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29. Dezember 2012, 07:20 Uhr

Fotografie

Früchte im Durchlicht

Von Tilo Gockel

Strahlende Kiwis, leuchtende Orangen und funkelnde Granatapfelkerne: Obst sieht auf Fotos toll aus, wenn es von hinten beleuchtet wird. Tipps für den Umgang mit Licht gibt das Buch "Kreative Blitzpraxis". Lesen Sie hier einen Auszug.

Den Look kennen Sie vielleicht aus der Werbung: dünn aufgeschnittenes Obst, Gemüse oder auch andere Lebensmittel, auf einer Glasplatte liegend oder in Wasser eingefroren und von hinten beleuchtet. Das sieht schick aus und ist wirklich einfach umzusetzen. Ihr erster Gedanke wäre vielleicht, dafür ein Dia-Leuchtpult einzusetzen, und das funktioniert auch grundsätzlich. Hinsichtlich der Farbtemperatur, dem Spektrum und der Lichtleistung ist aber Blitzlicht wesentlich besser geeignet. Es fehlen dann nur noch ein Aufbau, bei dem man den Blitz unter der Szene anordnen kann, und ein Diffusor, um das Licht zu streuen.

Setup

Das Setup ist denkbar einfach: Links und rechts steht je ein Stapel Bücher, auf denen eine milchig-weiße Acrylglasplatte liegt, die das Licht streut. Auf dieser Platte liegt umgekehrt ein gläserner Pfannendeckel, bei dem ich den Griff abgeschraubt habe und in dem die Früchte angeordnet sind. Unter der Acrylglasplatte liegt ein Blitz vom Typ Canon 430 EX II, wobei aber jeder Billig-Blitz genauso gut funktioniert, da die TTL-Funktionalität hier nicht genutzt wird. Der Blitz wird über YN-602-Sender und -Empfänger ferngezündet.

Einstellung und Aufnahme

Ich habe den Blitz anfangs auf 1/4 der Leistung gestellt, was aber bei Blende f/8 viel zu hell war. Dann habe ich zweimal die Blitzleistung halbiert (immer noch zu hell) und dann aus Bequemlichkeit einfach die Blende geschlossen - daher die nicht ganz optimale Blende von f/13 (optimal wäre hier bei diesem Objektiv laut www.slrgear.com bei 40 mm eine Blende von f/8). Wenn Sie mehr Geduld haben, sollten Sie auf Blende f/8 bleiben und dann die Blitzleistung genau anpassen. Weiterhin ist der Blitz bei diesem Setup recht nahe an der Diffusorscheibe, und so besteht die Gefahr, dass ein Hotspot im Bild entsteht.

Hier hilft es, den Blitz auf möglichst weitwinklig zu stellen, die Weitwinkelstreuscheibe herauszufahren, um ihn von etwas seitlich einstrahlen zu lassen und so den Abstand zu vergrößern. So gelangen Sie zu folgender Einstellung, die das Umgebungslicht unterdrücken wird: ISO 100, 1/125 Sekunde Belichtungszeit (der Standardwert), f/8 (bis f/13, höher sollten Sie aber wirklich nicht gehen), Blitzleistung auf rund 1/32 oder kleiner. Die richtige Belichtung erkennen Sie bei dieser Art von Fotos besonders leicht anhand der blinkenden Übersteuerungswarnung im Kameradisplay (die sogenannten Blinkies): Stellen Sie die Parameter einfach so ein, dass alles Weiße blinkt, aber alles, was nicht weiß ist, nicht blinkt.

Bildbearbeitung in Photoshop

Wenn die Aufnahme gut belichtet ist, sind in Photoshop nur noch wenige Bearbeitungsschritte notwendig. Ich habe mich hier auf folgende Schritte beschränkt:

Tipps, Tricks und Weiterführendes

Ich habe eingangs das Dia-Leuchtpult als Durchlichtbeleuchtung angesprochen. Auch das funktioniert für solche Bilder, aber es funktioniert nicht besonders gut. Als Leuchten sind hier im Regelfall Neonröhren verbaut, die durch die extremen Abrisse im Spektrum gerade für Food nicht gut geeignet sind - wir Menschen sind bei Lebensmitteln und bei Hautfarben besonders empfindlich hinsichtlich korrekter Farben.

Bevor Sie in eine solche Beleuchtung investieren, probieren Sie einfach einmal Ihren Monitor als Lichtquelle aus. In beiden Fällen werden aber die Belichtungszeiten sehr viel länger ausfallen als hier im Beispiel, und es wird der Einsatz eines Stativs notwendig werden.

Zum Abschluss habe ich Ihnen noch ein weiteres Ergebnisbild aus der Früchte-Session eingefügt, um Ihnen Appetit zu machen, dieses besonders einfache Setup doch einmal selbst auszuprobieren.

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