Geodaten Wenn Handy-Fotos zu viel verraten

Ein GPS-Empfänger gehört längst zur Standardausstattung von Smartphones. Außer zur Navigation kann der auch genutzt werden, um Handyfotos mit Ortsmarken zu versehen. Stellt man solche Bilder unbedacht ins Internet, verraten sie möglicherweise mehr, als man preisgeben will.

Smartphone mit Foto-Kartendienst: Ortsangaben können verräterisch sein
TMN

Smartphone mit Foto-Kartendienst: Ortsangaben können verräterisch sein


Es klingt beängstigend: Ein hübsches Handy-Foto wird im Garten geschossen, ins Internet hochgeladen - und schon weiß alle Welt, wo man wohnt. Schuld sind in so einem Fall die Geodaten, die heutige Smartphones für jedes Bild abspeichern können. Die Funktion ist praktisch, wenn man die Fotos nach Aufnahmeorten sortieren will. Aber passt ein Nutzer nicht auf, kann er über sich tatsächlich mehr preisgeben, als ihm lieb ist.

Um gleich Entwarnung zu geben: Das Szenario ist möglich, kommt aber nicht so häufig vor. Und mit den richtigen Einstellungen ist es auch leicht zu vermeiden. Denn damit die Geodaten tatsächlich im Internet landen, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein.

Zunächst einmal müssen dafür die Ortsangaben überhaupt vom Smartphone registriert werden. In den Geräte-Einstellungen kann man diese Funktion ein- und ausschalten - manchmal auch nur für die Kamera. Wer die Ortungsdienste ganz abschaltet, braucht sich auch grundsätzlich keine Sorgen mehr über Datenschutz-Komplikationen zu machen. Allerdings hätte dies den Nachteil, dass andere nützliche Apps "erblinden", die auf die Standortinformationen angewiesen sind, beispielsweise Kartendienste wie Google Maps.

Facebook will es nicht wissen

Wer die Smartphone-Fotos mit Standort-Daten versehen will, muss allerdings aufpassen. Es kommt zum einen darauf an, ob die Fotos mit der Standard-Kamera-App des Smartphones geschossen wurden oder mit einem der vielen Programme, die Nutzer zusätzlich auf dem Gerät installieren können. Manche zeichnen keine Daten auf, in anderen kann man das Erfassen der Orts-Informationen ein- oder ausschalten.

Zum anderen spielt eine Rolle, zu welchem Online-Dienst man die Bilder hochlädt - denn der hat in den meisten Fällen eigene Regeln und Einstellungen zum Umgang mit Standort-Informationen. Beim Online-Netzwerk Facebook zum Beispiel werden Bilder grundsätzlich ohne Geodaten eingestellt, betont eine Sprecherin. Auch im Hintergrund würden die Standort-Informationen nicht gespeichert. Ob sich dies in Zukunft ändern wird, lässt sich derzeit nicht sagen.

Yahoo malt eine Foto-Weltkarte

Allerdings gibt es auch bei Facebook eine Möglichkeit, ein Foto mit einem bestimmten Ort zu verknüpfen, wenn auch eine etwas umständliche. Bei der Standort-Anmeldung im Facebook-Dienst Places kann man ein Foto hinzufügen. Es ist allerdings keine dauerhafte Verknüpfung, da die "Check-Ins" nach wenigen Stunden verfallen. Das Foto bleibt im Facebook-Album, aber ohne Hinweis auf den Aufnahmeort.

Anders ist es bei der Foto-Plattform Flickr, die zum Internet-Konzern Yahoo gehört. Sie legt sogar Wert darauf, die Bilder auf einer Weltkarte sichtbar zu machen. Die Aufnahmen werden dort dank der Geotags mit roten Punkten am exakten Standort angezeigt.

Von allein passiert das allerdings nicht: Die Veröffentlichung der Geo-Informationen muss vom Nutzer ausdrücklich freigegeben werden. Ähnlich funktioniert es beim populären Dienst TwitPic, über den die Bilder gleich bei Twitter auftauchen können. Wichtig: Ist die Erlaubnis einmal erteilt, sollte man dies nicht vergessen, wenn man nächstes Mal Fotos vor der Haustür macht.

Spionagefunktionen in Smartphone-Apps

Auf einem anderen Blatt steht die Gefahr, dass Apps im Hintergrund Standort-Informationen an einen Entwickler mit dubiosen Absichten funken. Trotz aller Kontrollen der App-Store-Betreiber enthalten etliche Programme solche Spionage-Funktionen. Das " Wall Street Journal" stellte im Dezember fest, dass 56 von 101 populären Apps für iPhone und Android-Handys ungefragt Informationen übermitteln, in vielen Fällen auch den Standort.

"Deshalb sollte bei der Installation von Apps darauf geachtet werden, welche Zugriffsrechte diese anfordern", empfiehlt der IT-Informationsdienst "mIT Sicherheit administrieren und vorbeugen" aus dem Fachverlag für Computerwissen. Am besten beziehe man Apps möglichst nur aus vertrauenswürdigen Quellen.

Andrej Sokolow, dpa



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