Google-Betriebssystem: Google startet Chromebook-Offensive

Aus San Francisco berichtet

Google macht Ernst: Gemeinsam mit Hardware-Partnern will der Konzern sein erstes Notebook mit dem eigenen Betriebssystem Chrome noch in diesem Sommer in Onlineshops bringen - auch in Deutschland. Google greift seine Hauptkonkurrenten einzeln an: Apple mit Android, Microsoft mit Chrome OS.

Chromebooks: Hardware für Google Fotos
AP

Die Ansage klingt vielversprechend: Die beiden ersten Chromebooks werden kleine, schlanke Geräte sein, die innerhalb weniger Sekunden hochfahren sollen - weil auf den Rechnern selbst kaum Software installiert ist. So erklärte es der zuständige Google-Manager Sundar Pichai bei der Entwicklerkonferenz I/O am Mittwoch. Die Chromebooks sollen demnach praktisch ständig mit dem Netz verbunden sein, lange Akkulaufzeiten sollen Nutzer unabhängig von Steckdosen machen. "Ich habe nie ein Ladegerät dabei, wenn ich ein Chromebook benutze", beteuerte Pichai.

Das erste Chromebook von Samsung wird demnach einen 12,1-Zoll-Bildschirm haben, die Batterie soll acht Stunden lang durchhalten. Das Gerät wird mit W-Lan und optional auch mit UMTS ausgeliefert. Die W-Lan-Version werde in den USA 429 Dollar kosten, das UMTS-fähige Gerät 499. Die Nummer zwei, das Acer-Chromebook, ist kleiner und preiswerter. Es hat einen 11,5-Zoll-Bildschirm, und wird ebenfalls mit W-Lan und optional mit UMTS angeboten. Kosten wird es Pichai zufolge ab 349 Dollar. Viel Platz wird auf den Maschinen nicht sein - in einer späteren Pressekonferenz sprach Pichai von "bis zu 16 Gigabyte" SSD-Speicher. Chromebooks sind für die Wolke gedacht, so viel ist klar.

Beide Geräte sollen ab dem 15. Juni sowohl in den USA als auch in diversen europäischen Ländern angeboten werden, darunter Deutschland, Frankreich, England und Italien. Für den Vertrieb haben Samsung, Acer und Google offenbar exklusive Abkommen mit örtlichen Einzelhändlern und Mobilfunkanbietern geschlossen. In Deutschland werden die Chromebooks in Verbindung mit E-Plus-Mobilfunkverträgen angeboten werden, wie Pichai in einer Pressekonferenz bestätigte. Viele der Verträge mit europäischen Mobilfunk-Partner seien erst in den letzten zwei Wochen abgeschlossen worden, "manche erst gestern Nacht". Verkauft werden sollen die Geräte auch über bestimmte Onlineshops wie Amazon.

Werben um Geschäftskunden

Chrome OS ist ein Betriebssystem, das auf Datenspeicherung und -verarbeitung im Internet setzt. Bei der Präsentation wurde allerdings auch gezeigt, dass Chrome Web-Apps - neu präsentiert wurde eine online wie offline nutzbare Browser-Version des Spiels "Angry Birds" - ohne Internetverbindung lauffähig sein sollen. Auch Daten wie Fotos oder Musik können demnach sowohl in Web-Diensten wie Picasa oder Googles neuem Musikdienst "Music Beta" als auch auf der lokalen Festplatte abgelegt werden. Doch der Grundgedanke ist: Alle Daten, fast alle Verarbeitungsschritte sind im Netz untergebracht. Wer ein Chromebook nutzt, muss also Google und anderen Cloud-Anbietern voll und ganz vertrauen, sowohl was Datensicherheit als auch was Datenschutz angeht.

Google versucht mit den Chromebooks erneut, Geschäftskunden anzuwerben. Vorgestellt wurde ein Abonnement-Modell: Für 28 Dollar pro Arbeitsplatz im Monat sollen Chrome-OS-Rechner für Firmen zur Verfügung gestellt werden - einschließlich automatischer Hardware-Upgrades. Universitäten wird der gleiche Service für 20 Dollar angeboten. Dieses Abo-Modell soll es auch in Europa geben, die genauen Preise seien aber noch unklar.

