Google-Betriebssystem: Chrome OS schon jetzt ausprobieren

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Erst in einem Jahr soll Googles Betriebssystem Chrome OS eingeführt werden -doch ausprobieren kann man es schon jetzt. SPIEGEL ONLINE hat das Online-OS der Suchmaschinisten getestet und erklärt, wie Sie es auf Ihrem eigenen Computer installieren können - vollkommen gefahrlos.

Chrome OS: Googles Betriebssystem schon jetzt testen Fotos

Einen Frühstart in Sachen Chrome OS hat der Computerbauer Dell hingelegt. Dessen Mitarbeiter Doug Anson und einige seiner Kollegen haben sich die Zeit genommen, das Google-System an das Dell-Netbook Mini 10v anzupassen. Angeregt wurden sie zu der Aktion vom Tech-Blog engadget, wo man es bereits zuvor geschafft hatte, die Software auf einem Dell-Notebook zu installieren. Noch zeigt das Projekt aber nur, dass so etwas prinzipiell geht: Obwohl sekundenschnell von einem USB-Stick gestartet, muss man fünf bis zehn Minuten warten, bevor man damit tatsächlich loslegen kann - die Treiber fürs drahtlose Netzwerk haben offenbar noch Macken.

Trotzdem: Dell stellt die Software schon jetzt als kostenlosen Download bereit. Um damit etwas anfangen zu können, braucht man allerdings drei Dinge: Ein Dell Mini 10v, einen 8-GB-USB-Stick und vor allem Geduld. Am Montagmittag stellte uns Dells Download-Server noch eine Wartezeit von drei Tagen zur Beendigung des Downloads in Aussicht.

Gut dass es auch einfachere Möglichkeiten gibt, Chrome OS schon jetzt - und ganz ohne Dell-Notebook - auszuprobieren. Verschiedene Websites stellen nämlich sogenannte virtuelle Festplatten mit vorinstalliertem Chromium OS bereit. So heißt die Variante von Chrome OS, die auf dem von Google veröffentlichten Chrome-OS-Quellcode basiert. Unter anderem bei gdgt kann man sich ein solches Chromium OS herunterladen, das sich mit Programmen wie dem kostenlosen Vmware Player, Vmware Fusion oder Virtual Box auf nahezu jedem aktuellen Computer ausprobieren lässt, ohne dass man es dafür auf dem Rechner installieren müsste: in einer virtuellen Maschine nämlich, die per Software einen Computer im Computer nachbildet.

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Das neue Betriebssystem: Google Chrome OS

Wir haben uns dafür entschieden, hierfür das kostenlose Virtual Box von Sun zu verwenden. Und tatsächlich: Die Installation ist einfach und schnell erledigt. In Virtual Box muss man nur eine neue virtuelle Maschine anlegen, der man vorgibt, sie solle das soeben heruntergeladene Chrome-OS-Festplattenabbild (mit der Endung vdmk) als Festplatte nutzen. Wichtig dabei: In den Netzwerkeinstellungen von Virtual Box muss von "NAT" auf "Netzwerkbrücke" umgeschaltet werden.

Sekunden später grüßt der Chrome-OS-Startbildschirm mit der Aufforderung, Nutzernamen und Passwort einzugeben. Hier tippt man seinen Google-Nutzernamen samt Passwort ein - ohne diese Verbindung zur Suchmaschine läuft bei Chrome OS gar nichts. Wer also Bedenken hat, sich bei Google anzumelden, kann an dieser Stelle aufhören zu lesen, muss sich auch künftig keine Gedanken mehr über Chrome OS machen.

Der Browser ist das Betriebssystem

Wer erwartet hat, jetzt ein schickes neues Betriebssystem à la Linux, Mac OS X oder Windows zu sehen, wird enttäuscht sein. Chrom OS sieht aus, als hätte jemand das Fenster von Googles Chrome-Browser bildschirmfüllend geöffnet und dabei den Knopf zum Schließen des Fensters entfernt. Wer den Browser Chrome kennt, kommt mit Chrome OS sofort klar. Verschiedene parallel zueinander laufende Anwendungen werden in Reitern (Tabs) nebeneinander aufgereiht.

Dass hier tatsächlich ein Betriebssystem am Werk ist, erkennt man erst, wenn man auf das Chrome-Logo links oben klickt. Dahinter nämlich verstecken sich die vorinstallierten Chrome-Programme, wobei der Begriff Programme eigentlich in die Irre führt. Tatsächlich handelt es sich einfach um eine hübsch präsentierte Sammlung von Links, die auf verschiedene Web-Apps verweisen.

Offline geht (fast) gar nichts

Aber das war zu erwarten: Chrome OS ist ein Betriebssystem für vernetzte Computer, funktioniert ohne Netzzugang nur rudimentär. Möglich, dass sich das im Laufe der weiteren Entwicklung noch ändert, wenn Technologien wie etwa Google Gears die Nutzung von Online-Applikationen auch offline ermöglichen. Vorerst geht das jedoch nicht.

Von Google sind in der App-Sammlung derzeit vornehmlich typische Google-Online-Anwendungen wie Google Mail, Docs, Reader und Kalender voreingestellt. Außerdem können Seiten wie Picasa, YouTube und Twitter direkt erreicht werden. Und auch die Konkurrenz haben die Suchmaschinisten nicht vergessen. Wer seine Mail lieber über Hotmail oder Yahoo erledigt, findet auch dafür vordefinierte Links. Die verweisen allerdings allesamt auf US-Web-Seiten. Ein Verweis auf eine künftige Erweiterbarkeit dieser Linksammlung ("Get more…") ist zwar bereits vorhanden, aber noch ohne Funktion.

