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Google I/O: Mit Android überallhin

Aus San Francisco berichtet

Entwicklerkonferenz I/O: Google präsentiert seine Neuheiten Fotos
REUTERS

Im Handy, im Auto, im Fernseher, am Arm: Google baut sein Betriebssystem Android für etliche neue Plattformen aus. Gleichzeitig wird die Software für das nächste große Update grundlegend überarbeitet. Die Neuheiten im Überblick.

San Francisco - Im großen Saal des Moscone Center in San Francisco ist Googles Welt noch in Ordnung. Rund 6000 Gäste haben sich zur Keynote versammelt. Die meisten davon sind Entwickler, die jede Neuheit brav beklatschen.

Draußen sieht das anders aus: Vor dem Hauptquartier der Firma haben am Mittwochmorgen Besetzer ihre Zelte aufgeschlagen, die unter dem Titel "Google Occupy" die Freiheit im Internet zurückfordern. Und auch im Saal selbst gab es Proteste: Zuerst lief eine Frau im bemalten T-Shirt vor die Bühne, später skandierte ein Mann: "Ihr arbeitet alle für eine totalitäre Firma, die Maschinen baut, die Menschen töten."

Das waren schon fast die Highlights der Veranstaltung, auf der der Konzern Hard- und Softwareentwickler zur Unterstützung seiner Plattformen anfeuerte. Neue Hardware gab es nur am Rande zu sehen, in Form von Smartwatches, die Googles Manager entweder selbst am Arm trugen oder die in den Vorführungen neuer Software eine Rolle spielten. Und neue Software bot Google reichlich auf der fast dreistündigen Veranstaltung.

Statt des offiziellen Mottos "Design, Develop, Distribute" könnte man die I/O (Input/Output) genannte Konferenz auch "Android everywhere" (Android überall) nennen. Denn das ursprünglich für Handys entwickelte Betriebssystem soll nach Googles Plänen bald nahezu überall zu finden sein, im Auto, im Wohnzimmer und am Handgelenk.

Project L

Vor allem aber arbeitet der Konzern daran, Android moderner und schicker zu machen, um seine Marktposition weiter auszubauen. Dabei konnte Google-Manager Sundar Pichai bereits melden, dass jetzt eine Milliarde Menschen pro Monat Android benutzen und der Marktanteil bei Tablets auf 62 Prozent ausgebaut werden konnte, in erster Linie zulasten von Apples iPads.

Fast eine Stunde widmete sich Pichai dann der nächsten Android-Version für Smartphones und Tablets, die derzeit unter der Bezeichnung Project L entwickelt wird. Als Funktion wird diese Version beispielsweise einen Mitteilungsdienst enthalten, der Meldungen und Hinweise auf dem Sperrbildschirm anzeigt, wo man sie auch gleich bearbeiten kann.

Flach wie iOS 7

Außerdem wird Android L 64-Bit-Prozessoren unterstützen und soll auf bestehender Hardware erheblich schneller laufen als die bisherigen Android-Versionen. Zudem wurde ein Android Extension Pack gezeigt, dass die Grafikleistung für Spiele verbessern soll. Eine Demovorführung war durchaus beeindruckend. Allerdings braucht man den Angaben zufolge ein neues High-End-Tablet, um davon zu profitieren.

Sehr viel Raum nahm die Beschreibung des neuen Designs von Project L ein, dass in mancherlei Hinsicht an Apples iOS 7 erinnert. Genau wie bei diesem ist die neue Optik sehr flach und klar gehalten. Unter anderem soll das Update ein intensiveres optisches Feedback geben, wenn man den Bildschirm berührt. Gleichzeitig soll eine neue Technik ermöglichen, Elemente der Benutzeroberfläche räumlich in mehreren Ebenen zu stapeln. Das sieht nett aus und schafft Übersicht.

Android-Schwemme

Neben Project L wurden noch zwei weitere neue Android-Varianten angekündigt: zum einen Android Auto, das in Autos die Benutzeroberfläche von deren Bordcomputern übernehmen soll, sobald man ein Android-Smartphone anstöpselt. Navigation, Kommunikation und Musikunterhaltung werden ab dann vom Telefon eingespielt. Ein Konzept, das stark an Apples Carplay erinnert. 40 Hersteller haben sich bereits dazu erklärt, das System verwenden zu wollen. Android TV wiederum soll ein Ersatz für herkömmliche Smart-TV-Systeme werden und Google-Technik, vor allem Googles Suchfunktionen, in TV-Geräte und Set-Top-Boxen integrieren.

