Angriff problemlos, alle von ihrem Test-Laptop aus aufgebauten verschlüsselten Verbindungen mitzulesen: "Egal ob Onlinebanking, Passwort-Eingaben, Software-Downloads: Jeder Angreifer mit Zugang zum Netzwerkverkehr des Systems kann das alles fast beliebig mitlesen oder sogar manipulieren."

"Sicherheitsloch von bislang kaum abschätzbarem Ausmaß"

In ihrer Einschätzung der Schwere der Schwachstelle sind sich die Experten einig. So urteilt "Heise Security", es handele sich um "ein veritables Sicherheitsloch von bislang kaum abschätzbarem Ausmaß". Brian Krebs glaubt, das Problem müsse möglicherweise "von den großen Browserherstellern ausgebügelt werden".

Vorerst vertröstet Dell seinen Kunden mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung, die erklärt, wie man das fragliche Zertifikat nachhaltig von seinem Rechner entfernt. Das genaue Einhalten dieser Prozedur ist wichtig, da sich das Zertifikat ansonsten beim nächsten Neustart neu installiert.

Noch diesen Dienstag will das Unternehmen eine Software veröffentlichen, die prüft, ob die Schwachstelle auf dem jeweiligen Rechner vorhanden ist. Solle dem so sein, werde das gefährliche Zertifikat automatisch entfernt.

Erinnerungen an Superfish

Entdeckt und publik gemacht wurde die Sicherheitslücke von mehreren Anwendern, für deren Hinweise sich Dell in seiner Mitteilung bedankt. Gleichzeitig ermuntert das Unternehmen seine Kunden: "Wenn Sie jemals eine potenziell gefährliche Sicherheitslücke in einem Dell-Produkt oder einer Dell-Software finden, kontaktieren Sie uns bitte sofort."

Dells Sicherheitsproblem erinnert an die Superfish-Sicherheitslücke, die Anfang des Jahres Lenovo zu schaffen machte. Der chinesische Computerhersteller hatte seine Notebooks damals mit einer Zusatzsoftware ausgeliefert, die nicht nur die Suchergebnisse im Webbrowser manipulierte, sondern ebenfalls ein gefährliches Root-Zertifikat installierte. Auch dieses Zertifikat hatte Man-in-the-Middle-Attacken ermöglicht.

Lenovo reagierte seinerzeit schnell und stellte binnen weniger Tage ein Löschprogramm bereit, mit dem sich die vorinstallierte Malware entfernen ließ.

Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

mak



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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
no_reservations 24.11.2015
1. Gefährlich kann die Software wohl
in diesem Fall weniger sein. Sie meinten wohl eher, dass die Computer gefährdet sind. Gefährliche Software klingt für mich doch eher nach Schadsoftware, die Sicherheitslücken ausnutzt anstatt sie selbst zu besitzen...
bold_ 24.11.2015
2. Ein Grund mehr,
Windows nicht länger zu nutzen! Problem: Neue Rechner "sperren sich" auf Geheiß einer "Höheren Gewalt" gegen die Installation von Linux. Die gute Nachricht: Es gibt noch alte Rechner, und die laufen wieselflink - und (ziemlich) sicher - mit Linux. Viren und Trojaner sind zu 95% für Windows programmiert, was PCs und Laptos anbetrifft. Smartphones sind natürlich deren "natürliches Biotop" - aber das ist ein anderes Thema...
and_over 24.11.2015
3. ich sehe das konkrete Problem
weniger als Windows-Problem als einen Fehler vom Hersteller. Rechner kaufe ich nur ohne OS und setze mir die so auf, wie ICH sie haben will.
xineohp 24.11.2015
4. Linux ...
... hat mir das Herz geöffnet. Gebt Euch einen Ruck und löst euch aus dem Würgegriff von Microsoft und Apple. Es tut sooo gut wieder mit seinem Rechner machen zu dürfen was man will. Die meisten machen Textverarbeitung, Tabellenkram und Internet ... dafür ist das System perfekt in nahezu allen Distributionen. Kante zeigen, endlich umsteigen und ein Stückchen Freiheit zurückgewinnen ;-) Kleiner Tipp: einen ausrangierten Rechner auf Linux einrichten und ein bisschen herumspielen, dann ist der komplette Umstieg nur noch eine Sache von Minuten :-)
der_unbekannte 24.11.2015
5. Tipp
für alle, die ihren PC zum Arbeiten nutzen möchten: kauft euch einen guten gebrauchten PC (B-Ware), die es sehr günstig gibt und ladet euch aus dem Netz eine Linux Distribution eurer Wahl herunter (mein Favorit: Linux Mint), da ist auch schon alles dabei wie LibreOffice, Thunderbird, Firefox und und und. Das spart jede Menge Geld, ihr schont die Umwelt und habt nicht solche Probleme.
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