Fitness-App Strava Liebe Leserin, lieber Leser,

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die US-Firma Strava, Hersteller der gleichnamigen Fitness-App, besitzt einen Datenschatz: auf den Meter genau vermessene Routen, die ihre Kunden beim Fitnesstraining ablaufen oder per Fahrrad absolvieren. Die Daten sollen Sportlern helfen, neue Routen kennenzulernen. Stadtplaner nutzen sie, um etwa Fahrradwege zu planen. Doch nun wird bekannt, dass die Fitnessdaten auch helfen können, die genaue Lage und Ausmaße von Militärbasen aufzudecken.

Bemerkt hatte das der 20 Jahre alte australische Student Nathan Ruser. Am Wochenende postete er auf Twitter diverse Screenshots von Strava-Karten, die amerikanische Militärstützpunkte und andere militärische Aktivitäten zeigen. Er benutzte dazu Stravas sogenannte Heat Maps, auf denen die Bewegungen der Strava-Nutzer zwischen 2015 und 2017 eingetragen sind.

Ein Militärflugplatz in Afghanistan?
Strava

Ein Militärflugplatz in Afghanistan?

Westliche Städte, ja ganze Länder, leuchten darauf hell auf. Doch auch in Syrien, Afghanistan und anderen Ländern finden sich helle Hotspots. Die, so Rusers Analyse, zeigen oft die genaue Lage und Ausdehnung von Militärbasen. Etliche Twitter-Nutzer taten es ihm nach, suchten auf der Karte ferne Länder nach hellen Flecken ab und wurden immer wieder fündig.

Ob das nun die Sicherheit der Soldaten bedroht, werde untersucht, sagte ein Militärsprecher der "Washington Post". Das Pentagon allerdings hatte seine Soldaten selbst dazu ermuntert, Fitnessarmbänder zu nutzen, und 2500 Fitbit-Armbänder an sie verteilt. Ein Stück weit ist das Problem also hausgemacht.

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Elon Musk: Flammenwerfer ja, Zombies nein

Boring Company

Der Milliardär, Firmengründer und Visionär Elon Musk hat am Wochenende für eine Mischung aus Verwirrung und Gelächter gesorgt - und einen unerwarteten Geschäftserfolg gefeiert. Sein Unternehmen The Boring Company, das in erster Linie ein System unterirdisch verkehrender Hochgeschwindigkeitszüge entwickelt, kündigte einen Flammenwerfer an. Ja, richtig, einen Flammenwerfer. 500 Dollar kostet das Gerät, das online vorbestellt werden kann und im Frühjahr ausgeliefert werden soll.

Sonderlich ernst scheint Musk das Projekt nicht zu nehmen. Auf Twitter warnt er, ein Flammenwerfer sei eine "fürchterliche Idee. Kauft bloß keinen. Außer ihr habt gern Spaß." Als Zubehör wird für 30 Dollar ein "überteuerter Boring-Company-Feuerlöscher" offeriert und darauf hingewiesen, dass man vor der Lieferung die "gereimten Geschäftsbedingungen" akzeptieren muss. Vorwürfe, er arbeite im Geheimen an einer Zombie-Apokalypse, um den Verkauf der Feuerlöscher anzufachen, weist Musk per Twitter von sich - und hat sich gleichzeitig die Berufsbezeichnung "Zombie Defender" gegeben.

Mindestens 7000 der heißen Geräte hat er so in den ersten 24 Stunden schon verkauft.

Google Clips: filmen lassen statt selbst zu filmen

Google

Als Google im Oktober seine Pixel-2-Smartphones vorstellte, stand noch ein weiteres Gerät auf der Agenda, das aber erst jetzt in den Verkauf kam: Die Clips-Kamera. Im Grunde bloß eine kleine Video- und Fotokamera, zeichnet sich die Clips dadurch aus, dass sie selbst entscheidet, was sich aufzunehmen lohnt.

