Fujifilm X-M1 im Test Preiswerte Kamera trumpft mit Fujis Supersensor auf

Den viel gepriesenen X-Trans-Bildsensor hat Fujifilm bisher nur in Kameras eingebaut, die mehr als tausend Euro kosten. Die X-M1 ist deutlich günstiger, trotz Supersensor. Woran der Hersteller dafür spart, verrät der Test.

Konrad Lischka

Richtig billig ist die bisher günstigste Fujifilm-Systemkamera nicht: Knapp 800 Euro kostet die X-M1 im Paket mit dem preiswertesten Objektiv. Verglichen mit Kompaktkameras ist das viel Geld, aber die Bildqualität ist ungleich besser. In der Kamera steckt der gleiche X-Trans-Bildsensor wie in den viel teureren Modellen X-E1 (300 Euro Aufpreis) und X-Pro1 (700 Euro Aufpreis).

Dieser Fuji-Sensor liefert erstaunlich detailreiche, scharfe und bei niedriger ISO-Empfindlichkeit rauschfreie Dateien. Selbst bei höheren Empfindlichkeiten sind die Fotos immer noch rauscharm. So günstig wie in der X-M1 war diese Technik bislang nicht zu haben.

Bildqualität, Bedienung, Ausstattung - die Stärken und Schwächen der X-M1 im Überblick.

Das gefällt: Format, Bildqualität, Handhabung

Größe: Die X-M1 hat das kleinste Gehäuse aller Fujifilm-Kameras mit dem Supersensor. Sie ist deutlich kompakter als die X-E1, allerdings nur ein wenig leichter. Das ist keine Kamera für die Hosen- oder Jackentasche, aber man kann sie gut über der Schulter tragen und immer mitnehmen. Das ist deutlich angenehmer als mit Spiegelreflexkameras.

Guter Bildschirm: Wer mit der X-M1 fotografiert, ist beim Komponieren des Bildes allein auf den Monitor angewiesen. Einen Sucher gibt es nicht, Digitalsucher lassen sich auch nicht nachrüsten. Vielleicht hat Fujifilm der günstigen Kamera deshalb einen besseren Monitor spendiert als der teureren X-E1. Die Auflösung ist hoch, die Helligkeit lässt sich sehr stark hochregeln. Zudem kann man den Monitor nach unten und oben klappen, bis er im 90-Grad-Winkel vom Gehäuse absteht. Richtig eingestellt, kann man auf diesem Bildschirm auch bei strahlendem Sonnenschein trotz Spiegelungen und Reflexionen noch etwas erkennen. Optimal ist das nicht, aber besser als viele Konkurrenzmodelle.

Bildqualität: Die Aufnahmen sind überdurchschnittlich detailreich, klar und rauscharm für Kameras mit Bildsensoren dieser Größe. Das mit der Kamera im Paket verkaufte Zoom-Objektiv (XC 16-50 mm, f/3,5-f/5,6) liefert für eine solche Dreingabe überdurchschnittliche Abbildungsleistung - die Auflösung ist im Bildzentrum hoch, fällt zum Rand ab, aber nicht extrem. Mit besseren (allerdings teuren) Fujifilm-Objektiven ist mit der X-M1 noch mehr drin, das ist ein Vorteil des Sensors. Man kann auch in der Dämmerung und selbst nachts aus der Hand scharfe, nicht übermäßig verrauschte Fotos machen. Der Signal-Rauschabstand sinkt erst ab der hohen ISO-Empfindlichkeit von 3200 unter die kritische Grenze, ab der Störungen die Bildsignale überlagern.

Bedienung: Oft sparen Kamerahersteller bei günstigeren Modellen Bedienelemente ein. Wer weniger fürs Gehäuse zahlt, muss mehr mit Bildschirmmenüs arbeiten. Fujifilm geht da bei der X-M1 einen eigenen Weg. Bei einigen neuen günstigeren Objektiven, die zusammen mit der Kamera auf den Markt kommen, fehlt der Blendenring. Dafür kann man am Gehäuse der X-M1 manuell die Blende und die Belichtungszeit per Drehrad einstellen. Es gibt ein Rädchen für den rechten Daumen und eines für den Zeigefinger, zusätzlich zu zehn weiteren Schaltern und dem Moduswahlrad. Über diese Schnittstellen ist die X-M1 sehr gut zu bedienen. Kleines Manko: Die Funktionen der Drehräder lassen sich nicht neu programmieren.

Nicht so gut: Autofokus-Geschwindigkeit, WiFi-Funktion,

Autofokus: Die Geschwindigkeit beim automatischen Scharfstellen enttäuscht. Die X-M1 ist da noch etwas langsamer als die X-E1. Für Straßenfotografie reicht das meistens, für statische Motive ohnehin. Aber für Aufnahmen von Szenen mit schnellen Bewegungen ist die X-M1 nicht die erste Wahl. Es gibt viele Kameras mit vergleichbarer Sensorfläche, die schneller arbeiten. Bei anderen Fujifilm-Kameras mit ähnlichen Startproblemen haben nachträgliche Software-Aktualisierungen den Autofokus beschleunigt, vielleicht passiert das auch bei der X-M1.

Details bei der Ausstattung: Einige technische Details kann man kritisieren. Ob sie wirklich nachteilig sind, hängt aber vom persönlichen Arbeitsstil ab. Die digitale Wasserwaage fehlt, ein Digital-Sucher ist nicht nachrüstbar, ebenso die HDR-Automatik. Die Funktionen der Einstellrädchen sind fest vorgegeben, und die Kamera hat zwar ein W-Lan-Modul eingebaut, doch die entsprechende Fuji-Smartphone-App ermöglicht nicht die Fernsteuerung.

