Fujifilm XF1: Kunstleder-Kamera versenkt das Objektiv

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Zoomring, Lederoptik, aber kein Sucher: Die Kompaktkamera Fujifilm XF1 hat eine ausgefallene Gestaltung. Wie gut Objektiv und Bildsensor zusammenarbeiten, verrät unser Test.

Fujifilm XF1: So fotografiert die kompakte Kunstleder-Kamera Fotos
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Ein Kameragehäuse, überzogen mit rotem oder beigefarbenem Kunstleder - derzeit experimentiert kein Kamerahersteller so sehr wie Fujifilm bei der Gestaltung neuer Fotoapparate.

Von der Farbpalette des Gehäuses abgesehen (es gibt auch einen konservativen Schwarzton) hat die XF1 einige technische Neuerungen: Der Bildsensor (baugleich mit dem der Fujifilm X10) ist mit 0,58 Quadratzentimetern vergleichsweise groß für eine Kompaktkamera. Das Vierfach-Zoomobjektiv lässt sich fast vollständig im Gehäuse versenken. Zum Fotografieren zieht und dreht man es heraus, schaltet damit die Kamera ein - einen Einschaltknopf gibt es nicht.

Objektiv-Versenkung, 2/3-Zoll-Sensor, große Blendenöffnung - was bietet die X10?

Das gefällt: Bedienung, Bildqualität, Objektiv

Handhabung: Trotz eigenwilliger Gestaltungselemente ist die XF1 im Grunde eine traditionell gestaltete Kompaktkamera - im besten Sinne. Schalter und Drehräder rufen viele Kamerafunktionen direkt auf. So ist die Kamera (mit etwas Übung) schneller einzustellen als per Menüwechsel. Über ein Moduswahlrad wechselt man zwischen Motivprogrammen, Voll- und Teilautomatik. Mit einem für den rechten Daumen gut zu erreichendem Drehrad an der Rückseite des Gehäuses stellt man je nach Programm Parameter wie Blendenöffnung oder Verschlusszeit ein. Ein Vier-Wege-Schalter führt zu Makromodus, Blitzautomatik und so weiter. Die Bedienung ist übersichtlich und logisch gestaltet - überraschend bei der Fülle an Funktionen. Es geht auch sehr gut ohne Touchscreen.

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Der Verzicht auf einen Einschaltknopf erleichtert die Bedienung nicht. Die nötige Bewegung des Objektivs (leicht drehen, dann ziehen, dann weiter drehen) ist schnell erlernt. Allerdings muss man die XF1 immer mit zwei Händen halten, um sie einzuschalten. So ist das auch beim Zoomen. Man verändert die Brennweite der XF1 durch das Drehen des Zoomrings, wie bei Objektiven an Spiegelreflexkameras - so kann man schneller zoomen.

Bildqualität: Der Bildsensor der XF1 ist mit 0,58 Quadratzentimetern Oberfläche etwas größer als bei den meisten Kompaktkameras. Die Bildqualität der XF1 ist für eine Kompaktkamera überdurchschnittlich hoch. Im Vergleich zu Modellen wie der Samsung EX1 ist bei ISO-Empfindlichkeiten über 400 (also der typischen Einstellung bei Nachtaufnahmen aus der Hand) auf den Aufnahmen der XF1 deutlich weniger Rauschen zu sehen. Es bleiben dennoch mehr Details erhalten. Im Vergleich zu Spitzenmodellen im Kompaktbereich wie der Canon S95 ist der Abstand allerdings nicht ganz so groß.

Objektiv: Der größere Sensor und die sehr weite Blendenöffnung (f/1,8 im Weitwinkel) des Objektivs ermöglichen es, bei Aufnahmen mit der XF1 ein Motiv im Vordergrund gezielt scharf zu stellen und alles dahinter in Unschärfe verschwimmen zu lassen. Der Kontrast von Schärfe und Unschärfe ist nicht so hoch wie bei Kameras mit größeren Bildsensoren wie der Sony RX100 oder Sony Nex-5N, aber durchaus sichtbar. Das Objektiv der XF1 ist universell einsetzbar: Man kommt sehr nah (drei Zentimeter) an Motive heran, kann im Weitwinkelbereich Landschaften fotografieren und mit dem Fünffach-Zoom im Zoo experimentieren.