All das ist ein direkter Angriff auf das Geschäftsmodell von Microsoft Chart zeigen. Chrome OS soll die Betriebssysteme und Office-Pakete aus Redmond schlicht überflüssig machen - für Privat- und auch für Firmenanwender. Windows und Office machen den Löwenanteil aller Microsoft-Umsätze aus. Wäre Chrome OS in Verbindung mit Google Apps ein Erfolg, würde das den Kernbereich des Microsoft-Geschäftes treffen. Googles zweiter Rivale Apple Chart zeigen scheint auf den ersten Blick von Chrome OS weniger betroffen. Google setzt im Wettstreit mit den beiden Hauptkonkurrenten offenbar auf zwei getrennte Betriebssysteme und getrennte Teams: Android gegen Apple, fokussiert auf mobile Geräte wie Handys und Tablets, und Chrome OS gegen Microsoft , fokussiert auf Rechner mit Tastatur.

Google-Gründer Sergey Brin äußerte sich bei der Präsentation zunächst noch recht freundlich zum großen Konkurrenten aus Redmond. Auf die Frage eines Journalisten bei einer Pressekonferenz im Anschluss gestand er, dass auch noch auf vielen Rechnern im Google-Hauptquartier Windows läuft. "Ich glaube nicht dass mit Windows etwas grundsätzlich nicht stimmt", fügte er hinzu, gerade Windows 7 habe "einige tolle Sicherheitsfeatures".

Dann aber wurde darüber gesprochen, wie einfach das Web-basierte Chrome OS das Leben aller Anwender machen werde: keine Treiberinstallationen mehr, keine Software-Updates, keine Versionsnummern und ständige Verbesserungen der Leistungsfähigkeit - schließlich fänden diese Verbesserungen draußen in der Wolke statt und nicht auf den Rechnern der Nutzer. Das werde den Alltag mit Computern revolutionieren, verkündete Brin. "Die Komplexität unseres Umgangs mit Computern quält uns alle. Es ist ein fehlerhaftes Modell", sagte er. Das sei auch eine Frage der Sicherheit, so Brin: "Man verliert Sicherheit, wenn man die Komplexität erhöht." Pichai: "Die Menschen wollen Einfachheit." Die Geräte seien aber "nicht für jeden und für jeden Zweck geeignet". Videoschnitt beispielsweise würde er nicht als Chromebook-Anwendung empfehlen, so Pichai.

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Auf die Frage, ob Chrome OS nicht letztlich auch ein Apple-artiger "walled garden", ein abgeschlossenes System sei, das andere Anbieter aussperre, sagte Pichai, das sei nicht der Fall. Schließlich geschehe bei Chrome OS alles im Web, und dort könne jeder Dienste anbieten. Als Beispiel nannte Pichai den Online-Speicher Dropbox: Man könne seine Files via Chrome OS auch dort aufbewahren, sei nicht auf Googles Server angewiesen. Einen anderen Browser als Chrome aber werde man auf den Chromebooks nicht installieren können. "Wenn Sie Internet Explorer oder Firefox nutzen wollen, sollten Sie vermutlich einen anderen Computer nutzen."

