Robo-Köche Komm, wir hacken uns was zu essen

Ravioli aus der Dose? Von wegen. Auf dem Sommercamp des Chaos Computer Clubs kochen die Hacker professionell: mit einem selbstgebastelten Pfannkuchen-Roboter und einem Kaffee-Fahrrad.

SPIEGEL ONLINE

Aus Mildenberg berichtet


Die Teilnehmer des Chaos Communication Camp haben alles Mögliche auf den Zeltplatz mitgebracht: Lötstationen und Werkstätten, Computer und Discokugeln - und mehrere komplett eingerichtete Küchen. Denn auf einem Hackercamp wird gern und viel gekocht.

Neben einigen kommerziellen Verkaufsständen gibt es in den Zeltdörfern oft auch exzellentes selbst gekochtes Essen - kostenlos oder auf Spendenbasis. Manche Teilnehmer haben professionelle Pizzaöfen und Teigknetmaschinen dabei, andere haben sich eigene Kochgeräte gebaut - manchmal erst vor Ort. Wir haben ein paar Hacker in ihren Zelten besucht und die ausgefallenen Koch-Apparate fotografiert:

Der Crêpe-Roboter

In diesem Zelt darf jeder einmal "Start" drücken und staunen: Der Pfannkuchen-Roboter gießt automatisch Teig auf eine heiße Platte, dreht sie im Kreis und verteilt gleichmäßig Nuss-Nougat-Creme darauf. Sobald der dünne Crêpe fertig ist, rollt er ihn automatisch ein und lässt ihn in ein bereitliegendes Küchenpapier fallen - fertig zum Vernaschen. Nur noch ganz wenige Handgriffe müssen Zwax (42) und Cavac (39) selbst erledigen, etwa das Fetten der Platte. "Aber auch das soll demnächst automatisch geschehen", sagt Zwax.

Der Crêpe-Roboter

Regelmäßigen Besuchern von Hackertreffen ist der Amalettomat wohlbekannt: Seit dem Camp 2011 bringen die Mitglieder aus dem Wiener Hackerspace Metalab das Gerät zu allen Treffen mit und verbessern es fortwährend. Gebaut haben die Hacker das Gerät aus ganz gewöhnlichen Komponenten wie einem Akkuschrauber, einem Scheibenwischermotor und Heizungsrohren. Und in jedem Jahr kommt etwas dazu. Diesmal arbeitete die Maschine schon reibungslos und bereitete weit über 1000 Crepes zu. "Palatschinken" sagen seine österreichischen Besitzer oder "Amaletten", ein altmodischer österreichischer Begriff für die Eierkuchen.

Getunte Eismaschine

Für 60 Euro hatte larsm aus Münster einst eine Eismaschine gebraucht und defekt gekauft. Dann hatte er wahnsinniges Glück: Der Hersteller zeigte sich kulant und schickte ihm ein neues Gerät im Austausch gegen das defekte. Doch der 30-Jährige war immer noch nicht zufrieden: "Die Steuerung war nicht durchdacht", sagt er, auch der Rührer hat ihm nicht gefallen. Also baute er das Gerät um: Er versah es mit einer Computersteuerung. Per Joystick lässt sich jetzt der Motor starten und die Rührgeschwindigkeit regeln. Außerdem hat er selbst einen neuen Rührer gefräst und mit dem 3D-Drucker eine Halterung dafür hergestellt. 50 Euro Materialkosten hat er zusätzlich ausgegeben. "Sie ist noch nicht ganz fertig, die Steuerung muss noch nach innen eingebaut werden. Ich mach das noch schön", sagt larsm. Doch die Maschine funktioniert schon einwandfrei und macht pro Durchgang etwa einen Liter Eis für alle Hacker, die es schaffen, schnell genug am Gerät zu sein.

Popcorn für Fortgeschrittene

Auch dieses Gerät hat larsm gebraucht erstanden, für 150 Euro. Auch das genügte seinen Ansprüchen nicht: "Wenn die Maschine auch nur ein bisschen zu lange angeschaltet war, ist das Popcorn sofort angebrannt", sagt er. Außerdem ließ sie sich nur an- oder ausschalten, andere Regler gab es nicht. In seinem Heimat-Hackerspace, der Warpzone in Münster, probierte larsm mit ein paar Freunden also ein wenig herum: Etwa 50 Ladungen Popcorn machten die Hacker, bis sie herausfanden, dass 265 Grad Celsius die perfekte Temperatur für den Topf ist. Das Gerät bekam eine Steuerung und einen Timer verpasst und versorgt den Hackerspace seitdem mit perfektem Popcorn.

