Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Anrufe auf teure Nummern: Rätsel der Fritzbox-Attacken offenbar gelöst

Gekaperte Fritzboxen: Geheimnisvolle Telefonate Fotos

Das Rätsel um kostspielige Anrufe von gekaperten Fritzbox-Routern scheint gelöst. Der Hersteller AVM erklärte, es handele sich um einen Angriff auf eine Schwachstelle des Routers, und kündigte Updates an. Einem Bericht zufolge ist die Zahl der Betroffenen weit größer als bisher angenommen.

Hamburg - In Millionen Haushalten stehen Fritzbox-Router des deutschen Herstellers AVM. Seit einigen Tagen häufen sich Berichte, dass die Geräte von Unbekannten aus der Ferne gekapert und für kostenpflichtige Anrufe zu Mehrwertnummern missbraucht werden. Bislang war rätselhaft, wie die Angreifer an alle notwendigen Daten für diese Attacke kommen konnten, denn sie brauchten die IP-Adresse des Routers sowie Benutzernamen und mehrere Passwörter. Nun erklärt AVM-Sprecher Urban Bastert: "Uns ist es durch intensive Entwicklungsarbeit gelungen, das Angriffsmuster zu erkennen."

In einer Mitteilung auf der AVM-Website heißt es, die Täter hätten offenbar "über den Port 443 einen Angriff durchgeführt" und seien so in die Router eingedrungen. Die Mitteilung weiter: "Dabei konnten auch Passwörter entwendet werden." Im Klartext: Der Router hat offenbar eine Sicherheitslücke, die aber, so versichert Bastert "nur mit hoher krimineller Energie" ausgenutzt werden konnte.

Möglich war der Angriff nur bei jenen Nutzern, die den Fernzugriff auf ihre Fritzbox über eine https-Verbindung und den bewussten Port 443 aktiviert hatten. Bastert schätzt, dass "etwa 10 Prozent der Nutzer diesen Port aktiviert haben". Wird dieser Zugangsweg geschlossen, ist der Angriff AVM zufolge unmöglich. Standardmäßig ist er deaktiviert. AVM rät rät des Weiteren dazu, alle Passwörter zu ändern, die im Router gespeichert sind. Wer den Fernzugriff nie aktiviert hatte, muss sich nach derzeitigem Stand der Dinge keine Sorgen um seine Fritzbox machen.

Für ein bestimmtes Fritzbox-Modell mit der Modellnummer 7390 gibt es bereits ein Sicherheits-Update, das das Problem lösen soll, weitere sollen über das Wochenende folgen, wie AVM mitteilt.

Bislang hatte AVM von "einigen Dutzend Fällen" gesprochen. Einem Bericht von Radio Bremen zufolge sind jedoch weit mehr Fritzbox-Besitzer betroffen. Man gehe "derzeit von einer mittleren dreistelligen Zahl betroffener Kunden aus", zitiert der Sender einen Sprecher des Unternehmens Kabel Deutschland. Diese Zahl bezieht sich aber wohl nur auf Kunden dieses einen Internetanbieters.

Doch auch Kunden weiterer Provider sind betroffen, etwa von UnityMedia. Andere Anbieter, deren Kunden zum Teil ebenfalls Fritzboxen nutzen, erklärten Radio Bremen zufolge, ihnen seien derzeit keine Fälle bekannt: 1&1, Vodafone, die Telekom und die Telekom-Tochter Congstar. Es gibt allerdings Berichte über Kunden von Betreibern, die ebenfalls betroffen sein sollen. So berichtete "Der Westen" vergangene Woche von einem 1&1-Kunden, auf dessen Telefonrechnung sich durch Missbrauch seiner Fritzbox Kosten von über 4000 Euro angesammelt hatten.

cis

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 88 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wie wäre es von den Telefonanbietern ...
sbo 07.02.2014
... einfach bei den"bösen" Nummern nicht abzurechnen, wenn die doch bekannt sind. Aber ich in diesem Leben werde ich wohl logisch und menschlich denkte Großkonzerne nicht mehr erleben ;-)
2. wo bleibt jetzt der nutzen der vorratsdatenspeichErung
stabilobacter 07.02.2014
Wie lauten die ipadressen der hacker? Natuerlich, sind halt keine schuetzenswerten objekte, die daten und der besitz der buerger. Sowas geht nicht ohne spuren! Ist doch ein echter weckruf der vorfall oder nicht! ? Gruss stabilobacter
3. cw4tjcwj
mat_1972 07.02.2014
Also ich koennte mir gut vorstellen, dass das alles noch gespeicherte/abgegriffene Anmeldedaten aus dem Bestand der NSA sind..... und die haben wen beauftragt diese nun auszunutzen. Und warum sollten die das tun? Ganz einfach: Um alternative (wie in diesem Fall), deutsche Hersteller zu diskreditieren. Damit der Anwender auch schön die Zugangshardware/Router aus dem Hause "NSA" kauft. Und auf denen ist halt deren Spy-Ware schon fest implementiert. Klingt zu abgedreht? Wohl kaum.
4. .
TS_Alien 07.02.2014
Selbst bei den ganz Großen werden Attacken kaum zur Anzeige gebracht. Dabei muss man nur die ganzen mutmaßlichen Mittäter (z.B. Kontobesitzer, Betreiber der teuren Telefonanschlüsse, ...) ins Gefängnis bringen, sollte sich ihr Schuld beweisen lassen. Das dürfte aber nicht wirklich schwierig sein. Den Laien sollte man das Märchen vom Hacker aus der Ferne nicht mehr erzählen. Im aktuellen Fall wird so eine Box gekauft und offline bearbeitet. Das kann in vielen Fällen automatisch passieren, man benötigt noch nicht einmal Fachwissen dafür. Genauso läuft es bei Attacken auf Logins und Passwörter vieler Anbieter ab. Die Daten werden von einigen Mitarbeitern dieser Anbieter verkauft (auch kleinere Shops besitzen durchaus viele Logins) und offline geknackt (man muss mögliche Passwörter hashen und mit den gehashten Passwörtern vergleichen). Danach werden die gefundenen Passwörter bei anderen Anbietern ausprobiert. Ein paar Treffer sind immer dabei. Die Masse macht es.
5. Providerproblem
wolfi55 07.02.2014
Das Problem sind die Provider, die die Zugangsdaten aus der Ferne einspielen wollen und nicht den Kunden zukommen lassen. Deswegen muss dann der Zugang von außen offen sein. Sicher ist auch, wer keine IP-Telefonie auf dem Router laufen hat, was immer seltener wird.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Schad- und Spähsoftware
Klicken Sie auf die Stichworte, um mehr zu erfahren
Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: