Berlin - Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia verbündet sich mit dem weltgrößten Software-Unternehmen Microsoft. Nokia werde unter anderem das Betriebssystem Windows Phone 7 als zentrale Smartphone-Plattform annehmen, teilten die Unternehmen am Freitag mit. Damit bestätigten die Konzerne seit Wochen kursierende Gerüchte über eine derartige Kooperation.
Nokia will mit einer komplett neuen Strategie im Smartphone-Markt Konkurrenten wie Apple und anderen erfolgreichen Herstellern Kunden abjagen. Der finnische Mobilfunkkonzern hatte mit einem Marktanteil von bis zu 40 Prozent den Weltmarkt für Handys viele Jahre dominiert. Seit dem Erfolgszug des iPhone von Apple und anderer Smartphones hat das Unternehmen diese Dominanz eingebüßt.
Nokia hat bislang kein Rezept gegen erstarkte Konkurrenten gefunden. Zwar steigen auch bei Nokia die weltweiten Handy-Verkäufe, allerdings wächst der Markt sehr schnell und bei den Finnen sorgen bislang vor allem die günstigeren Mobiltelefone der Einstiegs- und Mittelklasse für Wachstum. Zudem hat der Internetkonzern Google erst kürzlich mit seiner Software-Plattform Android, die auf den Handys unterschiedlichster Hersteller läuft, Nokia auf Platz zwei bei den Smartphones verdrängt.
Mitte der Woche hatte der neue Nokia-Konzernchef Stephen Elop die Lage für sein Unternehmen mit der auf einer " brennenden Ölplattform" verglichen. Nokia stellt seine Strategie gegen den Niedergang am heutigen Freitag in London vor. Der Nokia-Chef formuliert in der Erklärung zum Kurswechsel ein großes Ziel: Man wolle die "Marktführerschaft bei Smartphones" zurückgewinnen.
Spekuliert wird unter Beobachtern auch über massive Auswechslungen im Spitzenmanagement sowie über die Verlagerung von Unternehmensaktivitäten von Finnland in den US-Bundesstaat Kalifornien. Vor seinem Einstieg bei Nokia war Elop lange Jahre bei Microsoft unter Vertrag.
Neben der Allianz mit Microsoft verordnet Elop dem Konzern auch eine neue Struktur. Das Telefon-Geschäft wird aufgeteilt: Ein Bereich soll sich künftig mit Smartphones beschäftigen, ein anderer die Marktführung bei günstigeren, einfacheren Telefonen sichern.
Der Strategiewechsel wird zudem einen deutlichen Stellenabbau nach sich ziehen. "Es wird erhebliche Kürzungen geben", kündigte Konzernchef Stephen Elop am Freitag vor Analysten in London an. Genauere Zahlen werde es erst später geben, erklärte der Manager und führte aus, dass die Kosten zu hoch seien. Nokia hatte Ende 2010 knapp 132 500 Mitarbeiter. Nokia stehe am Scheideweg, betonte Elop.
| Schätzung der Marktanteile von Smartphone-Plattformen weltweit 2009-2010 | |||||
| Marktanteil 4. Quartal 2010 | Marktanteil 4. Quartal 2009 | Ausgelieferte Geräte (Mio., 4. Quartal 2010) | Ausgelieferte Geräte (Mio., 4. Quartal 2009) | Veränderung | |
| 32,90% | 8,70% | 33,3 | 4,7 | 708,51% | |
| Nokia | 30,60% | 44,40% | 31 | 23,9 | 129,71% |
| Apple | 16,00% | 16,30% | 16,2 | 8,7 | 186,21% |
| RIM | 14,40% | 20% | 14,6 | 10,7 | 136,45% |
| Microsoft | 3,10% | 7,20% | 3,1 | 3,9 | -79,49% |
| Andere | 2,90% | 3,40% | 3 | 1,8 | 166,67% |
| Gesamt | 100% | 100% | 101,2 | 53,7 | 188,45% |
| Quelle: Canalys | |||||
mak/dpa
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