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25. Februar 2013, 15:41 Uhr

Neues Betriebssystem

Eine Runde auf der Teststrecke mit dem Firefox-Handy

Aus Barcelona berichtet

Es ist das Top-Thema der Handy-Messe Mobile World Congress: Mobilfunkanbieter bejubeln das neue Betriebssystem Firefox OS. Kein Wunder, im Gegensatz zu Google und Apple wird Mozilla den Providern freie Hand lassen. Noch allerdings ruckelt die Software gewaltig - ein erster Kurztest.

Der Mobile World Congress hat kaum begonnen, da steht der Star schon fest: Firefox OS. Das neue Handy-Betriebssystem der Mozilla Foundation findet viele Unterstützer und noch mehr Aufmerksamkeit. Rund 700 Journalisten fanden sich zur Pressekonferenz der Stiftung in einem Luxushotel in Barcelona ein. Was sie dort zu sehen bekamen, waren ein gut gelaunter Mozilla-Chef, eine Einführung in das neue Betriebssystem und vor allem ein Schaulaufen der wichtigsten Befürworter.

Allein 18 große Mobilfunkanbieter unterstützen das Open-Source-Betriebssystem aktiv. Fast alle hatten ihre Chefs nach Barcelona geschickt. Dass etwa zehn Top-Manager auf der Mozilla-Bühne ihre Mithilfe und ihren Enthusiasmus zusichern mussten, ergab zwar eine langwierige und für die Zuschauer nervenaufreibende Prozedur. Doch die Botschaft war klar und deutlich: Die Provider nehmen Mozillas Vorstoß ernst und sie wittern ihre Chance.

Für die Anbieter ist die Software die Ausweichmöglichkeit, auf die sie gewartet haben. Denn während Apple und Google den Netzbetreibern wenige Möglichkeiten geben, iOS und Android zu beeinflussen, betont Mozilla, sein Firefox OS so frei wie nur möglich zu gestalten.

Schon die Art, wie Apps vertrieben werden sollen, unterscheidet sich drastisch von den Modellen der großen Zwei. Denn Apps kann hier jeder überall anbieten. Ein Mobilfunkanbieter kann seinen eigenen App-Store betreiben. Insofern ist Mozillas Vorstoß eigentlich ein Schritt zurück. Es stellt sich gegen den Trend, Programme unter der Überschrift App über geschlossene Systeme zu vertreiben, wie es jetzt sogar Microsoft bei Windows 8 eingeführt hat. Stattdessen kann im Prinzip jeder Entwickler seine Software auf einer eigenen Webseite anbieten und - wenn sie kostenpflichtig ist - auch den gesamten Gewinn für sich behalten. Für Entwickler wird Firefox OS damit zur attraktiven Plattform - schnelle Verbreitung vorausgesetzt.

Es ruckelt und zuckelt

Im Vergleich zu der Firefox-OS-Version, die auf der CES zu sehen war, ist die jetzt auf den ersten Handys von Alcatel und ZTE installierte Variante sehr viel weiter entwickelt. Beschränkte sich die Version in Las Vegas noch auf die oberste Menüebene, ist auf den jetzt gezeigten Geräten schon eine fast fertig wirkende Software installiert. Trotzdem besteht noch reichlich Optimierungsbedarf.

Bei einem Hands-On mit dem Alcatel One Touch Fire funktionierte zwar alles wie versprochen, doch ruckelte das System merklich. Vor allem beim Scrollen im Web-Browser machte sich das störend bemerkbar. Offenbar ist der Qualcomm-Prozessor in dem Gerät den Anforderungen nicht gewachsen. Da bis zur Markteinführung im Sommer noch einige Monate Zeit sind, besteht aber die Hoffnung, dass sich die Zusammenarbeit zwischen Chip und Betriebssystem noch verbessern lässt.

Und das wäre auch wünschenswert. Denn Firefox OS bietet einige Funktionen, die man sich auch bei anderen Handys wünscht. Allen voran eine kontextsensitive Suchfunktion, die nach Eingabe eines Begriffes nicht einfach im Web nach passenden Seiten fahndet, sondern zum Thema passende Firefox-Apps präsentiert. Die Eingabe "Oscar" beispielsweise fördert zwei Dutzend Apps zutage, darunter etwa eine App der IMDB (Internet Movie Database). Auf diese Weise nach thematisch passenden Apps statt nach Webseiten zu suchen ist eine gute Idee, da Informationen in Apps oft viel besser für Smartphones aufbereitet werden, als es Websites tun.

Äußerlich macht das Fire auf den ersten Blick einen guten Eindruck, fühlt sich in der Hand aber so an wie es ist: billig. Es ist sehr leicht, vermittelt damit keine Wertigkeit. Der Bildschirm ist vergleichsweise dunkel und nicht sonderlich scharf.

Das erhoffte Haben-wollen-Gefühl stellt sich nicht ein. Aber das muss es wohl auch nicht. Mit Firefox-Handys wollen die Mobilfunkanbieter nicht iPhone- oder Android-User zum Umstieg bewegen, sondern Nutzer nicht-smarter Handys zum Umstieg auf ihr erstes Smartphone. Das könnte gelingen, wenn am Ende tatsächlich Preise unter hundert Euro aufgerufen werden und es den Entwicklern gelingt, den Firefox-Handys das Ruckeln abzugewöhnen. Klappt das nicht, wird die nächste Milliarde Mobilnetznutzer lieber noch etwas länger warten, bis sie online geht.

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