Zu billig, zu klein, zu langsam So erkennen Sie gefälschte USB-Sticks und Speicherkarten

Auf den USB-Stick passt nicht so viel wie versprochen? Unseriöse Händler verkaufen seit Jahren Fälschungen von Flash-Speichermedien. Diese Tipps des Tech-Magazins "c't" helfen, Betrugsfälle zu erkennen.

In SD-Karten steckt außer dem eigentlichen NAND-Flash-Speicher auch ein meistens kleinerer Controller-Chip. Dessen Firmware lässt sich manipulieren, um höhere Kapazität vorzugaukeln.
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In SD-Karten steckt außer dem eigentlichen NAND-Flash-Speicher auch ein meistens kleinerer Controller-Chip. Dessen Firmware lässt sich manipulieren, um höhere Kapazität vorzugaukeln.

Von "c't"-Redakteur Christof Windeck


Im Netz gibt es in Sachen USB-Sticks und (micro)SD-Karten nicht nur gute Angebote. Mitunter werden Flash-Speichermedien mit falschen Versprechungen angeboten, manches vermeintliche Schnäppchen entpuppt sich als Nepp. Doch wer sich ein wenig mit dem Thema auskennt, erkennt viele betrügerische Angebote vor dem Kauf. Und wer verdächtige Speichermedien schon besitzt, kann sie recht einfach prüfen, nämlich mit dem Windows-Tool "H2testw" (hier als Download).

Leicht zu entlarven sind Fälschungen mit viel zu hoher Kapazität: Eine microSD-Karte mit ein TByte gibt es bisher schlichtweg nicht, ebenso wenig wie eine SD-Karte mit mehr als ein TByte und einen USB-Stick mit mehr als zwei TByte. Dafür gibt es simple technische Gründe.

Derzeit sind schon microSD-Karten mit 512 GByte eine technische Meisterleistung: Auf nur ein Millimeter Bauhöhe liegen darin 17 nackte Siliziumchips übereinander, nämlich 16 NAND-Flash-Chips mit je 32 GByte Kapazität und ein Controller-Chip. Letzterer verbindet die NAND-Flashes mit der SD-Schnittstelle.

Im Inneren einer microSD-Karte sind bis zu 16 Flash-Chips übereinander gestapelt (rechts sitzt der Controller).
Swissbit/ "c`t"

Im Inneren einer microSD-Karte sind bis zu 16 Flash-Chips übereinander gestapelt (rechts sitzt der Controller).

Alle Chips stammen von "gedünnten", also abgeschliffenen Siliziumwafern, damit der Chipstapel unter ein Millimeter bleibt. Kein Chip darf außerdem mehr Grundfläche als rund ein Quadratzentimeter haben - größer ist eine microSD-Karte nun einmal nicht. Erst mit der nächsten Strukturverkleinerung der Flash-Chips sind wieder höhere Kapazitäten zu erwarten.

Weil es weltweit nur rund fünf Firmen gibt, die derart ausgefeilte Flash-Chips fertigen können, sind Überraschungen höchst unwahrscheinlich. Kaum zu erwarten ist auch, dass ein bis dato völlig unbekannter Hersteller die etablierten Flash-Marken (siehe Tabelle) bei der Fertigungstechnik übertrumpft. Letztere wetteifern um höchste Kapazitäten, weil die mehr Profit und viel Aufmerksamkeit bringen.

Flash-Speichermedien: Große Hersteller

Marke mit eigener Chip-Fertigung
Samsung ja
WD/SanDisk ja
Toshiba ja
AData nein
Hama nein
Intenso nein
Integral nein
Kingston nein
Lexar nein
PNY nein
Silicon Power nein
Sony nein
Transcend nein
Verbatim nein

weitere Hersteller von NAND-Flash-Chips: SK Hynix, Intel/Micron, Yangtse Memory (YMTC)

Anders gesagt: Wer tatsächlich einen USB-Stick mit zwei TByte fertigen kann, wird ihn nicht für 30 Euro verramschen, wenn er 300 Euro dafür bekommen kann.

Viel zu niedrige Preise sind auch bei niedrigeren Kapazitäten verdächtig. Wie angedeutet, gibt es nur wenige Hersteller der eigentlichen Flash-Chips und deren Preise sind ungefähr bekannt. Extrem niedrige Preise deuten auf Fälschungen hin, in denen viel weniger Flash-Speicher steckt, als behauptet. Es wird dann schlichtweg die Firmware des Controllers manipuliert: Sie meldet dem Betriebssystem eine höhere Kapazität. Daraus folgt unweigerlich ein Datenverlust ab einer gewissen Menge an tatsächlich geschriebenen Daten.

