Gegenwind für Apple Google und Intel planen Anti-iPads

Apples Konkurrenten machen sich zur Aufholjagd bereit: Intel will schon bald einen Tablet-PC mit Doppelkern-Chip vorstellen und auch Google-Tablets könnten in Kürze kommen. Vorläufig aber profitiert noch Apple allein vom iPad-Hype. Vorbesteller müssen bereits mit verlängerten Wartezeiten rechnen.

chromium.org

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Es sind keine Gerüchte, es sind Fakten: Der US-Netzbetreiber Verizon Wireless will gemeinsam mit Google ein Gegenstück zu Apples iPad entwickeln. Das erklärte kein anderer als Verizon-Chef Lowell McAdam dem " Wall Street Journal" (WSJ). "Was glauben Sie wohl, wo die nächsten großen Möglichkeiten stecken?" sagte Lowell der Zeitung. Mit Bezug auf Google gab er die Antwort selbst: "Wir arbeiten beispielsweise gemeinsam mit Google an Tablets."

Diese klare Ansage verwundert nicht sonderlich. Schon lange schielt Verizon neidisch auf den Konkurrenten AT&T, der in den USA exklusiv Apples iPhone vermarkten darf und damit offensichtlich ordentliche Profite macht. Doch statt Apple zu hofieren, hat sich Verizon mit Google zusammengetan. Einen ersten Erfolg landeten die Partner 2009 mit der Einführung des Motorola Droid, dem seinerzeit ersten Handy, auf dem das Google-Betriebssystem Android in der damals neuen Version 2.0 installiert war. Das Gerät war ein enormer Erfolg, verkaufte sich in den USA wie geschnitten Brot. Hierzulande wird es als Motorola Milestone angeboten.

Mit dem geplanten Tablet-Computer soll die erfolgreich begonnene Zusammenarbeit von Google und Verizon nun offenbar vertieft werden. "Wir schauen uns alle Dinge an, die Google in seinen Archiven hat und die unser Tablet zu einer tollen Sache machen könnten", sagte McAdam. Weitere Angaben zu dem Gerät wollten aber weder er noch ein Google-Sprecher machen.

Hemmschuh Datennetz

Verizon-Sprecher Marquett Smith gab sich Bloomberg gegenüber zumindest ein wenig offener und erklärte, das von seinem Chef angesprochene Tablet werde Googles Android als Betriebssystem verwenden. Weitere Details würden erst im Laufe der Woche bekanntgegeben. Bis das GooglePad von Verizon auf den Markt kommt, wird es aber noch etliche Monate dauern. Erst Anfang nächsten Jahres würden solche Geräte auf den Markt kommen können.

Dem "Wall Street Journal" zufolge stellt die von Verizon genutzte CDMA-Netzwerktechnik einen Hemmschuh dar. Allerdings hat Verizon damit begonnen, seine Netze auf die schnelle LTE-Technik (Long Term Evolution) umzustellen, die erheblich höhere Datenraten ermöglicht und weltweit eine weitere Verbreitung erfahren dürfte als die Insellösung CDMA.

Während man auf das Google-Tablet also möglicherweise noch bis 2011 wird warten müssen, bringt sich Chip-Hersteller Intel bereits in Stellung, um viel früher Konkurrenzprodukte zum iPad zu ermöglichen. Auf einer Investorenkonferenz kündigte Intel-Vizepräsident Mooly Eden an, man solle nur die Computermesse Computex, die von 1. bis 5. Juni in Taipei stattfindet, abwarten. Dort, so ließ er durchblicken, würden gleich mehrere Tablets auf Intel-Basis vorgestellt.

Intel erwartet 50 bis 60 Millionen Tablets pro Jahr

In denen soll, so Eden, Intels neuer Netbook-Chip, ein Dualcore-Atom-Prozessor, arbeiten. Dessen Leistung werde man in den Tablets brauchen, um Multitasking, also das gleichzeitige Ausführen mehrerer Programme, zu ermöglichen. Von der Vermarktung dieser Leistung verspricht sich Intel offenbar einen neuen Nachfrageschub für seine Atom-Chips, die derzeit in fast allen Netbooks verwendet werden.

Intel-Chef Paul Otellini jedenfalls sieht Tablet-PC schon jetzt als einen ausgesprochen lohnenswerten Markt an. Die jährliche Wachstumsrate in diesem Bereich taxierte er auf der Investorenkonferenz auf 73 bis 88 Prozent. Er rechnet schon in wenigen Jahren mit einem Absatz von 50 bis 60 Millionen Tablet-Rechnern pro Jahr. Daran wollen jetzt natürlich viele Unternehmen teilhaben. Neben Verizon dürften mit Sicherheit noch andere Unternehmen an Android-Tablets basteln.

Die Verfolgungsjagd hat gerade erst begonnen

So steht bei Dell bereits das Dell Mini 5 in den Startlöchern, während PC-Gigant HP sich gerade erst den Handy-Hersteller Palm einverleibt hat - auch, um dessen Betriebssystem webOS in seinen Tablet-Rechner zu implantieren und in wenigen Monaten auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig versuchen auch kleinere Unternehmen wie die Berliner Neofonie oder die französische Firma Archos, ein Stück vom versprochenen Tablet-Kuchen abzubekommen. Noch aber sind die meisten Tablets Vaporware, existieren nur auf Reißbrettern und in Pressemitteilungen.

Apple macht derweil schon prächtige Geschäfte mit den neuen Luxus-Spielzeugen. Die erste Charge iPads für den deutschen Markt jedenfalls ist offenbar drei Tage nach Beginn der Vorbestellerfrist schon ausverkauft. Wer jetzt noch das Apple-Gadget bestellt, bekommt es laut Apple erst am 7. Juni ausgeliefert, gut eine Woche nach dem Verkaufsbeginn in Deutschland. Noch gehört Apple der Markt allein, aber das wird sich ändern, sehr bald.

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