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Einigung über Finanzierung: Digitalradio, der zweite Versuch

Das Radio soll endlich digital werden. Fast zwei Jahre nach den ersten zarten Anfängen ist jetzt die letzte Hürde für einen Neustart beim Digitalradio-Standard DAB+ gefallen - ein Chip-Hersteller hat mit Geld geholfen.

Radioskala: Seit dem Volksempfängers hat sich die Übertragungstechnik wenig verändert Zur Großansicht
Matthias Kremp

Radioskala: Seit dem Volksempfängers hat sich die Übertragungstechnik wenig verändert

Daran hatte kaum noch jemand geglaubt: Das digitale Radio bekommt in Deutschland noch ein Chance. Wie der Mediendienst " Kress" berichtet sind die Verhandlungen zwischen den Privatradiosendern und dem Netzbetreiber Media Broadcast über die Zukunft des Digitalradio-Standards DAB+ (Digital Radio plus) doch noch zu einem erfolgreichen Ende geführt worden. Damit sei der Weg für nationale Digitalradio-Programme nach dem neuen Standard frei.

Fernsehen gibt es in Deutschland seit 2009 flächendeckend digital. DVB-T, das digitale terrestrische TV, lässt sich bundesweit empfangen. In den Ballungsräumen mit bis zu 34 Sendern, in der Provinz zumindest mit einem Grundangebot öffentlich-rechtlicher Programme. Das Radio hinkt dieser Entwicklung weit hinterher. Von einer flächendeckenden Digitalisierung kann noch nicht die Rede sein. Einzig in Bayern ist DAB landesweit ausgebaut. Der Rest der Republik muss sich mit 80-Prozent Abdeckung begnügen.

Dabei bietet die digitale Radioübertragung, ebenso wie Digital-TV, einige Vorteile gegenüber analogen Sendetechniken. So können in den verfügbaren Frequenzbereichen mehr Sender untergebracht werden, die Klangqualität wird gesteigert und das Radioprogramm um ergänzende Serviceangebote erweitert werden. Für Autofahrer etwa können Verkehrsinfos aufbereitet, Nachrichten multimedial ergänzt werden. Trotzdem ist DAB bis heute ein Nischenthema mit starkem Nord-Süd-Gefälle.

Ein Chip-Hersteller unterstützt die Technik

Ende 2009 schließlich beschlossen die Länderministerpräsidenten, bundesweite Kapazitäten für das Digitalradio der zweiten Generation, DAB+ auszuschreiben, um der Radio-Digitalisierung neuen Schub zu geben. Ausreichend Interesse seitens der Privatsender war offenbar vorhanden, nur über die finanziellen Modalitäten konnten man sich nicht einigen. "Kress" zufolge forderte Media Broadcast mehr Geld für die technische Realisierung des Ausbaus als die Sender zu zahlen bereit oder in der Lage waren.

Den Weg aus dem Dilemma bereitete der Chiphersteller Frontier Silicon, als er sich bereit erklärte, die Radiosender bei der Vermarktung des neuen Empfangswegs finanziell zu unterstützen. Die Selbstverpflichtung gilt für vier Jahre. Bereits 2011, hofft das Unternehmen, dessen Chips in vielen Digitalradios stecken, soll aber "das Jahr sein, in dem DAB+ erfolgreich in Deutschland startet".

Ein historischer Neuanfang?

Der Vorsitzende der ARD-Hörfunkkommission, Bernhard Hermann (SWR), hat die Initiative der Privaten ausdrücklich begrüßt. Mit Blick auf die zunehmende Nutzung von Internetradio-Angeboten verlangte er, "dass es neben dem Internet als Verbreitungsweg für Radioprogramme auch digitale Sendeanlagen mit einem speziell für die mobile Audio-Nutzung optimierten System geben sollte."

Das Media Broadcast und die privaten Bewerber um Programmplätze im DAB+ und das Deutschlandradio den Vertrag unterzeichnet haben, werteten die Verantwortlichen als "gutes Signal für den für 2011 vorgesehenen Start von bundesweitem Digitalradio". Chip-Hersteller Frontier Silicon gibt sich da euphorisch und erklärt den "Start eines landesweiten DAB+-Angebots als historische Entwicklung für Deutschland."

Ob man gleich so weit gehen muss, die Vertragsunterzeichnung als historisch zu markieren, sei dahingestellt. Für das Radio an sich aber, ist die Einigung mit Sicherheit eine gute Nachricht. Mit DAB+ bekommt ein uraltes Massenmedium eine zweite Chance. Ob es die zu nutzen weiß, wird vermutlich schon das nächste Jahr zeigen.

mak

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Antwort
archie, 15.12.2010
Na gut, diskutieren wir hier übers Radio statt über die Meldung von der neuen Haushaltsabgabe. Also Radio. Wann habe ich das letzte Mal dieses Gedudel gehört? 1980? Die einzige Funktion des Radios ist, einen Klangteppich für die Leute zu erzeugen, die zu faul sind, das selber zu tun.
2. Digitalradio
kwhörer 15.12.2010
Wo bleibt denn jetzt DRM ?
3. Warum DAB(+)?
mythreecents 15.12.2010
Weil das UKW-Band rappelvoll ist, was eine hohe Markteintrittshürde für neue Anbieter darstellt. Weil bereits jetzt die Mobilnetze keine Kapazität mehr für die steigende Nutzung von Streaming-Angeboten bereitstellen können (auch nicht mit LTE). Weil die terrestrische Nutzung kostenlos ist und kein Internet- oder Mobilfunk-Provider Zensur ausüben kann. Weil der mobile Empfang sowohl mit AAC wie auch beim alten MP2 weitaus besser realisierbar, störungsfreier und (bei vernünftiger Datenrate) qualitativ besser ist. Weil der Stromverbrauch der Sender bei gleicher Abdeckung 80 bis 90 Prozent niedriger sein kann. u.s.w.
4. Also DVB-T ist mobil kaum zu empfangen
GeorgAlexander 15.12.2010
Wie soll dann das digitale Autoradio per DAB+ bei höheren Geschwindigkeiten funktionieren?
5. Es wird dauern ...
52m.de 15.12.2010
... bevor das Netz nicht halbwegs gut ausgebaut ist, wird sich kaum einer ein neues Autoradio bzw. Radio zulegen. Diese Grundlage muss erst mal geschaffen sein. Und dann wird es wohl eher Hybrid-Radios geben müssen, die digital und analog empfangen können. Doppelte Technik heißt in der Regel aufpreispflichtig. Da muss der Handel wieder viel Überzeugungsarbeit leisten, wenn er das denn will. Es wird noch Jahre brauchen, bis das Digitale Radio auf dem Level ist, wie es das Digital Fernsehen heute ist. Entspannen wir uns also weiter bei Einheitsbrei.
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