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23. September 2010, 13:25 Uhr

Fotodruck

Sieben Poster-Drucker im Einzeltest

Von Ralph Altmann

Leinwand, Aluplatte, Acrylglas: Großformat-Drucke auf edlem Material werden günstiger. Aber was taugen die Drucken und wie lange halten sie? Das Fachmagazin "c't" hat die Druckqualität bei sieben Anbietern getestet.

1. Teil: dm/Cewe

Die Cewe Color AG, nach eigenen Angaben Marktführer unter den europäischen Fotodienstleistern, beliefert laut Website 50000 Handelspartner in Deutschland, darunter Kaufhäuser, Drogeriemärkte und Elektronikhändler. Hier kann man direkt vor Ort bestellen und die Ware auch abholen - dann ohne Versandkosten, die bei Cewe Bearbeitungsgebühr heißen und mit 3,95 Euro die niedrigsten im Testfeld waren. Wir bestellten über den Drogeriemarkt dm und nutzten die Direktbestellung über den Webbrowser. Dies war erst nach der Anlage eines Accounts mit Passwort möglich. Aufhängungen muss man bei Cewe extra bestellen, und 4,45 Euro empfanden wir für die beiden Blech-Stanzteile als ziemlich überteuert. Allerdings legte Cewe diese Aufhänger auch für das zweite Bild bei, ohne Berechnung, obwohl wir sie nur einmal bestellt hatten.

Dibond

Cewe hat unter unseren Testkandidaten das geringste Angebot an Bildformaten bei Dibond und Acryl lediglich vier Größen: 20 x 30, 30 x 45, 40 x 60 und 50 x 75 Zentimeter. Angaben zum Papier und zum Belichter (es handelt sich um Ausbelichtungen auf Fotopapier) macht Cewe nicht. Die Oberfläche ist hochglänzend, Alternativen hat man nicht. Unsere Messungen ergaben für Schwarz- und Weißpunkt gute Durchschnittswerte, mit nur mäßiger Schattenzeichnung, aber sehr guter Lichterzeichnung. Die Auflösung feiner Linien ist sogar besser als bei vielen anderen Anbietern, teilweise sind noch 1 Pixel breite Linien unterscheidbar. Die Farben wurden sehr dunkel wiedergegeben, dadurch aber kräftig, mit fast zu satten Grün- und Cyantönen. Gelb wirkte leicht schmutzig.

Acryl

Gleiche Größen wie bei Dibond. Die Stärke der Acrylplatte beträgt 5 mm bei den kleineren und 10 mm bei den beiden größeren Formaten. Das belichtete Foto wird rückseitig direkt auf die Acrylplatte geklebt, ohne zusätzlichen Träger. Die Lichterzeichnung ist etwas schlechter als bei Dibond, ansonsten sahen wir kaum Unterschiede, auch nicht in der Farbigkeit. Wir stellten allerdings eine ganze Reihe kleiner Lufteinschlüsse zwischen Foto und Acrylscheibe fest, die bei bestimmten Lichtverhältnissen deutlich sichtbar sind. Das Bild erhielten wir, wie auch das Dibond-Bild, relativ stark beschnitten, seitlich sogar um 10 mm.

Leinwand

Hier ist die Formatauswahl auf dem Webportal etwas größer und reicht bis 90 x 160 cm. Unser 20 x 30 cm-Testbild kam auf einem einfachen, verklebten Holzrahmen ohne Keile. Cewe versicherte uns, dass die verwendete Leinwand auch nach mehreren Jahren nicht nachgibt. Dennoch werde man bald ebenfalls Keile einsetzen, da dieser Punkt "immer wieder zu Missverständnissen und Minuspunkten in Vergleichstests" führe. Etwa 3 cm von jeder Seite des 12-Farben-Tintenstrahldruckes werden um den Rahmen gezogen und gehen damit verloren. Möchte man dies vermeiden, muss man das Bild vor dem Upload mit einem entsprechend breiten Rand versehen. Im Editiermodus der Bestellsoftware geht dies leider nicht - hier ist nur das Verschieben, Drehen und Vergrößern (Zoomen) des Bildes, nicht das Verkleinern möglich. Wir versahen das Bild deshalb mit einem 3 cm weißen Rand, von dem später 3 bis 5 mm auf der Frontseite zu sehen waren. Bei einer nachträglichen Rahmung (passende Schattenfugenrahmen bietet Cewe gleich an) werden diese in der Regel überdeckt. Ohne Rahmung empfiehlt es sich, das Bild entsprechend größer anzulegen oder die Ränder auf 3 cm Breite zu spiegeln. Schärfe und Auflösung des Druckes waren überzeugend, darin gehört Cewe zu den Besten unseres Tests, jedoch störte uns in den Hautfarben ein deutlicher Rotstich.

