Zwölf Ideen für Familienfotos Wie Sie Ihr Familienglück festhalten

Familienbilder sollen berühren und begeistern - und sind doch oft unfreiwillig komisch. Die Profifotografin Judy Hohmann gibt Tipps, wie Sie Familienfotos meistern.

Judy Hohmann


Gut gemachte Familienbilder sollen Begleiter durch die Jahre sein und Erinnerungen wachhalten. Meine zwölf Tipps zeigen, wie das gelingen kann.

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1. Charakter der Familie
Die Interessen einer Familie beeinflussen die Motivplanung. Sprechen Sie deshalb am besten zunächst ab, wo die Bilder aufgenommen werden sollen und in welchem Stil. Um die Familie besser einzuschätzen, hilft ein Vorabgespräch, gerade wenn die Eltern eigene Ideen oder Wünsche einbringen möchten.

Häufig kommt dann in der Unterhaltung heraus, dass es zum Beispiel noch Haustiere gibt, die mit abgelichtet werden könnten, die Familie besonders naturverbunden ist, oder elegante Kleidung liebt. Mit diesem Vorwissen lassen sich dann Familienbilder maßschneidern.

Während die eine Familie von wild-romantischen Bildern bei Sonnenuntergang am See träumt, fühlt sich eine andere Familie vor den Mauern einer Industriebrache viel wohler.

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2. Emotionen
In der Regel wünschen sich Eltern Bilder, auf denen alle schön und ausgelassen aussehen. Häufig konzentrieren sich die Erwachsenen dann so sehr auf ihre Kinder, dass sie schließlich selbst angestrengt, redend oder abgelenkt wirken. Kinder sehen früher oder später immer fröhlich in die Kamera, wenn es genug Spaß und Animation gibt.

Nehmen Sie den Eltern die Sorge um einen gelungenen Gesichtsausdruck ihrer Kinder und bitten Sie die Erwachsenen, sich ganz auf sich selbst und die Situation zu konzentrieren und die Kinder einfach machen zu lassen.

Lassen Sie allen Beteiligten einen Moment Zeit, sich ungestört miteinander zu beschäftigen, ohne Aufmerksamkeit auf die Kamera zu lenken und fangen Sie so zwischenmenschliche Momente ein. Dabei entstehen dann echte Gefühle, an die beim späteren Betrachten auch Erinnerungen geknüpft werden und die im Nachhinein einen wesentlich größeren Wert für die Familien haben.

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3. Aufbau eines Bildes
Für den Aufbau von Familienfotos gibt es unzählige Möglichkeiten. Familien mit nur einem Kind nehmen dies gern auf den Arm oder Schoß, aber je größer die Gruppe, desto größer ist auch die Herausforderung alle auf ein Bild zu bekommen.

Wenn es einen festen Anlaufpunkt wie eine Bank, ein Bett, oder eine Leiter gibt, fällt es Kindern leichter, sich mit ihren Geschwistern zusammenzustellen. Mitgebrachte Sitzgegenstände helfen zudem, wenn es draußen nass ist und sich niemand ins Gras oder auf eine Parkbank setzen mag.

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4. Orte und Hintergründe
Je mehr Personen auf einem Bild zusammenkommen, desto gleichmäßiger sollte der Hintergrund sein, sonst wird das Bild unruhig. Wenn sich die Familie Bewegung im Bild wünscht, ist es praktisch, die Fotosession ins Freie zu legen. Besonders kleinere Kinder fühlen sich nicht so beengt und können herumlaufen.

Große Weiten auf Wiesen und Feldern oder flächige Hintergründe wie Mauern eignen sich optimal, um den Fokus auf die Personen zu lenken. Ein weiterer Vorteil von hohen Mauern ist, dass Sie beim Fotografieren die Schattenseiten für ein gleichmäßiges Licht nutzen können.

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5. In Räumen fotografieren
Wenn in geschlossenen Räumen die Verbundenheit zwischen Familienmitgliedern gezeigt werden soll, eignen sich als Kulisse besonders gut Betten und Sofas. Hier kann gekuschelt oder eine wilde Kissenschlacht veranstaltet werden.

