Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Diebstahlschutz: Forscher erkennen Handys an ihrem Funk-Fingerabdruck

Von

Sim-Karte eines Handys: Auch nach ihrem Wechsel bleiben Mobiltelefone identifizierbar Zur Großansicht
DPA

Sim-Karte eines Handys: Auch nach ihrem Wechsel bleiben Mobiltelefone identifizierbar

Diese Technik könnte Handy-Dieben das Leben schwer machen: Dresdner Informatiker haben eine Methode entwickelt, Mobiltelefone an ihren Funksignalen zu erkennen - selbst wenn die Sim-Karte ausgetauscht wurde. Auch die Polizei hat sich bereits über die Technik informiert.

In Krimis wechseln vorsichtige Verbrecher möglichst oft ihre Sim-Karten, um nicht abgehört, verfolgt oder geortet zu werden. Künftig könnten sie sich das sparen - es ist vollkommen nutzlos, wie Dresdner Informatiker zeigen. Minimale Unterschiede in der Art, wie sie Funksignale senden, machen Handys identifizierbar, auch nach einem Kartenwechsel. Eine Art Fingerabdruck des Handys in den Funkwellen lässt sich mit einem Empfänger erstaunlich genau messen.

Dass geringe Abweichungen in Funkwellen genutzt werden können, um Objekte oder Personen zu orten, zeigten Forscher bereits für W-Lan-Router. Technisch bedingte Abweichungen, die durch Toleranzen bei der Fertigung von Bauteilen entstehen, sorgen dafür, dass jedes Gerät eine einmalige Funksignatur aufweist. Von der Elektronik generierte Funksignale weichen daher immer leicht von der Norm ab.

Nur die Sim-Karte auszutauschen bringt deshalb nicht viel, wenn man mit seinem Gerät unerkannt bleiben will. Gespräche lassen sich trotzdem eindeutig einem Handy zuordnen. Die für die Funksignatur verantwortlichen Elektronikbauteile auszutauschen, ist praktisch unmöglich. "Das wäre zu teuer. Da kann man sich gleich ein neues Handy kaufen", erklärt Jakob Hasse, Erstautor der auf einer Fachtagung zur Informationssicherheit vorgestellten Studie.

Bei dreizehn Testgeräten mit teils baugleichen Sende-Einheiten konnten die Informatiker um Hasse in über 97 Prozent der Fälle die Telefone an ihren Signalen erkennen. Für zukünftige Handybesitzer, denen ihr kostbares Mobiltelefon gestohlen wird, ist dies womöglich ein Lichtblick. Denn die von den Informatikern der TU Dresden entwickelte Technik ließe sich in Sendemasten integrieren. Mobilfunkunternehmen könnten gestohlene Handys in ihrem Netz damit erkennen.

Methoden der Bildforensik auf Handys angewandt

Abgeschaut haben sich die Forscher ihre Idee bei der Bildforensik. Dort werden Bildrauschen und kleine Bildfehler, die die Sensoren in Kameras erzeugen, genutzt, um Fotos bestimmten Aufnahmegeräten zuzuordnen.

Mit vier seiner Kollegen hat Hasse zu Beginn des Jahres eine Firma für digitale Forensik gegründet. Gefördert durch EU-Gelder und durch das Bundesministerium für Wirtschaft wollen die Gründer ihre Sicherheitstechnik marktfähig machen. Ein Biometrie-Unternehmen aus den USA habe bereits Interesse bekundet, sagte Hasse auf Anfrage.

Auch die deutsche Polizei habe sich über die neue Technologie informiert. Mit einer passive Empfangseinheit könnten Ermittler die Technik nutzen, um vor Ort nach bestimmten Geräten zu suchen. Die Vorteile einer solchen Methode wären, dass die Infrastruktur der Mobilfunkdienstleister nicht einbezogen werden müsste und die Lauscher vollkommen unbemerkt arbeiten könnten.