Mit einem Online-Preisvergleichsdienst finden Sie innerhalb weniger Minuten heraus, was eine (micro)SD-Karte oder ein USB-Stick mit einer bestimmten Kapazität mindestens kostet: Schauen Sie auf die Preise der hier genannten Marken. Eine microSD-Karte mit beispielsweise 256 GByte ist derzeit kaum unter 24 Euro zu bekommen.

Verdächtig ist es zudem, wenn ein Speichermedium äußerlich das Produkt einer bekannten Marke imitiert. Seriöse Hersteller sind darauf bedacht, jeweils eigene Marken zu etablieren. Auch Tippfehler in der Produktbezeichnung oder auf der Verpackung sowie seltsame Formulierungen deuten auf Fälschungen hin.

Ebenfalls typisch für "Fake Flash" sind Spezifikationen, die von den Vorgaben der SD Association abweichen. Die bestimmt beispielsweise, dass Karten mit 64 GByte oder mehr die Bezeichnung (micro)SDXC tragen sollen, also nicht SDHC oder SD, und mit exFAT vorformatiert sein müssen. Ein 64-GByte-Kärtchen mit "microSDHC"-Schriftzug und FAT32 ist seltsam.

Ein schwaches Indiz für Mauscheleien sind fehlende Angaben zur Geschwindigkeit, weil sie leider auch etablierte Firmen gerne weglassen. Eine Karte mit dem Logo für "Class 10" muss sich mit mindestens zehn MByte/s sequenziell beschreiben lassen. Karten mit UHS-I- oder UHS-II-Interface der Klasse U3 müssen 30 MByte/s schaffen. Das lässt sich mit Windows-Tools wie Crystal Disk Mark leicht prüfen - und eine deutlich zu langsame Karte sollten Sie reklamieren.

Diese gefälschte SD-Karte imitiert das Aussehen einer SanDisk Extreme Pro - auch wenn winzig klein der Name "Kimsnot" draufsteht.
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Diese gefälschte SD-Karte imitiert das Aussehen einer SanDisk Extreme Pro - auch wenn winzig klein der Name "Kimsnot" draufsteht.

Apropos Geschwindigkeit: Flash-Medien, bei denen der Händler keine Angaben zur Datentransferrate macht, lesen und schreiben oft krötenlahm mit weniger als zehn MByte/s. Das schränkt die praktische Nutzbarkeit ein.

Flash-Speicher ist dermaßen günstig, dass Sie nicht den allerbilligsten kaufen sollten, sondern flotte Markenware. Bei SD- und microSD-Karten sollten es wenigstens 30 MByte/s sein. USB-2.0-Sticks sind schlichtweg nicht mehr zeitgemäß und die meisten noch verkauften Produkte bleiben auch weit unter den 35 bis 40 MByte/s, die mit USB 2.0 HighSpeed möglich sind. Nehmen Sie also Sticks nur noch mit USB 3.0 und mindestens 50 MByte/s.

Flash-Speichermedien: maximale Kapazitäten

Typ maximale Kapazität (Preis)
microSD (microSDXC) 512 GByte (350€), angekündigt 2018 von PNY, Adata und Integral
SD (Secure Digital1) 512 GByte (300€), 1 TByte angekündigt seit 2016 von SanDisk, aber noch nicht lieferbar
USB-Stick 2 TByte (1000€), liefert Kingston seit 2017
zum Preisvergleich: SSDs 240 GByte (40€), 512 GByte (80€), 1 TByte (170€), 2 TByte (330€)

1 teilweise auch als "TF" bezeichnet für den veralteten Namen TransFlash
Stand: September 2018

Nicht ganz einfach ist es, gut gefälschte Medien mit gängiger Kapazität zu enttarnen, etwa vermeintliche 128- und 256-GByte-Karten mit tatsächlich nur acht, 16 oder 32 GByte Flash-Speicher. Das finden Sie leider erst nach dem Kauf heraus, und zwar unter Windows mit "H2testw": Die Prüfsoftware unseres Ex-Kollegen Harald Bögeholz beschreibt das gesamte Speichermedium mit Prüfdaten und liest diese anschließend wieder aus.

Das klappt nur bei einem formatiertem, aber leerem Medium und kann sehr lange dauern - lahmes Schreiben mit nur wenigen Megabyte pro Sekunde ist wie erwähnt ein Indiz für Fälschungen. Der komplette Prüfzyklus kann bei einem Ein-TByte-Medium zwei bis drei Tage laufen.

