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Gibson Dusk Tiger: Rock'n'Roll für Programmierer

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Sie sei "die fortschrittlichste Gitarre der Welt", tönt Hersteller Gibson über die Dusk Tiger. Angesichts programmierbarer Elektronik und selbststimmender Saiten mag man das glauben. Doch im Kern erzeugt sie ihren Sound ganz altmodisch analog - und das hat seinen Preis.

Gibson Dusk Tiger: Immer gute Stimmung, immer andere Sounds Fotos
Gibson USA

Diese Gitarre ist anders als die anderen, das erkennt man selbst als Laie auf den ersten Blick. Auf ihrer Elektronikabdeckung, dem Pickguard, prangt ein Knopf, der irgendwie anders ist. In seiner Mitte leuchtet eine winzige blaue Digitalanzeige, in den Rand des Knopfes sind rot schimmernde Buchstaben eingelassen. Dieser eine Knopf, der Master Control Knob (MCK), ist das wichtigste Bedienelement des Musikinstruments, er steuert die digitale Elektronik. Die anderen drei Drehregler sind dieselben, die man auch von anderen E-Gitarren kennt, regeln Ton und Lautstärke. Gibson bezeichnet das als Hightech-Interface, realistisch betrachtet werden damit aber auch Lowtech-Gitarristen klarkommen.

Die digital aufgemotzten Klangvarianten der Dusk Tiger kann man aber erst ausnutzen, wenn man sich in das Handbuch des sechssaitigen Instruments vertieft hat. Wie schon die Robot Guitar ist auch bei dem neuen Modell eine Stimmautomatik des Hamburger Unternehmens Tronical eingebaut. Das nimmt Gitarristen die Arbeit ab, die Gitarre selbst zu stimmen. Stattdessen wählt man per MCK-Drehknopf eine Stimmung aus, schlägt die Saiten an, lauscht einige Sekunden lang den Elektromotoren der Stimmmechaniken. Sobald auf dem MCK die Symbole aller sechs Saiten grün aufleuchten, ist der Vorgang abgeschlossen und man kann losspielen.

Die andere Hightech-Funktion ist der integrierte Multiband-Equalizer. Der ist im Prinzip eine besonders flexibel einstellbare Klangregelung. An der Gitarre selbst kann man deren Möglichkeiten freilich nicht voll ausnutzen, sondern muss unterschiedliche Klangfarben per Software am Computer einstellen. Derart zusammengestellte Voreinstellungen lassen sich dann an der Gitarre abrufen, in Maßen variieren. Zusätzlich lassen sich in der Gitarren-Software Einstellungen für die Tonabnehmer vornehmen, die ebenfalls den Sound beeinflussen.

Ein bisschen Akustik

Denn im Unterschied zu manch anderer Hightech-Gitarre ist die Grundlage der Klangerzeugung bei der Dusk Tiger noch vollkommen analog: Die Schwingungen der Saiten werden von zwei magnetischen Tonabnehmern in elektrische Tonsignale umgewandelt, die dann von einer Elektronik geformt werden können. Zusätzlich ist unter dem Steg, also da, wo die Saiten auf dem Korpus gespannt werden, ein keramischer Piezotonabnehmer eingebaut. Der nimmt nicht etwa die Schwingungen der Saiten, sondern die des Holzkorpus auf. So lassen sich dem Sound feine akustische Nuancen hinzufügen.

Doch so etwas gibt es bei anderen Gitarren auch. Was andere Gitarren dagegen nicht haben, ist die Möglichkeit, den Sound jeder Saite einzeln zu beeinflussen. So sollen sich im Zusammenspiel mit einem Mischpult und mehreren Verstärkern oder einem Computer, der solche Verstärker virtuell nachbildet, völlig neue, ungewohnte Gitarrensounds kreieren lassen. Das ist die Spielwiese für Soundbastler.

