Flugstunde beim Drohnen-Coach "... und plötzlich siehst du alles ganz anders"

Jeder kann sich heute einen Multicopter kaufen, aber kann auch jeder einen fliegen? Beim Drohnen-Coach lernen Anfänger, was schiefgehen kann - und was so faszinierend ist. Ein Selbstversuch.

FF-Multicopter & Drohnen

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Manchmal dauert der Flug mit der Drohne nur ein paar Sekunden. Summend hebt der Quadcopter ab, gleitet über den Gehweg - und knallt gegen ein Garagentor. Die Propeller zersplittern, rund 2000 Euro sind dahin. Der Unfall ist auf YouTube zu sehen , einer von Hunderten "Drone Fails" im Netz.

Damit mir so etwas nicht passiert, buche ich eine Stunde beim Drohnen-Coach. Erfahrung braucht man für den Anfängerkurs nicht, heißt es im Netz - aber was ist mit Talent? Auf einem brachliegenden Acker im Münchner Norden soll ich das erste Mal fliegen.

Meine Mitschüler knien im Gras und drehen die Propeller ihrer Drohnen fest. Einige fliegen aus Neugier, andere können für ihren Beruf Bilder von oben gebrauchen: Dachbau-Experte Jens Wenderlein schaut mit der Drohne auf Dächer, ohne hinaufzuklettern. Outdoor-Trainer Alexander Monien will für seine Website filmen, wie er durch die Alpen wandert.

Propeller wie ein Küchenmixer

"Denkt an den Sicherheitsabstand", ruft Drohnen-Coach Frank Lemm vor meinem ersten Flug. Die Piloten sammeln sich im Halbkreis hinter mir. Zur Sicherheit soll nur einer auf einmal abheben. Lemm trägt eine schneeweiße Jacke mit dem Logo seines Schulungszentrums . Der Fotograf hat sich selbst zum Fluglehrer ernannt, ähnliche Kurse gibt es mittlerweile deutschlandweit.

Ich schalte den Motor ein. Das Geräusch, als die vier Propeller beschleunigen, klingt wie ein Küchenmixer. Tatsächlich können einem die Propeller die Haut aufschlitzen. Im Netz kursiert ein Video des Sängers Enrique Iglesias , der während seines Konzerts nach einer Kameradrohne greift. Kurz darauf strömt das Blut über seine Hände.

Damit ich niemanden verletze, schaut mir der Coach über die Schulter. Vier Stunden Theorie habe ich schon hinter mir, nun liegt die Fernbedienung wie ein überdimensionierter Gamecontroller in meinen Händen. Ich drücke den linken Hebel nach oben und die Drohne saust schnurrend acht Meter in die Höhe.

Nachbars Garten ist tabu

Wie angenagelt steht sie in der Luft. Anders als klassische Modellflugzeuge kann sich die Drohne ohne Zutun des Piloten stabil halten, dafür sorgen die vier Propeller, Sensoren und das GPS. Noch sind alle Hindernisse weit entfernt: Ein Wäldchen, das den Acker umrahmt, ein paar Häuser. Ein Schild mit der Aufschrift "Blumen selbst pflücken".

Schon starren mich Spaziergänger an. Eine Familie fährt in einem Van vorbei, die Kinder drücken ihre Nasen an die Autoscheiben. Während die Drohne wie ein Bienenschwarm summt, checke ich GPS und Akkus. "Die meisten Unfälle sind reine Bedienungsfehler", wiederholt der Coach. Mal zwingt einen der leere Akku zur Notlandung. Mal fällt das GPS aus, und die Drohne kann ihre Position nicht mehr selbst korrigieren.

SPIEGEL TV-Doku über Drohnen-Pioniere

Davon schwärmen Piloten

Als ich Gas gebe und die Drohne über den Acker sausen lasse, schauen die Mitschüler auf den Bildschirm über meiner Fernbedienung. Er zeigt, was die Drohne gerade filmt: Erdschollen ziehen vorbei, die Bäume rücken näher.

Das Panorama hätte ich dem Stadtteil nicht zugetraut. Er lässt sich wie ein Modell im Miniatur Wunderland bestaunen. Durch die Drohnenkamera erkenne ich sogar die Äste der knospenden Bäume. Von solchen Momenten schwärmen die Piloten. "Du hast einen Ort 30 Jahre lang gesehen, du kennst jeden Pflasterstein", erzählt Jens Wenderlein. "Und plötzlich siehst du alles ganz anders."

Doch der Himmel ist nicht so frei, wie er scheint. Er ist von unsichtbaren Wänden durchzogen. Der Luftraum über Nachbars Garten ist ohne Erlaubnis tabu. Das gilt auch für Parks, Straßen - und unseren Acker. Höher als 30 Meter sollte die Drohne auch nicht fliegen. Neidisch schaue ich einer Krähe hinterher, die durch die unsichtbaren Wände flattert.

Freiheit fühlt sich anders an

Frei wie ein Vogel fliegt die Drohne nicht. Während die Krähen über dem Acker Kurven drehen, soll ich in geraden Linien fliegen. So hat es mir jedenfalls der Coach beigebracht: Die Drohne muss beim Flug in dieselbe Richtung schauen wie der Pilot. Sonst komme ich mit rechts und links durcheinander.

"Stell dir vor, du bist ein Turm auf einem Schachbrett. Es geht nur geradeaus oder zur Seite", sagt Frank Lemm. Der Vergleich passt: Tatsächlich könnte man meinen Kurs mit dem Lineal nachziehen, dabei bin ich ruhig wie ein Schachspieler. Auf diese Weise kann wohl jeder eine Drohne steuern. Den Traum vom Fliegen habe ich mir aber anders vorgestellt.

Plötzlich gerät der Quadcopter ins Schlingern. Mein Coach hat mit einem Fingertipp das GPS ausgeschaltet. Ohne Satellit ist die Drohne stärker dem Wind ausgeliefert. Ich steuere dagegen, die Drohne tanzt. Für die Aussicht auf dem Bildschirm habe ich kein Auge mehr. Manchmal reiche schon ein Sonnensturm, um das GPS zu stören, erklärt Lemm.

Als ich schließlich die Drohne per Knopfdruck landen lasse, bin ich erleichtert. Der Flug ohne GPS hat mir gezeigt, wie schnell es brenzlig werden kann. Ein Pilot braucht wohl nicht viel Talent - aber Übung für den Notfall. Bevor die Drohne auf dem Ackerboden aufsetzt, wirbelt sie ein paar morsche Zweige auf und zerhächselt sie mit den Propellern.