Mikrocontroller für die Crème brûlée

Hier kochen ein paar Hacker für ihre Freunde, drei Gänge soll es laut Speisekarte heute geben: Soljanka als Vorspeise, dann Gulasch mit geschmorten Möhrchen und Semmelknödeln und zum Nachtisch "Pudding mit abgefackeltem Zuckerdeckel" – besser bekannt als Crème brûlée. Sowohl die Creme als auch die Knödel sollen in der grauen Lagerkiste gegart werden, hadez (32) und zet (37) bereiten das schon einmal vor: Mithilfe eines Mikrocontrollers und eines Tauchsieders wird das Wasser auf die richtige Temperatur gebracht, 80 Grad wollen die beiden erreichen.

Mikrocontroller für die Crème brûlée

Schafft der kleine Tauchsieder die 80 Grad für die ganze Kiste? "Um auf Temperatur zu kommen, haben wir vorher noch einen Topf mit heißem Wasser reingeschüttet", gibt hadez zu. Nach der Zubereitung möchten die Männer die heiße Crème brûlée mit dem Trockeneis abkühlen.

Der Lehmofen

Das Dorf für Familien ist in diesem Jahr auf dem Camp besonders groß, immer mehr Hacker haben mittlerweile Kinder und bringen sie mit. Im "Family Village" wird täglich gemeinsam gekocht. Ein kleines Team hat außerdem einen Lehmofen gebaut, in dem Auflauf, Brot, Pizza, Pizza und Pizza gebacken werden - stundenlang. Das Baumaterial für den Ofen war auf dem Gelände des Ziegeleiparks nicht schwer zu finden.

Der Lehmofen

Aus Ton, Sand und Ziegelbruch entstand auf einem robusten Holzgestell ein hervorragend funktionierender Ofen. "Nur eine Platte aus Schamottstein haben wir dann noch schnell im Baumarkt gekauft", sagt der 19-jährige Faze, der beim Bau geholfen hat. Der Ofen wird mit Buchenholz befeuert. Die freiwilligen Helfer backen hier mehrere Hundert Mini-Pizzen am Tag. Die brauchen im Ofen etwa zwei Minuten und werden von den umstehenden Kindern meistens ebenso schnell verputzt.

Das Kaffee-Fahrrad

Wer Kaffee will, muss erst einmal in die Pedale treten: Diese Kaffeemühle wird mit dem Fahrrad betrieben. Der Hacker und Fahrrad-Freak Hannes hat das Gerät bereits zum vorletzten CCC-Congress gebaut. Einen Monat lang hat er am Konzept getüftelt; sobald er alle Teile beisammen hatte, nahm das Zusammenschrauben nur noch einen Tag in Anspruch. Nun hat er das Rad mit zum Chaos Communication Camp gebracht und in einem Küchenzelt aufgestellt, damit auch hier umweltfreundlich Kaffee gemahlen werden kann.

Das Kaffee-Fahrrad

Dass die Mühle mit Muskelkraft statt mit Strom betrieben wird, ist im Camp ohnehin praktisch: Hier fällt ab und an der Strom aus, zum Beispiel nach einem Gewitter. Das Mahlen von Espresso dauert etwa eine halbe Minute pro Tasse.

Camping mit Kombucha

Die sogenannte Food Hacking Base ist eine kulinarische Experimentierstation auf dem Zeltplatz. In einer gut eingerichteten Küche gibt es Kochkurse und Vorträge. An einem Tag zeigte eine Teilnehmerin beispielsweise, wie man koreanisches Kimbap herstellt. Eine Gruppe von Teilnehmern machte ihren eigenen Absinth. In diesem Jahr lag ein Schwerpunkt der Kochexperimente auf probiotischen Getränken. Auf dem Foto ist der Teil im Zelt zu sehen, in dem Kombucha gemacht wird. Das Gären dauert zwar zwei Wochen, doch das ist für die Food Hacker kein Problem: Wie viele andere sind sie bereits lange vor dem fünftägigen Camp angereist, so dass die ersten Kostproben noch rechtzeitig fertig wurden.

Fotostrecke

23  Bilder
Chaos Communication Camp: Hacker-Zeltlager in Brandenburg



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