Als einziges unter unserer Auswahl bietet das Portal von "Europas größter Plattform für Fine Art Prints" (Originalton) eine Bildvorschau in einer realistischen Umgebung (Ambiente-Vorschau). Das Bild kann über Esstisch, Sideboard, Sofa oder Kamin hängen, andere oder gar eigene Orte sind nicht möglich. Die Standardgrößen reichen von 30 x 40 bis 280 x 140 cm, Zwischengrößen gibt es auf Anfrage. Darüber hinaus lassen sich Bilder auf bis zu vier Einzelbilder verteilen und so Maximalgrößen bis 3 x 3 Meter erreichen. Neben dem Labor bietet das Webportal eine Community und die Möglichkeit, eigene Webshops einzurichten. Außergewöhnliche Fotos können den Sprung in die öffentliche Verkaufsgalerie schaffen, die Entscheidung darüber obliegt keiner Jury, sondern anderen Usern.

Dibond

Die Laserbelichtungen erfolgen laut Anbieter auf Fujicolor-Fotopapier, wahlweise seidenmatt oder glänzend. Wir hatten Letzteres bestellt, auf dem Lieferschein stand sogar "hochglänzend", dennoch weist das gelieferte Bild eine eher seidenmatte Oberfläche auf. Lichter- und Schattenzeichnung sind sehr gut, die Auflösung feiner Linien ist dagegen schlecht. Das Weiß des Fujicolor-Papiers geht schon leicht ins bläuliche (gemessen b*= -6). Die Farben sind hell und leuchtend, aber angenehm, die Hauttöne natürlich, Schwarz ist mit L*=10 aber recht hell - dies ist der höchste Wert, den wir bei allen Dibondbildern (ausgenommen Direktdrucke) fanden. Weiß liegt mit L*=91,5 im Durchschnitt. Erschrocken waren wir über den starken Beschnitt unseres Testbilds: oben und rechts fast 10 mm. Dieser Beschnitt wurde bei der Online-Bestellung im Vorschaufenster sogar angezeigt, wie wir später feststellten. Einen Warnhinweis gab es aber nicht, und nach Firmenangaben hätte der maximale Beschnitt auch nur 2mm betragen dürfen.

Acryl

Die Acrylbilder werden per Laserbelichter auf das gleiche "Fujicolor Crystal Archive Paper" belichtet wie die nur auf Dibond aufgezogenen Bilder. Eine Dibondplatte als Trägermaterial erhalten sie zusätzlich. Die Farbdarstellung ist vergleichbar gut, aber die Linienauflösungebenfalls schlecht und die Differenzierung der Lichter und Schatten sogar noch etwas schlechter als beim reinen Dibond-Bild. Auffällig waren die deutlich blasseren Hauttöne. Der Beschnitt war ebenfalls stark, lag hier allerdings am unteren Rand des Bildes. Das kleinste Standardformat von 30 x 40 Zentimeter kostet bereits 62 Euro - viel Geld, wenn man nur einen Probebild benötigt. Kleinere Acryl-Formate gäbe es aber auf Anfrage, bei Dibond sogar ein Musterbuch, versicherte der Anbieter.

Leinwand

Fineartprint bietet (neben jam fineartprint) Leinwanddrucke auch pur, also ohne Keilrahmen an (bei anderen Anbietern muss man anfragen). Bei den Keilrahmen hat man die Wahl zwischen zwei und vier Zentimeter Stärke, der Rand kann entweder weiß bleiben, rundum gezogen oder rundum gespiegelt werden. Gedruckt wird per "Inkjet" - mehr Details verriet der Anbieter nicht - auf ein 100 Prozent-Baumwolle-Gewebe. Es ist nicht nur eines der dicksten in unserer Stichprobe (430g/m2), sondern auch das mit dem höchsten, schon deutlich ins Bläuliche gehenden Weißgrad. Die Lichterzeichnung ist gut, die Schattenzeichnung sehr schlecht, auch die Linienauflösung unseres Testbilds ist deutlich schlechter als bei anderen Anbietern. Die Farben wirken wie bei den Laser-Prints hell, aber dennoch gesättigt, die Hauttöne natürlich.

Die "Druckerei" des bekannten fotocommunity-Portals wirbt schon auf der Homepage mit Farbmanagement-Unterstützung und bietet dafür, neben Informationen und Anleitungen, einen kostenlosen Testprint, Unterstützung bei der Monitorkalibrierungsowie herunterladbare ICC-Profile der eigenen Belichter, Drucker und Papiere. Wie man Letztere für den Softproof verwendet, wird anschaulich erklärt. Die Dibond- und Acryl-Bilder werden mit einem Durst Theta LED-Belichter auf Fujicolor Fotopapier ausbelichtet, Leinwand wird auf einem Epson 9800 mit Ultrachrom-K3-Tinten bedruckt.

Dibond

Das Größen-Angebot reicht nur von 30 x 40 bis 60 x 90 cm, Sonderformate gibt es auf Anfrage. Von den zwei wählbaren Oberflächen Glanz oder Lustre entschieden wir uns für die Letztere, die einen sehr schönen Seidenglanz aufweist, im Vergleich mit wirklich matten Oberflächen jedoch noch recht deutlich reflektiert. Lichter- und Schattenzeichnung sind noch akzeptabel, die Farben kräftig, mit sehr tiefem Schwarz und natürlichen Hauttönen. Die Linienmuster und die Siemenssterne wurden allerdings mit deutlichen Fehlstellen und Artefakten wiedergegeben. Pluspunkte brachten die Maßhaltigkeit und der geringe Beschnitt unseres Bildes von 1-2 mm.

Acryl

Das standardmäßige Acryl-Format reicht von 30 x 40cm bis 50 x 150cm Panoramaformat. Die Rückseite bildet eine 2mm-Dibondplatte, hinter die (wie auch auf die reinen Dibondbilder) ab Werk ein kleinerer umlaufender Aluminiumrahmen mit verschiebbaren Ösen geklebt wird - die aufwendigste und praktischste Aufhängelösung, die wir fanden. Hinsichtlich der Farbqualität gibt es kaum Unterschiede zu Dibond, leider ist auch die Auflösung ähnlich schlecht. Die Lichterzeichnung ist sogar noch etwas schlechter, doch das mussten wir bei fast allen Anbietern feststellen, es scheint für die Acrylglas-Kaschierung typisch zu sein: Diese schluckt etwas Licht, weshalb der Weißgrad dieser Bilder (gleiches Fotopapier vorausgesetzt) nie die hohen Werte von Bildern erreichen kann, die keine Kaschierung auf der Oberfläche haben.

Leinwand

Der Leinwanddruck ist deutlich besser aufgelöst und gehört zu den Besten im Test. Allerdings hatten wir hier die teure "Künstler"-Variante gewählt, gedruckt auf Fuji HD White Cotton Canvas. Der Preis dafür ist fast doppelt so hoch wie für die Standard-Variante, die "Premium" heißt. Der Weißgrad der Leinwand ist mit einem angegebenem L*-Wert von 97 (gemessen 96) sehr hoch, die Lichterzeichnung sehr gut. Die Schatten laufen jedoch ähnlich stark zu wie beim Leinwanddruck von Fineartprint.de. Das Bild wirkt dementsprechend sehr kontrastreich, mit kräftigen Farben und warmen Hauttönen.

Die Berliner Firma versteht sich als Fineart-Print-Manufaktur, die jeden Auftrag individuell fertigt, kleinere Korrekturen kostenlos vornimmt und notfalls beim Kunden rückfragt. Farbmanagement und Softproof per ICC-Profil sind hier selbstverständlich. Bis zu den Maximalgrößen wird jede Größe gefertigt, wobei der Preis von der Summe aus Länge und Breite des Bildes abhängt. Gedruckt wird ausschließlich mit Inkjet-Druckern und Ultrachrome K3 VM-Pigmenttinten auf Papier oder Leinwand. Testdrucke in A4-Größe (ohne Rahmen, Acryl- oder Dibond-Kaschierung) liefert die Firma im Zusammenhang mit einem Auftrag für 7,50 Euro.

