World Maker Faire: Robo-Spinnen und Besenstielgitarren
Papa plant, Tochter fräst: Auf der World Maker Faire in New York zeigen Tüftler, Elektronik-Bauer und Künstler ihre Arbeiten, vom Marsrover bis zur Besenstielgitarre. Manch einer träumt schon von der Massenproduktion in China.
"Das machen wir, anstatt fernzusehen", sagt Robert Beatty und zeigt auf den Miniaturnachbau eines Marsrovers, der in der Sonne silbern glänzt. Beatty ist mit seiner Familie von Asheville im Bundesstaat North Carolina zur World Maker Faire nach New York gereist. 55.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr, um sich die neuesten Arbeiten von Technologie-Begeisterten, Bastlern und Erfindern anzusehen. Für 2013 hat der Veranstalter Maker Media mehr als 650 Aussteller und an die 70.000 Besucher erwartet. Für manche geht es nur ums Basteln und Lernen, andere wollen mit ihren Erfindungen in die Serienproduktion einsteigen.
Zwei Monate lang haben die Beattys am Marsrover gearbeitet, der aus 700 elektrischen Komponenten und Aluminiumteilen besteht, die teils gekauft, teils mit der hauseigenen CNC-Maschine gefräst wurden. 90 Prozent der Arbeit, erzählt Robert, hätten seine Töchter Camille, 13 Jahre alt, und Genevieve, elf Jahre, erledigt: Das Design stammt von Camille, Genevieve erledigte die gesamten Schweißarbeiten.
Das über einen Arduino-Mikrocontroller gesteuerte Modell ist mit Infrarot-und Wärmekameras sowie acht Schallsensoren und einem Solarpanel an der Oberseite voll funktionsfähig. Der ganze Stolz der Beattys ist das sechsrädrige Rocker-Bogie-Fahrwerk, das auch den echten Rover sicher über Geröll fahren lässt. Wie die Bastler-Leidenschaft der Beattys begann? Camille wollte wissen, wie eine TV-Fernbedienung von innen aussieht und griff zum Schraubenzieher.
Wissenschaft vom Windelalter an
Auf dem Ausstellungsgelände der New York Hall of Science wimmelt es von Kindern im Volksschulalter. Die Stimmung ist eine Mischung aus Rummelplatz, Technologiemesse und überregionalem Schülerwettbewerb. Während die Maker Faire im Silicon Valley etwas mehr an das Hippie-Spektakel Burning Man erinnert, schieben in New York Mütter ihren Nachwuchs im Kinderwagen durch die Hallen: "Schau doch, dort!", ruft eine und rüttelt ihren dösenden Sohn wach, "ist das nicht toll?"
Es scheint, dass die Kleinen möglichst schon im Windelalter mit dem "Maker-Bazillus" angesteckt werden sollen. In einer Veranstaltung namens "Maker Mum Bootcamp" diskutieren Mütter über den idealen Nährboden für technologiebastelnde Sprösslinge, anderswo werden Tipps verteilt, wie sich die Projekte beim Aufnahmegespräch an der Uni ins rechte Licht rücken lassen.
Auf einem Spielplatz basteln Kinder an Masken, nebenan liegt Don Cornelius, ein Kunstobjekt mit robotischem Innenleben, im Gras. Es handelt sich um eine Art elektrisches Insekt aus Stahlblech, etwa zehn Meter lang. Während sich vor dem Zelt mit den Löt-Kursen lange Schlangen bilden, sezieren ein paar Ecken weiter Kinder im Vorschulalter Digitalkameras.
Vorträge ergänzen das Programm. Die Bandbreite reicht von Bauanleitungen für Multicopter und Roboter, die wie Insekten aussehen, bis hin zur Marssiedlung aus dem 3-D-Drucker und einem Schnelllehrgang zum Rösten von Kaffeebohnen. Draußen gibt Imbissbuden und einen Leierkastenspieler.
Fertigung bei den Großen
Wer den großen Schritt vom Prototypen zum Massenprodukt wagt, könnte sich wie Bunnie in Shenzhen umsehen. In den USA, erzählt er, gäbe es einfach nicht die richtige Infrastruktur. In der chinesischen Fertigungsmetropole hingegen habe ein Fabrikant kurzerhand an eine Wand voller Transistoren gegriffen und gesagt: "Drei Dollar kostet es, dein Produkt herzustellen", so Bunnie, der weder seinen vollen Namen noch sein Produkt verrät. Für die Geschäftsanbahnung in Shenzhen gäbe es zwar Inkubatoren, letztlich müsse man dort aber persönlich hin.
Einer im Publikum hat sein Glück in Shenzhen bereits versucht und sich die Finger verbrannt. "Wie bitte schafft man es, nicht über den Tisch gezogen zu werden?", fragt er in die Runde. Zwei Jahre würden einem die Hersteller geben, danach würde sie kopieren, was das Zeug hält. Bunnie rät, stets eine persönliche Beziehung zum Unternehmen aufzubauen, und wenn tatsächlich etwas passiere, andere vor dem Hersteller zu warnen.
Nach dem Vortrag sprechen den Mann mit den schlechten Erfahrungen zwei Industriellensöhne aus Shenzhen an, sie machen betroffene Gesichter. Ihre Fabriken seien seit Generationen im Familienbesitz, nie sei etwas Derartiges passiert. Das Trio tauscht Visitenkarten aus und verschwindet nach draußen. Eine halbe Stunde später sitzen sie immer noch beisammen, die Köpfe über einer Skizzenzeichnung zusammengesteckt.
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