Soll der Fokus mehr auf gemeinsame Aktivitäten gelenkt werden, können Sie die Familie bei Reportagen zu Hause auch gemeinsam kochen oder backen lassen, lustige Bilder beim Baden oder Frisieren einfangen, oder beim Spielen im Kinderzimmer. Ziel ist hierbei, nicht perfekt in die Kamera zu lachen, sondern alltagsähnliche Situationen einzufangen. Lassen Sie für ausgelassene Momente einmal die Eltern ihren Kindern lustige Worte ins Ohr flüstern, das funktioniert regelmäßig.

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6. Tageszeiten
Da das Tageslicht morgens und abends am schönsten ist, eignen sich die Randtageszeiten besonders gut für Fototermine. Kleinere Kinder werden abends allerdings schnell müde und unzufrieden, weshalb sich in diesem Fall die Morgenstunden besser eignen.

Wenn Sie den Fokus einzelner Bilder einmal ganz auf die Aktion der Familienmitglieder und weniger auf deren Aussehen lenken möchten, versuchen Sie als Teil der Bildauswahl in der tiefstehenden Sonne doch einmal Schattenrissbilder. In diesen Motiven konzentriert sich alles auf den Moment.

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7. Abgestimmte Kleidung
Das Thema Kleidung spielt bei Familienfotos eine wichtige Rolle. Manchmal ist es nicht einfach, für alle Beteiligten ähnliche Kleidung zu finden, wenn einer es zum Beispiel sportlich und der andere klassisch mag. Für den Gesamteindruck eines Familienbildes bedeutet abgestimmte Kleidung aber einen großen optischen Unterschied.

Denn geht der Stil oder die Farbe der Kleidung zu sehr auseinander, wirkt das Bild am Ende nicht harmonisch. Der einfachste Weg ist dann, einen Blick in den Schrank zu werfen und zwei Farben auszuwählen, die für jeden Teilnehmer machbar sind. Die Faustregel ist hierbei, einen ähnlichen Stil und die Zahl der Farben so klein wie möglich zu halten.

Viele Familien verständigen sich auf Jeans und weißes Shirt, aber eine Farbkombination aus blau und weiß muss nicht zwingend bedeuten, dass alle gleich gekleidet sein müssen. Wichtig ist nur, dass sich jeder im selben Farbraum bewegt.

Wem dies zu eintönig erscheint, der kann eine andere Variante wählen und alle konsequent im selben Stil fotografieren. Kleidung in unterschiedlichen Pastelltönen wirkt zusammengenommen sehr stimmig, wie ein ähnlicher Kleidungsstil, der an eine bestimmte Epoche angepasst ist. Auch beim Thema Prints und Muster gilt: Weniger ist mehr.

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8. Alter der Kinder
Bei Familienfotos mit kleinen Kindern bestimmt das Alter des Nachwuchses einen großen Teil der Möglichkeiten. Mit Schulkindern ist praktisch alles möglich. Sie verstehen, worum es geht, und haben auch Spaß, an ausgefallenen Ideen mitzuwirken.

Bei kleineren Kindern hingegen braucht es häufig Überzeugungskraft oder viel Geduld. Wenn Kleinkinder überhaupt keine Lust dazu haben, die Fotoideen umzusetzen, hilft es manchmal nur, von der Situation abzulenken und ein Spiel aus dem Ganzen zu machen. Stillsitzen ist das, was zum Beispiel zweijährige Kinder am wenigsten mögen. Machen Sie dann aus der Not eine Tugend und fotografieren Sie in wilden Situationen wie beim Fangenspielen, beim Halten des Kindes über den Kopf oder anderen lustigen Spielen.

Wer sich perfekte und beherrschte Familienbilder wünscht, sollte deshalb warten, bis das Kind schon etwas verständiger ist. So lässt sich schlechte Stimmung vermeiden, und das Kind hat auch in kommenden Jahren noch Freude daran, fotografiert zu werden.

Bei mehreren Geschwistern auf einem Familienbild entstehen manchmal Konfliktsituationen, beispielsweise wird um den besten Platz gerangelt. Hier hilft es, Aufgaben zuzuteilen: Abwechselnd darf dann jeder einmal auf den Hocker, die Leiter oder was auch immer im Zentrum des Bildes steht. Ein Erwachsener sollte dabei die Anleitung übernehmen, damit sich die Dauer der Foto-Session nicht zu sehr in die Länge zieht.

