Virtueller Assistent Bixby Samsung will Apples Siri übertrumpfen

Nächste Woche stellt Samsung das neue Galaxy S8 vor. Dass künstliche Intelligenz darauf eine wichtige Rolle spielen wird, wurde bereits vermutet. Jetzt wird klar: Der Konzern hat Größeres vor.

Samsung Galaxy S7 unter Wasser
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Samsung Galaxy S7 unter Wasser

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Seit Wochen brodelt es in der Gerüchteküche: Wie wird Samsungs neues Smartphone-Flaggschiff Galaxy S8 aussehen? Und was kann es? Beobachter waren sich einig, dass ein neuartiger virtueller Assistent ein Kernstück des Geräts sein wird. Auch dessen Name war schon durchgesickert: Bixby. Eine Woche vor der Präsentation des S8 in New York hat der Konzern die Gerüchte nun selbst bestätigt.

Mit einer schlichten Pressemitteilung erklärt Forschungschef Injong Rhee, was es mit Bixby auf sich haben soll. Der Tenor des Schreibens: Bixby ist besser und kann mehr als die Konkurrenz. Alles andere wäre bei Samsung auch verwunderlich gewesen. Das Unternehmen ist nicht gerade für Bescheidenheit bekannt.

Umso erstaunlicher, dass Injong Rhee sich heftig über die Komplexität der Benutzeroberflächen moderner Smartphones beklagt: "Die Oberflächen solcher Geräte werden zu kompliziert", schreibt er und erklärt, dass man entweder sehr viele Funktionen auf einem kleinen Bildschirm unterbringen oder diese tief verschachtelten Menüstrukturen verbergen muss. Für die Anwender werde es immer schwieriger, die Bedienung neuer Geräte zu erlernen.

Da kann man dem Samsung-Manager recht geben. Die von ihm beschriebene Entwicklung ist der zunehmenden Reife der Smartphone-Technik zuzuschreiben. Wenn man das erste iPhone als Startpunkt dessen ansieht, was heute ein Mobiltelefon definiert, mühen sich die Hersteller seit zehn Jahren ab, einander mit immer neuen Funktionen und Optionen zu übertrumpfen. Aus den einst noch recht übersichtlichen Smartphones sind regelrechte Funktionsmonster geworden, Universalmaschinen, die möglichst viele Wünsche befriedigen sollen - und deshalb immer komplizierter werden.

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Mit dem virtuellen Assistenten Bixby will Samsung dieses Problem nun lösen, verspricht Injong Rhee. Er zählt drei Kompetenzen auf, die Bixby besser machen sollen als Googles Assistant und Apples Siri:

  • Während man mit anderen virtuellen Assistenten nur wenige Funktionen von Apps steuern kann, soll Bixby die Apps komplett durchdringen und vollständig per Sprache bedienbar machen. Ein schönes Versprechen, das nur eingelöst werden kann, wenn die jeweilige App an Bixby angepasst worden ist, was Zeit und den Willen der Entwickler braucht.
  • Bixby soll der jeweiligen Situation entsprechend agieren können, also abhängig davon, in welcher App man gerade aktiv ist und was man dort tut. Vollkommen klar wird aus der Pressemitteilung nicht, was damit gemeint ist. Unter anderem offenbar die Möglichkeit, nahtlos zwischen Sprachsteuerung und Fingerbedienung wechseln zu können.
  • Als kognitive Toleranz bezeichnet Injong Rhee die Fähigkeit des virtuellen Assistenten, Sprachbefehle flexibel zu interpretieren. Statt dem System Aufgaben nach einem fest vorgegebenen Schema zu übertragen, soll man quasi "frei Schnauze" mit der Software reden können. Die werde die Aufgabe dann nach Möglichkeit ausführen oder weitere Informationen anfragen.
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Um auf diese Fähigkeiten schnell und einfach zugreifen zu können, sollen künftige Geräte von Samsung mit einer Bixby-Taste bestückt werden, über die sich der Assistent schnell aufrufen lässt.

Bixby soll die Fernbedienung ablösen

Auf dem Galaxy S8, das kommende Woche vorgestellt wird, werde Bixby allerdings nur mit einigen wenigen Apps zusammenarbeiten, dämpft Injong Rhee zum Schluss die Erwartungen. Drittanbieter werden erst später in die Lage versetzt, ihre Apps entsprechend anzupassen. Ein konkretes Datum hierfür nennt Samsung nicht.