Nicht edel, aber teuer

Das Design der neuen Gitarre dagegen dürfte zum Zankapfel werden. Traditionalisten, die den Look von Gibsons Les Paul lieben, werden die Dusk Tiger hassen. Während das Original eine aufwendig herzustellende gewölbte Decke aufweist, ist der Korpus der Dusk Tiger flach wie ein Brett. Dazu kommt die Korpusdecke, die aus einem ungewöhnlich gestreiften Material hergestellt wird. Gibson bezeichnet das nur als "exotisches Hartholz", macht keine Angaben darüber, um welche Holzsorte es sich dabei tatsächlich handelt. Klar, das Holz soll einen Tiger-Look erzeugen, besonders edel kommt das aber nicht rüber.

Und das könnte potentiellen Käufern die Entscheidung schwermachen, denn billig ist die Dusk Tiger bei all der Technik, die da in dem gestreiften Holzkorpus steckt, nicht. In den USA wird ihr Listenpreis mit knapp 4200 Dollar angegeben, hierzulande soll sie fair übersetzte 3000 Euro kosten. Viele Käufer wird man für eine so ungewöhnliche und gleichzeitig teure Gitarre wohl nicht finden. Aber das weiß man auch bei Gibson. Nur insgesamt 1000 Exemplare dieses Modells sollen hergestellt werden, 350 davon kommen in Europa auf den Markt. Die Dusk Tiger ist also ein Sammlerstück, vom Start weg.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
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1. Teure Gitarren
Born to Boogie, 10.12.2009
Nun, das " Auto tuning " konnte ich einmal selbst ausprobieren und das ist schon genial - hoffentlich kostet es mich nicht irgendwann mal meinen Job als Roadie ( LOL ) Angebl. sollen die Jungs, die das entwikelt haben, da eine Million Euro investiert haben - und es dann für vier Millionen verkauft haben. Durch eigene Arbeit reich geworden - Toll ! Ich selbst spiele eine " Gibson Les Paul - Pro Deluxe " die ich 1979 für 1400,- DM gekauft hatte ( Bj.: 1975 ) Heute ist sie ca das Doppelte wert und ich könnte sie mir nicht leisten. Aber, eine Gibson ist zumindest eine Wertanlage.
2. Eine Gitarre die sich per Knopfdruck selbst stimmt...
Weyland 10.12.2009
...weil sie sich beim spielen verstimmt. Interessantes Konzept. Wie gut das ich mir doch die fortschrittlichere Gitarre zu Weihnachten bestellt habe: Steinberger ZT3. Das Tremolo und die Seitenaufhängung sind so angelegt das sich eben nichts verstimmt. Im Gegenteil das ist Bestandteil des Konzepts denn man kann verschiedene Tunings "abspeichern". Mechanisch - also ohne Elektronik die man mit irgendeiner Box noch koppeln muss oder die anfällig wäre. Hinzu kommt die bessere Ergonomie da keine Kopfplatte. ich weiß Gibson Puristen heulen hier auf. Aber die greifen auch eher zur Oldschool Les Paul ;)
3. Ich kauf mir erst ne Computer-Gitarre....
gantenkiel 10.12.2009
... wenn ich mit der automatisch Bier auf die Bühne bestellen kann - nebst Pizza. Bin sehr erstaunt über den Artikel hier, find das aber zur Abwechslung ganz gut, wenn SPON so etwas bringt. Bin Gibson LP - Fan, aber ich habe mir das "Haben-Wollen" bei technischen Spielereien abgewöhnt. Ich besitze seit ungefähr 1,5 Jahren ein Effektboard mit gefühlten Trilliarden von Einstellmöglichkeiten.... Naja, was soll ich sagen, ich blicks immer noch nicht richtig, weil ich eben Bedienungsanleitungen nich so sexy finde. Allerdings befürchte ich tatsächlich, dass bei 3000 Euro für diese Gibson (ist für die Firma überhaupt kein soooo teurer Preis, die haben noch ganz andere Kaliber) die Holzqualität entsprechend nicht so dolle sein kann. Aber wenn die sich wirklich an ihre Limitierung halten, dann könnte da durchaus ein Sammlerstückchen draus werden.
4. Razzia
fkehren 10.12.2009
das Holz ist dann vermutlich Rosenholz aus Madagaskar... http://consumerist.com/2009/11/feds-raid-gibson-guitars.html
5. Rosewood ist nicht "Rosenholz"
El gato negro 12.12.2009
Rosewood ist auf deutsch Palisander, nicht Rosenholz.
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