Daydream View im Test Mit diesem Headset greift Google Samsung an

Mit Daydream View bringt Google eine neue Virtual-Reality-Brille fürs Smartphone auf den Markt - zum Kampfpreis und mit Fernbedienung. Wie schlägt sich das Headset gegen Samsungs Gear VR? Der Test.

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Playstation VR von Sony, die Vive von Valve und HTC, die Oculus Rift von Facebook: Im Highend-Bereich konkurrieren mittlerweile drei Virtual-Reality-Brillen um die Gunst der Tech-Enthusiasten - zu Preisen zwischen 400 und 900 Euro. Für die meisten Menschen dürften daher günstige Headsets der erste Kontakt mit der virtuellen Realität (VR) sein: sogenannte Mobile-VR-Brillen, in die man als Bildschirm sein Smartphone steckt, wie bei Googles Pappkonzept Cardboard.

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Das bekannteste etwas bessere Mobile-VR-Headset ist bislang wohl die 100 Euro teure Gear VR, entwickelt von Samsung und Oculus. Für die Gear VR, die viele Galaxy-S7-Vorbesteller gratis bekommen haben, gibt es einige wirklich gute Spiele-Apps wie "Dead Secret", "Smash Hit VR" und "Land's End". Wer ein Gamepad mit der Brille koppelt, kann sogar "Minecraft" in VR spielen. VR ist zwar noch nichts, was den Smartphone-Alltag total verändert, aber mindestens eine nette Abwechslung.

Mit einer neuen Mobile-VR-Brille will nun auch Google im Preis- und Qualitätssegment der Gear VR angreifen. Daydream View heißt das neueste Gerät aus Mountain View, Google verspricht dazu "Virtual Reality, wirklich überall" - und das für nur 69 Euro, also 30 Euro günstiger als die Gear VR.

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Virtual-Reality-Headset: Das kann Googles Daydream View

Man braucht ein Luxushandy

Wie die Gear VR, die nur mit wenigen Samsung-Handys funktioniert, ist auch Daydream View kein Produkt für jedermann: Vorerst lässt sich das Headset nur mit Googles neuen Pixel-Smartphones nutzen, die mindestens 759 Euro kosten. Wohl erst in den nächsten Monaten werden auch andere Hersteller Daydream-kompatible Smartphones auf den Markt bringen.

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Wer sich für Daydream View interessiert, sollte wissen, dass das "View" im Namen wohl nicht von ungefähr kommt. Das Gerät ist - anders als Playstation VR, Vive und Rift - nur teilweise aufs Spielen ausgelegt, und erst recht nicht für traditionelle PC- oder Konsolenspiele vom Schlage eines "Robinson: The Journey". Das Mobile-VR-Headset eignet sich eher für Minispiele, fürs virtuelle Erkunden per Street View oder für das Anschauen von 360-Grad-Videos oder normalen Videos auf einer virtuellen Open-Air-Kinoleinwand (siehe Fotostrecke).

Das alles funktioniert immerhin komfortabel: Zur Daydream View gehört ein Controller im Stil einer Mini-Fernbedienung, mit dem man zum Beispiel durch Menüs navigieren kann. Sensoren im Controller erkennen unter anderem Schwung- und Neigebewegungen, über ein klickfähiges Trackpad lassen sich Figuren durch VR-Welten lotsen. Man kann mit dem Controller zum Beispiel virtuell eine Angel auswerfen oder einen Schläger schwingen, ähnlich wie mit Nintendos Wii-Controller.

Die Fernbedienung ist sinnvoll

Der Controller, dessen Akku maximal zwölf Stunden halten soll, ist ein echter Fortschritt: Bei der Gear VR ist es viel anstrengender, das Trackpad direkt am Headset zu bedienen. Ebenso nervt es, dass man in vielen Apps und Spielen per Blick Dinge auswählt oder auf Angreifer zielt: Eine längere VR-Session führt so schon mal zu Arm- und Nackenbeschwerden.

Mit dem Google-Controller könnte man in Spielen per Kopfbewegung sein Blickfeld anpassen und zugleich per Fernbedienung Gegner anvisieren oder seine Figur durchs Level lotsen. Sinnvoll sind auch die Knöpfe auf dem Controller, mit denen sich die Lautstärke regulieren, die Sicht fokussieren und direkt ins Hauptmenü springen lässt.

Das Daydream-Hauptmenü ähnelt dem der Samsung-Konkurrenz, in einer Art 3D-App-Store kann man Programme starten, kaufen und installieren. Die Auswahl an Apps war zu unserem Testzeitpunkt noch bescheiden, das war bei der Gear VR aber anfangs auch so und ist mittlerweile besser geworden.

YouTube als Standard-App

Im App-Angebot sind vor allem die Google-eigenen Programme bemerkenswert: Wer Daydream View nutzt, kann direkt auf Street View und YouTube zugreifen, Letzteres geht bei der Samsung-Brille nur umständlich über einen Webbrowser.

