Neues Betriebssystem für iPad und iPhone: Apple befreit iOS vom Filz

Neue Macbook-Air-Modelle, röhrenförmiger Hochleistungsrechner, sparsames Mac OS: Apple-Chef Tim Cook hatte viel im Gepäck bei der Entwicklerkonferenz WWDC. Für den meisten Wirbel sorgte aber das entschlackte iPhone-Betriebssystem.

San Francisco - Es gab tatsächlich tosenden Applaus - für eine Betriebssystem-Version. Das ist selbst bei Apple nicht immer so, aber das neue iOS 7 scheint die anwesenden Softwareentwickler bei Apples Konferenz WWDC doch nachhaltig überzeugt zu haben. Chefdesigner Jonathan Ive persönlich hat Hand angelegt und dabei offenbar etwas abgeschafft, was viele Apple-Fans schon lange bemängelt hatten: den sogenannten Skeuomorphismus, das Nachahmen natürlicher Materialien und Oberflächen in der Betriebssystem-Grafik. Die Zeit der Bücherregale aus Pixelholz und Spieltische aus Pixelfilz ist mit dem neuen iOS wohl tatsächlich vorüber, wenn es im Herbst für Normalnutzer zur Verfügung gestellt wird. Von Dienstag an können Entwickler bereits eine Betaversion testen.

Im neuen iOS sind Parallax-3-D-Effekte eingebaut - wenn man das Handy bewegt, scheint es, als würden die Icons über den Hintergrund schweben. Ordner können nun mehrere Seiten haben, ein neues Control-Center lässt sich von unten auf den Bildschirm ziehen, um häufig genutzte Funktionen aufzurufen. Multitasking sollen iPhone und iPad unter dem neuen iOS besser können, ohne allzu viel Strom zu verbrauchen. Eine der für viele Nutzer wohl wichtigsten Neuerungen: App-Updates finden künftig automatisch statt, müssen nicht mehr manuell initiiert werden.

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Apple-Event WWDC: Röhrenrechner und Schnellfunker
Im Auto soll iOS künftig eine wichtigere Rolle spielen: Tim Cook kündigte Kooperationen mit zwölf Herstellern an, die iOS in ihre Fahrzeuge integrieren wollen. Der Sprachassistent Siri, Apple Maps und anderes sollen sich dann über den Bildschirm im Auto nutzen lassen. Siri kann nun auf Wunsch auch mit männlicher Stimme zum Nutzer sprechen und soll mehr Befehle verstehen lernen ("Spiele die letzte Voicemail ab", "Erhöhe die Helligkeit").

Mit dem ebenfalls vorgestellten neuen Mac OS namens Mavericks teilt sich iOS 7 eine Funktion: Die sogenannte iCloud Keychain soll sichere Passwörter auf Wunsch generieren und sie auch speichern - und zwar über Betriebssytemgrenzen hinweg, solange man in der Apple-Welt bleibt. Das klingt praktisch - nie wieder ein Passwort merken müssen. Es sorgte aber auch unmittelbar nach der Ankündigung für viele boshafte Twitter-Witze mit Bezug auf den "Prism"-Skandal: "Hervorragend, dann kann die NSA jetzt auch auf Accounts zugreifen, die nicht in den USA liegen."

Weitere Ankündigungen im Überblick:

  • Neue Macbook-Air-Modelle basieren auf Intels neuen Haswell-Prozessoren. Die Akkulaufzeiten sollen 11 Stunden beim 11-Zoll-Modell und 12 Stunden beim 13-Zoll-Modell betragen.

  • Das Mac OS namens Mavericks soll bis zu 72 Prozent stromsparender arbeiten, indem es Prozesse optimiert und Ruhezeiten verlängert.

  • Der Browser Safari wird optisch überarbeitet, soll schneller werden und bekommt eine Funktion namens "Shared Links", die Seiten zeigt, die andere auf Twitter gepostet haben, denen man dort folgt.

  • Die Lese-App iBooks kommt auf den Mac, für Apple Maps gibt es dort nun eine App.

  • Die Bürosoftware iWork bekommt eine neue Version, die komplett im Browser läuft, funktional aber kaum von Desktop-Software zu unterscheiden ist. Apples Antwort auf Googles Chrome OS? iWork for iCloud heißt der Dienst, der auch auf Windows-Rechnern laufen soll.

