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18. Juni 2015, 13:07 Uhr

Software für Kirchen

Gesichtserkennung im Gottesdienst

Überwachungssoftware soll es Kirchen leichter machen herauszufinden, wer in ihre Gottesdienste kommt. Gemeindemitglieder sollen per Gesichtserkennung erfasst, Besucherzahlen statistisch auswertbar werden.

Das israelische IT-Unternehmen Face-Six hat ein neues Geschäftsfeld: Kirchen. Die in Tel Aviv ansässigen Überwachungsspezialisten haben eine selbstlernende Software zur Gesichtserkennung entwickelt, die ihre Erkennungsraten laufend verbessern können soll, je mehr Bilder einer Person sie analysiert. Allerdings dachten die Entwickler dabei zunächst nicht an Kirchen als mögliches Einsatzgebiet.

Das änderte sich, als entsprechende Anfragen von Kirchen aus aller Welt an die Firma gerichtet wurden, erzählte Firmenchef Moshe Greenshpan dem Fachmagazin "Churchmag". Dabei sei es aber wider Erwarten nicht um die Überwachung von Kirchenräumen gegangen. Vielmehr wollten die Kirchen ein Instrument an die Hand bekommen, um sich einen Überblick darüber verschaffen zu können, wer zu ihren Gottesdiensten kommt.

Um von dem daraufhin entwickelten Programm "Churchix" erfasst werden zu können, müssen sich Gemeindemitglieder allerdings freiwillig an dem System anmelden. Am Kircheneingang soll dazu eine Art Kontrollstation stehen, an der man sein Gesicht per Kamera erfassen lassen kann. Ist das erfolgt, soll die Zuverlässigkeit der Erkennung bei 99 Prozent liegen.

Gottesdienststatistik

Ist das System derart vorbereitet, können sich Kirchenangestellte einen genauen Überblick über die Besucher eines Gottesdiensts verschaffen. Die Software erfasst nicht nur die Anzahl der Besucher, sondern auch, welche Gemeindemitglieder anwesend sind.

Im Nachgang sollen statistische Auswertungen möglich sein. Damit könne zum Beispiel geklärt werden, wie das zahlenmäßige Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Besuchern ist oder wie hoch deren Durchschnittsalter liegt.

Schon bisher hätten Kirchen ihre Gottesdienstbesucher gezählt, nur eben von Hand. Churchix helfe lediglich, diesen Prozess durch Digitalisierung zu vereinfachen, so Face-Six-Chef Greenshpan.

Prominente Kundschaft

Während Greenshpan davon spricht, die Reaktionen bei Kirchenverantwortlichen seien "überwältigend", sind Bürgerrechtler und Datenschützer weniger begeistert. Emma Carr von der britischen Bürgerrechtsgruppe Big Brother Watch sagte am Mittwoch: "Dies ist ein klares Beispiel für einen völlig übertrieben Einsatz von Technologie."

Kirchen hätten es auch ohne derart einschneidende Mittel Hunderte Jahre lang geschafft, in Erfahrung zu bringen, wer zum Beten komme. In einer Zeit der ständig bedrohten Privatsphäre, wo jeder Durchschnittsbürger täglich Hunderte Male von Kameras gefilmt werde, sollten wenigstens Gebetsräume ungestört bleiben

Auf seiner Website wirbt Face-Six übrigens mit einigen prominenten Kunden. Neben dem Rüstungskonzern Lockheed Martin, dem australischen Verteidigungsministerium und Volkswagen, wird dort auch das Bundeskriminalamt genannt.

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