Vorteile, Nachteile, Fazit

hohe Bildqualität

sehr gute Handhabung

bislang kompaktestes Gehäuse der Fujifilm-Systemkameras

für die gebotene Qualität preiswert

gutes Kit-Objekitv

Autofokus vergleichweise langsam

Objektivauswahl klein, wenig Gebrauchtangebot, hohe Preise

Die X-M1 bietet eine überdurchschnittlich hohe Bildqualität für eine Kamera in dieser Preis- und Größenklasse. Sie ist eine gute Kamera für alle, die Wert auf hohe Bildqualität legen und mit Halbautomatiken oder manuellen Einstellmöglichkeiten arbeiten wollen.

Größtes Manko der Kamera ist momentan der Autofokus. Wer beispielsweise rennende Hunde fotografieren will, sollte abwarten, wie sehr sich die Geschwindigkeit des Geräts mit neuer Software und anderen Objektiven verbessert.

Kompakte Kameras: X-M1, EOS M und DP2 Merrill

Kamera Fujifilm X-M1 Canon EOS M Fujifilm X-E1 Sigma DP2 Merrill
günstigster Preis * (mit / ohne Objektiv) 1207,9 / 679 563 / - 1327,90 / 799 719
Maße (Gehäuse) 11,7 x 6,7 x 3,9 10,9 x 6,7 x 3,2 12,9 x 7,5 x 3,8 12,1 x 6,67 x 5,92
Volumen (Gehäusemaße), cm³ 305,721 233,69 367,65 477,78544
Gewicht (mit / ohne Objektiv, Gramm) 396 / 280 403 / 298 416 / 300 330
Objektiv Fujifilm Objektiv XF 18mm 2.0 Canon Objektiv EF-M 22mm 2.0 Fujifilm Objektiv XF 18mm 2.0 f/2,8
Objektiv (Brennweite kb.-äquivalent) 27 35 27 45
günstigster Preis Objekitv 575 231,46 575 -
Naheinstellgrenze (cm) 18 15 18 28
Auflösung (Megapixel) 16,3 18 16,3 15,3 / 46 (15,3 in drei Schichten)
Sensorgröße (cm²) 3,68 3,31 3,68 3,69
Megapixel pro cm² 4,43 5,43 4,43 4,15 / 12,46
Display (Diagonale Zoll / cm) 3 / 7,6 3 / 7,6 2,8 3 / 7,6
Display Auflösung (Pixel / Subpixel) 306.666 / 920.000 346.666 / 1.040.000 153.333 / 460.000 306.666 / 920.000
Dateiformat RAW / JPG RAW / JPG RAW / JPG RAW (derzeit nur mit Sigma-Software zu entwickeln) / JPG
Besonderheiten Display neigbar, kein Tiefpassfilter Touchscreen kein Tiefpassfilter, elektronischer Sucher, Mikrofonanschluss, Blitz kein Tiefpassfilter, Foveon X3 Bildsensor



insgesamt 19 Beiträge
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fs01 13.09.2013
1. Woran der Spiegel spart...
...ist offensichtlich: "An was der Hersteller dafür spart." An der Journalistenausbildung.
berns 13.09.2013
2. Schlecht.
Mit so einem "Monitor" ohne Spiegelreflexsucher kann man keine guten Fotos machen. Dieser Fotoapparat ist und bleibt etwas für "Amateur-Knipser".
kugelsicher, 13.09.2013
3. Merrill
Und selbst der so hoch gelobte X-Trans sieht gegen eine Merrill in der BQ kein Land. Es gibt einfach im bezahlbare Bereich keine bessere BQ als es der 46MP Foveon bei einer Merrill bietet. Nur leider hat sie dafür einige Nachteile, die wohl so manchen Käufer nicht glücklich werden lassen. Das ändert sich wohl erst, wenn mittelfristig auch andere Marken auf den 3 Schicht RGB Sensor setzen und das überzeugend umgesetzt bekommen. Dann wird wohl das Ende der Beyer Sensoren so langsam eingeläutet, zumindest wenn es um High End BQ geht.
vhn 13.09.2013
4. Fuji
Zumindest wird im Artikel deutlich, was lt. einhelliger Fachmeinung das größte Manko der Fujis ist: die AF-Geschwindigkeit. Das zweite Manko für den ambitionierten Fotografen ist die eingeschränkte Objektivauswahl. Der Vergleich zu M43 (Panasonic/Olympus) hinkt weil die Sensorfläche kleiner ist. Aber dort hat man mit Hochdruck an bezahlbaren Spitzenobjektiven gearbeitet. Man kauft nicht nur die Kamera, sondern das ganze System. Und da muss man z.Zt. bei Fuji und auch Sony bei teilweise sehr guten Systemkameras mit lichtschwachen oder durchschnittlichen oder eben gar nicht vorhandenen Objektiven leben. Wer 800 € aufwärts für eine Kamera investiert, der weiß meist auch gutes Glas zu schätzen.
swnf 13.09.2013
5. Wieso nicht?
Zitat von bernsMit so einem "Monitor" ohne Spiegelreflexsucher kann man keine guten Fotos machen. Dieser Fotoapparat ist und bleibt etwas für "Amateur-Knipser".
Etwas mehr über Ihre Gründe, wieso man ohne Spiegelreflexsucher Ihrer Meinung nach keine guten Fotos machen kann, hätte mich schon interessiert! Viele der weltbesten und bekanntesten Fotos wurden ohne Spiegelreflexsucher gemacht!! Zugegebenermaßen aber auch nicht mit Monitor, aber der zeigt immer noch mehr als jeder Sucher einer Sucherkamera ...und mehr hat eine Leica M6 auch nicht! Aber die war dann logischerweise ja auch Mist, oder?
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