  • Im Herbst soll ein neuer Hochleistungsrechner kommen, der Nachfolger des Mac Pro. Er sieht aus wie eine zu groß geratene Coladose in schwarz. Unter anderem kann er drei 4k-Displays zugleich ansteuern - das erfordert eine Menge Rechenleistung.

  • Der neue Musikdienst iTunes Radio wurde vorgestellt, was keine Überraschung war. Überraschend ärgerlich für deutsche Nutzer: Vorerst ist der Dienst, der mit Werbung versehen kostenlos nutzbar ist, nur für US-Nutzer freigeschaltet.

cis

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insgesamt 119 Beiträge
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1. Freue ich mich drauf
guwalter 10.06.2013
Vorweg: Ich möchte keine Diskussion im Stil "welche Plattform ist besser anzetteln" - jedem das, was er mag. Ich nutze iOS und Apple, bin zufrieden und freue mich aufs neue iOS 7 und das der Mac Pro neu aufgesetzt wird. Sind doch tolle Neuigkeiten und Ideen, die (endlich ;) berücksichtigt werden.
2.
Der Eiserne W 10.06.2013
Zitat von sysopAP/dpaNeue Macbook-Air-Modelle, röhrenförmiger Hochleistungsrechner, sparsames Mac OS: Apple-Chef Tim Cook hatte viel im Gepäck bei der Entwicklerkonferenz WWDC. Für den meisten Wirbel sorgte aber das entschlackte iPhone-Betriebssystem. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/entwicklerkonferenz-wwdc-apple-zeigt-ios-7-und-os-maverick-a-904921.html
iTunes Radio überraschend vorerst nicht in Deutschland? Wer sollte denn davon überrascht sein, schließlich hat da die GEMA mal wieder ihre Finger im Spiel und will den großen Reibach machen...
3. Die bessere Kopie
TobiasN 10.06.2013
Wo sind die Innovationen? Das, wofür Apple bekannt war und was diese Firma in den letzten Jahren so erfolgreich gemacht hat? Sicherlich, iOS7 ist ein gewaltiger Fortschritt, es ist deutlich moderner - aber nichts davon ist wirklich kreativ und neu. Man hat einfach das Beste der anderen genommen, kopiert und zu einem (hoffentlich) sehr gutem Ganzen zusammengefügt. Die Farben erinnern frapierend an Samsungs TouchWiz-Oberfläche. Das tolle ControlCenter gibts da so ähnlich auch schon seit sem S2, also seit rund drei Jahren. Die runden Icons in den Apps sehen aus wie auf den Sony-Telefonen, viele Funktionen sind von Microsofts Windows Phone 8 abgekupfert, automatische App-Updates gibts bei Android auch schon ewig. Alles in allem: Eine gute Mischung die Apple da hingelegt hat. Aber eben kein bißchen mehr innovativ. Apple scheint nur noch hinterherzurennen. Und das hätte es unter Steve Jobs nicht gegeben. "The Next Big Thing" wäre dringend nötig!
4. Apple, Samsung oder Windows?
Jeder kann... 10.06.2013
Tosenden Applaus hat es fuer Apple seit Steve Jobs nicht mehr gegeben. Die Praesentation des neuen iOS 7 scheint ein grosser Wurf zu sein. Das zeigt unterm Strich, wie wichtig es ist, neben Apple grosse Konkurrenten wie Samsung & Co. zu haben: Letzten Endes profitieren nicht nur die Hersteller, sondern vor allen Dingen die Kunden, denen eine unglaubliche Menge an technischen Hilfen einfach und nutzbar zur Verfuegung gestellt wird. Man denke nur 6 Jahre zurueck - Smartphones vor 2007 waren alles andere als smart. Apple, Google, Samsung oder Windows? I don't care. Hauptsache: Konkurrenz belebt das Geschaeft.
5. Nicht 11, sondern 9 Stunden beim 11
The Rookie 10.06.2013
...und nicht Mac OS "Maverick", sondern Mac OS "Mavericks". Jungs, ich bin ja auch total aufgeregt, aber für ein paar exakte Fakten sollte es noch reichen.
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