Nicht so gut

ISO-Reihe: Aufnahmen der XF1 mit ISO 400, 800, 1600 und 3200 (von links nach rechts) Zur Großansicht
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ISO-Reihe: Aufnahmen der XF1 mit ISO 400, 800, 1600 und 3200 (von links nach rechts)

Nachttauglichkeit: Trotz des etwas größeren Bildsensors ist die XF1 eine Tageslichtkamera. Man kann auch bei Nacht fotografieren, die Aufnahmen sind gut zu gebrauchen, solange man sie nicht in voller Größe betrachtet zeigt und mit Weitwinkel-Brennweite aufnimmt. Denn im Zoombereich schrumpft die größtmögliche Blendenöffnung der XF1 stark, auf letztlich nur f/4,9 bei 100 mm. Da sind andere Kompaktkameras besser, bei der Panasonic LX7 zum Beispiel fällt auch im Zoombereich (90 mm) durch die weit geöffnete Blende (f/2,3) viel Licht auf den Sensor.

Preis-Leistungs-Verhältnis: Die XF1 ist nicht gerade preiswert. Die etwas ältere Kompaktkamera Canon S95 kostet im Handel fast 150 Euro weniger, sie bietet eine geringfügig niedrigere Bildqualität und einen ähnlichen Brennweitenbereich. Am oberen Ende liegt die Sony RX100, die Kompaktkamera mit der derzeit besten Bildqualität - sie kostet derzeit 120 Euro mehr als die XF1 und ist eher als Universalkamera geeignet.

Vorteile, Nachteile, Fazit

gute Handhabung

außergewöhnliches Design

für eine Kompaktkamera überdurchschnittliche Bildqualität

Objektiv mit großem Brennweitenbereich

für Aufnahmen bei wenig Licht nur bedingt geeignet

günstigere Kompaktkameras bieten ähnliche Leistung

kein Sucher

Fazit: Die XF1 ist eine überdurchschnittlich gute Kompaktkamera: Der im Vergleich zu anderen Kompakten etwas größere Bildsensor bringt allerdings keinen immensen Qualitätsvorsprung, perfekte Nachtaufnahmen schafft die XF1 nicht. Es gibt einige etwas ältere, etwas günstigere Kompaktkameras mit ähnlichem Funktionsumfang, zum Beispiel die Canon S95. Das Alleinstellungsmerkmal der XF1 ist die außergewöhnliche Gestaltung. Letztlich muss man sich entscheiden, ob das versenkbare Objektiv, das Metallgehäuse und die Kunstlederoberfläche den Aufpreis wert sind.

Das sagen die anderen: Dxomark hat den Sensor der Fujifilm X10 getestet (baugleich mit dem der XF1). Ein Vergleich mit den Werten der Canon S95 und der Sony RX100 zeigt, dass die XF1 näher an der Bildqualität einer sehr guten Kompaktkamera ist als an der von Modellen mit größerem Bildsensor. Photographyblog.com lobt die Bildqualität, bemängelt das unnötig komplizierte Einschalten der Kamera per Objektivdrehung. Cnet Asia preist das Design und kritisiert die durchschnittliche Bildqualität bei erhöhter ISO-Empfindlichkeit.