Dahinter steckt natürlich Googles künstliche Intelligenz. Durch maschinelles Lernen bringt sich die Kamera selbst bei, wer zur Familie gehört - inklusive Haustiere - und welche Freunde öfter zu Besuch kommen. Auf Basis dieser Informationen soll sie dann automatisch wichtige Szenen festhalten, mal als Bewegtbild, mal als Standbild. Mich persönlich erinnert das an die kleinen billigen Kameras, die in dem Roman "The Circle" begeistert gekauft werden, mit fatalen Folgen für die Privatsphäre.

Tausende technikbegeisterte Amerikaner haben solche Gedanken offenbar nicht. Die erste Charge der 250 Dollar teuren Kamera, die es derzeit nur in den USA gibt, war binnen Stunden ausverkauft.

Mein Gadget der Woche: DJI Mavic Air

SPIEGEL ONLINE

Mit Drohnen hatte ich bisher dasselbe Problem wie mit Spiegelreflexkameras: Ich finde sie toll, bin begeistert von ihren Möglichkeiten und mache doch einen großen Bogen um sie. Zu groß, zu schwer, schwierig zu transportieren. Die Firma DJI scheint dieses Problem gelöst zu haben. Deren neue Drohne Mavic Air ist im Grunde eine verkleinerte Version der Mavic Pro, die ich vergangenes Jahr getestet habe. Zusammengeklappt ist sie kaum größer als eine Pausenbrotdose, passt lässig neben vielen anderen Dingen in meinen Rucksack. Ob sie die 850 Euro, mit denen sie in der Preisliste steht, wert ist, werde ich in den nächsten Tagen ausprobieren.

Fotostrecke

14  Bilder
DJI Mavic Pro im Test: So leicht kann fliegen sein

Seltsame Digitalwelt: Das Wunder von Twitter

Ich spiele und sammle leidenschaftlich gerne Bassgitarren. Zum meinen täglichen Ritualen gehört es, einige Kleinanzeigenportale nach interessanten Angeboten abzusuchen. Am Sonntag war ein Treffer dabei. Das Problem: Der Anbieter wohnt am anderen Ende der Republik, laut Navi knapp acht Stunden Fahrzeit entfernt. Viel zu weit für mich, um den Bass selbst abzuholen.

Mit einem knappen Aufruf in meinen sozialen Netzwerken aber dauerte es nur wenige Minuten, bis sich jemand aus meinem Umfeld meldete, der in der Nähe des Anbieters zu Hause ist und das Instrument für mich abholen kann. Eine feine Geste und für mich nebenbei der Beweis, das Social Networks jenseits von Foodporn manchmal wirklich, wirklich nützlich sein können.

Am Ende aber blieb es leider bei der Geste. Kaum hatte ich den fernen Anbieter um einen Termin zur Übergabe des Instruments geschickt, trudelte eine E-Mail des Anzeigenportals ein: "Der Zugang des Nutzers, mit dem du Kontakt hattest, wurde vorübergehend durch uns eingeschränkt." Mit anderen Worten: Möglicherweise war ich an einen Betrüger geraten, der gehofft hatte, ich würde auf sein Angebot, Versand nach Vorauszahlung, eingehen. Glück gehabt!


App der Woche: "Abi: A Robot's Tale"
getestet von Sebastian Meineck

Lilithgames

Die Erde ist zur Wüste geworden, demolierte Windräder ragen aus den Dünen. In dieser postapokalyptischen Welt spielt das Point-und-Click-Abenteuer um den kleinen Roboter Abi. Auf der Suche nach Menschen streift der Spielheld durch zerstörte Städte und lässt sich von befreundeten Robotern helfen. Die Optik des Spiels erinnert an Zeichentrickfilme, auf den Ruinen liegt warmes Sonnenlicht. Wer liebevoll gestaltete Point-und-Klick-Spiele fürs Smartphone mag, kann sich auch mal "The Silent Age" und "Stranger Things - Das Spiel" anschauen.

