Digitaler Topf im Test Diese App hilft beim Kochen

Wenn es im Topf zu heiß wird, macht es piep: Die neuen Dampfkochtöpfe von Fissler lassen sich per App beaufsichtigen. Kocht es sich damit besser? Wir haben es ausprobiert.

Von

Matthias Kremp

"Dafür gibt es eine App", das gilt jetzt auch fürs Kochen. Die Firma Fissler hat ein Gerät auf den Markt gebracht, mit dem man "einfach smart kochen" können soll. Der Trick: Auf dem Topf sitzt ein Sensor, der per Bluetooth mit Smartphone oder Tablet kommuniziert. Eine App soll dann dafür sorgen, dass man die Kochzeiten einhält und nichts anbrennt.

Billig ist das allerdings nicht. Für 149 Euro wird das Vitacontrol digital genannte Gerät von Fissler als Zubehör für Schnellkochtöpfe der Serien vitavit edition und vitavit premium angeboten. In Kombination mit einem Topf muss man mindestens 368 Euro investieren. Die für iOS und Android verfügbare App ist kostenlos.

So einfach, wie es im Tutorial-Video gezeigt wird, funktioniert das Aufstecken der Vitacontrol bei mir leider nicht. Immer wieder rutscht mir das kleine Plastikding ab, bevor ich es endlich zuverlässig auf die Kochkrone - das ist der große Knubbel oben auf dem Topfdeckel - aufgesetzt habe.

Grün ist gut

Aber dann kann es losgehen: Ich entscheide mich für ein Rezept aus der App, die Fünf-Minuten-Paella. Zuerst brate ich Knoblauch, Zwiebeln und Reis kurz an, bevor ich den Rest der Zutaten in den Topf gebe und den Deckel fest verschließe. Dann heißt es erst abwarten und aufheizen. So lange, bis sich im Inneren genug Dampf gesammelt hat und der Kochvorgang beginnt.

Normalerweise wird das durch einen grünen Ring am Überdruckventil der Kochkrone signalisiert. Und tatsächlich passiert bei meinem Topf genau das: Als der Druck unterm Deckel langsam steigt, hebt sich ein Ventil und gibt den grünen Ring frei.

Aber den muss ich ja gar nicht angucken, ich habe ja die Vitacontrol auf die Kochkrone gesetzt. Die misst, wie weit das Ventil nach oben gedrückt wird, überträgt den Messwert ans iPad. Dort zeigt mir die Cooking-App mit großen, bunten Symbolen an, ob ich die Hitze reduzieren oder erhöhen soll oder ob sie gerade richtig ist (siehe Fotostrecke). Ich starre also auf das iPad statt auf den Topf.

Das Paella-Experiment

Beinahe zumindest, denn während ich noch starre, zischt Dampf aus dem Ventil. Das lenkt mich vom Display ab, sodass ich dann doch den Topf angucke. Zwischendurch schaue ich immer wieder auf den Bildschirm, auf dem langsam die Kochzeit heruntergezählt und mir angezeigt wird, wie es um die Hitzeentwicklung im Topf steht.

Dabei fällt mir auf, dass ich mit der App entweder das Kochen überwachen oder mir das Kochrezept angucken kann. Beides zugleich geht nicht. Nun ja, so kompliziert ist das Paella-Rezept nicht.

Ungewöhnliche Kombination: Der Geschirrhersteller Fissler bietet jetzt eine Kombination aus Kochtopf, Bluetooth-Sensor und App an, mit der man den Kochvorgang fernüberwachen kann.

Als Grundlage für das System braucht man einen Dampfkochtopf aus der Edition- oder Premium-Serie von Fissler, der mit der sogenannten vitacontrol digital kombiniert wird.

Die vitacontrol digital selbst kostet im Einzelverkauf 149 Euro. Ein stolzer Preis für das Plastik-Gadget, das auf die sogenannte Kochkrone des Topfes aufgesetzt wird und von dort aus Daten über den im Topf herrschenden Dampfdruck an ein Tablet oder Smartphone sendet.