Dibond

Man kann bei jam sein Bild auf einem der zwölf verfügbaren Fineart-Papiere drucken und dann auf Dibond (hier D.BOND genannt) aufziehen lassen, Letzteres kostet ab 34 Euro für Formate bis 75 cm (Länge + Breite). Günstiger ist das (von uns auch gewählte) Komplettpaket, das sowohl den Druck auf Lustre-Papier als auch die Dibond-Kaschierung enthält und ab insgesamt 36 Euro zu haben ist. Das Ergebnis war in Oberfläche und Farbigkeit dem Dibond-Bild von fotocommunity prints (das aber eine Belichtung auf Fotopapier ist) auf den ersten Blick erstaunlich ähnlich. Die Farben sind sogar noch etwas heller und klarer, Hauttöne wirken dadurch aber etwas kühl. In Auflösung und Lichter- und Schattenzeichnung gehören die Dibond-Bilder von jam zu den Besten in unserem Test. Der Beschnitt ist mit rund 1 mm vernachlässigbar.

Acryl

Diese Bilder druckt jam auf AlphaZellulose-Papier "mit größtem Farbraum und Maximaldichten". Das Acrylglas ist standardmäßig 3 mm stark, auf Wunsch auch stärker, die Rückseite bildet eine Dibond-Platte. Die Preise beginnen bei 85 Euro für das 75er-Format (maximale Länge + Breite). Unser Testbild hatte noch die werkseitige Schutzfolie auf der Acrylglasscheibe, mit der solche Scheiben im Handel erhältlich sind. Auflösung, Lichter- und Schattenzeichnung und Farbigkeit entsprachen weitgehend dem Dibond-Druck. Ein Kantenschliff hätte das beinahe perfekte Ergebnis abgerundet, diesen gebe es auf Anfrage, versicherte man uns.

Leinwand

Zwei Materialien stehen zur Auswahl: Fredrix 901WR Canvas und die etwas teurere Breathing Color Chromata White Leinwand. Die Preise beginnen bei etwa 20 Euro für das 50er Format (maximale Länge + Breite), inklusive Keilrahmen. Wir bestellten Testprints beider Sorten. Im Vergleich zeigt die teurere Leinwand einen höheren Weißgrad (96 gegenüber 94) und etwas wärmere Hauttöne. In puncto Linienauflösung gibt es kaum Unterschiede, sie ist ein wenig schlechter als die des Dibond-Druckes, gehört aber dennoch zu den besten unter den Leinwanddrucken. Die Lichterzeichnung ist sehr gut, die Differenzierung in den Tiefen bei beiden Materialien gut (Stufe 3). Besser schnitt hier nur seen.by ab.

Gegen fehlerhafte Kaschierung mit Luftblasen-Einschlüssen gibt es eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Methode: Das Bild wird direkt auf die Platte gedruckt, bei Acrylglas auf die Rückseite (und dann mit weißer Folie hinterlegt). Poster-Union druckt mit HP-Druckmaschinen und UV-stabilen, wasserbasierten Tinten (sechs Farben) auf Platten von 20 x 30 bis zum Panoramaformat von 120 x 40 cm, auf Wunsch auch größer. Dibond-Drucke gab es im August schon ab knapp 10 Euro im Sonderformat 20 x 20 cm.

Die ersten gelieferten Bilder waren allerdings eine Enttäuschung: Schlechte Auflösung, blasse, "grieselige" Farben, miserable Schattenzeichnung. Erst kurz vor Redaktionsschluss klärte sich auf, dass dies offenbar an Interpolationsfehlern lag, die bei Poster-Union während eines begrenzten Zeitraumes aufgetreten waren. Die Abbildungen auf dieser Seite zeigen die Teststreifen aus den neuen Bildern. Die alten, fehlerhaften können Sie auf der Heft-DVD anschauen - da der Redaktionsschluss der DVD früher lag als der des Heftes, konnten wir sie dort nicht mehr austauschen.

Dibond

Es gibt die Varianten "ohne Beschichtung", "matt" und "glänzend". Letztere sind mit entsprechenden Folien beklebt, was dann 50 bis 67 Prozent mehr kostet - für diese Differenz erhält man andernorts schon eine Acrylglaskaschierung. Wir bestellten "ohne" und "glanz" und maßen bei beiden relativ schlechte Schwarz- und Weißpunkte. Selbst die Hochglanz-Variante kommt nur auf eine Schwarzpunkthelligkeit von L*= 10,5. Bei den ersten gelieferten Bildern wirkte das Weiß leicht gelblich, Schwarz hatte einen Magenta-Stich. Diese Farbfehler waren in der Nachlieferung ausgeräumt. Die Lichterzeichnung ist nun sehr gut, die Schattenzeichnung aber immer noch mittelmäßig bis schlecht. In der Auflösung setzte sich Poster-Union an die Spitze: Selbst 1 Pixel breite Linien sind noch scharf und kontrastreich. Lassen Sie sich wie gesagt nicht von den Teststreifen auf der Heft-DVD beirren, diese stammen noch aus der ersten Lieferung.