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Kompaktkameras: Fujifilm, Sony, Olympus & Co.
Kamera Fujifilm XF1 Panasonic GF5 Canon S100 Panasonic LX7 Sony RX100
günstigster Preis * (mit / ohne Objektiv) 416,47 529 / 239 333 421 540
Maße (Gehäuse) 10,79 × 6,15 × 3,3 10,8 x 6,7 x 3,7 9,9 x 6 x 2,8 11,1 x 6,7 x 4,6 10,2 x 5,8 x 3,6
Volumen (Gehäuse-
maße), cm³
218,97 238,788 166,32 342,1 212,96
Gewicht (mit / ohne Objektiv, Gramm) 204 320 / 225 198 269 213
Objektiv fest verbaut Lumix G X Vario PZ 14-42mm 3.5-5.6 OIS fest verbaut fest verbaut fest verbaut
Objektiv (Brennweite kb.-äquivalent) 25 - 100 mm, f/1,8 - f/4,9 28 - 84 / f/3,5-5,6 24 - 120 mm, f/2-f/5,9) 24 - 90 mm, f/1,4 - f/2,3 28 - 100 mm, f/1.8 - f/4,9
günstigster Preis Objekitv - 279,99 - - -
Naheinstell-
grenze (cm)
3 20 3 1 25 cm
Auflösung (Megapixel) 12 12,1 12,1 10,1 20,1
Sensorgröße (cm²) 0,58 2,25 0,45 0,45 1,16
Megapixel pro cm² 20,69 5,38 26,89 22,44 17,33
Display (Diagonale Zoll / cm) 3 / 7,6 3 / 7,6 3 / 7,6 3 / 7,6 3 / 7,6
Display Auflösung (Pixel / Subpixel) 153.333 / 460.000 306.666 / 920.000 153.333 / 460.000 306.666 / 920.000 409.666 / 1.229.000
Dateiformat RAW/JPG RAW/JPG RAW/JPG RAW/JPG JPG/RAW
Besonderheiten Versenkbares Objektiv, Einschalten per Objektivdrehung, integrierter Blitz Touchscreen, integrierter Blitz integrierter Blitz integrierter Blitz integrierter Blitz
* günstigster Preis im deutschen Online-Handel (laut geizhals.at, Stand 22.11.2012)

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Freistellung mit 2/3
EchoRomeo 27.11.2012
Selbst bei Anfangsöffnung 1.8/25mm entspricht das bei Crop 3.6 (leider) einer Blendenwirkung die mit der eines normalen Objektivs gleicher Brennweite bei f6,5 identisch (bei 100mm=f18) ist. Die Behauptung "Freistellen möglich" ist also eher eine Art verbaler Marketinggag.
2. Lob
Der Copytexter 27.11.2012
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEZoomring, Lederoptik, aber kein Sucher: Die Kompaktkamera Fujifilm XF1 hat eine ausgefallene Gestaltung. Wie gut Objektiv und Bildsensor zusammenarbeiten, verrät unser Test. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/fujifilm-xf1-a-868446.html
Bei all dem Gemecker, das regelmäßig nach solchen Tests stattfindet, möchte ich ungeachtet dieser speziellen Kamera auch mal ein Lob dafür aussprechen, dass sich bei SPON offenbar die Angabe der Sensorgröße in cm² und der Pixeldichte durchgesetzt hat. Da dies mit die wichtigsten Basisdaten bei Digitalkameras sind, kann man nur hoffen, dass weitere Publikationen diesem Beispiel folgen.
3.
neu_ab 27.11.2012
Ich finde meine XF1 jedenfalls cool. Übrigens, das eine Bild im Artikel hat je ne miese Qualität. Handyfoto?
4.
IGEL-SPONLINE 27.11.2012
Zitat von Der CopytexterBei all dem Gemecker, das regelmäßig nach solchen Tests stattfindet, möchte ich ungeachtet dieser speziellen Kamera auch mal ein Lob dafür aussprechen, dass sich bei SPON offenbar die Angabe der Sensorgröße in cm² und der Pixeldichte durchgesetzt hat. Da dies mit die wichtigsten Basisdaten bei Digitalkameras sind, kann man nur hoffen, dass weitere Publikationen diesem Beispiel folgen.
Richtig, lieber Fotofreund! Schamlose und unfaire Vergleiche, erfüllt eine Neuerscheinung nicht alle Attribute eines Überfliegers, einer eierlegenden Wollmlichsau, einer Wunderoptik, welche alles bisher dagewesene in den Schatten stellt. Ich halte bei dieser Kamera dagegen: Ein Fotoapparat, der endlich wieder wie ein Fotoapparat aussieht und nicht wie eine über-designete Ergonomie-Skulptur aus dahingeschmolzenem Plastik. Statt dessen gerade klare Linien mit Ecken und Kanten aus hartem Metall, die ein sinnliches Gefühl dessen vermitteln, was man in der Hand hält. Ich frage mich ja, wo bei dieser Kamera zwischen eingefahrenem Objektiv und Display, zwischen Batterie- und Speicherkartenschacht (http://s14.directupload.net/images/121127/ivc4yp6t.jpg) überhaupt noch ein Raum für die komplexe Elektronik bleibt? Respekt kann ich da nur noch sagen... Zu gern würde ich mir das Wunderkästchen als ständigen Begleiter tagsüber in die Hemdentasche stecken, statt mich beispielsweise gleich mal darüber zu mokieren, dass die Konkurrenz etwas bessere Bilder bei Nacht macht, etc., pp. Auf den ersten Blick eine wunderschöne Kamera, läd direkt zum selber-testen ein...
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Fototechnik-Fachbegriffe
Konrad Lischka
Klicken Sie auf die einzelnen Begriffe, um die Definitionen zu lesen
Brennweite
Konrad Lischka
Die Brennweite gibt eine Entfernung innerhalb des Objektivs einer Kamera an. Genauer: Die Brennweite ist der in Millimetern angegebene Abstand zwischen der Mittelachse der Linse und der Stelle, wo das einfallende Licht auf Sensor oder Film trifft. Relevant ist das für die Bildgestaltung so: Je höher die Brennweite, desto näher wird das abgebildete Objekt herangezoomt.

