Spielzeug-Erfinder Cassagnes tot: Trauer um Monsieur Zaubertafel

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Klassisches Etch A Sketch: Das in den sechziger Jahren erfundene Zeichenbrett genoss über lange Zeit Kultstatus als Kinderspielzeug und Kunstwerkzeug Zur Großansicht
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Klassisches Etch A Sketch: Das in den sechziger Jahren erfundene Zeichenbrett genoss über lange Zeit Kultstatus als Kinderspielzeug und Kunstwerkzeug

André Cassagnes ist tot. Der französische Erfinder starb im Alter von 86 Jahren in der Nähe von Paris. Seine berühmteste Erfindung war das Zeichenbrett Etch A Sketch, hierzulande als Zaubertafel bekannt. Das Gerät wurde millionenfach verkauft - und machte den Erfinder doch nicht reich.

Das Etch A Sketch ist Kult. Seit mehr als fünfzig Jahren gehört das magische Zeichenbrett zur festen Ausstattung vieler Kinderzimmer. Sein Erfinder, der Franzose André Cassagnes, starb am 16. Januar in einem Vorort von Paris, wie die amerikanische Spielzeugfirma Ohio Art Company jetzt bekanntgab. Cassagnes wurde 86 Jahre alt.

Seine Erfindung, das bis heute typisch rote Zeichenbrett, fasziniert Kinder und Erwachsene seit Jahrzehnten. Mit zwei Drehköpfen bewegt man die Zeichenlinie über den Kunststoffbildschirm, unter dem ein Aluminiumpulver eingefärbt wird. Aufgrund der Maltechnik ohne Stift und Pinsel haben solche Zeichnungen einen ganz eigenen, sehr winkeligen Stil. Die Besonderheit dabei: Um eine Zeichnung zu löschen, genügt es, das Brett einmal kräftig zu schütteln.

Die Idee zu dem auch Zaubertafel genannten Malgerät kam dem Sohn einer Bäckerfamilie Ende der fünfziger Jahre. Damals arbeitete er noch als Elektriker für eine Firma, die viel Aluminiumpulver verarbeitete. Als er eines Tages einen großen Lichtschalter in einer Fabrik installierte und dessen Schutzfolie abzog, bemerkte er, dass er mit einem Stift auf die wohl von Aluminiumstaub verunreinigte Folie schreiben konnte und die Schrift auf deren Rückseite sichtbar wurde.

Der mysteriöse Arthur Granjean

Cassagnes beschäftige sich im Folgenden weiter mit dem Phänomen und zeigte 1957 auf einer Erfindermesse erstmalig das Gerät, das er als "L'Ecran Magique" (Magischer Bildschirm) bezeichnete. Darüber, was danach geschah, gibt es unterschiedliche Schilderungen. Für Verwirrung sorgt vor allem, dass neben Cassagnes' oft auch der Name Arthur Granjean als Erfinder der Zaubertafel auftaucht, denn sein Name steht auf dem Patent für das Gerät.

Die Lösung ist, dass Cassagnes zwar 1957 sein Konzept zum Patent anmeldete, nicht aber die fertige Technik. Das geschah erst im Mai 1958. Der Erfinder hatte sich damals an die französische Firma MAI gewandt, um seine Zaubertafel zu Ende entwickeln zu können. Der Inhaber dieser Firma, Paul Chaze, beauftragte während dieser Zeit seinen Buchhalter, Arthur Granjean, die fragliche Patentschrift vorzubereiten und einzureichen, was dieser auch tat - unter seinem Namen.

Nur 10.000 Dollar

Während das Gerät in Frankreich wenig später unter dem Namen Telecran auf den Markt kam, wurde es in den USA von der Ohio Art Company unter dem Titel Etch A Sketch verkauft und wurde bereits kurz nach seiner Einführung 1960 zum beliebtesten Weihnachtsgeschenk in den USA. Das amerikanische Unternehmen hatte das Gerät auf der Nürnberger Spielzeugmesse gesehen und von Paul Chaze eine Lizenz dafür erworben.

