Gesichtserkennung: Japanischer Forscher entwickelt Tarnbrille
Überwachungskameras, Smartphones, fotografierende Schaufenster - Fotos lassen sich zur Gesichtserkennung nutzen, Firmen analysieren Bilder für die Marktforschung. Jetzt hat ein Wissenschaftler ein Werkzeug zur Selbstverteidigung entwickelt. Seine Tarnbrille blendet die Sensoren.
In den USA nutzen Unternehmen Kameras in Bars und Schaufenstern, um per Gesichtsanalyse Geschlecht und Alter von Passanten und Besuchern zu bestimmten. Einige Hersteller von Videoüberwachungssystemen werben damit, ihre Gesichtserkennungssoftware könne die Live-Feeds von Überwachungskameras nutzen, um Personen zu identifizieren, die auf Beobachtungslisten registriert sind.
Gesichtserkennung wird bald Teil des Alltags sein. In Verbindung mit Facebooks biometrischer Datenbank könnten sich Gesichter leicht Namen und Freundesnetzwerken zuordnen lassen. Der japanische Informatiker Isao Echizen entwickelt Technik, um sich solcher Identifizierung zu entziehen. Echizen hat mit seinem Kollegen Seiichi Gohshi eine Art Tarnbrille konstruiert, die die Bildsensoren digitaler Kameras blendet (hier die Präsentation der Forscher als PDF-Dokument).
Infrarotlicht blendet Bildsensoren
Ihre Tarnbrille hat elf LED-Leuchten eingebaut, die Licht mit einer Wellenlänge von 870 Nanometern aussenden (Infrarotbereich). Sensoren digitaler Kameras registrieren dieses Licht, das menschliche Auge nimmt es nicht wahr.
Mit so einer Tarnbrille fällt man unter Menschen also nicht weiter auf (zumindest, wenn die Forscher das Modell noch etwas kleiner als ihren Prototypen bauen), die Abbildung digitaler Kameras wird aber durch das ausgesendete Licht gestört.
Software scheitert an der Tarnbrille
Die Wissenschaftler haben ihre Tarnbrille mit Gesichtserkennnungsalgorithmen der freien Programmbibliothek OpenCV getestet. Sie nahmen Fotos von sitzenden Menschen aus bis zu 20 Metern Entfernung auf. Das Gesicht war bis zu 20 Grad von der Kamera weggedreht, fotografiert wurde mit einer Acht-Megapixel-Kompaktkamera. Bei den Aufnahmen gab es drei Durchläufe in allen Sitzpositionen.
Die zehn Testpersonen trugen einmal keine Brille, dann eine nicht eingeschaltete und im letzten Durchlauf eine eingeschaltete Tarnbrille. Bei den Aufnahmen mit leuchtender Tarnbrille erkannten die OpenCV-Algorithmen kein einziges Gesicht. Auf den anderen Aufnahmen (mit ausgeschalteter Brille, ganz ohne Brille) lag die Erkennungsquote bis zehn Meter Entfernung bei 100 Prozent.
Ein Dollar Produktionskosten für die Passiv-Tarnbrille
Isao Echizen sagte dem Online-Magazin Slate, er habe schon Angebote von Unternehmen erhalten, die diese Technik kommerzialisieren wollen. Echizen entwickelt derzeit eine Version der Tarnbrille, die ohne Akkus auskommt, weil ihr Material Licht in bestimmten Wellenlängen entweder schluckt oder reflektiert.
Dieses Modell könnte in Serie günstig produziert werden, vermutet Echizen. Er rechnet mit einem Dollar Fertigungskosten je Passiv-Tarnbrille - dann braucht man keine aufwendige Tarnschminke mehr, wie sie der Künstler Adam Harvey entwickelt hat.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Mittwoch, 23.01.2013 – 17:54 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 38 Kommentare




- Randi Zuckerberg: “Anonymity on the Internet has to go away.”
- Vorläufigen Forschungsergebnisse von Alessandro Acquisti und Ralph Gross
- Präsentation von Alessandro Acquisti und Ralph Gross für die Black Hat Konferenz
- Künstler Adam Harvey zeigt Anti-Gesichtserkennungs-Schminktipps
- Privacy Protection Techniques Using Differences in Human and Device Sensitivity
- Bericht über die Tarnbrille bei Slate
für die Inhalte externer Internetseiten.
MEHR AUS DEM RESSORT NETZWELT
-
Best of Web
Netz-Fundstücke: Was Sie im Internet unbedingt sehen müssen -
Silberscheiben
Das lohnt sich: Die besten CD- und DVD-Schnäppchen -
Bilderwelten
Bessere Fotos: So holen Sie ganz einfach mehr aus Ihren Bildern raus -
Angefasst
Gadget-Check: Handys und anderes Spielzeug in Matthias Kremps Praxistest -
Angespielt
Game-Tipps: Spiele für Computer und Konsole im SPIEGEL-ONLINE-Test