Im Grunde übernimmt die vitacontrol digital die Funktion des hier abgebildeten Anzeigerings, an dem man ablesen kann, wie hoch der Druck im Topf gerade ist. Statt auf den Ring zu starren, starrt man bei dem neuen System aufs Tablet.

Die Fissler Cooking App, von der die Messdaten verarbeitet werden, ist kostenlos für iOS und Android erhältlich. Sie überwacht den Kochvorgang, bietet aber auch ein kleines Rezeptbuch und ein Verzeichnis von Garzeiten für verschiedene Zutaten.

Beim Kochen weisen große Symbole und deutliche Warntöne darauf hin, dass es im Topf zu heiß hergeht. Rot bedeutet in diesem Fall, dass die Temperatur zu hoch ist und der Herd heruntergeregelt werden sollte.

Schwer zu ertragen sind aber die Warntöne, mit denen ich darauf hingewiesen werde, dass ich die Hitzezufuhr reduzieren soll. Aber das ist der Sinn der Sache: Sich nicht mehr voll aufs Kochen konzentrieren zu müssen, sondern stattdessen via App auf notwendige Eingriffe in den Garablauf hingewiesen zu werden.

Die Erbsen haben es mir übel genommen

Als die App nach fünf Minuten Vollzug meldet, bin ich gespannt, was ich zu sehen - und vor allem zu essen - bekomme.

Eine Enttäuschung sind nur die Erbsen, die ich frisch auf dem Markt gekauft und enthülst habe. Die fünf Minuten im Dampfdruck haben sie in jeder Hinsicht fertig gemacht: Sie sehen aus, als hätten sie zu lange in der Sauna gelegen, haben eine Konsistenz wie Erbsenpüree.

Aber das ist meine Schuld. Laut Rezept hätte ich Tiefkühlerbsen nehmen sollen, doch das frische Gemüse sah verlockender aus. Dem Geschmack tut das keinen Abbruch: Lecker ist die Digital-Dampf-Paella schon. Mit dem Original aus dem spanischen Restaurant kann sie nicht mithalten. Aber in Anbetracht dessen, dass sie rund 20 Minuten nachdem ich mit Gemüseschnippeln begonnen habe, fertig auf dem Tisch steht, lässt sich das verschmerzen.

Fazit

Ist das jetzt die Küche der Zukunft? Ein kleiner Sensor, der per Bluetooth einer App mitteilt, ob es dem Essen im Topf zu heiß wird? Sicher nicht. Wer sowieso gerne mit einem Dampfkochtopf kocht, mag in Fisslers Vitacontrol digital ein nettes Komfort-Gadget finden. Ich persönlich bleibe beim Kochen lieber in der Küche, beschäftige mich mit dem Essen - und mache schon mal den Wein auf.

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
goethestrasse 16.07.2015
1. Wer zu doof ist zum Kochen
sollte sich doch lieber auf Fast Food und die Mikrowelle beschränken oder lieber nur frisches Grünzeug smoothen oder nagen.
c.PAF 16.07.2015
2.
Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Wenn aber diese App jemanden dazu bringt, frisch zu kochen, warum nicht? Mir wird sie jedoch nicht ins Haus kommen, und daran ist nicht nur der Preis schuld.
pekanut 16.07.2015
3. Gut für Kochmuffel
Ich finde den Ansatz gut. Denn so kommen auch Menschen zum Kochen, die sonst nur Döner und TK essen.
deglaboy 16.07.2015
4. Ohne App geht heut nix mehr
Demnächst kann man nur och aufs Klo, wenn man die entsprechende App hat. Müsste dann Ipott heissen.
glen13 16.07.2015
5.
Ehrlich, wenn Du das brauchst, kannst Du einfach nicht kochen. Sieh's ein und bestell eine Pizza oder lass Dich bekochen.
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