Euphorische WeTab-Rezensionen: Lobte Hersteller sein Tablet unter falschem Namen?

Zwei hymnische Bewertungen für das WeTab sorgen für Wirbel: Wurden sie vom Chef der Herstellerfirma des neuen Tablets unter Pseudonym verfasst? Screen-Shots eines gelöschten Kundenprofils geben Rätsel auf.

WeTab: Zweifelhafte Rezensionen Fotos

In den Online-Foren von Kaufhäusern finden sich häufig euphorische Kommentare. Insbesondere Bücher und Musik wenig bekannter Künstler werden hymnisch gefeiert, so dass sich mancher fragt, warum solch ein Jahrhundertwerk unbekannt geblieben ist.

Beim Internet-Kaufhaus Amazon gehen derzeit die ersten Bewertungen für das WeTab ein, den neuen Tablet-Computer aus Deutschland. Doch die Meinungen gehen auseinander: Es finden sich sowohl enttäuschte wie auch euphorische Bewertungen. Bis gestern stand dort noch die Rezension eines "Peter Glaser", der das WeTab freundlichst lobte (siehe Screenshots in der Bilderstrecke oben): "Ich muss meine vorige Rezension korrigieren", schrieb er, "das WeTab ist nicht gut, sondern sehr, sehr gut."

Im Weiteren hob der Text Positives hervor; Schnelligkeit, Spaß und Leichtigkeit etwa. Die Bewertung endete mit der Feststellung: "Insgesamt macht das WeTab einen sehr, sehr guten Eindruck. Ich kann das Teil nur empfehlen..."

Die Einschätzung stach heraus, schien sie doch von einem ausgewiesenen Fachmann zu stammen. Ein Peter Glaser hat sich als Mitglied des Chaos Computer Clubs und als Fachautor zu Computerthemen einen Namen gemacht.

Allerdings scheint die Rezension gar nicht von Glaser oder einem anderen Kunden zu stammen. Sie wurde womöglich vom WeTab-Chef selbst verfasst, wie findige Blogger nachzuweisen glauben. Aus WeTab werde We-Depp, schreibt der Blogger Richard Gutjahr.

Fotostrecke

20  Bilder
Das WeTab im Test: Senkrechtstarter oder Rohrkrepierer?
Ein Klick auf das Kundenprofil von "Peter Glaser" bot erstaunliche Einblicke: So gelangte man zum Profil von Helmut Hoffer von Ankershoffen, dem Chef von Neofonie und Entwickler des WeTab. Auch die hymnische WeTab-Rezension einer "Claudia Kaden" führte zu einem interessanten Kundenprofil: zu Sandra Hoffer von Ankershoffen, der Gattin des WeTab-Chefs.

Wie kann das sein? Eine falsch gesetzte Privatsphären-Einstellung könnte den beiden zum Verhängnis geworden sein. Rezensionen können Amazon-Kunden unter Pseudonym schreiben. Damit die Bewertung und das eigene Kundenprofil nicht verknüpft sind, muss jedoch ein Häkchen gesetzt werden: Die Funktion "Profil sichtbar für alle" kann mit diesem Klick ausgeschaltet werden.

Haben WeTab-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen und seine Frau vergessen, das Häkchen zu setzen und es somit versäumt, ihre "Rezension" erfolgreich zu tarnen? Oder stecken sie am Ende gar nicht hinter der Aktion?

Denkbar wäre immerhin, dass jemand die ganze Affäre geplant hat: Dieser Unbekannte könnte ein Kundenprofil auf den Namen der beiden von Ankershoffens eingerichtet haben mit der Absicht, unter anderem Namen eine euphorische Rezension zu schreiben - in der Hoffnung, dass alles auffliegt. Schwer erklärlich bliebe allerdings, warum die Profile nach den ersten Berichten über den Vorfall umgehend gelöscht worden sind.

Helmut Hoffer von Ankershoffen hat sich trotz mehrfacher Nachfrage von SPIEGEL ONLINE bislang nicht zu dem Vorfall geäußert.

boj

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 38 Beiträge
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1. tja
pulegon 03.10.2010
Zitat von sysopZwei hymnische Bewertungen für das WeTab sorgen für Wirbel: Wurden sie vom Chef der Herstellerfirma des neuen Tablets unter Pseudonym verfasst? Screen-Shots eines gelöschten Kundenprofils geben Rätsel auf. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,720972,00.html
Gestern im Netz, heute hat auch SpOn davon erfahren. Fragt sich nur, warum man etwas fälschen sollte um ein Produkt in Misskredit zu bringen, wenn es schon vorher genug Rezensionen gab, die das Produkt unterirdisch fanden. Auch schlechte Nachrichten sind Nachrichten. Und Nachrichten sind Aufmerksamkeit
2. <->
silenced 03.10.2010
Falsche Rezensionen sind doch an der Tagesordnung, nur wer sich so dämlich anstellt, der hat es nicht anders verdient. Oder ist es nur ein Versuch es in Miskredit zu bringen? So wirklich trauen sollte man heutzutage keiner Seite sondern sich sein eigenes Bild machen. Es ist ja kein Problem einen Account zu erstellen und auf eine falsche Spur zu lenken, alles schon dagewesen.
3. Dumm gelaufen
Highwayman 03.10.2010
Abgesehen von dem Profil, die Bewertung bzw. Rezension war so offensichtlich gefaked, das schmerzt ja schon. Jeder Hobby-Admin in einem Kaninchenzüchterforum erkennt diese Schreibweise. Komisch das selbst Profis wie von Ankershoffen oder von ihm Beauftragte so peinliche Fehler machen.
4. Ja und?
aval64 03.10.2010
Eine ganze Branche lebt von sowas. "Online Reputation Management" heißt das im allerschönsten Neudeutsch. Ich schreibe selbst für einige Web-Portale, auf denen Content für Webseiten erstellt werden. Wie viele Aufträge da zu finden sind, positive Rezensionen über Produkte zu schreiben, die man nicht einmal kennen muss, ist unglaublich. Das ist keine Meldung wert! Sollte sich dort eine Bewertung finden, die tatsächlich von einem zufriedenen Kunden stammt, wäre das schon eher eine Meldung wert!
5. ..
frysee 03.10.2010
Das Ganze reiht sich schon irgendwie recht gut in die bisherigen Pannen bei der Präsentation des WeTabs ein - zusammen mit dem überaus schnöseligen Eindruck, den Herr von Ankershofen (zumindest bei mir) bei seinen Auftritten hinterlassen hat. Das Abwarten hat sich gelohnt, ich hoffe aktuell auf das Archos 101 und/oder seine kleineren Kollegen. greetz
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