Enox Safe-Kid-One EU-Kommission warnt vor Kinder-Smartwatch aus Deutschland

Eine Kinderuhr mit GPS-Funktion soll Eltern die Möglichkeit geben, jederzeit herauszufinden, wo sich ihr Kind aufhält. Offenbar ist die Smartwatch aber selbst ein ziemliches Sicherheitsrisiko.

EU-Kommission in Brüssel
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EU-Kommission in Brüssel


"Sicherheit ist hierbei die erste Priorität" und "ein Stück Sicherheit in der Hand": Mit solchen Phrasen bewirbt die Hamburger Firma Enox ihre Smartwatch Safe-Kid-One. Die "stylische Kinderuhr mit GPS-Funktion" soll es Eltern ermöglichen, jederzeit den Aufenthaltsort ihres Kindes abzurufen. Das Kind wiederum kann durch sogenannte SOS-Tasten an der Uhr vorgespeicherte Rufnummern anrufen.

Darüber, ob solche Gadgets in Extremsituationen mehr als nur gefühlte Sicherheit bieten, lässt sich streiten. Klar scheint indes, dass man als Elternteil die Safe-Kid-One seinem Kind wohl auf keinen Fall mitgeben sollte: Über das Warnsystem Rapex, das vor "gefährlichen Produkten" warnt, macht die EU-Kommission gerade darauf aufmerksam, dass die Uhr offenbar selbst ein Sicherheitsrisiko für Kinder darstellt.

Die Mobil-App, die zur Safe-Kid-One gehört, setzt der Warnung zufolge auf unverschlüsselte Kommunikation mit dem Backend-Server. Dritten soll es möglich sein, zur Uhr gehörige Daten wie die Standort-Historie und die gespeicherten Telefonnummern abzurufen. Auch eine Manipulation der Daten ist angeblich möglich. Kriminelle könnten die Uhr zum Beispiel eine Nummer nach Wahl anrufen lassen und mit dem Kind kommunizieren, heißt es.

Den Standort des Kindes herausfinden

Ebenso ist es laut der Warnung der EU-Kommission möglich, durch die Standortdaten der Uhr den Aufenthaltsort des Kindes ausfindig zu machen. Hersteller Enox wirbt auf seiner Website explizit mit "sekundenschneller Ortung mit kostenloser App", einer "Wegaufzeichnung" sowie "Livetracking über GPS". Diese Funktionen könnten dank der mangelnden Absicherung der Software aber offenbar auch von Unbefugten genutzt werden.

Die EU-Kommission, die der Uhr einen Verstoß gegen die Richtlinie zur Bereitstellung von Funkanlagen vorwirft, fordert von den lokalen Behörden nun einen Rückruf der Kinder-Smartwatch. Auf eine SPIEGEL-Anfrage zum Thema hat Enox bislang nicht reagiert.

Ein umstrittenes Thema

Smartwatches für Kinder sind seit jeher ein umstrittenes Thema. So hatte die Bundesnetzagentur zum Beispiel schon 2017 Kinderuhren mit "Abhörfunktion" verboten. Die Netzagentur riet Eltern damals, solche Uhren unschädlich zu machen und einen Nachweis hierüber an die Behörde zu schicken.

Zur Safe-Kid-One heißt es von der Netzagentur auf SPIEGEL-Nachfrage, dass es sich bei der Version der Uhr, die auf dem deutschen Markt erhältlich sei, um eine Smartwatch "ohne Abhörfunktion" handele - das jedenfalls sei der aktuelle Kenntnisstand der Behörde.

Noch könne die Netzagentur den Fall allerdings nicht abschließend bewerten: Die "derzeit vorliegenden Informationen" aus dem Rapex-Verfahren seien dafür nicht ausreichend, heißt es. Die Behörde ermittele daher den Sachverhalt: "Mögliche Folgemaßnahmen werden nach vollständiger Auswertung des Sachverhalts erlassen."

mbö



insgesamt 5 Beiträge
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werner-xyz 06.02.2019
1. mal davon abgesehen
dass ich diese Helikoptermentalität als extrem schlimm empfinde, welches Kind trägt so eine Uhr? Also wenn meine Eltern damit gekommen wäre, wäre die nach 5 Minuten beim Spielen dummerweise kaputt gegangen. Wobei ich als Jahrgang 65 natürlich weit weg von solchen Helikoptereltern war. Wobei wir aus unseren Verstecken auch schon das eine oder andere Mal unsere Eltern mit Lampen bewaffnet vorbei ziehen sahen, aber da hatten wir dann dummerweise gewisse Zeiten doch sehr deutlich überzogen :)
m_s@me.com 06.02.2019
2. Hässlich-prollig, riesig-fett, höllisch schwer, nicht für Kinder
Wie kommen Eltern darauf, dass Kinder so etwas gerne tragen wollten, abgesehen davon, dass es vielleicht moralisch fraglich und vielleicht auch ein Sicherheitsrisiko ist? Das Ding wiegt 120 Gramm - Eine Apple Watch 3 übrigens 39 Gramm (!) die erheblich sicherer ist, wesentlich besser aussieht und auch brauchbar. Aber davon abgesehen, um Kinder zu "überwachen"? Habe selbst eine Dreijährige und finde den Gedanken befremdlich.
oelfinger 07.02.2019
3.
Wie soll ein Kind frei und unbeschwert draussen spielen und toben wenn es weiß, daß die Eltern jeden seiner Schritte lückenlos überwachen können? So erzieht man Hemmungen in der freien Entfaltung an.
cosmose 07.02.2019
4.
Zitat von oelfingerWie soll ein Kind frei und unbeschwert draussen spielen und toben wenn es weiß, daß die Eltern jeden seiner Schritte lückenlos überwachen können? So erzieht man Hemmungen in der freien Entfaltung an.
Ganz einfach...das Kind weiß davon nichts. Der gebildete Helikopter-Pilot von heute wird diese Funktion einfach nicht erwähnen, und der Nachwuchs freut sich über eine dicke Smartwatch am Handgelenk.
ptb29 07.02.2019
5. Es artet immer mehr aus
Die Eltern kontrollieren jeden Fur.. ihres Kindes, geben den Erziehern und Lehrern Hinweise, wie die Kinder zu erziehen sind und was sie zu essen haben. Leider ermöglicht das Internet die totale Überwachung, und die Eltern machen da auch mit, gleichzeitig werden reißerische Nachrichten schnell verbreitet. Es ist heute nicht gefährlicher als früher. Mal davon abgesehen, dass viele Kinder gar nicht wissen, wie draußen spielen geht. Als ich als Kind draußen spielte, gab es nur eine Regel. Wenn es dunkel wird, kommst du nach Hause.
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