Für 0,99 - 2,29 Euro von Lilithgames, ohne In-App-Käufe: iOS, Android

Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "The Follower Factory" (20-30 Leseminuten, englisch)
    Follower sind die Währung des Social-Media-Zeitalters. Der, dem viele Menschen auf Twitter, Instagram oder Facebook folgen, ist wichtig. Aber nicht alle Follower sind echt. Die "New York Times" erklärt, woher gekaufte Fake-Follower kommen, wie sie funktionieren und warum dieses Geschäft auf Identitätsdiebstahl basiert.
  • "Our love-hate-relationship with PowerPoint" (10 Leseminuten, englisch)
    Seit Jahrzehnten sind PowerPoint-Präsentationen aus Vorträgen und Berichten nicht mehr wegzudenken. Täglich werden damit bis zu 30 Millionen digitale Folien erstellt. Die einen lieben die Software, andere hassen sie. Die "BBC" lässt beide Seiten zu Wort kommen.
  • "Artificial Intelligence is going to supercharge surveillance" (10 Leseminuten, englisch)
    Videoüberwachung wird längst nicht mehr manuell erledigt. Dazu gibt es viel zu viele Kameras im öffentlichen Raum. Statt Menschen kann auch selbstlernende Software den Videostrom beobachten. "The Verge" beschreibt, wo das heute schon gemacht wird, wie gut es funktioniert - und welche Probleme es gibt.

Eine spannende Woche wünscht Ihnen

Matthias Kremp

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insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
muellerthomas 29.01.2018
1.
Wodurch verrät die Jogging-App denn die Militärstützpunkte? Also auf welcher Datenbasis leichten diese Stützpunkte auf den Heatmaps hell? Ich hätte z.B. nicht geacht, dass es in Afghanistan überhaupt viele Jogger gibt und schon gar nicht auf Wegen rund um Stützpunkte... Es liest sich daher eher so, als wären die Stützpunkte bereits auf den Basiskarten verzeichnet, völlig unabhängig von den Joggingdaten. Diese Karten wird der App-Anbieter aber kaum selbst erstellt, sondern bei einem Kartenanbieter eingekauft haben.
acroflyer 29.01.2018
2. Flammenwerfer?
Die Reichweite ist ja wohl ein Witz, die reicht höchstens für den Kamin anzuzünden.....
SirSpamALot 29.01.2018
3. @1
offenbar waren US- Soldaten Nutzer genannter fitness app. und da diese wohl eher unwahrscheinlich zufällig in z.B. Afghanistan sind und darüber hinaus auch noch "heatmaps" hinterlassen, welche eindeutig der Form künstlich angelegter Wege/Begrenzungen folgen, lässt sich daraus ziemlich sicher schließen, dass Pvt. Ryan am Zaun/Rundweg einer Militäranlage joggt, deren Lage und Ausmaße nicht unbedingt jedem bekannt sein sollen. Tücken der Technik.
muellerthomas 29.01.2018
4.
Zitat von SirSpamALotoffenbar waren US- Soldaten Nutzer genannter fitness app. und da diese wohl eher unwahrscheinlich zufällig in z.B. Afghanistan sind und darüber hinaus auch noch "heatmaps" hinterlassen, welche eindeutig der Form künstlich angelegter Wege/Begrenzungen folgen, lässt sich daraus ziemlich sicher schließen, dass Pvt. Ryan am Zaun/Rundweg einer Militäranlage joggt, deren Lage und Ausmaße nicht unbedingt jedem bekannt sein sollen. Tücken der Technik.
Ah ok, klingt nachvollziehbar - wobei es dann m.E. erstaunlich ist, dass diese App offenbar bei US-Soldaten so beliebt ist, dass deren "Fußabdrücke" so stark wirken, dass sie in einer Heatmap auftauchen.
bostonshaker 29.01.2018
5. was also sagt uns das..
wir sollten im Umkehrschluss also die achso technikverliebten Taliban / IS / Boko..dingens etc. mit Fitnessarmbänder ausstatten oder noch besser, automatisch die Fitnessapps aufs Handy spielen und Zack, haben wir eine Heatmap der gegnerischen Lager.. Mensch was leben wir doch in einer gloreichen Zeit...
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