Google Home Max im Test Jetzt kommt's dicke

Zur Ifa bringt Google endlich seinen Smartspeaker Home Max in Deutschland auf den Markt. Wir haben den wuchtigen Aktivlautsprecher vorab getestet.

Matthias Kremp

Von


Unsere Leser sind die Besten. Das muss man einfach mal so sagen. Klar, manchmal meckern sie und manchmal sogar mit Recht. Aber manchmal sind sie auch einfach entzückend. So wie der Stuttgarter Benjamin Herrmann, der sofort reagierte, als er meinen Test des Apple HomePod las, den ich mir in Schottland gekauft hatte, um ihn ausprobieren zu können, bevor er in Deutschland auf den Markt kam.

Kurz nachdem er den Testbericht gelesen hatte, machte mir Herrmann ein großzügiges Angebot: Er hatte sich gerade aus den USA zwei Exemplare des Google Home Max mitgebracht. Eines davon wollte er mir zum Ausprobieren schicken - damit ich es mit dem HomePod vergleichen könne. Ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann. Schließlich verkauft Google den Max in den USA schon seit Ende 2017.

Was ich dann aus dem Karton wuchtete, war auf den ersten Griff anders als alle Smartspeaker, die ich zuvor in den Händen hielt, nämlich ganz schön schwer. Mit 5,3 Kilogramm wiegt er so viel wie sechseinhalb Amazon Echos oder zwei Apple HomePods. Und Gewicht ist für viele Hi-Fi-Fans bei Lautsprecherboxen eine ähnliche Währung wie Hubraum für Auto-Enthusiasten: Viel hilft viel.

Stellt man den Home Max senkrecht hin, arbeitet er als Monolautsprecher, horizontal hingelegt agieren die links und rechts eingebauten Lautsprecher als Stereopaar. Außer wenn man sich direkt davor setzt, merkt man davon freilich recht wenig. Ja, linker und rechter Kanal sind getrennt voneinander wahrnehmbar, aber richtig Stereo ist das nicht. Dafür sind die beiden Basslautsprecher und die Hochtöner im Home Max zu eng nebeneinander.

Für richtigen Stereosound braucht man eben doch zwei getrennte Boxen. Aber auch das lässt sich machen. Zwei Home Max können über die Google-Home-App zu einem Stereopaar verbunden werden. Aber ich hatte ja nur ein Testgerät zur Hand, ausprobieren konnte ich das also nicht.

Ohrenschmeichelei

Aber auch mit einem einzigen Home Max merkt man schnell, dass man einen richtig erwachsenen Lautsprecher vor sich hat. Bässe gibt er sehr kräftig wieder, und auch im Höhenbereich kann er gut mithalten, wenngleich dort oben ein wenig der ganz brillante Glanz fehlt. Die Mitten wirken auf mich ein klein wenig unterbelichtet.

Der Sound ist so getunt, wie ihn wohl die Mehrheit mag: Höhen und Bässe ein wenig angehoben, Mitten etwas abgesenkt. So wie es die Loudness-Taste an manchen Stereoanlagen macht. Im Ergebnis klingt der Max voll, rund und immer auch ein bisschen weich. Audiophil ist das nicht, schmeichelt aber den Ohren und passt zu jedem Musikstil, den ich auf ihn losgelassen habe. Und er kann richtig laut werden, klingt dann aber nicht mehr so sauber wie bei mittleren Lautstärken.

Anpassungsfähig

Eine Besonderheit ist, dass der Home Max auch in fast jedem Raum gut klingt. Zum Test habe ich ihn in meinem Wohnzimmer, meinem Arbeitszimmer und einem Kellerraum ausprobiert, der normalerweise schrecklich hart und kalt klingt. Der Max aber passte seinen Klang automatisch der jeweiligen Umgebung an.

Ähnlich wie Apples HomePod lauscht er mit seinen Mikrofonen, wie der Raum, in dem er steht, "klingt" - und passt seine Wiedergabe entsprechend an. Diese Automatik läuft immer, reagiert also beispielsweise auch darauf, wenn man die Möblierung verändert. Sonos hat ein ähnliches System namens Trueplay, das hervorragend funktioniert. Allerdings muss man Trueplay manuell kalibrieren, und es arbeitet nur mit bestimmten iPhones und iPads zusammen, die man als Messmikrofon durch den Raum schwenken muss.