Die Brennweite verändert auch die Bildwinkel der Aufnahme. Hier spielen aber auch die verschiedenen Aufnahmeformate (sprich: Wie groß ist das auf den Sensor der Kamera einfallende Bild?) eine Rolle. Deshalb geben Hersteller meistens die sogenannte kleinbildäquivalente Brennweite (Equiv.135) an.

Kleinbildbrennweiten werden mit Werten wie zum Beispiel 24-60 mm bei digitalen Kompaktkameras angeben. Wenn ein solches Objekt den Bereich zwischen 17 und 35 mm umfasst (siehe Foto: links 35 mm, rechts 28 mm), sind Weitwinkelaufnahmen möglich (hilfreich, um zum Beispiel Menschengruppen oder Bauwerke aus nicht allzu großer Entfernung aufzunehmen), ab 50 mm ist man schon im leichten Telebereich.
Blendenöffnung
Für eine Kamera ist die Blende, was die Iris für das Auge ist: Diese Öffnung hat eine veränderbare Größe, und je größer sie ist, desto mehr Licht fällt ein. Bei kompakten Digitalkameras kann die Blende manchmal, bei Spiegelreflexkameras meistens auf Wunsch manuell eingestellt werden. Angegeben wird sie dabei mit der sogenannten Blendenzahl (wie um Beispiel 8, 5,6 oder 2,8).

Je größer die Blendenzahl (oft angegeben mit f/Blendenzahl), umso kleiner ist die Blendenöffnung. Konkret: Bei der Blendenzahl 4 ist die Blendenöffnung doppelt so groß wie bei der nächst höheren Blendenzahl 5,6. Die Blendenzahlen beruhen auf einer mathematischen Formel, nach der sich die sogenannte Blendenreihe berechnet. Hier verkleinert sich von Stufe zu Stufe die Blendenöffnung (0,5 / 0,7 / 1 / 1,4 / 2,8 / 4 usw.

Mehr Licht durch eine große Blendenöffnung ermöglicht eine kürzere Verschlusszeit. Eine möglichst kurze Verschlusszeit ist nötig, um sich schnell bewegende Objekte möglichst scharf aufzunehmen. Wer zum Beispiel einzelne Szenen eines Basketballspiels einer nicht allzu hell beleuchteten Sporthalle aufnehmen will, kann eine kleinere Blendenzahl (also eine größere Blendenöffnung) wählen und dafür die Verschlusszeit verkürzen. Als Richtwert gilt dabei: Ein Stufe abwärts in der Blendenreihe erlaubt eine gleichzeitige Halbierung der Belichtungszeit.