Acryl

In der Farbqualität unterscheidet sich der Direktdruck auf die Acryl-Rückseite kaum von der glanzbeschichteten Dibond-Variante, Schatten- und Lichterzeichnung sind sogar noch einen Tick besser. Alle Acryl-Formate kann man bei Poster-Union alternativ zur Standard-Stärke 4 mm auch in 10 mm Glasstärke bestellen, dann werden die Kanten geschliffen und poliert. Die Mehrkosten betragen 50 Prozent beim kleinsten und 100 Prozent bei den größeren Formaten - unser 40x60-Vergleichsformat kommt damit auf 140 Euro, statt 70 Euro für die normale Glasstärke.

Leinwand

Hier hat man die Wahl zwischen 2 und 4 cm Rahmenstärke sowie weißer Randbedruckung (der Rand wird automatisch angefügt) und "Galerie-Optik" - dabei wird das Bild etwas vergrößert und der Rand entsprechend der Rahmenstärke umgeschlagen. Der Rahmen ist ein echter, nachspannbarer Keilrahmen. Poster-Union druckt mit HP-Druckmaschinen und UV-beständigen, wasserbasierten Tinten.

Die Leinwand ist mit L*= 93,7 noch akzeptabel weiß, der Schwarzpunkt mit L*=24 allerdings zu hell. Die Lichterzeichnung ist gut, die Schattenzeichnung aber noch schlechter als beim matten Dibond-Druck. Die Auflösung ist dagegen ähnlich gut und damit die beste, die wir unter allen getesteten Leinwanddrucken fanden.

seen.by ist ein Bilderportal mit "angehängtem" Labor (die Bilder werden bei Gigant Foto in Berlin belichtet und gefertigt), hier kann man also auch Fotos kaufen und (nach der Begutachtung durch eine strenge Jury) selbst verkaufen. Bilder für Dibond und Acryl werden ausbelichtet (auf Durst Lambda Laserbelichter auf Kodak Professional Endura Papier), die Leinwandbilder entstehen im Tintenstrahldruck. Dabei reichen die Formate von 10 x 10 cm (Leinwand: 20 x 20 cm) bis von 300 x 180 cm, wobei allerdings auch beliebige Zwischengrößen möglich sind.

Dibond

Als Papieroberflächen stehen "matt" oder "glänzend" zur Auswahl. Die von uns bestellte glänzende Variante zeigt warme, kräftige Farben bei natürlichen, etwas zu dunklen Hauttönen und tiefe Schwarzwerte (L*=6,7), aber einen nur mäßigen Weißwert. Die Lichterzeichnung ist gut, die Schatten laufen jedoch zu. Als Helligkeit des 50 Prozent-Graupunkts maßen wir nur 44 Prozent, womöglich ist das die Ursache für diese Effekte. Der subjektive Schärfeeindruck ist gut, an feinen regelmäßigen Strukturen (wie dem Siemensstern und dem Streifenmuster unseres Testbildes) sind allerdings Artefakte sichtbar: rote und grüne Farbsäume ähnlich der "chromatischen Aberration", die an schlecht korrigierten Objektiven auftritt. Das Streifenmuster zeigt auch, dass - offenbar bedingt durch die zeilenweise Belichtung des Fotopapiers - die Auflösung in horizontaler Richtung schlechter als in vertikaler Richtung ist. Das Bild wurde lediglich um 0,5 mm beschnitten, hervorragend!

Acryl

seen.by kaschiert die Fotos mit Silikon hinter 3 mm Acrylglas, die Rückseite bildet eine Dibond-Platte. Optionen hat man bei der Bestellung nicht. Im direkten Vergleich mit dem auf Dibond kaschierten Foto wirkt das Foto hinter Acryl - auf Kosten einer minimal schlechteren Lichterzeichnung - noch etwas kontrastreicher. Die Probleme mit Auflösung und Artefakten fanden wir etwas vermindert auch hier.