Drohne oder Copter – welches Wort ist richtig?
Das Wort "Drohne" gehört mittlerweile zum allgemeinen Sprachgebrauch, Piloten sprechen aber lieber von Coptern oder Multicoptern.
Wo darf man ohne Erlaubnis fliegen?
Wer auf seinem eigenen Grundstück fliegt, muss in der Regel niemanden um Erlaubnis fragen, solange die Drohne unter fünf Kilogramm wiegt und nicht höher als 30 Meter aufsteigt. Ausnahmen kann es trotzdem geben, zum Beispiel wenn man in der Nähe eines Flughafens wohnt. Mehr Infos gibt es bei der Deutschen Flugsicherung. Zum Üben bieten sich auch Modellflugplätze an.
Können Nachbarn gegen Drohnenpiloten klagen?
Das ist möglich. Jedenfalls hat das Amtsgericht Potsdam in einem Urteil aus dem Jahr 2015 entsprechend entschieden: Ein Nachbar hat demnach Unterlassungsanspruch, wenn ein Pilot ungefragt eine Drohne über sein Grundstück fliegen lässt. Wer sicher gehen will, sollte also vorm Flug über fremde Gärten und Äcker den Eigentümer um Erlaubnis bitten.
Darf ich im Park fliegen?
Wer über öffentlichem Boden fliegt, braucht in der Regel eine Genehmigung. Das gilt auch für Stadtparks. Der Flug über Straßenverkehr und Menschen ist ohnehin tabu. Schwierig wird es auch bei Naturschutzgebieten, im Umkreis von Flughäfen, sowie über Militäranlagen und Kraftwerken. Die genauen Regeln können sich je nach Bundesland unterschieden. Mehr Infos gibt es bei den Luftfahrtbehörden (PDF).
Darf ich Bilder der Drohne veröffentlichen?
Ja, aber wer seine Fotos veröffentlichen will, gilt als gewerblicher Pilot. Und jeder gewerbliche Pilot muss vorm Abflug eine Aufstiegserlaubnis bei der entsprechenden Luftfahrtbehörde beantragen (PDF). Das kann auch schon der Fall sein, wenn man die Fotos nur im Netz postet. Natürlich gibt es beim Filmen und Fotografieren auch Persönlichkeitsrechte und Datenschutz zu beachten.
Sind Flugstunden eigentlich Pflicht?
Nein, um eine Drohne zu fliegen, muss man derzeit weder Flugstunden noch einen Führerschein nachweisen. Aber der Nachweis einer Schulung kann helfen, wenn gewerbliche Piloten eine Aufstiegserlaubnis bei der Luftfahrtbehöride beantragen. Kostenpflichtige Kurse für Drohnenpiloten gibt es mittlerweile in vielen großen Städten Deutschlands.
Was ist noch unbedingt zu beachten?
Meist reicht die gewöhnliche Haftpflichtversicherung nicht aus, wenn die Drohne beim Absturz Schaden anrichtet. Für Piloten gibt es spezielle Versicherungen, wie sie zum Beispiel Modellflugverbände für einen zweistelligen Jahresbeitrag anbieten. Außerdem sollten Piloten vor jedem Flug das Handbuch ihrer Drohne studieren. Für einen Unfall reicht schon ein ungenau aufgeschraubter Propeller.
insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
Buzzerbeater 27.04.2016
1.
Das Überfliegen eines Grundstücks mit einer Drohne is erstmal grundsätzlich zulässig (§1 Abs 1 LuftVG). Insofern ist ein Überflug mit einem Modell ohne Kamera zunächst mal unkritisch. Mit Kamera sieht es anders aus, denn Eingriffe in die Privatsphäre sind grundsätzlich nicht zulässig. Insofern stellt sich die Frage, ab welcher Flughöhe ein solcher Eingriff nicht mehr vorliegt. Jedenfalls erscheint es unwahrscheinlich, dass aus einer Flughöhe von 100m noch Details erkennbar sind, die einen solchen Eingriff darstellen. Womit wir direkt beim nächsten Fehler sind. Die genannten 30m Flughöhe sind Unsinn. Lediglich in den Kontrollzonen der großen Flughäfen gelten 30m für Flugmodelle (d.h. private Nutzung) bzw. 50m für unbemannte Luftfahrtsysteme (selbes Gerät, allerdings gewerblich genutzt). Näher als 1,5km an den Außengrenzen eines jeden Flugplatzes (inkl. Helipads usw.) herrscht für Drohnen u.ä. totals Flugverbot. Befindet man sich relative weit von Flughäfen entfernt kann der "unkontrollierte Luftraum", in dem man sich grundsätzlich bewegen darf, bis zu 2500ft hoch sein. Das sind etwas mehr als 750m. Hier wird man aber davon eingeschränkt, dass man "auf Sicht" fliegen muss, d.h. die Drohne immer direkt ohne Hilfsmittel sehen können muss. Und.... was auch fehlt und ggf. zu Limitierungen führt: Die Dinger müssen versichert werden. Meine Versicherung limitiert mich z.B. auf eine Flughöhe von max. 100m. So auch die mir vorliegende "Allgemeine Aufstiegserlaubnis" für das Bundesland Hessen vom Regierungspräsidium für eine gewerbliche Nutzung.
docmarten 27.04.2016
2. Es wäre schön,
wenn sich jeder an diese "Grenzen" halten würde. Aber wem schon einmal in 500 Meter über dem Boden im Flugzeug eine Drohne entgegengekommen ist, der wünscht sich diese Dinger ganz schnell reglementiert und/oder für Privatpersonen verboten!
Buzzerbeater 27.04.2016
3. @ Docmarten
Ich bin ganz bei Dir, dass die vorhandenen Grenzen eingehalten werden müssen. Aber ein Verbot? Nein. Das bestraft nur diejenigen, die sich bisher gesetzeskonform verhalten. Die schwarzen Schafe, die die heutigen Regeln schon nicht einhalten, würden sich doch durch ein Verbot auch nicht abhalten lassen.
acer2k 27.04.2016
4.
@Buzzerbeater Danke für die Richtigstellung die du hier gemacht hast. Leider ist es so, dass kaum ein Händler auf eine Versicherungspflicht hinweist. So werden selbst Spielzeugdrohnen fliegen gelassen ohne versichert zu sein. Vielleicht sollte der Handel mit RTF (Ready to Fly) oder BNF (Bind to Fly) so reglementiert werden, dass ein Versicherungsnachweis verlangt werden sollte. Bezüglich Naturschutzgebiete ist ein Landen, Starten und Überfliegen in den meisten Bundesländern (Ländersache) grundsätzlich untersagt. Landschaftsschutzgebiete dürfen meist überflogen werden, aber weder Start noch Landung. Du solltest deine Versicherung wechseln. Eine Limitierung auf 100 Meter ist echt ne Farce. Bei Copter mag das ja noch gehen, aber sobald du mit Flächenfliegen anfängst bist du meist weit über 100 Meter unterwegs.
Koozebane 27.04.2016
5. Haftpflicht
Was heisst hier:"Meist reicht die gewöhnliche Haftpflichtversicherung nicht aus." Die reicht nie aus, da seit Veröffentlichung der 9. Verordnung zur Änderung der Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung (LuftVZO) im Bundesgesetzblatt am 10. August 2005 es keinen in der Luft versicherungsfreien Raum mehr gibt.
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