Wohl aber wird klar, dass Samsung Bixby zur übergeordneten künstlichen Intelligenz all seiner Produkte machen will. Das Galaxy S8 soll offenbar nur der Anfang sein, das System publik machen, seine Fähigkeiten demonstrieren. Später jedoch solle man beispielsweise auch Klimaanlagen und Fernseher via Bixby über Sprachkommandos steuern können.

"Wir glauben, dass Bixby sich von einem Smartphone-Interface zum Interface für Ihr Leben entwickeln wird", schwärmt Injong Rhee schließlich. Doch das dürften noch ferne Träume sein. Dass es nicht ganz so einfach ist, eine künstliche Intelligenz an verschiedene Sprachen und Kulturen anzupassen, hat unter anderen Amazons Alexa gezeigt. Nach der Einführung des von Alexa gesteuerten Lautsprechers Amazon Echo hat der Konzern gut eineinhalb Jahre gebraucht, bis das System auch deutsche Nutzer gut verstehen konnte.



insgesamt 9 Beiträge
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mfgkw 21.03.2017
1. und wer soll das alles entwickeln?
Soll jetzt jede App an die Sprachsteuerung von Samsung angepasst, werden, sowie an die von google, dann demnächst an eine eigene von Huawei, eine von LG...?
cor 21.03.2017
2.
Also wie man genau das Problem "Die Oberflächen solcher Geräte werden zu kompliziert" mit einem "virtueller Assistent" lösen will, ist mir noch nicht ganz klar. Es kommt nämlich stark auf den Anwendungsbereich an, ob etwas mit einer Sprache besser gesteuert werden kann als mit einer Oberfläche. Meiner Meinung nach machen solche Systeme vor allem dann Sinn, wenn man gerade keine Hand frei hat. Ich bezweifle nämlich stark, dass ich schon bald den Farbsättigungsregler in Photoshop per Sprache bedienen werde. Bei der Durchdringung der Apps frage ich mich, warum Samsung glaubt, dass ein App-Gersteller genau deren Sprachsteuerung implementieren soll und nicht die von der Konkurrenz. Ausserdem ist die Idee alles andere als neu. Sogar Apple hatte mehrfach erwähnt, dass über eine Developer API für Siri nachgdedacht wird.
auweia 21.03.2017
3. Geräuschkulisse
Folgende Situation: U-Bahn, Wartezimmer beim Arzt oder gerne auch Schule während des Unterrichts - und jeder Samsung S8-Besitzer quasselt seinem Smartphone Anweisungen zu. Abgesehen von den Problemen der individuellen Spracherkennung (Mein Bildschirm wird plötzlich dunkel, weil mein Nachbar mit seinem Handy redet): Es wird laut. Ich will aber eigentlich meine Ruhe haben und die ganzen Banalitäten nicht hören. Ohren lassen sich leider nicht verschließen.
sven2016 21.03.2017
4.
Im Prinzip ist eine API zur Programmierung von Sprachsteuerung sinnvoll und in vielen Apps ist das Feature vermutlich auch mit einem gewissen Nutzen und bei einfachen Tasks zu verwenden. Photoshop auf dem Smartphone oder Kühlschrank würde ich allerdings eher nicht verwenden xD Wenn ich mir dann noch das zusätzliche Gesprächsvolumen mit den Apps im öffentlichen Raum vorstelle, ist das Interesse ganz weg.
tmattm 21.03.2017
5. wann gibt es da endlich OpenSource für den heimischen Server...
Siri, Alexa, Cortan usw. schicken alles, was man in sie hineinspricht, zum Server des Herstellers zur Auswertung. Ebensowerden die vielen Smarthome-Gerätschaften über die Herstellerserver gesteuert. Das ist nicht nur ein Datenschutzproblem, sondern erzeugt auch eine ganz schlichte Abhängigkeit von der Verfügbarkeit der betreffenden Server/Dienste. Ich will das nicht. Ich will meinen eigenen Server zu Hause. Eine kleine Kiste, die ich kontrolliere. Aber als Unitymedia-Kunde kann ich nicht einmal auf mein Heimnetzwerk von außerhalb (dyndns o.Ä.) zugreifen. Wir werden im Datenstrom entmündigt und zu hilflosen Konsumenten degradiert.
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