Ein wenig wackelig

Sonderlich stabil läuft das virtuelle Chrome OS allerdings nicht. Bei unseren Tests erstarrte die Software regelmäßig, sobald sie einige Minuten nicht verwendet wurde. Der Mauszeiger war zwar noch steuerbar, Aktionen ließen sich damit aber nicht mehr anstoßen, jeder Klick lief ins Leere. Nachvollziehbar allergisch reagierte das virtuelle System auch auf Versuche, die W-Lan-Funktion zu aktivieren. Ein Klick auf die Schaltfläche "Turn Wifi on" brachte entweder gar keine Reaktion zustande oder das System zum Stillstand. Schlimm war diese Malaise freilich nicht, da die virtuelle Maschine dem Chrome OS trotz W-Lan-Anbindung des Wirtsrechners eine verkabelte Ethernet-Verbindung vorgaukelte.

Dass man Chrome OS jetzt schon ausprobieren kann, ist vor allem dem Umstand zu verdanken, dass Google den Chrome-OS-Quellcode jedermann für eigene Modifikationen freigegeben hat. Da das System zudem auf etablierten Linux-Standards aufgebaut ist, ist es für geschickte Programmierer kein Problem, die Software in lauffähigen Versionen zu verteilen. Diese Adaptionen zeigen allerdings auch ganz klar, dass man sich von Google kein gewöhnliches Betriebssystem erwarten sollte. Die Software ist komplett vom Netz abhängig, lebt davon, Online-Anwendungen bereitzustellen. Offline bleibt vom Chrome-OS-Glanz nur ein matter Widerschein - zumindest vorläufig.

Online aber macht das Herumspielen mit der Google-Software Spaß, zeigt, in welche Richtung Googles Programmierer denken: Chrome OS soll einfach werden, sich auf die absolut notwendigen Grundlagen konzentrieren, dem Anwender die Computertechnik möglichst vom Leibe halten. Wenn Google dieses Prinzip bis zur Markteinführung von Chrome OS durchhält, womöglich noch verbessert, wird die Software ein feines Betriebssystem für alle, die noch nie etwas mit Computern zu tun hatten oder haben wollten. Mehrheitsfähig aber wird Chrome OS wohl bis auf weiteres nicht werden.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
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1. *Schnarch*
Motorpsycho 30.11.2009
Wer wollte ein Betriebssystem testen, das als einzige Applikation einen Browser bietet, dessen ausschließlicher Zweck es ist, sich mit Google zu verbinden? Und die Aussage "Der Browser ist das Betriebssystem" ließt sich zwar schön, wird durch stete Wiederholung aber nicht richtiger. Das Betriebsystem ist ein "stinknormales" Linux mit X.org auf dem ein Browser läuft und zwar stinknormal wie jeder Browser auf jedem anderen OS. Lediglich der Desktop-Manager sorgt dafür, dass der Browser immer bildschirmfüllend dargestellt wird.
2. Google Werbung ?
flo2005 30.11.2009
Sollte Werbung nicht normalerweise als solche auch kenntlich gemacht werden ? Irgendwie kommt mir die Rubrik "Netzweld" wie eine Werbekolumne fuer Google und Apple vor. Selbst nichtfunktionierendes wird als tolle Neuigkeit praesentiert. Google Chrome kann nichts mehr als es etablierte Betriebssysteme wie diverse Linux Distribs oder auch Windows schon laenge koennen. Man loesche einfach alle Funktionen und laesst dem Benutzer nur Zugriff auf den Browser - fertig ist das tolle neue Betriebssystem welches sogar ganz ohne Probleme heute funktioniert... So what ?
3. aw
kdshp 30.11.2009
Zitat von sysopErst in einem Jahr soll Googles Betriebssystem Chrome OS eingeführt werden -doch ausprobieren kann man es schon jetzt. SPIEGEL ONLINE hat das Online-OS der Suchmaschinisten getestet und erklärt, wie Sie es auf Ihrem eigenen Computer installieren können - vollkommen gefahrlos. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,664250,00.html
Sonderlich stabil läuft das virtuelle Chrome OS allerdings nicht. Bei unseren Tests erstarrte die Software regelmäßig, sobald sie einige Minuten nicht verwendet wurde. (aus dem artikel) Hallo, ja super das erinnert mich an die anfänge von windoof´s.
4. Needless
DELAN, 30.11.2009
Erste Frage: Wer braucht das? Die zweite Frage: Was will Google damit erreichen? Antwort: Weltweit mehr erfassen, lauschen, spionieren und Daten sammeln.
5. Definition von Betriebssystem
Snow white 30.11.2009
Zitat von MotorpsychoWer wollte ein Betriebssystem testen, das als einzige Applikation einen Browser bietet, dessen ausschließlicher Zweck es ist, sich mit Google zu verbinden? Und die Aussage "Der Browser ist das Betriebssystem" ließt sich zwar schön, wird durch stete Wiederholung aber nicht richtiger. Das Betriebsystem ist ein "stinknormales" Linux mit X.org auf dem ein Browser läuft und zwar stinknormal wie jeder Browser auf jedem anderen OS. Lediglich der Desktop-Manager sorgt dafür, dass der Browser immer bildschirmfüllend dargestellt wird.
Betrieb im Sinne von etwas betreiben/machen System = Summe mehrerer Komponenten, die eine Einheit darstellen Betriebssystem = Summe von Softwarekomponenten, die für den Betrieb eines Computers zu einem bestimmten Zweck notwendig sind. Beispiele: Betriebssystem = Kernel + Cmd-Shell Betriebssystem = Kernel + Gui-Shell Betriebssystem = Kernel + Cmd-Shell + Gui-Shell Betriebssystem = Kernel + Browser + Webapps :wq
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