Auch mal anbrüllen

Ansonsten werden die Mikrofone benutzt, um Sprachbefehle oder Fragen zu registrieren. Schließlich ist der Home Max, genau wie ein Google Home, ein Amazon Echo oder ein Apple HomePod, ein Smartspeaker. Man kann also mit ihm reden, ihn bitten, Musik abzuspielen und das Licht anzumachen, die Lautstärke regeln, Wissensfragen stellen, nach dem Wetter, dem Verkehr oder dem Regierungschef von Tuvalu fragen.

Das klappt normalerweise auch alles ziemlich gut. Nur wenn man die Musik deutlich über Zimmerlautstärke aufdreht, muss man den Max laut ansprechen, im Zweifel auch mal anbrüllen.

Theoretisch kann man die Lautstärke auch über einen Touch-Sensor an der Oberseite regeln. Praktisch macht das aber keinen Spaß, weil die Skala des Sensors nicht von 0 bis 100 Prozent reicht, sondern man mehrmals über diese Fläche wischen muss, um signifikante Lautstärkeänderungen zu erreichen.

Wie bei den anderen Smartspeakern von Google gibt es auf der Rückseite einen Schalter, der die eingebauten Mikrofone abschaltet, was aus dem smarten Lautsprecher einen Lautsprecher macht.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Warmer, angenehmer Sound

Sehr kräftige Basswiedergabe

Sehr laut

Passt seinen Klang dem jeweiligen Raum an

Gute Spracherkennung

Touch-Kontrolle ist nicht intuitiv

Der Home Max hält, was seine Größe und sein Gewicht versprechen: Er ist der lauteste Smartspeaker, den ich bisher erlebt habe, und er liefert extrem fette Bässe. Zwei Home Max dürften eine veritable Stereoanlage, auch für große Partys, abgeben. Dann muss man aber auch investieren. Google gibt den Preis mit 399 Euro pro Stück an. Was seine Smart-Funktionen angeht, gibt es keine Überraschungen. Ein Smart Home kann man mit dem Home Max genauso gut steuern wie mit einem Home Mini.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
rara_bb 30.08.2018
1. Kremp bleibt sich treu
Und wieder ein Artikel über ein Produkt, bei dem er es schafft, nicht nur am laufenden Band die Firma Apple zu erwähnen, sondern diesmal sogar schon von Apple spricht, bevor er das eigentlich Testobjekt überhaupt erst im Text erwähnt hat - Kompliment! Wird Zeit, dass die Gadgets-Sektion umbenannt wird in "Apple und Vergleiche mit Apple".
sonstwerge 30.08.2018
2. Ganz schlimme sache
Zitat von rara_bbUnd wieder ein Artikel über ein Produkt, bei dem er es schafft, nicht nur am laufenden Band die Firma Apple zu erwähnen, sondern diesmal sogar schon von Apple spricht, bevor er das eigentlich Testobjekt überhaupt erst im Text erwähnt hat - Kompliment! Wird Zeit, dass die Gadgets-Sektion umbenannt wird in "Apple und Vergleiche mit Apple".
Stimmt der Artikel besteht ja nur aus den Wörtern Apple. Leiden Sie unter Verfolgungswahn? Außerdem wird öfters Amazon erwähnt. Und nun? Mal abgesehen davon, das ich nicht erkennen kann, dass der Home Max unfair und schlecht bewertet wurde.
wildthin9 30.08.2018
3. Home Pod...
..Schukostecker kaufen, Homepodstecker abschneiden, Kabel abisolieren, verbinden, fertig. Oder nen Elektriker fragen, 5 oder 10 Euro Trinkgeld, fertig...
chrismuc2011 30.08.2018
4.
Bässe kann der Mensch nicht orten, für einen zweiten Lautsprecher würde eine kleinere Box mit Mittel und Hochtönern reichen. Den Rest hört man mit dem Bauch.
noerglerfritz 30.08.2018
5. @sonstwerge
Das hat nichts mit Verfolgungswahn zu tun — es stimmt einfach, was rara_bb schreibt. Aber Sie haben recht — es gab schon schlimmere Artikel vom Kremp. Es ist leider so: er streut Apple-Produkte ein, wo er nur kann. Das nervt gewaltig.
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