Um außerdem die potenzielle Kundschaft für Android-Smartphones zu erweitern, hat Sundar Pichai die Initiative Android One angekündigt. Dabei handelt es sich um ein System, das den Bau besonders günstiger Smartphones ermöglichen soll, mit denen man "die nächste Milliarde" Mobilfunknutzer erreichen will. Zielmärkte sieht man in Schwellenländern wie Indien. Auf der Google I/O wurde ein Android-One-Handy gezeigt, dass nur 100 Dollar kosten soll, was für viele Menschen in solchen Ländern allerdings immer noch sehr viel Geld ist.

Gleichzeit demonstrierte der Konzern, dass er ins Big Business will. So soll Android künftig nativ Microsofts Office-Formate beherrschen, sodass man etwa eine Powerpoint-Präsentation direkt in einer Mail anschauen kann. Außerdem bietet Google eine neue Version seines Cloud-Speichers Drive an, die Firmenmitarbeitern gegen zehn Dollar pro Monat unbegrenzten Webspeicher bietet. Android soll künftig auch die Möglichkeit bieten, zwei getrennte Speicherbereiche für private und berufliche Daten einzurichten. Eine solche Funktion bietet Blackberry bereits seit einiger Zeit an.

Uhren, die man nicht anfassen muss

Das Highlight der Show waren aber fraglos die Smartwatches von Motorola, LG und Samsung, die gezeigt wurden. Auf ihnen war zu erkennen, dass Google mit dem für Wearables entwickelten Betriebssystem Android Wear das Rad nicht neu erfunden hat. Wie bisher bei Computer-Uhren schon üblich, dienen auch die neuen Modelle schlicht als Erweiterung fürs Smartphone. Elegant ist die Lösung, dass man keine Apps installieren muss. Stattdessen werden Apps automatisch auf die Uhr kopiert, wenn man eine neue App auf dem Smartphone installiert. Ein Trick, der nur funktioniert, wenn die App vom Entwickler entsprechend konzipiert wurde.

Die Bedienung der Uhr selbst erfolgt in erster Linie mit Sprachkommandos. Nur selten muss man den Touchscreen berühren, App-Icons und dergleichen gibt es nicht. Während Samsungs Gear Live und LGs G Watch sofort lieferbar sein sollen, werde Motorolas Moto 360 erst später in den Handel kommen, hieß es. Sie ist die einzige der neuen Google-Uhren, die mit einem runden Display geliefert werden soll.

Während also die bahnbrechenden Hardware-Neuheiten ausblieben, lieferte Google die erwarteten Software-Neuerungen und schickte die Zuschauer der Keynote mit einer kleinen Bastelaufgabe in die Pause: Am Ausgang bekam jeder Teilnehmer eine Pappschachtel in die Hand gedrückt, aus der man sich eine Art analoge Google-Glass-Brille bauen soll. Das Bastelset wirkt wie eine Spielerei, ist aber ein ernsthaftes Google-Projekt mit App und allem, was dazugehört. Eine nette Möglichkeit sich zu beschäftigen, bis die wirklich großen Neuheiten kommen.

