Von Matthias Kremp
In der Android-Szene rumort es seit Wochen: Der koreanische Elektronikkonzern Samsung hat eine Ankündigung angekündigt. Am 3. Mai werde das Unternehmen in London eines seiner Unpacked-Events veranstalten. Der Konzern nutzt solche Termine regelmäßig, um seine neuen Top-Produkte vorzustellen. Worum es dieses mal gehen wird, da ist man sich im Web einig: Samsung wird das Galaxy S3 vorstellen, sein neues Highend-Android-Smartphone - und gleichzeitig sein Gegenstück zu Apples nächstem iPhone.
Einigen Pressevertretern hatte Samsung bereits am 16. April Einladungen zu der Veranstaltung geschickt. Die Betreffzeile: "Come and meet the new Galaxy". Kurz darauf startete die Website tgeltaayehxnx.com, deren Titel ein Anagramm "The next Galaxy" ist. Zu sehen ist dort ein kurzes Video mit Marketingsprüchen und einem Seitenhieb gegen Apple, wenn man so will. Denn zum Schluss wird zu Bildern einer Schafherde der Text: "Jetzt kannst Du ich von allen anderen abheben" eingeblendet.
Viel mehr wollte Samsung offenbar nicht verraten. Wie gut diese Taktik funktioniert und wie sehr Smartphone-Interessierte auf Neuigkeiten warten, zeigt sich daran, wie viel trotzdem über das mutmaßliche Galaxy S3 geschrieben wird. Das Informationsverknappungs-Marketing der Koreaner funktioniert fast so gut wie das von Apple.
Vorbestellungen werden entgegengenommen
Vor Tagen schon kursierte im Web ein in Vietnam gedrehtes Video, in dem angeblich ein Galaxy S3 zu sehen sein soll. Die Qualität des Filmchens ist allerdings sehr schlecht, das Bild ist dunkel, von dem Gerät selbst, ist kaum etwas zu sehen. Mehr zeigen einige Fotos des Geräts auf derselben Website, die unter anderem die Modellbezeichnung (GT-i9300) und einen Speicherkartenslot zeigen. Mittlerweile sind Video und Bilder von der vietnamesischen Website Tinhte allerdings wieder verschwunden.
Dafür tauchten erneut Bilder auf, die das S3 zeigen sollen. Und sogar Benchmarks, also Leistungsmessungen, die angeblich von dem nächsten Samsung-Handy stammen, sind im Netz aufgetaucht. Web-Versender Amazon hat das eigentlich so geheime Handy sogar schon im Angebot. Zwar ohne Foto, dafür aber mit Preis und technischen Daten.
Sollten diese Angaben stimmen, wird das neue Galaxy ein ziemlicher Klopper. Die Bildschirmdiagonale wird mit 4,7 Zoll angegeben, was nur 1,5 Zentimeter weniger sind als beim Tablet/Smartphone-Hybrid Galaxy Note. Dass Samsung die besonders kontraststarke Amoled-Technik für das Display verwendet, wundert kaum. Die Kamera wird mit zwölf Megapixel Auflösung angeben, so wie jene im Sony Xperia S. Der erweiterbare Speicher umfasst 16 GB, als Betriebssystem ist Android 4.0 angegeben.
Doppelt so schnell, weniger Stromhunger
Die vielleicht wichtigste Information hat Samsung dann aber doch selbst herausgegeben: Als Prozessor kommt im S3 ein neuer Quadcore-Chip zum Einsatz, der 1,4 GHz schnelle Exynos 4 Quad. Die Bauteile auf dem Chip sind in einer für Samsung neuen Technik aufgebaut, die kleinere Strukturgrößen und damit mehr Bauteile pro Flächeneinheit ermöglicht (32 Nanometer). Laut Samsung soll er dadurch doppelt so leistungsfähig wie seine Dualcore-Vorgänger sein und dennoch 20 Prozent weniger Strom verbrauchen.
Zudem basiert der Exynos 4 Quad auf der vom britischen Halbleiterkonzern ARM entwickelten Cortex-A9-Technik. Damit haben die Koreaner einen ordentlichen Vorsprung vor der Konkurrenz. Apples A5X-Chip im neuen iPad beispielsweise basiert zwar auch auf diesem ARM-Design, hat aber nur zwei Kerne und wird noch in 45 Nanometer-Technik gebaut - von Samsung.
Daran, dass der Exynos 4 Quad das Galaxy S3 antreiben wird, lässt Samsung keinen Zweifel, heißt es in einer Pressemitteilung zum Chip doch: "Der Exynos 4 Quad wird bereits hergestellt und ist dafür vorgesehen, in Samsungs nächstem Galaxy-Smartphone verwendet zu werden, das im Mai offiziell vorgestellt wird."
Bleibt's dabei?
Ob es am 3. Mai in London allerdings bei einem neuen Produkt bleiben wird, wird aus Samsungs Botschaften nicht klar. Auch ein neues 10-Zoll-Tablet könnte kommen, orakelt "Cnet Asia" und stellt selbst die berechtigte Frage, wie so etwas noch in Samsungs ohnehin üppiges Tablet-Portfolio einsortiert werden soll. Wahrscheinlicher ist, dass der Konzern frühere Ankündigungen wahr macht und seinen eigenen Internet-Datendienst - die "Galaxy Cloud" - ankündigen wird.
Was Samsung aber tatsächlich in London zeigt, werden wir erst am 3. Mai sicher wissen. SPIEGEL ONLINE wird vor Ort sein und von dem Event berichten.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Textes hieß es, Apples A5X basiere auf einem älteren Chip-Design als dem ARM Cortex A9. Wir haben das korrigiert und bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.
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