Gleichzeitig beeinflusst die Größe der Blendenöffnung die sogenannte Schärfentiefe. Grundregel: Je kleiner die Blendenzahl (und je größer somit die Blendenöffnung), desto geringer die Schärfentiefe. Geringe Schärfentiefe bedeutet: Das Motiv im Vordergrund ist scharf, der Hintergrund ist unscharf. Große Schärfentiefe bedeutet, dass die Partien im Vorder- und Hintergrund scharf auf dem Bild erscheinen.
Verschluss-/ Belichtungszeit
Wie lange die Blende geöffnet ist, wie lange also Licht auf den Sensor der Kamera fällt, gibt die Belichtungszeit an. Je länger diese Verschlusszeit ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor.

Diese Verschlusszeit wird meistens in Sekundenbruchteilen angegeben. 1/1000 ist zum Beispiel eine tausendstel Sekunde. Bei Kompaktkameras kann die Verschlusszeit manchmal, bei Spiegelreflexkameras immer auch manuell eingestellt werden. Angeben wird sie in Zeitstufen (wie 0,5"; 1/4; 1/8; 1/15; 1/30; 1/60; 1/125 usw.). Je größer die Zeitstufe, umso länger ist der Verschluss geöffnet.

Bei einer kurzen Verschlusszeit erscheinen auf dem Bild sich schnell bewegende Objekte scharf, bei längeren Verschlusszeiten wirken sie verwischt, das ist die sogenannte Bewegungsunschärfe. Verwendet man bei solchen Aufnahmen mit längeren Belichtungszeiten kein Stativ oder zumindest eine feste Unterlage für die Kamera, verwackeln die Aufnahmen oft durch die Bewegung der Hand. Ruht die Kamera auf einer festen Unterlage, kann man mit längeren Belichtungszeiten zum Beispiel Autos auf Fotos verwischt erscheinen lassen, während alle statischen Objekte in der Umgebung scharf erscheinen.

Bei sehr kurzen Belichtungszeiten ist eine starke Beleuchtung oder eine entsprechend große Blendenöffnung nötig, um ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Grundregel: Stellt man eine Zeitstufe größer ein, kann man eine Blendenzahl weniger einstellen.
Schärfentiefe
Konrad Lischka
Schärfentiefe meint den Bereich in einer bestimmten Entfernung der Kamera, der auf dem Foto als scharf erscheint - je größten dieser Entfernungsbereich ist, umso größer ist die Schärfentiefe.

Konkret: Geringe Schärfentiefe bedeutet, dass das Motiv im Vordergrund scharf, der Hintergrund aber unscharf ist. Große Schärfentiefe bedeutet: Die Partien im Vorder- und Hintergrund erscheinen auf dem Bild scharf. Die Schärfentiefe eines Bildes hängt unter anderem von der Größe der Blendenöffnung ab, aber auch von der Brennweite des Objektivs und dem Bildformat beziehungsweise der Sensorgröße.
Sensorgröße
Die Größe des Fotosensors einer Digitalkamera beeinflusst neben anderen Faktoren die Qualität der Fotos. Angegeben wird die Größe oft in Standardgrößen wie 1/2,3 Zoll oder 1/1,7 Zoll. Diese Größen sind von einem Format für TV-Kameras aus den fünfziger Jahren übernommen, haben keinen direkten Zusammenhang mit der Oberfläche des Sensors.