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9. Perspektive wählen
Neben der klassischen Fotografie auf Augenhöhe lohnt es sich, auch mal radikal den Blickwinkel zu ändern und eine kleine Leiter im Gepäck zu haben. Dieses Motiv von oben gelingt allerdings eher mit etwas größeren oder ruhigen Kindern. Das Bild wirkt deshalb besonders zusammengehörig, weil sich die Köpfe der Familie berühren und sich alle an den Händen halten.

Auch für alle anderen Posen gilt, dass Körperkontakt den Bildern mehr Innigkeit verleiht, auch wenn es nur eine Hand auf der Schulter ist. Ein Vorteil dieses Blickwinkels ist auch, dass alle Beteiligten ihre Gesichter trotz des Größenunterschiedes in einer Ebene behalten und gleichmäßig scharf abgebildet werden.

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10. Details und Untergruppen
Die meisten Familien wünschen sich ein Gruppenbild, auf dem alle Beteiligten zu sehen sind, aber auch Bilder kleinerer Untergruppen haben ihren Reiz. Auch wenn Eltern dies nicht explizit wünschen, findet sich in Zweierkombinationen oft viel mehr Gefühl und Intimität als in großen Gruppen. Das kann eine Mutter und ihre Kinder sein, ein Vater, der mit seinem Kind tobt oder vielleicht einfach das Paar zu zweit.

Viele Eltern kommen gar nicht auf die Idee, im Trubel mit ihren Kindern einfach ein paar Bilder von sich in die Session mit einzubauen, sind aber am Ende glücklich, wenn es doch solche Bilder gibt.

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11. Blick in die Kamera
Ähnlich wie in der Hochzeitsfotografie gibt es viele Familien, die wollen, dass ihre Bilder modern und ungezwungen aussehen. Es ist wichtig, dass Sie dies beherzigen, aber einige vergessen darüber, dass zum Beispiel ältere Generationen einen ganz anderen Blick auf die Bilder haben. Und gerade Familienbilder werden oft verschenkt.

Manch älterer Beschenkter versteht dann nicht, warum Köpfe angeschnitten sind, die Kinder auf dem Bild rennen oder alle gemeinsam in die Ferne schauen. Deshalb ist es sicherer, wenn Sie wenigstens ein Motiv fotografieren, auf dem alle Beteiligten schlicht in die Kamera schauen, um für diejenigen mit konservativerem Blick ein "Kaminsimsbild" im Kasten zu haben.

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12. Außergewöhnliche Konstellation
Manchmal gibt es Familienkonstellationen, die etwas mehr Planung brauchen. Dazu zählen zum Beispiel Bilder mit Neugeborenen und sehr jungen Geschwistern. Kleinkinder können ihre neugeborenen Geschwister noch nicht sicher halten und die möglichen Posen sind deshalb eingeschränkt.

Ein anderer Fall ist, wenn Tiere und Kinder gemeinsam auf einem Bild erscheinen sollen. In diesem Fall ist es schwierig, alle so zu koordinieren, dass das Bild am Ende gelingt.

Ziehen Sie deshalb die Möglichkeit einer anschließenden Bildbearbeitung in Betracht, in der Sie einzelne Bilder zusammenfügen. Das Beispielbild habe ich mit Stativ aufgenommen und Kinder sowie Hunde einzeln mit dem Sofa fotografiert und später über Ebenen zusammengefügt. In manchen Fällen sollten Sie diese Technik schon aus Sicherheitsgründen nutzen.

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insgesamt 2 Beiträge
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Spügelleser 17.06.2018
1. Vorher/Nachher
M. E. entstehen die besten Bilder vor oder nach dem "richtigen" Bild. Benutzen sie am besten eine Kamera, die man mit einem kleinen Fernauslöser auslösen kann. Während sich die Familie "sortiert", machen sie schon mal Aufnahmen, genauso, nachdem sie "fertig" gerufen haben. Köstlich, was da mitunter herauskommt...
postit2012 18.06.2018
2.
Zitat von SpügelleserM. E. entstehen die besten Bilder vor oder nach dem "richtigen" Bild. Benutzen sie am besten eine Kamera, die man mit einem kleinen Fernauslöser auslösen kann. Während sich die Familie "sortiert", machen sie schon mal Aufnahmen, genauso, nachdem sie "fertig" gerufen haben. Köstlich, was da mitunter herauskommt...
Der "Renner" im Fotoalbum meiner Eltern ist eine Gruppenaufnahme mit meinem zurücklaufenden Vater, der den Selbstauslöser ein wenig knapp eingestellt hatte. Halt in Rückansicht.
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