Leinwand

Der recht grobe Canvas-Stoff steht in matt oder satin zur Auswahl, der Bildrand wird gespiegelt um den Rahmen gezogen. Die Farben unseres Testbilds wirken heller als bei Dibond und Acryl (was kein Wunder ist, denn der Graupunkt liegt hier bei 54 Prozent), die Hautfarben wirken neutral bis kühl, die Schatten- und Lichterzeichnung ist gut. Erstaunlicherweise ist auch die Auflösung besser als bei den Belichtungen, in horizontaler Richtung sogar sehr gut. Feine waagerechte Linien laufen dagegen etwas zu.

Auf dem Whitewall-Kunstmarkt kann man ähnlich wie bei Seen.by Bilder kaufen und verkaufen, im Laborbereich Fineartbilder anfertigen und aufziehen beziehungsweise rahmen lassen. Praktisch für Qualitätstests sind die kleinen Formate: Direktdrucke auf Dibond gab es im August schon ab 3,90 Euro, hinter Acrylglas ab 6,90 Euro (Format jeweils 9 x 9 cm). Bis zu maximal 122 x 180 cm (im Direktdruck 150 x 180 cm) sind alle Zwischengrößen möglich. Whitewall bietet zudem ICC-Profile für die verwendeten Papiere und Druckverfahren und hat die Einführung eines PDF-Softproofs für den Laborbereich angekündigt. Im Kunstmarkt- und Galeriebereich gibt es das schon länger, wir befanden vor einem Jahr, dass die (damals) vorgegebenen Korrekturstufen für die Praxis etwas grob sind (Artikel über Online-Bildagenturen in Heft 01/2010 von c't Digitale Fotografie).

Dibond

Es gibt die Varianten "Echter Fotoabzug" (Laserbelichtung auf Fujicolor-Papier, matt oder glänzend) und "Direktdruck" auf die Platte, laut Whitewall mit sechs Farben, die noch UV-gehärtet werden. Der Direktdruck ist etwas billiger und hat immer eine matte Oberfläche. Im Vergleich mit dem Dibond-Direktdruck von Poster-Union ist das Dither-Muster des Whitewall-Druckes ein klein wenig gröber. Im Vergleich mit Laserbelichtungen auf Fotopapier wirken beide Drucke leicht "grieselig", obwohl die Linienauflösung vergleichbar oder sogar besser ist. Die Lichterzeichnung ist sowohl beim Direktdruck als auch beim Laserprint hervorragend, aber die Schattenzeichnung bei beiden schlecht. Der Laserprint zeigt kräftige, etwas dunkle Farben, natürliche Hauttöne und ein sattes Schwarz. Der Direktdruck ist vergleichsweise blass, das Schwarz jedoch sehr neutral. Dies und die samtige Oberfläche der Farben verleihen den Bildern ein durchaus wertiges Aussehen.

Acryl

Auch hier kann man zwischen Direktdruck auf die Acryl-Rückseite, die anschließend mit einer weißen "Forex"-Trägerplatte kaschiert wird, und Laser-Print (auf Dibond-Platte kaschiert) wählen. Das Acrylglas ist 2 oder 6 mm stark. Da es sich um die gleichen Druckverfahren handelte, gibt es hinsichtlich Auflösung und Differenzierung der Lichter und Schatten kaum Unterschiede zu Dibond. Der Direktdruck schien uns insgesamt etwas dunkler, die Laserbelichtung etwas heller als die Varianten ohne Acrylglas. Natürlich profitieren die Kraft der Farben und das tiefe Schwarz vom Acrylglas, was im Vergleich mit dem matten Direktdruck auf Dibond besonders deutlich wurde.

Leinwand

Feine, 1 Pixel breite Linien verschmolzen im Leinwanddruck zu einer einheitlich grauen Fläche, dennoch wirkt der Druck subjektiv schärfer als zum Beispiel der Leinwanddruck von Seen.by, was auch an der deutlich glatteren Leinwand liegt. Die Farben sind kräftig, die Hauttöne sehr natürlich. Laut Whitewall werden die gleichen UV-gehärteten Farben verwendet wie für die Direktdrucke auf Dibond. Die Lichterzeichnung ist gut, die Schattenzeichnung aber noch schlechter als bei Dibond und Acryl.

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