Moderne Handys nutzen alten Standard

Derzeit ist die Methode allerdings auf den alten Mobilfunk-Standard GSM zugeschnitten. Prinzipiell ließe sie sich aber auch für LTE und UMTS umsetzen, sagt Hasse. Doch das ist unter Umständen gar nicht nötig. Eine Identifikation ist auch bei modernen Geräten oft über GSM möglich, dem auf der Welt am weitesten verbreiteten Standard. "Um Netzkosten und Akku zu sparen, benutzen auch moderne Smartphones zeitweise GSM. Erst bei anspruchsvollen Anwendungen wie zum Beispiel zum Surfen wird dann ein neuerer Übertragungsstandard genutzt", erklärt der Informatiker.

Doch die Technik könnte ebenso von Privatpersonen missbraucht werden. Das Erstellen von Bewegungsprofilen wäre damit machbar. "Auch dafür haben wir diese Arbeit geschrieben: Um über die Möglichkeiten aufzuklären", sagt Hasse. "Hinzu kommt - die Rechtslage zum Beobachten solcher Signale ist nicht ganz klar."

Zudem muss man erst einmal das typische Signalmuster eines Handys kennen, um es später identifizieren zu können. Das Problem ist dasselbe wie bei Fingerabdrücken: Den Abdruck von jemandem, dessen Fingerabdrücke in keiner Datenbank auftauchen, kann man niemandem zuweisen.

Dem Autor auf Twitter folgen:

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Das verstehe ich nicht
unnglaublich 09.08.2013
Bei jedem Kontakt zu einer Funkzelle wird meine IMSI übertragen, also eine eindeutige Kennzeichnung meines Handys unabhängig von meiner SIM-Card. Warum sollte ich jetzt noch auf derartige Mikro-Analysen angewiesen sein?
2. Toll ...
SchwesterPolyester 09.08.2013
"Mobilfunkunternehmen könnten gestohlene Handys in ihrem Netz damit erkennen" ... welches Interesse sollten Mobilfunkunternehmen daran bitte schön haben ?
3.
st.esser 09.08.2013
Dass diese Technik eingesetzt wird, um gestohlene Telefone zu orten, halte ich für extrem unwahrscheinlich. Neben der Registrierungsnummer der SIM-Karte (IMSI) besitzt jedes Mobiltelefon eine eindeutige Hardware-Kennung (IMEI). Und es wäre prinzipiell sehr einfach, gestohlene Mobiltelefone darüber zu erkennen und zu sperren, auch wenn die SIM-Karte ausgewechselt worden ist. Die IMEI lässt sich bei vielen Geräten zwar manipulieren, aber das erhöht den Aufwand für den Dieb (man benötigt Hersteller- und Geräte-abhängige Tools, ähnlich wie zum Unauthorisierten Entfernen des SIM-Lock - in Deutschland begibt man sich da auf gefährliches Terrain, da bereits der Besitz dieser Tools strafbar sein kann). Wie gesagt, das Blockieren von als gestohlen gemeldeten IMEIs wäre für die Telefongesellschaften relativ einfach umzusetzen, gemacht hat das m.W. keine. Für die viel schwierigere Analyse der Funksignale um einen "Fingerabdruck" zu gewinnen wären hohe Investitionen nötig (und zwar an tausenden von Basisstationen bei jedem Netzbetreiber). Für "kommerzielle" Zwecke scheidet so etwas daher aus.
4. Wer's glaubt...
samloretto 09.08.2013
Mir ist jetzt schon klar, in welcher Weise das genutzt werden wird. Die NSA wird sich freuen...
5. Neu ?
mastermatter 09.08.2013
vollkommen unnötig, denn Geräte haben eine IMEI Nummer anhand welcher Sie schon jetzt ohne weitere Technik identifiziert werden können und das noch 3% genauer (also: mit 100%iger Sicherheit) als durch das "neue" Verfahren. btw: IMSI ist SIM Card basiert und was tut man bei einem Kartenwechsel ? Richtig ! Die Sim-Card tauschen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Mobile Breitbandformate
UMTS
Universal Mobile Telecommunications System - wird oft als Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G) bezeichnet, da er deutlich höhere Datenübertragungsraten als sein Vorgänger GSM ermöglicht. Deutsche UMTS-Netze schaffen üblicherweise eine Bandbreite von 384 Kbit/s im Standardmodus. Mit der Erweiterung HSPA+ (siehe dort) sind bis zu 42 Mbit/s möglich (Stand Ende 2012). Reguläre DSL-Anschlüsse bieten heute üblicherweise 16 Mbit/s. (mehr ...)
HSPA+
High Speed Packet Access - setzt auf UMTS auf, erzielt aber deutlich höhere Übertragungsraten bei der Übertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Die praktisch erreichbare Datenrate liegt zurzeit bei 42 Mbit/s (Stand Ende 2012). Der HSPA+-Standard sieht Übertragungsraten von bis zu 168 Mbit/s vor, die bisher allerdings noch nicht erreicht werden. (mehr ...)
LTE
Long Term Evolution ist der Name, den eine Reihe von Mobilfunkunternehmen diesem Standard der vierten Mobilfunkgeneration gegeben haben. LTE ist im Grunde eine Weiterentwicklung von UMTS - braucht aber gänzlich neue Hardware, einschließlich neuer Sendestationen. Theoretisch sind per LTE Downloadraten von bis zu 300 Mbit/s per Mobilfunk möglich. Tatsächlich werden von LTE-Netzbetreibern maximal 100 Mbit/s angeboten. In Deutschland werden für LTE Frequenzbänder verwendet, die durch die Umstellung der TV-Ausstrahlung auf digitale Angebote frei geworden sind. Einer der Vorteile von LTE ist die im Vergleich zu UMTS größere Reichweite der Funkmasten. Unter anderem deshalb wird LTE in Deutschland genutzt, um ländliche Gegenden, in denen eine DSL-Verkabelung nicht wirtschaftlich wäre, mit schnellen Datendiensten zu versorgen. Ein Problem bei LTE ist, dass es regional und je nach Anbieter auf unterschiedlichen Frequenzen arbeitet. Da nicht jeder LTE-Chip alle diese Frequenzen beherrscht, können manche Endgeräte trotz grundsätzlicher LTE-Tauglichkeit nicht alle LTE-Netze nutzen. . (mehr ...)
GPRS
General Packet Radio Service - dieser Standard zerlegt Daten beim Sender in einzelne Pakete, überträgt sie gestückelt und setzt sie beim Empfänger wieder zusammen. Durch Bündelung mehrerer Übertragungskanäle ist theoretisch eine Übertragungsrate von bis zu 171,2 Kbit/s möglich. Im praktischen Betrieb sind es meist 55,6 Kbit/s - so langsam waren Modems in den Zeiten vor DSL. (mehr ...)
EDGE
Enhanced Data Rates for GSM Evolution - Technik zur Erhöhung der Übertragungsrate von Daten in GSM-Mobilfunknetzen. Durch effizientere Modulationsverfahren sollen in der Summe bis zu 384 Kbit/s erreicht werden - das ist UMTS-Geschwindigkeit. Edge wurde bisher in 75 Ländern eingeführt. (mehr ...)
WiMax
Die WiMax-Technologie umfasst mehrere Standards zu Datenübertragung auf verschiedenen Funkfrequenzen. Manche WiMax-Standards brauchen eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger, bei anderen können die Signale auch Mauern durchdringen. Bei Tests soll WiMax schon Datentransferraten von mehr als hundert Mbit/s erreicht haben. Hermann Lipfert, Experte für Drahtlosnetze beim Münchner Institut für Rundfunktechnik (IRT), schätzt, dass in einer regulären WiMax-Funkzelle Transferraten von 50 Mbit/s realistisch sind - unter idealen Bedingungen und bei Anwendung aller derzeit zur Verfügung stehenden technischen Tricks. Diese Bandbreite müssten sich dann wie bei UMTS alle Nutzer teilen, die in der jeweiligen Funkzelle online sind. Bislang hat WiMax aber noch keine Bedeutung (Stand Ende 2012).(mehr ...)

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: