Von Matthias Kremp
Sie wollen mit iPhone oder iPad fernsehen? Gute Idee, denn passende Bildschirme bringen die Apple-Geräte ja mit. Nur umzusetzen ist diese Idee nicht so leicht. Einen eigenen TV-Empfänger haben Apples i-Geräte bekanntlich nicht. Nicht einmal über einen USB-Anschluss wie ihn zum Beispiel DVB-T-Sticks nutzen, verfügen die Apple-Gadgets. Selbst mit dem USB-Adapter für das iPad klappt der Trick nicht, weil Apple den entsprechenden Anschluss nur für Fotos von Digicams durchlässig gemacht hat und alles andere blockiert.
Doch wenn es nicht direkt geht, dann vielleicht auf Umwegen? Die Lösung hat der Zubehörhersteller Equinux gefunden und in Form des DVB-T-Fernsehempfängers tizi auf den Markt gebracht.
Das kleine schwarze Schächtelchen gibt sich iPhone und iPad gegenüber als W-Lan-Hotspot aus, sendet das empfangene TV-Signal also drahtlos an das jeweilige Gerät. Dafür muss man sein i-Gerät mit dem tizi-W-Lan koppeln, verliert also die Verbindung zu einem eventuell vorhandenen anderen Netzwerk, das man zum Websurfen und E-Mailen nutzt.
Wer will, kann die Funkstrecke auch per Passwort schützen. Allerdings nur mit der längst als nicht mehr sicher geltenden WEP-Technik. Ob eine Verschlüsselung bei einem W-Lan für TV-Übertragungen aber überhaupt nötig ist, ist eine andere Frage. Keine Frage dagegen ist, dass man für tizi noch eine Applikation aus dem App Store laden muss. Ohne die geht gar nichts, dafür kostet sie aber auch nichts. Alles andere wäre auch verwunderlich, denn ohne tizi-Hardware kann man damit nichts anfangen.
Ist die App installiert, die Verbindung hergestellt und der Sendersuchlauf abgeschlossen, geht sprichwörtlich die Sonne auf. Sofern das TV-Signal stark genug ankommt, wird das iPhone oder iPad zum Mini-TV-Deluxe. Im Hochformat gehalten erscheinen unter dem TV-Fenster die empfangbaren Kanäle mitsamt Infos darüber, was gerade läuft - sofern der Sender diese Informationen ausstrahlt. Per Fingertipp auf einen Eintrag in dieser Liste wird umgeschaltet.
Tizi ist ein Einzelgänger
Richtig gut sieht das TV-Bild aber erst aus, kippt man den Bildschirm ins Querformat. Die Zusatzinformationen verschwinden, das Fernsehbild füllt den Bildschirm so weit aus, wie es möglich ist. Abhängig vom Format der gezeigten Sendung erscheinen schwarze Balken ober- und unterhalb des Bildes. In diesem Modus wird dann auch ganz iPad-like von Programm zu Programm umgeschaltet, indem man mit dem Finger über den Bildschirm wischt.
Das funktioniert, der W-Lan-Technik wegen, nur im Sendebereich des Mini-Hotspots. Je nach Umgebung dürfte das einem Radius von rund 50 Metern entsprechen, in einem normalen Einfamilienhaus gab es jedenfalls keine Empfangsprobleme. Positiver Nebeneffekt der Drahtlosverbindung: Man kann den TV-Empfänger dort aufstellen, wo der TV-Empfang am besten ist.
Die W-Lan-Technik des tizi hat Vor- und Nachteile. Positiv: Die ganze Leistung des W-Lan steht für das Fernsehsignal zur Verfügung. Man muss also nicht befürchten, dass der Empfang einer umfangreichen E-Mail das TV-Bild stört, weil die Datenübertragung zu viel Bandbreite braucht. Allerdings ist man eben auch offline, solange man fernsieht. Und gemeinsam nutzen lässt sich so ein tizi auch nicht. Sobald zwei Geräte versuchen, gleichzeitig ein TV-Bild zu empfangen, schaltet der tizi munter im Sekundentakt zwischen beiden hin und her, so dass keiner von beiden wirklich fernsehen kann.
Kein Kleingeld
Viel schmerzhafter ist allerdings der Preis, den man für den kleinen TV-Hotspot zahlen muss: 150 Euro kostet die W-Lan-TV-Box im Online-Store des Herstellers. Dafür bekommt man locker drei USB-TV-Empfänger für den Mac oder vier billige TV-Sticks für Windows-PC. Allerdings ist tizi zur Zeit allein auf weiter Flur, muss keine Konkurrenz fürchten und kann es sich deshalb sogar erlauben, nicht mal ein Netzteil im Karton mitzubringen. Ein Umstand, der umso schmerzhafter ist, als der Akku des tizi nur Kraft für maximal 3,5 Stunden aufbringt.
Doch ein vergleichbares Produkt eines anderen Anbieters gibt es nicht. Einzig die TV-App von Elgato ermöglicht es auf ähnliche Weise, Live-Fernsehen auf iPad und iPhone zu streamen. Dafür braucht man allerdings einen eingeschalteten Mac samt Elgato TV-Empfänger und -Software. Der empfängt das Fernsehprogramm und leitet es via Netzwerk an das empfangende Gerät weiter. Billig ist auch das nicht.
So bleibt tizi die vorerst einzige Option, will man Live-TV per Antenne, also ohne Zusatzkosten, auf iPhone, iPod oder iPad sehen. Verbesserungswünsche gibt es trotzdem viele. Einige davon hat sich Hersteller Equinux zu Herzen genommen, und bereits das erste Software-Update veröffentlicht. Für die Version 2.0 der tizi-App ist sogar eine Aufnahmefunktion versprochen, was ein echtes Upgrade wäre.
Noch schöner wäre es aber, wenn der Hersteller seine Hardware noch einmal überdenken würde. Statt des akkubetriebenen Kästchens mit eigenem W-Lan wäre zumindest für zu Hause ein TV-Empfänger wünschenswert, den man ins heimische W-Lan einbinden kann. Genug Bandbreite dürften aktuelle W-Lans locker haben. Und das tizi könnte man dann immer noch prima gebrauchen, auch unterwegs.
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