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insgesamt 72 Beiträge
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1. ganz nett..
svigo 11.05.2011
..aber nur als Preisbrecher um darauf dann Windows zu installieren, ein Google OS auf einem Laptop kann ich mir schwerlich vorstellen, kostengünstige OS gabs schon immer und die haben sich am Ende doch nicht durchgesetzt
2. Genial
AllesGrau 11.05.2011
Ich hoffe, das Betriebssystem bekommen die Hersteller umsonst und es handelt sich bei der Hardware (bald) um stinknormale PCs. Dann werfe ich das Zeug von Google möglicherweise gleich wieder runter und packe Linux drauf, habe aber endlich die Gewissheit, nicht einen Pfennig an Microsoft bezahlt zu haben, denen habe ich schon genug Geld für ungenutzte Windows-Lizenzen in den Rachen geworfen.
3. re
ersatzaccount 11.05.2011
Zitat von AllesGrauIch hoffe, das Betriebssystem bekommen die Hersteller umsonst und es handelt sich bei der Hardware (bald) um stinknormale PCs. Dann werfe ich das Zeug von Google möglicherweise gleich wieder runter und packe Linux drauf, habe aber endlich die Gewissheit, nicht einen Pfennig an Microsoft bezahlt zu haben, denen habe ich schon genug Geld für ungenutzte Windows-Lizenzen in den Rachen geworfen.
ChromeOS ist im Prinzip auch nichts anderes als eine weitere Linux-Distribution
4. Jaja Hauptsache Linux...
raphnex 11.05.2011
Zitat von AllesGrauIch hoffe, das Betriebssystem bekommen die Hersteller umsonst und es handelt sich bei der Hardware (bald) um stinknormale PCs. Dann werfe ich das Zeug von Google möglicherweise gleich wieder runter und packe Linux drauf, habe aber endlich die Gewissheit, nicht einen Pfennig an Microsoft bezahlt zu haben, denen habe ich schon genug Geld für ungenutzte Windows-Lizenzen in den Rachen geworfen.
Das Chrome OS IST Linux...
5. zu teuer
tim11 11.05.2011
Die Idee ist klasse und wird vor allem Netbooks Konkurrenz machen. Aber dafür sind sie noch zu teuer. Für 300€ bekommt man ein vollwertiges Netbook. Die Google-Chrome-Notebooks sollten daher nicht teuerer sein. Diese Technik ist auch sicherlich die Zukunft. Der größte Vorteil ist, dass die Daten nicht verloren gehen können, wenn der Rechner kaputt ist und auch ein überspielen der alten Daten auf einen neuen Rechner wird unnötig. Aber solange das UMTS-Netz nicht stark ausgebaut wird oder ein andere Weg gefunden wird, wirklich überall sicher ins Netz zu kommen, wird ein webbasiertes Notebook keine konventionellen ersetzen können.
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Marktanteile der Tech-Riesen
Suchmaschinen (Desktop)
Google 75,68%
Baidu 11,95%
Yahoo 5,92%
Bing 4,24%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Suchmaschinen (Mobil)
Google 88,35%
Yahoo 6,63%
Baidu 3,34%
Bing 1,08%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Desktop)
Microsoft Internet Explorer 58,35%
Firefox 23,72%
Chrome (Google) 11,50%
Safari (Apple) 4,15%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Mobil)
Safari (Apple) 54,03%
Opera Mini 21,42%
Android Browser 12,74%
Symbian 6,89%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Desktop)
Windows 91,92%
Mac 6,92%
Linux 1,16%
*weltweit, erhoben auf der Webbrowser-Angabe zum user-agent Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Mobil)
Android (Google) 49,7
iOS (Apple) 30,1
Symbian 6,9
RIM 2,1
Nokia 1,8
andere 9,4
Marktanteil an Smartphone-Betriebsystemen im März 2011 in Deutschland (%). Quelle: InMob Mobile Insights, Basis der Auswertung sind 518,7 Millionen inMobi-Werbeeinblendungen auf Mobilgeräten in Deutschland im März 2011 und 470,3 Millionen Werbeeinblendungen im Januar
Werbung
Umsatz gesamt* Umsatz Google* Anteil Google (in %)
Internet 72,842 36,531 50,15
Magazine 43,122 0
TV 184,29 0
Zeitungen 91,495 0
gesamt 458,385 36,531 7,97
*Werbeumsätze 2011, weltweit in Mrd. Dollar, veröffentlicht von ZenithOptimedia 15. März 2012, Googles Werbeumsatz im Jahr 2011
Webnutzer
Angebot Unique Visitors (Mio.) Ø-Stunden
Webnutzer gesamt 366,8 26,75
Google 333,4 3.,14
Microsoft 270,8 3,22
Facebook 240,0 5,43
Wikimedia 161,3 0,22
Yahoo 141,0 1,23
eBay 107,6 0,99
Amazon 91,4 0,27
Top 30 Online Portale in Europa nach Gesamtzahl der Unique Visitors. Mai 2011, Internetnutzer in Europa, Alter 15+, Zuhause und am Arbeitsplatz; Quelle: comScore Media Metrix

Google
Der Konzern
Reuters
Google wurde 1998 von den Studenten Sergey Brin und Larry Page gegründet und ging ein Jahr später online. 2010 machte die Firma mit ihren rund 20.000 Angestellten einen Umsatz von mehr als 29 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieben davon 8,5 Milliarden Dollar als Gewinn übrig. Die dominierende Stellung im Markt für Online-Werbung sorgt für ein attraktives Geschäftsmodell, birgt aber auch die Gefahr der extremen Abhängigkeit von nur einer Ertragsquelle. Immerhin 96 Prozent der Einnahmen erzielte Google im vergangenen Jahr mit Werbung.
Die Geschäftsfelder
Google hat im Laufe der Jahre zahlreiche Unternehmen übernommen - so etwa 2006 die Videoplattform YouTube und 2007 den Online-Vermarkter Doubleclick. Gleichzeitig hat die Firma ihre Geschäftstätigkeit auch selbst ausgebaut, zum Beispiel mit dem Dienst Google Street View oder dem E-Mail-Anbieter Google Mail.
Produkte, die Google nie veröffentlichen wollte

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