Wenige Jahre später verkaufte Cassagnes die Rechte an seiner Erfindung für 10.000 Dollar an Paul Chaze, der im selben Jahr allein 60.000 Dollar an Lizenzzahlungen aus den USA einnahm. Nur an den Verkäufen in Frankreich war Cassagnes noch beteiligt. Von dem enormen Erfolg seiner Erfindung - bis heute sollen allein in den USA rund 150 Millionen Exemplare verkauft worden sein - dürfte er kaum profitiert haben.

Langlebigkeit durch Löcher

Langweilig war dem Franzosen in den folgenden Jahren aber ganz offensichtlich nicht. So machte er in den achtziger Jahren in Frankreich als Drachenbauer von sich reden und erfand das Teleguide-System, eine Technik, mit der Modellautos entlang metallener Leitschienen geführt werden können. Heute nur noch wenig bekannt ist sein SkeDoodle, ein an die Zaubertafel angelehntes Malspielzeug, bei dem man mit einem Joystick Linien auf eine Halbkugel zeichnet.

Sein Etch A Sketch aber erfreut sich bis heute immer wieder neuer Popularität. So stiegen die Verkaufszahlen unerwartet an, nachdem das Gerät in dem Animationsfilm "Toy Story" vorkam. Zuletzt kam es in die Presse, als einer der Berater des US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney von der Zaubermaltafel schwärmte, die er mit der eigenen Kampagne gegen Obama verglich: Wenn man die Tafel schüttele, dann verschwinde das gezeichnete Bild, und man könne wieder von vorn beginnen.

Genau das Gegenteil wünschen sich Künstler, die die Zaubertafel als künstlerisches Werkzeug für sich entdeckt haben. Was sich damit machen lässt, zeigt unter anderem George Vlosich auf seiner Webseite. Was er dort nicht verrät ist, wie Künstler die sonst so vergänglichen Zeichnungen dauerhaft machen: Sie bohren Löcher in die Rückseite und lassen das Aluminiumpulver herausrieseln. Absolut sicher ist das nicht, aber es hilft.

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insgesamt 8 Beiträge
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    Seite 1    
1. Das war
doubleq 03.02.2013
das allererste iPad! ;-)
2.
Caldwhyn 03.02.2013
---Zitat--- Was er dort nicht verrät ist, wie Künstler die sonst so vergänglichen Zeichnungen dauerhaft machen: Sie bohren Löcher in die Rückseite und lassen das Aluminiumpulver herausrieseln. Absolut sicher ist das nicht, aber es hilft. ---Zitatende--- Manchmal wäre es auch hilfreich, die Website über die man schreibt auch zu besuchen. Zitat der Website: ---Zitat--- Once my work is complete, I have to make sure that it can never be erased. Aluminum powder is inside the Etch and sticks to the glass when you shake it. A stylus inside scratches off the powder, thus creating the image. I must carefully remove both powder and stylus so that the image on the screen becomes permanent. I have traveled with my Etches, shipped them across country, and have never had a problem. ---Zitatende--- Das beschreibt genau dass was sie schreiben - und noch einen Schritt mehr, und damit steht die Aussage von Herrn Vlosich, der sagt es ist absolut sicher gegen ihre. Vielleicht überarbeiten Sie den Artikel doch noch mal?
3. fail 2
harry_buttle 03.02.2013
---Zitat--- Mit zwei Drehköpfen bewegt man die Zeichenlinie über den Kunststoffbildschirm, unter dem ein Aluminiumpulver eingefärbt wird. ---Zitatende--- Der Autor hat so ein Ding nie in der Hand gehabt oder es zumindest nie genauer betrachtet. Da wird nichts "eingefärbt", wie sollte man sonst auch durch schütteln das Bild wieder entfernen? Der Stift kratzt die Linien in das an der Scheibe haftende Pulver.
4.
aga100 03.02.2013
@Caldwhyn & harry_buttle: habt ihr kein eigenes Leben? Irgend etwas Sinnvolles tun? Unkraut jäten, oder die Kinder gängeln? Ich hab verstanden, um was es in dem Artikel geht und fand ihn interessant. Die Klugschei..erei um genaue technische Vorgänge hab ich nicht vermisst, aber wie gesagt, ich hab den Artikel auch verstanden :).
5. Bis zum heutigen Tage...
expendable 03.02.2013
...das erste und einzige Pad, mit dem man wirklich kreativ sein konnte, statt nur leeren Gesichtsausdrucks vor sich hin zu konsumieren.
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