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insgesamt 55 Beiträge
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1. oh gott
jurijan 26.06.2014
warum wird eigentlich jede Neuigkeit von IOS so hochgelobt und die Neuerungen von Android dermaßen schlecht geredet? Ich bin sehr zufrieden mit allen was vorgestellt wurde und Google ist Apple damit erneut Jahre voraus. Ich freue mich schob drauf, wenn ich endlich das Update auf 5.0 bekomme, egal was ein parteiischer Redakteur dazu sagt.
2. ähm...
Bazon_B 26.06.2014
Google arbeitete schon vor IOS7 mit flachen Designs. Der zeitliche Zusammenhang ist wohl eher umgekehrt. Unabhängig davon sind beide Mobil-Betriebssysteme nicht das Gelbe vom Ei,da sie den Nutzer zu stark bevormunden ("...ich schließ Dir mal Deinen Browser, brauchst Du bestimmt nicht mehr in der nächsten Zeit...") und zu sehr auf eine ständige online-Verbindung ausgerichtet sind.
3. Was hat eigentlich Facebook mit Google zu tun?
tom_k0305 26.06.2014
Als Fachmann habe ich festgestellt, dass auf meinem Android 2.3.x, das vorinstallierte Facebook-App nicht mehr deinstalliert werden kann. Daher frage ich Google, warum ein Datenschnüffler, dem anderen Konkurrentenschnüffler dieses Vorgehen erlaubt? Wenn diese Schnüfflerseuche mit Googles Android auf alles im Leben verteilt wird, dann viel Spaß liebe Leute. Ich kann darauf verzichten. Schöne Grüße Tom_K
4. Nun Ja
mimas101 26.06.2014
an meinen SmartTV (teuer aber dafür ist dieses Smart-Feature schlicht unbrauchbar und vorgebliche Bugfixings gibt es nur gegen den Kauf eines neuen TVs) hängt jetzt ein Gehäuse in dem HTPC-Technik steckt, Motherboard, Festplatte und DVD-Laufwerk inklusive. OS natürlich Linux samt einem Media-Center von einer USB-Speicherkarte, Anschluß via HDMI. (Idee, Konzept blablabla by me, Nachahmer werden zur Kasse gebeten). Aufzeichnungen gibt es auch - gratis, ohne DRM-Zwänge und Rück- oder Vorspulsperren weil wieder mal Marktmodelle... Da muß ich mich wirklich nicht mehr von irgendwelchen Marktmodellchen gängeln und ausspionieren lassen, Cloud-Verkäufe und geschlossene Pay-TV-Shops / App-Shops inklusive. Will ein Sender oder Internet-Anbieter mit meinem Equipment nicht harmonieren dann bleibt er außen vor und taugt demnach auch nix. Ich befürchte diese Lektion wird google, immerhin eine US-Firma die dem US-Recht und den US-Rendite-Erwartungen der US-Multimedia-Industrie unterliegt, auch noch lernen müssen. Und wie eilfertig google sein kann sieht man an deren Chrome-Browser wo diverse AddOns (z.B. Clip-Downloader-AddOns für Video-Portale pp) kategorisch bekämpft werden bzw überhaupt nicht verfügbar sind.
5. Neue Spielereien, aber grundlegende Funktionen fehlen
tangoman 26.06.2014
Anstatt optische Spielereien vorzunehmen, sollte Google endlich ein vernünftiges System implementieren, mit dem man die Rechte verwalten kann. Dass in der jetzigen Version sogar die Möglichkeit heraus genommen wurde, Apps über eine versteckte Funktion in ihren Zugriffsrechten zu beschneiden, ist vollständig unsinnig. Wie gesagt, anstatt Klickibunti wäre eine funktionierende Rechteverwaltung, inklusive der Möglichkeit installierten Apps nachträglich ihre Zugriffsrechten zu beschneiden, wesentlich sinnvoller gewesen.
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Stichwort: Cloud Computing
Prinzip
Das Endgerät ist beim Cloud Computing nur ein Fenster auf einen stets aktuellen Datenbestand. Wer am Rechner einen Termin einträgt, sieht ihn später auch beim Blick in den Handy-Kalender, wer mobil einen Kontakt einträgt, kann ihn später am PC abrufen - immer nur online, versteht sich. Das Gleiche gilt für Adressbücher, E-Mails, online abgelegte Fotos, Dokumente und so weiter.
Anbieter
Viele Anbieter versuchen derzeit, sich als erste Adresse für den Zugang zur Datenwolke zu positionieren. Dazu gehören beispielsweise Google, Microsoft, der Hardware-Hersteller Apple mit MobileMe und der Handy-Produzent Nokia mit seinem Dienst Ovi. Auch Vodafone will künftig stärker auf Netzdienste setzen.
Business-Funktionen
Für Unternehmen hat Cloud Computing eine weitere Bedeutung: Sie können rechen- oder datenintensive Aufgaben an Datenzentren auslagern, gewissermaßen Rechner - oder Speicherkapazität in der Wolke nach Bedarf für bestimmte Aufgaben anmieten. Vorreiter ist hier Amazon mit seinen Web Services (AWS), etwa dem Speicherdienst S3. Es gibt aber auch zahlreiche andere Anbieter, etwa die Plattform Force.com von Salesforce.

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Der Online-Speicherdienst Dropbox synchronisiert automatisch Dateien und Ordner zwischen Computern, außerdem kann über ein Webinterface und eine App auf die eigenen Daten zugegriffen werden. Auch die eigene Musiksammlung lässt sich in den Webspeicher verlegen - und auf das iPhone streamen.
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