Testen Sie daher zunächst einmal nur beispielsweise 64 GByte (Eingabe "64000 MByte"), oft treten dann nach knapp weniger als acht, 16 oder 32 GByte die ersten Fehler auf. Ist das der Fall, löschen Sie die Prüfdaten und starten Sie einen kompletten Testlauf. Fördert der wiederum Fehler zutage, ist das Speichermedium höchstwahrscheinlich kaputt oder gefälscht - mit dem kleinen Restrisiko, dass der Kartenleser, die USB-Buchse oder der Hauptspeicher Ihres Rechners Defekte aufweisen.

Um das zu prüfen, können Sie "H2testw" auch noch mal auf einem anderen Rechner laufen lassen. Die Software müssen Sie übrigens nicht installieren: Entpacken Sie die heruntergeladene ZIP-Datei in einem beliebigen Verzeichnis und doppelklicken Sie danach auf h2testw.exe.

"H2testw" zeigt auch an, wie schnell es das Speichermedium gerade beschreibt beziehungsweise ausliest. "H2testw" ist zwar nicht als Geschwindigkeitstest gedacht, aber die Werte geben eine grobe Orientierung. Für Linux gibt es die Prüfsoftware F3.

Bei Speichermedien mit gefälschter Kapazitätsangabe schlägt "H2testw" Alarm, aber der Test von ein TByte kann mehrere Tage lang dauern.
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Bei Speichermedien mit gefälschter Kapazitätsangabe schlägt "H2testw" Alarm, aber der Test von ein TByte kann mehrere Tage lang dauern.

Es gibt Produktfälschungen, die "H2testw" oder F3 nicht enttarnen: Speichermedien mit minderwertigen, aber funktionsfähigen Flash-Chips, die Betrüger unter falscher Marke verkaufen. Ein solches Produkt arbeitet normal, fällt aber womöglich früher aus als das Original. Derartige Fälschungen erkennen nur Experten - und daher ist es schwer, sich davor zu schützen.

Im etablierten Fachhandel ist das Risiko für Fälschungen allerdings geringer als bei unbekannten (Online-)Anbietern. Aber auch Flash-Speichermedien aus vertrauenswürdigen Quellen sollten Sie vor dem ersten Einsatz sorgfältig testen, etwa mit "H2testw": Das beugt Datenverlust vor.

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insgesamt 20 Beiträge
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relies 14.10.2018
1. Wer einmal einen Satz Urlaubsfotos verloren hat...
Wer einmal einen Satz Urlaubsfotos (oder gar noch Wichtigeres) unwiederbringlich verloren hat, weil auf einmal die Karte streikt oder eine zu hohe Speicherkapazität vorgetäuscht hat, weiss, dass es sich nicht lohnt, ein paar Euro zu sparen und dafür auf unklare Quellen zurückzugreifen. Ein umfangreicher Datenverlust ist extrem ärgerlich und die paar Euro, die sich bei Speicherkarten sparen lassen, ist der Ärger mit Sicherheit nicht wert. Kauft Qualität aus vertrauenswürdigen Kanälen! Das genannte Testprogramm h2testw ist klein und fein, ich nutze es bei jedem neuen Speicher, egal ob Festplatte, SSD, USB-Stick oder Speicherkarte. Toll, dass es so etwas gibt, vollkommen werbefrei und umsonst...
sotraluz 14.10.2018
2. No backup, no mercy
Sicherung von Daten war, ist und bleibt mit Aufwand und Kosten verbunden. Mehrer Karten mit geringer Speicherkapazität sind schon mal sicherer als eine mit großer, und zumindest täglicher Backup auf Reisen unumgänglich.
t.buning 14.10.2018
3. Chef so zu mir...
..."Guck mal, was ich für ein Schnäppchen im Internet gemacht habe. USB-Stick - nur 10 Euro - aus China - 2TB! Zack!" *stolz* Eine Woche später: "Schau dir mal bitte den Stick an. Irgendwie kopiert der meine Daten nicht richtig."
thapa3 14.10.2018
4. Speicherkarten aus alten Handys?
Vor einziger Zeit war die Meldung im Umlauf, dass USB-Sticks oft aus den recycelten Speichern alter Handys hergestellt werden -- auf denen dann z.T. noch Daten diese Handys sind. Kann das jemand bestätigen? Quelle?
flohzirkusdirektor 14.10.2018
5. Speicherkarten aus alten Handys?
Zitat von thapa3Vor einziger Zeit war die Meldung im Umlauf, dass USB-Sticks oft aus den recycelten Speichern alter Handys hergestellt werden -- auf denen dann z.T. noch Daten diese Handys sind. Kann das jemand bestätigen? Quelle?
Ich habe zwar nicht viel Ahnung von der Materie - darum bitte nur konstruktive Kritik -, aber ich zum Beispiel benutze MP3-Player, die keine Musik mehr abspielen können, ganz probat als USB-Sticks weiter. Und Profis können das mit Sicherheit etwas besser als ich ...
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