Einige Beispiele für Sensorgrößen:

- 1/2,3", z.B. Pentax Q: 0,28 cm²
- 1/1,7", z.B. Canon G12, Canon S100: 0,43 cm²
- 2/3", z.B. Fujifilm X10:0,58 cm²
- 1", z.B. Nikon J1, Sony RX100: 1,16 cm²
- 4/3", z.B. Panasonic GF3: 2,25 cm²
- Canon G1X: 2,62 cm²
- Canon APS-C, z.B. 7D: 3,32 cm²
- Nikon DX, z.B. Nikon D90: 3,72 cm²
- Sony APS-C, z.B. Nex-5n: 3,81 cm²
- Kleinbild-Vollformat, z.B. Canon 5D Mark II, Nikon D700, Sony A900: 8,64 cm²
- Mittelformat, z.B. Pentax 645D: 17,28 cm²

Ein Problem bei der Sensorgröße entsteht, wenn auf der gleichen Fläche immer mehr Fotodioden untergebracht werden. Sprich: Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung (gemessen in Megapixel) wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Fotodioden auf einer kleineren Oberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jede einzelne der Fotodioden, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen, das sogenannte Bildrauschen, mit sich bringt.
Lichtempfindlichkeit / ISO-Wert
Konrad Lischka
Wie lichtempfindlich Filmmaterial ist, wird unter anderem mit den sogenannten ISO-Werten angegeben. Ein Film mit ISO 200 ist doppelt so lichtempfindlich wie ein ISO-100-Film, bei ISO 400 verdoppelt sich die Lichtempfindlichkeit gegenüber ISO 200 und so weiter.

Bei Digitalkameras haben die Hersteller diese Skala übernommen, um die Empfindlichkeit anzugeben. Wenn in einem dämmrigen Umfeld die Verschlusszeit wegen Verwacklungsgefahr nicht stark genug erhöht werden kann und eine allzu große Blendenöffnung wegen des Verlusts an Schärfentiefe nicht erwünscht ist, kann die Empfindlichkeit erhöht werden, um eine ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Hebt man die ISO-Stufe um einen Schritt an, kann die Verschlusszeit zum Beispiel um einen Schritt vermindert werden.

Bei Digitalkameras verstärkt die Software das auf dem Sensor eingehende Signal. Dabei verstärkt die auch die Störungen, das sogenannte Bildrauschen nimmt zu.
Megapixel
Der Megapixel-Wert gibt die Auflösung einer Digitalkamera an, also wie viele Bildpunkte der Sensor erfasst. Ein Megapixel entspricht einer Million Bildpunkte. Aus der Pixelmenge resultiert die Rasterung beim Druck der Fotos - je höher die Auflösung, desto größer können die Fotos gedruckt werden, ohne dass die Pixel sichtbar werden.

Laut Kodak genügt für einen Ausdruck in A4-Format (20x30 cm) in guter Qualität eine Auflösung von 1920 x 1280 Pixeln (2,4 Megapixel), für optimale Qualität ist eine Auflösung von 2160 x 1440 Pixeln (3,1 Megapixel) nötig.

Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Bildpunkten auf einer kleineren Sensoroberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jeden einzelnen der Bildpunkte, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen durch das sogenannte Bildrauschen mit sich bringt.
Bildrauschen
Konrad Lischka
Die Ursache für das Bildrauschen sind physikalische Effekte auf dem Bildsensor und den dort untergebrachten Fotodioden, vor allem den sogenannten Dunkelstrom. Wie stark diese Effekte im Foto sichtbar (siehe Foto mit 1600 ISO) sind, hängt von mehren Faktoren ab:

- Bei gleicher Auflösung rauschen Sensoren mit kleinerer Oberfläche stärker als größere.

- Je stärker die Lichtempfindlichkeit der Kamera eingestellt ist, umso stärker ist das Rauschen, da das vom Sensor eingehende Signal verstärkt wird - einschließlich der Störungen.

- Je wärmer der Sensor ist, umso stärker ist das Bildrauschen.

Digitalkameras nutzen diverse Software-Routinen, um das Bildrauschen schon beim Abspeichern einer Aufnahme herauszurechnen. Die Hersteller nutzen verschiedene Verfahren mit unterschiedlichen Ergebnissen. Manchmal beeinträchtigt die Rauschunterdrückung wiederum die Schärfe eines Bildes sichtbar.

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