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Gear VR: Das ist Samsungs Virtual-Reality-Brille

YouTube ist ein guter Startpunkt für Daydream-Käufer, hier finden sich jede Menge 360-Grad-Videos bekannter Medien und Künstler. Über kurz oder lang wird man dann wohl auch mit Daydream View in irgendeiner Form mobil surfen können. Außerdem dürften viele Cardboard- und Gear-VR-Apps im Daydream-Bereich des Play Stores auftauchen.

Von der Software und der Bedienung her überzeugte Daydream View im Test, auch das Koppeln von Brille und Handy per NFC-Technik funktioniert problemlos. Im Vergleich zur Oculus Rift oder der HTC Vive freut man sich, dass es keine Kabel gibt, über die man stolpern könnte. Daydream View sieht mit seinem Stretch-Gehäusematerial auch schick aus: Wenn die beleuchtete Playstation VR die Brille für Science-Fiction-Fans ist, ist die von Google das Pendant für Hipster.

Nicht besonders bequem

Schade ist es da, dass der Tragegefühl des Headsets zu wünschen übrig lässt. Bei unserem Test kam es immer wieder vor, dass die Brille rutschte, vor allem, wenn man sie zwischendurch kurz abgenommen hatte. Obwohl die Brille selbst mit 220 Gramm eher leicht ist, ist es nervig, sie zu tragen, auch, weil ihr Halteband nur einmal um den Kopf gespannt wird.

Es gibt also kein zusätzliches Über-Kopf-Band, das vielleicht die Haare verwüstet, dafür aber der Brille mehr Halt gibt und ein wenig vom Gewicht auf die Kopfmitte verlagert. Daydream hängt eher im Gesicht, zudem ist das Einstellen des Bandes mit den Schnallen unnötig kompliziert.

Ein weiteres Ärgernis: Die Google-Brille ist unten recht lichtdurchlässig. Das hilft zwar, zur Not schauen zu können, wo etwa ein Glas steht oder wo die Fernbedienung liegt. In manchen Apps schadet das Licht aber auch dem Mittendringefühl. Zuletzt wirkt auch das Sichtfeld in der Google-Brille etwas kleiner als bei den meisten Konkurrenzmodellen.

Lohnt sich Daydream View?

Unterm Strich ist Daydream View ein Headset, das ein wenig unangenehm zu tragen ist, das aber gut aussieht, kabellos daherkommt und sich vor allem recht komfortabel bedienen lässt. Besitzt man ein Pixel-Handy, lohnen sich die 69 Euro. Nur für die Brille ein solches Smartphone zu kaufen, wäre aber übertrieben. Im direkten Vergleich mit der Gear VR ist der Controller ein Vorteil, der das VR-Erlebnis komfortabler macht.

Vorteile und Nachteile

günstiger Preis (wenn man das passende Smartphone besitzt)

Apps für YouTube und Street View

vielseitig verwendbare Fernbedienung

kabelloses VR-Erlebnis

trägt sich eher unangenehm

unten kommt Licht durch

Sichtfeld ist nicht sonderlich groß

Wie Samsungs Headset hat übrigens auch die Google-Brille kein Positional Tracking, sprich: Sie merkt nicht, ob sich der Spieler etwa nach hinten oder vorn beugt. Und zum Slogan "Virtual Reality, wirklich überall" sei noch gesagt, dass Google empfiehlt, die Brille ausschließlich im Stehen oder Sitzen zu verwenden. Wer also will, dass seine Brille merkt, wo er sich im Raum befindet - was das VR-Erlebnis oft intensiviert -, muss sich dann doch bei den teureren Headsets umschauen.



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
mosquito60 10.11.2016
1. Omg
Das Ding ist ja hässlich wie eine Gasmaske!
cave68 10.11.2016
2.
Zitat von mosquito60Das Ding ist ja hässlich wie eine Gasmaske!
....oder es wurden Restbestände irgendwelcher Nachtsichtgeräte umgebaut und zweckentfremdet;-)
peter.lange 10.11.2016
3. Gewoehnunsbeduerftig
Erinnert an eine Taucherbrille, die mit Teppichresten umwickelt wurde.
mettwurstlolli 11.11.2016
4. Oh Gott
Sieht wie selbstgebastelt aus.
blob123y 11.11.2016
5. Typische google
kopiert von den Anderen, knallt ein paar Milliioenchen ins Marketing und klopft sich auf die Brust. Wenn der Page die Lust verliert hauen die die Sachen weg und wer das mal gekauft hat hat nen' schlechten Tag erwischt. In den letzten Monaten sind bei denen tausende websites die auf der "blogger" Platform gehostet worden einfach verschwunden nachfragen? Die sind in der viruellen cloud evaporisiert. Wo die Sachen sind? Keiner weiss es, das mit der Google cloud ists schon dasselbe. Vertraut Google keine Daten an es gibt bei denen gibt es keinerlei Verantwortungsbewustsein und nachdem die jetzt total nach Bangalore Softwarepark umgezogen sind geht fast nichts mehr.
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